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Rosso - Die Farbe des Todes
OT: Profondo Rosso

Herstellungsland:Italien (1975)
Alternativtitel:Deep Red
Genre:Horror
Thriller
Mystery


Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,20 (31 Stimmen) Details


Inhalt: Während eines Parapsychologiekongresses spürt eine telepathisch begabte Tagungsteilnehmerin die Anwesenheit eines psychisch kranken Mörders. Noch ehe sie der Polizei genaue Hinweise mitteilen kann, wird sie in ihrer Wohnung brutal ermordet. Ihr Nachbar, ... [mehr]

Reviews
1. 15.06.2012 18:20 Uhr - cecil b
2x

User-Level von cecil b 12
Erfahrungspunkte von cecil b 2.048
Viele Regisseure, unter anderen Tarantino, Clive Barker, John Landis und John Carpenter nennen Profondo Rosso einen der wichtigsten Schlüsselfilme des modernen Horrorkinos. Zurecht. Der Film ist allerdings nicht so bekannt wie Klassiker alla Der Exorcist, Halloween und Co. Der Film ist für die breite Masse einfach zu ungewöhnlich.

Argento zeigt uns als erstes die Auflösung seines Horrorkrimis. Und trotzdem verrät er damit nichts ! Dann schickt er uns auf eine surreale Reise, auf der Suche nach der Antwort. Die Antwort darauf, was geschehen ist, und geschehen wird.Näher auf die Story einzugehen, ist bei diesen Film unnötig. Nach dem ungewöhnlichem Anfang zeigt Argentos Film uns esoterische, seltsame Szenen. Unser Stirnrunzeln wird kurz darauf mit viel Blut geglättet. Spätestens in diesem Moment scheiden sich die Geister. Die einen werden das Gesehene, als seltsamen hanebüchenen Kram abtun, die anderen werden Spaß daran haben, den Film zu entschlüsseln. Eines muss jedoch jedem klar sein. Argentos Stil ist einzigartig kunstvoll. Er benutzt seine Farben symbolisch, zitiert mit seiner herausragenden Kameraführung die italienische Architektur als Jugendstil und Expressionismus. Nicht umsonst sagten Kritiker, Argento habe das Zeitalter dieser Kunst ins Kino gebracht. Argento arbeitet in Profondo Rosso mit vielen Eindrücken. Die Figuren scheinen beispielhafte Eindrücke verschiedener Charakteren zu sein. Sie wirken irgendwie unecht. Somit könnte man kritisieren, Argento gebe keine Identifikationsfiguren. Seine Figuren sind dennoch interessant. Die von Argentos Exfrau Daria Nicolodi gespielte Figur ist für die damalige Zeit ungewöhnlich wild und kokett. Die Hauptfigur ist der typisch exzentrische Künstler. Irgendwie knistert die Luft zwischen den beiden irritierend. Nicht nur die Inszenierung und die Figuren sind schwer greifbar. Auch die Handlungsstränge werden schwer nachvollziehbar miteinander verknüpft. Es gibt einen roten Faden, der aber schwer zu finden ist. Neben rein künstlerisch interessanten Gruselszenen, gibt es auch einfache, aussagekräftige Szenen, die aber eher unterschwellig auftauchen. Argento deutet die Kritik an der Ausbeutung des kleinen Mannes an. Er kommentiert wie die konservative Italienische Gesellschaft mit Homosexuellen umgeht. Und er geht noch viel weiter. Er zeigt uns den Mörder, und wir sehen ihn nicht. Argentos Film ist wie ein Puzzle, oder ein Gemälde, in dem man immer wieder etwas neues entdecken kann.

Der Film fordert den Zuschauer sehr. Gerade im letzten Teil hat er dann Längen. Der eigenwillige Stil, und die unnötigen Längen im letzten Teil führen dazu, dass der Film nicht durchgängig mitreißt. Dieser psychodelische Horror ist aber wohl der kunstvollste und wichtigste Giallo aller Zeiten. Dass Giallotypische Prinzip des rachsüchtigen Traumas, erreicht mit Profondo Rosso seinen Höhepunkt. Nur für Fans alter Kunst- und Horror-filme. 9 Punkte Demented Foreeeever !

Demented Foreeeever !

Bewertung: 9/10

2. 14.04.2013 01:38 Uhr - Dissection78
2x

User-Level von Dissection78 9
Erfahrungspunkte von Dissection78 1.034
Während eines Parapsychologiekongresses spürt eine telepathisch begabte Tagungsteilnehmerin die Anwesenheit eines psychisch kranken Mörders. Noch ehe sie der Polizei genaue Hinweise mitteilen kann, wird sie in ihrer Wohnung brutal ermordet. Ihr Nachbar, der junge Komponist Marc, beobachtet die entsetzliche Tat. Als in der nächsten Nacht jemand versucht auf ihn einen Anschlag zu verüben, beginnt er selbst Nachforschungen anzustellen, doch jede Spur endet bei einem weiteren Mord... (Quelle: Laser Paradise)

Der Italiener Dario Argento drehte nach seiner Tier-Trilogie ("The Bird with the Crystal Plumage", 1970; "The Cat O' Nine Tails", 1971; "Four Flies on Grey Velvet", 1972) mit seinem "Rosso - Die Farbe des Todes" ("Profondo Rosso") 1975 ein stilprägendes Meisterwerk des Giallos.

Die Hauptrollen spielen der Engländer David Hemmings, welcher bereits 1966 in Michelangelo Antonionis Kunst-Thriller "Blow Up" einem vermeintlichen Verbrechen auf den Grund ging, und Argentos damalige Lebensgefährtin Daria Nicolodi, die später desöfteren in Filmen des Meisters besetzt wurde ("Inferno", "Tenebrae", "Phenomena", "Opera", "Mother of Tears"). Sie sind sympathisch und überzeugend, die Wortgefechte zwischen den beiden lassen Erinnerungen an Hollywood-Screwballkomödien aus den 30ern und 40ern aufkommen ohne jedoch deren spritzige Dialogbrillianz zu erreichen. Das ist aber nicht weiter schlimm, da das Hauptaugenmerk nicht darauf liegen sollte.

Argento zeigt bei der Dekorwahl und in der Musikuntermalung seine Meisterschaft und arbeitete immer wieder mit herausragenden Kameramännern zusammen (hier: Luigi Kuveiller, der einige Jahre später Lucio Fulcis "New York Ripper" fotografierte).
Der Regisseur versteht es (besonders in den Werken, die zwischen 1969 und 1990 entstanden), meisterhafte Bilder zu komponieren. Die Kamerafahrten sind beeindruckend, die Dekors teils minimalistisch, dann wieder von barocker Fülle, und eine kunstvolle Lichtführung verleihen den Werken eine Atmosphäre, die manchmal an alte expressionistische Stummfilme erinnert (obwohl Argento natürlich meist in schillerndsten Farben drehte). Dies ist hier nicht anders. In Argentos Welt werden Vorgänge nicht unbedingt in exaktem Realismus wiedergegeben, sondern sie dienen dazu, den Absturz in die Welt des Surrealen voranzutreiben. Man sieht brutale Begebenheiten, doch man bleibt immer Zuschauer, und die Brutalitäten werden von eben jenem Zuschauer als so schreckliche wie ästhetische Manipulationen eines Meisterregisseurs erfahren. Die Ausgangspunkte erinnern an Filme von Alfred Hitchcock, der ebenfalls gerne Menschen zeigte, die unschuldig in Extremsituationen hineingezogen werden.

Die oft spektakulär inszenierten Morde sind eine Attraktion des Films, doch kriminologische und investigative Aspekte der Krimihandlung bilden eine ebenso wichtige Komponente, selbst wenn das von Kritikern oft anders gesehen wird. Auch hier kommt ein wichtiges stilistisches Merkmal Argentos zum Zuge: Der Protagonist sieht etwas nur flüchtig und erkennt nicht den wahren Kern des Gesehenen und Geschehenen. Er ist Künstler (Musiker), und eine Spiegelung in der Wohnung eines Mordopfers ist ein Schlüsselhinweis, die weitere Nachforschungen des Hauptcharakters nach sich ziehen.

Ein weiteres wiederkehrendes Thema des Regisseurs ist die Kunst. Das sieht man zum Beispiel daran, wie die Bar, in der die Pianisten Marc und Carlo zusammen Klavier spielen, eingeführt wird. Diese Szene ist dem 1942 entstandenen Ölgemälde "Nighthawks" des Malers Edward Hopper nachempfunden. Argento setzt Architektur und Malerei in erster Linie ein, um die richtige Kulisse für seine suggestiven Alpträume zu schaffen. Oft ist Kunst nicht nur eine schöne Beigabe, sondern sie spielt ebenso eine wichtige Rolle bei der Verstärkung der Atmosphäre des Films.

Leider sind in vielen älteren Fassungen von "Profondo Rosso" Handlungsszenen herausgeschnitten worden (und damit ebenfalls Reminiszenzen an die bildende Kunst) - s. Schnittberichte von Eiskaltes Grab und Forrest.
"Die Exportfassung des Films lässt über 20 Minuten Handlung vermissen und wurde international auf VHS und DVD veröffentlicht. Auch die dt. FSK 18-VHS basiert auf der Exportfassung, wurde aber zusätzlich in Gewalt gekürzt." Hier fehlen über 23 Minuten.
"In den USA erschien zudem noch eine der Exportfassung ähnliche R-Rated-Fassung, welche auf der VHS von HBO Video enthalten ist. Die Schnitte sind teilweise identisch mit denen der Exportfassung. Insgesamt wurden hier jedoch noch 5 Minuten an weiteren Handlungsszenen entfernt und ein paar Gewaltszenen geschnitten. Obwohl insgesamt kürzer, enthält diese Fassung jedoch einige Szenen, die in der Exportfassung fehlen - darunter auch Gewaltszenen." In der R-Rated-Fassung fehlen also fast 26 Minuten gegenüber dem Director's Cut (Quelle: Eiskaltes Grab).
Die 2012 erschienene FSK-16-DVD bzw. -Blu-ray Disc von Infopictures/Ascot Elite ist um knapp 15 Sekunden gekürzt. (Quelle: Forrest)
Ungekürzt ist "Profondo Rosso" bei XT-Video erschienen.

Alternativtitel: "Deep Red", "Dripping Deep Red", "Profoundly Red", "The Deep Red Hatchet Murders", "The Hatchet Murders".

Kurzes und knappes Fazit: MEISTERWERK!


Bewertung: 10/10

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