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dicker Hund
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XP 1.612
Eintrag: 13.11.2017

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Der Satan mit den langen Wimpern

Bad Taste

Herstellungsland:Neuseeland (1987)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Komödie, Science-Fiction,
Splatter, Trash

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,42 (160 Stimmen) Details
inhalt:
Außerirdische auf Nahrungssuche stellen fest, dass Menschenfleisch exakt ihren Bedürfnissen entspricht, und eröffnen einen extraterrestrischen Schnellimbiss irgendwo in der Provinz von Neuseeland. Ein Geheimdienstkommando im Auftrag ihrer Majestät, der Königin des Commonwealth, reist aus dem fernen Wellington herbei und muss feststellen, dass die Invasoren bereits ganze Arbeit geleistet haben. Gemeinsam mit den kümmerlichen Resten der Zivilbevölkerung geht man zum Gegenangriff über.
eine kritik von dicker hund:

"Bad Taste" ist das Langfilmdebüt von Peter Jackson, dessen Karriere über "Braindead" zu den Tolkien-Umsetzungen führen sollte, die wohl so ziemlich jeder kennt. Im Entstehungsjahr 1987 waren noch Amateur-übliche Produktionsbedingungen zu meistern. Im Gegenzug entstand hierdurch die umfassende künstlerische Freiheit, um einen extremen Fun-Splatter zu drehen.

Dieser ist durchzogen von mehr oder weniger harmlosem Slapstick, derben Zoten und abgedrehten Figuren (Humor 9/10). Die Schauspieler in so manch einem neueren, ironisch angehauchten Werk wirken im Vergleich zu den durchgeknallten Overacting-Superlativen hier wie verkrampfte Schülertheaterakteure bei der Krippenszene einer Weihnachtsaufführung. Es handelt sich bei den Darstellern samt und sonders um Kumpels des neuseeländischen Nerds, die mit ungebremster Freude an die Arbeit gehen und noch nicht die leiseste Idee davon haben, mit welchem Hoffnungsträger sie da zusammenwirken. Die Geschichte ist vollkommen absurd und versucht gar nicht erst schlüssig zu sein. Vielmehr dient sie als Abschussvorrichtung für ein ganzes Feuerwerk kruder Ideen und vorzüglicher Gore-Effekte. Wie es sich für das Subgenre gehört, schöpfen letztere aus den Vollen. Da fliegt Gehirnmasse, Folter macht anscheinend Freude, Explosionen füllen sich mit roter Farbe, Gliedmaßen bleiben nicht dort, wo sie hingehören, und die Kettensäge enthält den wahrscheinlich ausgiebigsten Einsatz der Filmgeschichte. 

Zur Mitte hin übernimmt "Bad Taste" Motive aus zeitgenössischen Actionflicks, was weniger gut funktioniert. Zum Einen entsteht in diesem Abschnitt eine Durststrecke für die blutigen Schauwerte, die auf einmal zurückgefahren werden - glücklicherweise nur, um später wie Phönix aus der Asche wieder emporzusteigen (Gewalt 9/10). Zum Anderen erweisen sich die Shootouts angesichts des geringen Budgets als wenig spektakulär, wobei insbesondere die Choreografie nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Dadurch entsteht ein billiger Look, der nur von den reichlich miesen Alien-Masken noch getoppt wird. Besonders verwunderlich ist dies angesichts der Startposition der Dreharbeiten nicht. Viel erstaunlicher kommt dem Zuschauer, der Kenntnis von ihnen hat, die Professionalität vor, die in zahlreichen anderen Bereichen zu erkennen ist.

So bleiben die Texte der Charaktere durchweg unterhaltsam und bedacht ausgeschrieben, inklusive der zynisch-empathiefreien Kommentierungen der mannigfaltigen Ableben. Der Score gibt sich unbekümmert fröhlich und hört sich zugleich gerne einmal wie eine Satire der bekanntesten Slasher-Untermalungen an. Noch dazu gefällt das lediglich in einer kleinen Ortschaft gelegene Set mit schwindelerregenden Perspektiven entlang einer steilen, steinigen Küste, die keineswegs selbstzweckhaft bleiben. Nicht zuletzt hat Jackson im Blick behalten, bei allem Spaß noch einige Ekelelemente und rohe Einschübe zu liefern, die für wirkungsvollen Horror (6/10) an ausgewählten Punkten sorgen. Nicht einmal der Umstand, dass manche Verletzungen, die in der Realität tödlich wären, im Universum der bösen Aliens selbst für "The Boys" lediglich unangenehm sein können, weiß den Schockgrad vollends zu dämpfen.

Dadurch mausert sich diese Trashgranate zu einer großen Filmperle (8/10 Punkten). Wie bereits der Titel suggeriert, dürfte "Bad Taste" nicht jedermanns Geschmack sein, was wörtlich zu nehmen ist, denn während der gesamten Laufzeit ist keine einzige Frau vor der Kamera. Wenig irritierend erscheint es da, dass sexuelle Themen überhaupt keine Rolle spielen (Sex 1/10). Mehr Bedeutung hat leider die Zensurhistorie, denn der Titel ist indiziert, so dass mal wieder zahlreiche Fassungen mit typisch deutschen Eingriffen kursieren. Dafür gibt es in der germanischen Sprachausgabe gleich zwei Synchronisationen: Eine zweckmäßig-angemessene, die sich verhältnismäßig gut hören lässt, und eine alternative Comedy-Synchro, die den Film noch abgefahrener macht, allerdings nur mit erhöhter Konzentration verständlich ist.

8/10
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Kommentare

13.11.2017 08:38 Uhr - naSum
2x
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Deine Bad-Review Reihe weiß zu begeistern und liest sich wiedermal sprachlich verspielt und bissig treffend.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, diesen Karrierestart noch nicht gesehen zu haben, obgleich ich es stets vorhatte. Den bösen Lieutenant habe ich jedoch jüngst mit Genuss nachgeholt.

13.11.2017 09:15 Uhr - DriesVanHegen
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Dramatischerweise ist mir Peter Jackson erst durch seine fulminante HdR-Trilogie ein Begriff geworden. Als ich aber herausfand, mit welchen Werken sich der Knabe seine Frühzeit vertrieben hat, war ich doch glatt hellhörig. Und so kam es, dass BAD TASTE wohl meinen ersten reinrassigen Splatterfilm aus dem Amateurbereich darstellt.
Und ich muss sagen: was für ein Wahnsinnsgaudi!
So verdammt lustig, so verdammt unkorrekt, so verdammt einfach und einfallsreich und so verdammt blutrünstig, dass es eine wahre Freude war. Ein Hoch auf Jacksons BAD TASTE, MEET THE FEEBLES und natürlich seinem Meisterstück BRAINDEAD. Zum Niederknien .o.

13.11.2017 09:27 Uhr - Intofilms
2x
Der Filmtitel ist hier wirklich Programm: Gnadenlos schrille bad taste comedy und was für ein fulminantes Debüt! "Braindead" gefällt mir zwar noch etwas besser (der ist irgendwie auch viel bekannter, kann das sein?). Aber "Bad Taste" ist natürlich auch ein richtig geiles Brett (9/10 meinerseits).
Bei mir hat's übrigens (auch?) etwas länger gedauert, bis ich wirklich begriffen hatte, dass der "HdR"-Peter Jackson wirklich DER Peter Jackson ist... :-)

Rezi: Hervorragender Eindruck vom Film, ganz tolle Formulierungen und sehr vergnüglich! :D

13.11.2017 10:34 Uhr - sonyericssohn
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Da bleibt nur noch eins zu sagen:
Mäh...kabumm!!!! :-)

Astrein!

13.11.2017 11:06 Uhr - NoCutsPlease
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Faire und freudige Besprechung dieses durchgeknallten Jackson-Frühwerkes, das zu Recht zum Kultstreifen wurde.
Von mir gibt es 9/10 Steilküsten für den Film.

13.11.2017 15:19 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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Bei mir war es eher ein Erstaunen das ausgerechnet Jackson die Herr der Ringe machen sollte, da ich mit diesem Werk hier in geselliger Runde damals mehr oder minder über ihn stolperte und Braindead im Kino erlebte, nicht ohne ordentlichen Lachkrampf.

Aber Review mal wieder brav von meinem virtuellen Lieblings - Wuffi!!

13.11.2017 18:56 Uhr - Horace Pinker
2x
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Tolle Rezension, die inhaltlich, stilistisch und wertungstechnisch keinerlei Wünsche offen lässt und dazu wie immer eine Menge Lesespaß beschert..Von mir würde Bad Taste noch ein Pünktchen mehr bekommen, da mich die Mischung aus (besonders angesichts des winzigen Budgets) überraschend guten Effekten, viel Witz und einer guten Portion Action sofort überzeugen konnte.

13.11.2017 18:56 Uhr - Horace Pinker
4x
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13.11.2017 20:15 Uhr - dicker Hund
4x
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Besten Dank für die umfangreiche Resonanz, von HP sogar doppelt. (Ist das eigentlich irgendwem noch nicht passiert?)

14.11.2017 13:36 Uhr - Ghostfacelooker
2x
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13.11.2017 20:15 Uhr schrieb dicker Hund
Besten Dank für die umfangreiche Resonanz, von HP sogar doppelt. (Ist das eigentlich irgendwem noch nicht passiert?)


Ja mir!

14.11.2017 13:36 Uhr - Ghostfacelooker
2x
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13.11.2017 20:15 Uhr schrieb dicker Hund
Besten Dank für die umfangreiche Resonanz, von HP sogar doppelt. (Ist das eigentlich irgendwem noch nicht passiert?)


Und mir auch^^^^

15.11.2017 17:02 Uhr - Mr.Tourette
2x
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Ja, was für ein Spazz der Film war. Allein diese herzhafte Schüsselszene, ein Fest der Sinne möchte ich meinen!

Spitzenreview, Hut für Hund ab!

21.11.2017 17:41 Uhr - onkeldan
1x
Wie immer fantastisches review (wie nicht anders zu erwarten vom Herrn hund) von dem mM nach noch immer bestem peter jackson film.was er da in vier Jahren mit viel Herzblut und Kreativität auf die Beine gestellt hat ist ganz grosses kino.kann auch nur das Making of dazu empfehlen.

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