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Amerikanische Pornodarstellerin gerät in Argentinien in die Fänge einer Rocker-Sekte...
"Dieser Film konnte nur in Südamerika gedreht werden, wo ein Menschenleben nicht viel zählt." - Ein Film für Freunde von Bahnhofskino-Schmuddelwerken.
Dabei ist die Entstehungs- und Vermarktungsgeschichte weitaus interessanter und unterhaltsamer als der Film an sich - der ist nämlich nur zusammengeschustertes Stückwerk.
"Big Snuff" besteht aus Szenen eines bereits 1971 in Argentinien für ca. 30.000 Dollar entstandenen Low-Budget-Machwerks. Weil dieser Film namens „The Slaughter“ allerdings extrem mies war und er in dieser Form nicht ins Kino gebracht werden konnte, wurde er unter Verschluss gehalten. Das Ehepaar Findlay (Roberta & Michael) kaufte die Rechte auf, synchronisierte neu, drehte die berüchtigte Schluss-Szene nach, benannte den Film von "Slaughter" in "Snuff" um und behauptete, die letzte Mordszene wäre echter Snuff.
Es gibt keinen Vor- und Abspann mit den Namensangaben der Crewmitglieder, und in mehreren Quellen gibt es ebenso viele Nennungen von Regisseuren - nämlich (neben den beiden Findlays): Horacio Fredriksson, Simon Nuchtern ("Silent Madness", "Savage Dawn"), Allan Shackleton und Porno-Filmer Carter Stevens, in dessen Studio die finale Sequenz verwirklicht wurde. Bei diesen Bedingungen fällt es natürlich schwer zu beurteilen, wieviel letztendlich welcher Regisseur zum Endergebnis beigetragen hat.
Dann wurden von den Machern, Ende '75/Anfang '76, reißerische Werbeslogans kreiert sowie Gruppen organisiert, die vor den Kinos gegen den Film protestierten, in denen "Snuff", der von der MPAA ein X-Rating erhalten hatte, gezeigt werden durfte, um so größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen. Als die Produzenten schließlich wegen Mordverdachts sogar vor Gericht gezerrt wurden, mussten sich die Darsteller (wie später auch bei "Cannibal Holocaust") dem Richter präsentieren, damit das Verfahren eingestellt werden konnte. Später stellte Co-Produzent Allan Shackleton dies alles als Marketinggag dar, doch die Legende vom echten Snuff-Film war geboren.
Als "Big Snuff" im Jahre 1979 vom A.B. Filmverleih in Deutschland in die Kinos kam, war die von der Juristenkommission der SPIO freigegebene Fassung in den Gewaltszenen anfangs vollkommen ungeschnitten. Der deutsche Filmverleih nahm nur einige Kürzungen von Handlungsszenen vor. Diese Fassung erschien dem Verleih nun aber zu kurz, und so schnitt man eine längere Szene aus dem Bikermovie "Wild Riders" von Richard Kanter ein. Diese Szene fügte sich mit neuer Synchronisation gut in den Film, da sie von der Thematik her passte.
"Big Snuff" wurde sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland ein großer Skandal. In der Werbung durch den deutschen Filmverleiher und (Sex-)Filmproduzenten Alois Brummer ("Dr. Fummel und seine Gespielinnen", "Graf Porno bläst zum Zapfenstreich", "Mei Hos is in Heidelberg geblieben") wurde sogar behauptet, dass das Werk "in allen Staaten der USA vom FBI gejagt" werde.
Als die "Bild"-Zeitung von dem Film erfuhr, nahm sie die Berichterstattung über "echte" Snuff-Filme auf, zu denen sie auch vorliegenden Film rechnete, und zitierte sogar einen "Kameramann" namens Rainer Witt, der behauptete, bei der angehängten Szene werde tatsächlich eine Frau getötet, es seien keine Trickaufnahmen und er habe Strafanzeige gegen den Verleih erstattet. Alois Brummer musste sich später vor einem deutschen Gericht verantworten. Alle Filmkopien wurden beschlagnahmt. Diese wurden aber wenige Tage später wieder freigegeben, nachdem die 5-minütige Schlussszene von allzu drastischen Brutalitäten gesäubert wurde. Diese gekürzte Fassung wurde in "American Cannibale" umgetauft, war aber nicht sonderlich erfolgreich. Obwohl es zur Zeit der Kinoaufführung bereits Videocassetten gab, schaffte "Big Snuff" es in Deutschland nicht auf VHS, später aber auf DVD.
In Großbritannien war "Big Snuff" unter den Titeln "Snuff" und "Slaughter" auf der berüchtigten Liste der Video-Nasties zu finden. 2003 wurde die ungeschnittene Fassung dort allerdings wieder freigegeben.
Und der ganze Aufwand für ein so lausiges wie langweiliges Grade-Z-Schmuddelmachwerk bestehend aus Schießereien, Nacktaufnahmen und Sexszenen sowie Folterungen, an dem so gut wie nix stimmig und alles billig ist - natürlich möglichst stümperhaft und dilettantisch inszeniert. Aber man muss sowas anscheinend einfach richtig verkaufen können, damit es von etwaigen Konsumenten angenommen wird.
Trotzdem ist die Story hinter dieser Produktion sehr interessant und selbst schon ein Stück (Exploitation-)Filmgeschichte.
Bewertung: 2/10
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