Vergleich zwischen der gekürzten neuen deutschen DVD von Schröder Media und der ungekürzten alten deutschen DVD von MIG
Das Master der gekürzten Fassung enthielt etliche Vorlagenfehler, diese wurden im Schnittbericht der Übersichtlichkeit halber nur bei einer Dauer von mehr als 0,5 sec erwähnt.
Bei dem Namen Godfrey Ho dürften sich vielen schon die Nackenhaare aufstellen. Im Gegensatz zu seinen 80er/90er-Verbrechen haben wir es bei diesem Kung-Fu-Schinken aus den 70ern aber mit einem handwerklich noch ganz akzeptablem Klopper zu tun. Massenware der damaligen Zeit, aber wegen vielen bekannten Gesichtern (hier natürlich vor allem John Liu und Bruce-Klon Dragon Lee in den Hauptrollen, letzterer sorgte dann wohl auch für den Titel) für Genre-Fans durchaus ein akzeptabler kleiner Snack. Unabhängig davon erkennt man aber auch schon hier die Markenzeichen des Schund-Regisseurs: Die Handlung ist simpel und gleichzeitig konzeptlos/undurchsichtig und der Soundtrack wurde aus allerlei Quellen zusammengeklaut (u.a. hört man öfter mal Stücke aus Dawn of the Dead).
Der Film erschien auf VHS nur gekürzt und wurde im Rahmen der ersten DVD-VÖ von MIG sofort ungekürzt mit Untertiteln für die fehlenden Dialogszenen veröffentlicht. Bei der am 08.11.2012 veröffentlichten "Fists of Death"-DVD-Box von Schröder Media hingegen ist wieder nur die gekürzte alte Fassung enthalten. Das Master sieht deutlich besser aus (trotz all den Verschmutzungen und der geringen Bitrate sieht man mehr Details, natürlichere Farben und vor allem unten sowie rechts mehr Bildinformationen, zudem wurde nur die gekürzte Fassung anamorph abgetastet), aber es fehlen halt leider rund 13 Minuten. Die Laufzeitdifferenz fällt größer aus als die tatsächliche Differenz, weil die ungekürzte alte DVD in NTSC-Geschwindigkeit läuft. Unter den Schnitten gibt es auch mehrere Dialoge, die synchronisiert vorlagen bzw aufgrund der schlecht erhaltenen Vorlage zusätzlich unter den Tisch fielen. Dies macht eine genaue Empfehlung schwierig: Die fehlenden Szenen sind fast alle absolut nicht der Rede wert und aufgrund der besseren Qualität könnte man deshalb sogar tatsächlich die gekürzte Fassung empfehlen. Eben jene unschönen Sprünge und zusätzlichen Fehlmomente verderben den Sehgenuss jedoch leider ein wenig - und sind auch der Grund, warum auf eine genaue Angabe der Schnittdauer/-menge verzichtet wurde. Was dann noch verärgert ist ein langer Eingriff beim Endkampf zwischen Philip Ko und John Liu. Kein Zensurhintergrund, sondern hier wollte man wohl wirklich einfach nur etwas straffen...bei einem nur auf solche Szenen ausgerichteten Film natürlich denkbar ungünstig.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde die gekürzte Fassung so auch in beispielsweise Großbritannien veröffentlicht (neben der ungekürzten Fassung, die auf der neueren DVD erschienen ist). Die nach korrekter NTSC-PAL-Umwandlung passende Laufzeit und die englischen Credits sprechen dafür, dass es sich hier um eine "offizielle" Exportfassung handelt. Es ist natürlich möglich, dass ein Großteil der mutmaßlichen Vorlagenfehler rein auf die Kappe des hier vorliegenden deutschen Masters gehen.
Laufzeitangaben sind nach dem Schema
Neue deutsche DVD in PAL-Geschwindigkeit / Alte deutsche DVD in NTSC-Geschwindigkeit angeordnet
Dank geht an azog, der die alte deutsche DVD zur Verfügung gestellt hat!
Gleich die ersten Sekunden fehlen, wodurch der Film auf der neuen deutschen DVD abrupt mitten im Satz beginnt.
"Als die Mandschus China erobert hatten, wurden die (letzten Widerstandsnester, die Klöster der Shaolin...)"
4,2 sec
Die folgende Sequenz hat aufgrund des unterschiedlichen Masters andere Credits.
Neue deutsche DVD
Alte deutsche DVD
06:24 / 06:45-06:49
Filmriss bei der neuen DVD: Der Kerl ist eigentlich länger zu sehen und die Folgeaufnahme vom Kampf gegen Bolo Yeung beginnt deutlich früher.
So wurde erneut ein eigentlich vollständig vorliegender Synchro-Satz einfach mittendrin abgehackt - und läuft trotzdem noch asynchron bzw z.T. über der Folgeeinstellung.
"(Meinst du dich mit dem Gorilla? Du bist doch nur) ein Meerschweinchen!"
3,8 sec
10:05 / 10:40-11:50
Der Straßenhändler verkauft etwas an eine ältere Frau. Ihr Mann wünscht sich ein Baby und die Windmühle soll ihr dabei Glück bringen.
Als sie davongeht, stößt sie mit einem Kerl zusammen und es kommt zu einem kleinen Wortgefecht, in dem sie u.a. als "alte Schachtel" beleidigt wird.
67,8 sec
16:35 / 18:37-18:53
Nachdem sich Dragon Lee und Tino Wong vereinigt haben, beginnt die Folgeszene ein paar unbedeutende Einstellungen früher.
16 sec
16:57 / 19:16
Masterfehler (Jumpcut) mitten in einer Einstellung.
0,6 sec
17:25 / 19:46-19:47
Dito.
1,3 sec
17:32 / 19:54-20:04
Noch etwas Dialog.
Der Kerl meint (synchronisiert): "Mit euren dreckigen Geschäften will ich nichts mehr zu tun haben, Chang!"
Philip Ko erwidert "Würde ich mir überlegen..." und greift zur Sanduhr.
9,6 sec
25:02 / 27:55-30:00
Nachdem John die Stelle bekommen hat, fehlt eine komplette "Handlungs"szene (sprich: alberne, völlig unwichtige Comedy-Einlage), in der zwei Arbeiter darum spielen, wer sich beim Onkel für die schlechte Ernte zu verantworten hat. Der aus diversen Jackie Chan-Filmen bekannte Dicke hat am Ende das Nachsehen - allerdings taucht auch noch der Onkel selbst auf, sodass der Andere wohl auch nicht ungeschoren davon kommt.
Zu Beginn der Folgeaufnahme vom trainierenden Dragon Lee gibts zudem gleich einen saftigen Jumpcut, durch den 1,5 sec mittendrin verloren gehen.
120,9 sec
28:12 / 33:20-34:05
Nachdem sich Dragon und Tino wieder duelliert haben, beginnt das Gespräch zwischen dem Eunuchen den westlichen Geschäftsleuten früher. Er will einen größeren Anteil für das Geschäft mit den Antiquitäten.
43,2 sec
32:52 / 38:56-38:57
Mal wieder ein grober Jumpcut inmitten einer Einstellung.
0,9 sec
32:57 / 39:02-39:42
Die Unterhaltung geht (im O-Ton) noch weiter. Philip Ko meint, dass er schon bald unbesiegbar sein werde, drückt aber auch seine Bewunderung für Tinos Kampfkünste aus.
38,2 sec
32:58 / 39:43-41:31
Man sieht den Eunuchen-Meister länger, dann spielen die beiden trotteligen Kerle aus dem vorigen Schnitt wieder um ihre Aufgaben - erneut nur im O-Ton. Diesmal wird blind eine Münze geworfen.
Tino Wong kommt dazu und die Beiden sind etwas eingeschüchtert, nach ein paar neckenden Kommentaren geht er mit ihnen davon, um ein Spiel zu spielen.
(Dies erklärt auch, wie es zu dem Untertassenwerfen-Spiel in der folgenden, wieder enthaltenen Szene gekommen ist.)
103,2 sec
34:43 / 43:21-44:21
Nachdem der Eunuch gemeint hat, dass es ihm vielleicht um etwas Anderes gehen würde, folgt zusätzlicher Dialog (im O-Ton).
Sie sprechen wieder über Tinos Kampfkünste und meinen, dass er keine Chance haben werde. John meint dann noch, dass er sich hier schon wie zu Hause fühlen würde und dass man manchmal eben seine Heimat hinter sich lassen müsste.
57,7 sec
38:27 / 48:15-48:17
Jumpcut: Dragon darf länger durch den Garten schleichen.
2,2 sec
40:40 / 50:36-50:39
Ende/Anfang zweier Einstellungen gehen verloren...nur der Ton wurde nicht richtig mitverschoben.
2,9 sec
40:48 / 50:47-50:51
Dragon und das Mädel sind deutlich früher zu sehen.
3,4 sec
46:41 / 56:59-57:01
Filmriss mitten in einer Einstellung.
2,1 sec
47:49 / 58:13-58:44
Tino und der Drunken Master sprechen noch ein wenig, nachdem ersterer zu Boden gegangen ist.
Tino spricht die herausragende Beintechnik seines Gegners an und der Drunken Master meint, er müsste erst mal seine Augen trainieren, bevor er auch jene Techniken erlernen kann.
29 sec
51:35 / 62:39-62:41
Filmriss mitten in einer Einstellung.
1,4 sec
51:37 / 62:43-62:44
Kurz darauf noch einer.
1,4 sec
51:43 / 62:50-62:53
Dito.
2,4 sec
51:59 / 63:09-63:11
Dito.
1,2 sec
55:11 / 66:32-67:18
Es dauert länger bis John dazu kommt. Die Westerner meinen, dass sie sich die Wartezeit auf das Schiff mit den Schmugglerwaren noch mit Blondinen vertreiben wollen. Daraufhin müssen sie den Chinesen erst erklären, was Blondinen sind (Frauen mit goldenem Haar, die Kung-Fu im Bett können...).
44,7 sec
55:30 / 67:38-68:03
Mehr Dialog zwischen John und den Leuten.
John erklärt, dass er nicht im Auftrag der Win-Familie hier sei, sondern nur den Antiquitäten-Schmuggel untersuchen wollte. Jetzt wüsste er, wer dahinter steckt.
23,8 sec
69:07 / 82:16-84:24
Angefangen damit, dass man Dragon deutlich länger sieht, fehlt hier leider ein riesiges Stück vom Kampf zwischen Philip und John. Beide teilen dabei aus und stecken ein bzw man kann kein klares Muster erkennen - einfach einige ganz nett choreographierte Schlagabtäusche, die warum auch immer (wollte man wirklich ausgerechnet einen Kung-Fu-Film an dieser Stelle etwas straffen?) unter den Tisch fielen.
122,4 sec
Die "The End"-Einblendung erscheint bei der alten DVD mit der ungekürzten Fassung über der letzten Einstellung, bei der neuen DVD danach auf rotem Grund.
Neue deutsche DVD
Alte deutsche DVD
Gekürzte deutsche VHS:
Ungekürzte alte deutsche DVD:
(Scans von ofdb.de)
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Mir fällt gerade Bruce Baron, Star einiger Godfrey-Ho-Filme ein, der Ho und Produzent Joseph Lai mal "Whore & Lie" nannte.
Die Machwerke können aber ganz amüsant sein, wenn man auf Ultra-Trash steht.
Abartig so was! Nicht nur wegen der Schnippelei sondern auch, dass sowas mal gedreht wurde. Furchtbare Hackfressen und alles nur ganz simple Amateure... Einfach nur Abartig. Bruce Lee würde sich im Grabe umdrehen...
Nur weil einige Schauspieler hier Bruce Lee imitieren (was manchmal auch nur am deutschen Verleih liegt, da man die Filme entsprechend benannte), sollte man nicht gleich von Hackfressen oder Amateuren sprechen. Viele dieser "Hackfressen" waren athletisch und kämpferisch ebenso gut ausgebildet wie Bruce Lee selbst - oft sogar besser. Nehmen wir mal Akteure wie John Liu, Philip Ko, Ti Lung, David Chiang oder Alexander Fu Sheng. Jeder von denen war ein Spitzenathlet.
@ Eisenherz Als Hardcore Eastern Fan weiß ich ziemlich genau, was Ti Lung, Fu Sheng und David Chiang drauf hatten. Aber Fakt ist wohl auch, dass die auch nie wirklich groß mit Godfrey Ho gearbeitet haben und auch die MItwirkung in dem "Film" eher durch Verwendung von abgefallen Abfall-Schnippelein und eher Gewinnsucht entstanden ist, genau wie Lees Aufnahmen auch. Und Philip Ko und John Liu haben nie wirklich Hauptrollen in Hong Kong Klassikern gespielt. Oder will mir ernsthaft jemand erzählen, dass Ko nur weil er in "7 Men Army" mit Chang Cheh drehen durfte, ein Star war? Oder weil Liu Nebenrollen in diversen Jackie Chan Filmen hatte? ne ne...
Und mit Hackfressen bezog ich mich eher auf die immer wieder auftauchenden Charaktere,die in Nebenrollen immer nur Trottel, Kellner, Zuhälter etc spielten. Rollen die sie auch in diversen Lee Filmen schon spielten. Aber ok, es war wohl legitim mit sowas sein Geld zu verdienen.
Ach ja, Bolo Yeoung ist natürlich von jeglicher Kritik ausgenommen... :)
Stimmt schon, Godfrey Ho mit den Shaw Brothers zu vergleichen ist nicht unbedingt die beste Idee. Wenn man sich jedoch mal die Zeit vor seinen unsäglich-lustigen Ninjafilmen ansieht, so kommt man doch auf einige nette Werke. "Todesgrüße von Bruce Lee" ist davon mein Liebling. So einen Cast hat Ho sicherlich nicht alle Tage aufbieten können.
... hat nur den Nachteil, dass keine Ninjas mitspielen! xD
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