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Veröffentlicht am von The Undertaker

Wolfenstein (2009) - Beschlagnahme nach §131 StGB aufgehoben

Aktuell wurde nur ein Beschluss formell aufgehoben, daher bleibt es noch auf Liste B

Wolfenstein (2009) kam nur in zensierter Form auf den deutschen Markt. Alle Bezüge zum dritten Reich wurden entfernt und auch gewaltmäßig wurde das Game entschärft (Schnittbericht). So erhielt das Spiel dann von der USK "Keine Jugendfreigabe". Während einer kurzen Sequenz wurde allerdings ein Hakenkreuz übersehen, weshalb das Game komplett aus den deutschen Regalen zurückgerufen wurde.

Die Originalfassung landete Ende 2009 dann auf dem Index, die BPjM setzte sie auf Liste B. Nur wenig später gab es dann die Beschlagnahme und Einziehung wegen Gewaltverherrlichung (§131 StGB) und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§86a StGB). Es folgten noch weitere Indizierungen, 2013 und 2016 auch noch zwei Beschlagnahmen, diesmal allerdings nur nach §131 StGB.

Wie dem aktuellen JMS-Report zu entnehmen ist, wurde die Beschlagnahme von Wolfenstein aus dem Jahr 2016 am 05.04.2019 vom AG Frankenthal (Pfalz) aufgehoben. Die BPjM dürfte diese dann auch Ende Juni bekanntgeben. Aktuell ist noch unklar, ob die Gerichtsentscheidung auch Auswirkungen auf die im Jahr 2010 nach §86a ergangenen Beschlüsse hat, da das Spiel 2016 nur nach §131 StGB beschlagnahmt wurde. Sobald es neue Informationen gibt, werden wir darüber berichten.

Laut Jugendschutzgesetz und der Spruchpraxis der BPjM sollte Wolfenstein aber trotzdem auf Liste A umgetragen werden, da sie Inhalte nicht nach §86a StGB prüfen dürfen. Anders war der Fall im Dezember 2018 bei Wolfenstein 3D, der laut BPjM nach §86 StGB (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen) beschlagnahmt wurde.

UPDATE 13.06.2019:

Wie wir auf Nachfrage von der BPjM erfahren haben, wurde der Beschluss nur formell aufgehoben. Das bedeutet, dass das Spiel solange auf Liste B bleibt, bis der Aufhebungsbeschluss um materielle Gründe (also dass der Verstoß gegen §131 StGB vom Gericht ausgeschlossen wurde) ergänzt oder alle anderen Beschlüsse ebenfalls aufgehoben wurden.

Danke auch an Ragory für den Hinweis

Kommentare

11.06.2019 12:45 Uhr - Cryptkeeper78
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Sehr gut! Weiter so!

11.06.2019 12:52 Uhr - Rigolax
Die Aufhebung könnte übrigens auch aus formellen Gründen erfolgt sein, nicht aus materiellen. D. h. es ist möglich, dass es bei der Aufhebung gar nicht um § 131 StGB im engeren Sinne ging, dass das Gericht den Tatbestand nicht verneint hat.

11.06.2019 13:08 Uhr - Noxa
Ich finde es irgendwie fragwürdig das die USK die Sozialadäquanz nur auf sogenannte serious games anwendet. Wolfenstein 2 wurde ja nicht indiziert, und hat bis heute keine uncut Freigabe. Bei MKX hat es nach der BPjM Entscheidung ne Woche gedauert, dann hatte es die Freigabe.

Und was ich nicht so ganz verstehe warum nicht Wolfenstein 3D?

11.06.2019 13:10 Uhr - The Undertaker
1x
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11.06.2019 12:52 Uhr schrieb Rigolax
Die Aufhebung könnte übrigens auch aus formellen Gründen erfolgt sein, nicht aus materiellen. D. h. es ist möglich, dass es bei der Aufhebung gar nicht um § 131 StGB im engeren Sinne ging, dass das Gericht den Tatbestand nicht verneint hat.

Das stimmt, aber ich hoffe es sollte sich mittlerweile an alle in der Film/Spiele-Branche (Publisher, Anwälte etc) rumgesprochen haben, dass es formell nichts bringt sobald mehrere Beschlüsse vorliegen, wie in dem Fall hier. Da müsste man ja alle formell aufheben, einfacher ist es also einmal materiell zu machen. Ich hoffe also das Beste und dass die BPjM da in 2 Wochen die Umtragung aufführt :)

11.06.2019 13:08 Uhr schrieb Noxa
Und was ich nicht so ganz verstehe warum nicht Wolfenstein 3D?

Steht in der News, der wurde nach einem anderen § beschlagnahmt. Da ging es nicht nur um das Zeigen der Symbolik, sondern er wurde damals vor Gercht als Propagandamittel eingestuft. Bedeutet, erst muss die Beschlagnahme aufgehoben werden, dann kann auch das Game ggf. gestrichen werden.

11.06.2019 13:14 Uhr - Noxa
Genau deswegen. 131er spielt keine Rolle, das Problem ist der 86er. Und mit W3D hätten sie es klären können.

11.06.2019 14:28 Uhr - MissingLink
Hab das Spiel erst vor ein paar Wochen mal wieder durchgespielt. Kein Meisterwerk, aber macht dennoch sehr viel Spaß. Sehr schade, dass es so sehr in Vergessenheit geraten ist und man es nicht einmal mehr offiziell kaufen kann.

12.06.2019 07:20 Uhr - Lazer_Pistolero_198X
Keine Ahnung was das ganze formell oder informell bedeuten soll. Ich lese da nur, dass für ein Spiel eine menge Steuergelder herausgeblasen wurden und letztendlich kann man es für ein paar Euro aus UK bestellen. In deutschland sind einfach viel zu viele Behörden die zuviel Geld kosten und sich selbst zu wichtig nehmen.

12.06.2019 08:57 Uhr - The Undertaker
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12.06.2019 07:20 Uhr schrieb Lazer_Pistolero_198X
Keine Ahnung was das ganze formell oder informell bedeuten soll.

Formell heißt, der Beschluss wird einfach auf Antrag aufgehoben ohne dass der Richter den Film ansieht/Game spielt oder vorgespielt bekommt und ohne dass er begründet den Verstoß gegen §131 StGB o.a. ausschließt.

Materiell wäre das der Fall und das braucht die BPjM bei mehreren Beschlüssen um einen Titel streichen zu können. Oder man hebt alle Beschlüsse formell auf, geht auch, dürfte aber teurer und aufwändiger sein.

12.06.2019 11:03 Uhr - Oberstarzt
Ich denke, die Rehabilitierung könnte im Zusammenhang mit de Liberalisierung bzg. Verfassungsfeindlicher Symbole in Computerspielen liegen, die letztes Jahr beschlossen wurde:

https://www.zeit.de/digital/games/2018-08/videospiele-nazisymbole-hakenkreuze-erlaubt-kunst-gaming

Finde ich längst überfällig, ebenso wie die Aufhebung der Beschlagnahme von Wolfenstein.

13.06.2019 07:35 Uhr - SledgeNE
Zumindest die Zensur wurde im Trailer zu "Youngblood" zum Teil aufgehoben. Schon mal ein Anfang. ;-) Das Spiel von 2009 war jetzt kein Meisterwerk, aber man konnte es dennoch gut spielen.

13.06.2019 14:12 Uhr - The Undertaker
3x
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Update, leider tatsächlich nur formell aufgehoben worden. Mal sehen ob der Antragsteller da jetzt weitermacht

13.06.2019 15:49 Uhr - Rigolax
13.06.2019 14:12 Uhr schrieb The Undertaker
Update, leider tatsächlich nur formell aufgehoben worden. Mal sehen ob der Antragsteller da jetzt weitermacht


Hmm, interessant. Danke für die Recherche. Damit ist die Aufhebung der Beschlagnahme ja recht witzlos eigentlich, aber dennoch kurios, denn irgendwas/irgendwer muss die ja veranlasst haben; wobei ich mir nicht sicher bin, ob das zwingend von einem Rechteinhaber ausgegangen ist, so könnte doch auch das Gericht oder eine Staatsanwaltschaft von sich aus tätig geworden sein?

13.06.2019 18:16 Uhr - kroenen77
Wusste garnicht,dass das je beschlagnahmt wurde.War aber ein sehr gutes Wolfenstein wenn ich mich recht erinnere.:)

13.06.2019 20:22 Uhr - Rigolax
2x
13.06.2019 18:16 Uhr schrieb kroenen77
Wusste garnicht,dass das je beschlagnahmt wurde.War aber ein sehr gutes Wolfenstein wenn ich mich recht erinnere.:)


Nicht nur das, die Beschlagnahme 2010 durch das Amtsgericht Detmold ist wohl eine der fragwürdigsten Anordnungen eines deutschen Gerichts in Bezug auf Unterhaltungsmedien und § 131 StGB (und ferner § 86a StGB) überhaupt. Die Begründung erweckt gar den Eindruck, dass das Gericht Wolfenstein für Nazi-Propaganda gehalten hat, durch die Art und Weise, wie es schlicht NS-Symbole aufzählt. Dass diese in einem anti-nationalsozialistischem Kontext verwendet werden, fällt vollständig unter dem Tisch, wurde vielleicht gar nicht erkannt. Auch werden lediglich Gewaltdarstellungen aufgezählt und nicht, wie es zur Verfassungsmäßigkeit von § 131 StGB notwendig wäre, näher begründet, warum diese jetzt eigentlich "gewaltverherrlichend" oder "-verharmlosend" sein sollen. Eine Kunstabwägung fehlt ebenso völlig. Man muss so weit gehen und feststellen, dass der Beschluss nie verfassungsgemäß war, eigentlich nie gültig. Der ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt wurde.

Wer sich das ganze Teil ansehen will: https://openjur.de/u/760419.html und hier noch 2 Seiten, die das wortgleich hosten, falls man sich fragt, ob das wirklich alles war/ist: https://ogdb.eu/index.php?section=article&articleid=332 und https://vdvc.de/wiki/Beschluss:_Wolfenstein

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