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Lake Bodom

Originaltitel: Bodom

Herstellungsland:Finnland, Estland (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,82 (11 Stimmen) Details
inhalt:
Schon einmal, im Jahr 1960, ist der finnische Bodom-See nahe Helsinki zum Schauplatz des grausamen Mordes an mehreren jungen Campern geworden. Über 50 Jahre später wollen ein paar Jugendliche das immer noch ungeklärte Geschehen rekonstruieren, werden vor Ort aber bald zum Opfer schleichenden Terrors, der bald schon sein erstes Opfer fordert. Was folgt, ist knüppelharter Survival-Horror in den finnischen Wäldern, der sich vor der Konkurrenz vom Crystal Lake nun wirklich nicht zu verstecken braucht.
eine kritik von leichenwurm:

Der Bodominjärvi  ist ein See im finnischen Espoo,  in der  Nähe von Helsinki. Seinen Namen verdankt der See dem angrenzenden Stadtteil Bodom. Im Jahr 1960 sorgte dieser See für internationale Schlagzeilen, denn es wurden mehrere Jugendliche, die dort campierten, von einem unbekannten Mann ermordet. Ein Überlebender wurde viele Jahre später selbst beschuldigt, die Morde begangen zu haben. Der Verdacht konnte aber nicht bestätigt werden, so dass der Angeklagte 2005 von den Vorwürfen freigesprochen wurde. Bis heute sind die Morde nicht aufgeklärt.  Sie bleiben mysteriös und sind zum Nährboden vieler Theorien und Legenden geworden. Ein Umstand, der sich in Finnland auch kulturell bemerkbar machen sollte, wie man z.B. an der finnischen Melodic-Death-Metal-Band „Children of Bodom“ erkennen kann, die sich aufgrund dieser ungeklärten Morde diesen Namen gegeben hat.

Warum ich hier über einen realen Mordfall schreibe? Nun, weil der hier besprochene „Lake Bodom“ auf eben diesen Gerüchten, Theorien und Legenden, die diesen mysteriösen Fall umwehen, basiert. Nun kann man die Frage stellen, ob es nicht etwas geschmacklos ist, einen, sich der Unterhaltung verschriebenen Genre-Film, auf diesen tatsächlichen, tragischen Ereignissen zu fußen. Es wird jedoch schnell klar, dass der Film den ursprünglichen Mordfall nicht exploitativ für sich ausschlachtet, sondern eher die morbide Faszination, die dieses Ereignis umgibt, als Aufhänger für eine eigene, rein fiktive Geschichte nutzt. Und die präsentiert sich zu Beginn als relativ genrekonformer Slasher.       

Über 50 Jahre, nachdem am „Lake Bodom“ mehrere Personen ermordet wurden, wollen ein paar Jugendliche, fasziniert von den mysteriösen Umständen des noch immer nicht aufgeklärten Verbrechens, den Tatort besichtigen. Dort angekommen dauert es nicht lang, und die vier werden Opfer unheimlicher Ereignisse… ! Bei dieser sehr vagen Inhaltsangabe belasse ich es mal, denn je weniger man hier über den Verlauf der Geschichte weiß desto besser.

Das Set-Up des Films wirkt also erst mal vertraut. Ein Ausflug zum Ort des Geschehens, also dem damaligen Tatort am Titelgebenden „Lake Bodom“ wird vorbereitet, wobei Figurenkonstellation, Dialoge und allgemeiner Storyverlauf in bekannten Genrebahnen ablaufen. Doch trotz aller Vertrautheit fühlt sich die ganze Nummer irgendwie „anders“ an. Das liegt zum einen an der obsessiven Begeisterung für die damaligen Morde, die eine Figur hier relativ offen auslebt und damit zumindest beim Zuschauer für Unbehagen sorgt. Die anderen Figuren scheint dieser Umstand wenig bis gar nicht zu stören, lassen sie sich gar relativ widerstandslos zu einer Re-Inszenierung der ursprünglichen Umstände vor den damaligen Morden überreden.

Und ab jetzt wird es wirklich schwierig überhaupt noch etwas zu dem Film zu schreiben, denn jedes weitere Wort an dieser Stelle würde schon zu möglichen Spoilern führen und den Unterhaltungswert des Films erheblich einschränken. Denn auch wenn „Lake Bodom“  auf den ersten Blick recht generisch wirkt, es steckt sehr viel mehr in diesem finnischen Slasher als es den Anschein hat…! Bevor ich euch also mit weiteren Details die möglicherweise anstehende Erstsichtung von „Lake Bodom“ vermiese, stürze ich mich lieber auf die restlichen Aspekte des Films.

Produktionstechnisch zeigt der sich nämlich von einer beinahe tadellosen Seite. „Lake Bodom“ sieht wirklich fantastisch gut aus. Allein der Schauplatz am Bodom-See ist für den Zuschauer ein raues Naturerlebnis. Aber  des Nachts, bei wirklich vortrefflicher Ausleuchtung und bedeckt von malerischen Nebelschwaden wird der See, und der ihn umgebende Wald, zu einem echten Hingucker. Die Kamera fängt atmosphärisch dichte Bilder ein und befindet sich stets in vortrefflicher Positionierung, um das sich hier entfaltende Slasher-Konstrukt zu bebildern.

Getragen wird der Film, neben der wirklich wunderschönen Kulisse, zu großen Teilen  von seinen vier Hauptdarsteller(n)/-innen. Dabei schaffen es alle vier in ihren jeweiligen Rollen zu glänzen. Großes Lob an dieser Stelle auch an das Drehbuch, das den Charakteren glaubhafte Dialoge in den Mund legt und sie sich, innerhalb eines cleveren Storykonstrukts, weiterentwickeln lässt. Inszeniert wurde der Film von Taneli Mustonen , der es schafft befremdliche Szenarien innerhalb einer oberflächlich  vertrauten Filmsituation zu kreieren.  Das ganze klappt sogar so gut, dass einige anfänglich fragwürdige Situationen oder  Entscheidungen der Figuren, im späteren Verlauf des Films in einem ganz anderen, unerwartetem Licht dastehen. Ganz große Klasse.

Brutal wird’s am „Lake Bodom“ dann selbstverständlich auch irgendwann, wobei man sich hier mit allzu drastischen Details zurückhält. Vielmehr ordnen sich die Gewaltakte konsequent der cleveren Story unter, wobei die ein oder andere fiese Spitze ihre Wirkung aber trotzdem nicht verfehlt.

Wirklich viel Negatives kann ich an dieser Stelle gar nicht berichten. Wenn ich einen Kritikpunkt äußern müsste, dann vielleicht, dass der Film im letzten Drittel etwas zu viele erklärende Rückblenden verwendet, die er in der ausgewalzten Form gar nicht nötig gehabt hätte, aber wirklich schlimm ist dieser Umstand keineswegs. Auf einen anderen kleinen Kritikpunkt meinerseits kann ich aus Spoilergründen nicht näher eingehen, aber auch dieser ist im Grunde zu vernachlässigen und beeinträchtig das sehr positive Gesamtbild nicht wirklich.

Ich kann gar nicht anders, als „Lake Bodom“ an dieser Stelle jedem aufgeschlossenen Slasher- und/oder Horrorfan zu empfehlen. Der Film ist ein wunderschön fotografierter, toll gespielter, mit fiesen Gewaltspitzen gespickter, wirklich clever konstruierter und mordsspannender Slasher-Thriller, der so vertraut anfängt und doch so ganz anders wird. Die ein, zwei Kritikpunkte meinerseits stören das positive Gesamtbild nur marginal, so dass sich „Lake Bodom“ seine 8,5 Punkte mehr als verdient hat. Klasse...  

8,5 Punkte

8/10
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Kommentare

17.10.2017 00:32 Uhr - Tom Cody
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Wow, toll geschriebene Kritik (die dankenswerterweise auch noch spoiler-frei ist) zu einem echten Geheimtipp.
Ich selber habe zwar damals den Trailer hier eingestellt, bin aber dann erst wieder durch eine ausführliche Berichterstattung in der "Deadline" auf diese kleine Genre-Perle aufmerksam geworden.
Mein Lieblings-Slasher aus dem hohen Norden (in dem Fall Norwegen) bleibt zwar Roar Uthaugs großartiger "Cold Prey", aber "Lake Bodom" ist auf jeden Fall eine Empfehlung.
Two thumbs up - einen für das Review, einen für den Film. ;-)

17.10.2017 00:39 Uhr - Ghostfacelooker
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Ein Film, an dem ich ohne dein TOLLES Review allein schon wegen dem Cover vorbeigeschrammt wäre- Danke LW

17.10.2017 07:20 Uhr - Intofilms
3x
Der war wirklich nur ganz kurz auf meinem Radar. Ich hatte da überhaupt keine großen Hoffnungen. Der Großteil des aktuellen Slasher-Outputs ist ja auch wirklich nicht sooo toll. Aber was ich hier lese, drängt mich jetzt doch ganz unwiderstehlich zu einer Sichtung! :)

Jaja, die unheimliche Natur... Ich find's immer schön, wenn gerade Genrestreifen dieses Potenzial instinktiv nutzen und die Natur so kurzerhand zur heimlichen Hauptdarstellerin aufsteigt. Dann kann in puncto Atmo schon fast gar nichts mehr schief gehen und der Horror kann sich schön wirkungsvoll entfalten. Die Natur als Spiegel der Gefühle ist wahrscheinlich der älteste Hut überhaupt. Ist das deshalb schlecht? Nein!

Deine Reviewreihe zum zeitgenössischen Slasher fällt bei mir unter die Rubrik 'Pflichtlektüre'. Und speziell diese Rezi ist dir absolut hervorragend gelungen. Ganz großes Dankeschön, leichenwurm! :)

17.10.2017 08:14 Uhr - NoCutsPlease
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Cool, da muss ich als Finnland-Fan natürlich zugreifen. Ich drücke mich ja selber auch gern an nordischen Seen herum.
Interessant beschrieben und ansprechend formuliert.

17.10.2017 08:23 Uhr - Knochentrocken
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In diesem Genre sind die Skandinavier wirklich eine Klasse für sich! „Dead Snow“ oder wie Tom Cody schon schrieb „Cold Prey“ stehen bei mir auch ganz weit oben.

Aber genau wie Ghost wäre ich alleine wegen dem grottigen Cover dran vorbei.
Klingt auf alle Fälle viiiel besser als das, was man auf dem Cover sieht! Super Rev‘ 👍

17.10.2017 08:36 Uhr - NoCutsPlease
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Ja, das Cover sieht wirklich nach "Nimm mich nur mit, wenn du auf 08/15-Teeniehorror stehst" aus.
Wobei man bei genauerer Betrachtung erkennen kann, dass das keine kalifornische Barbie ist.

17.10.2017 08:42 Uhr - JasonXtreme
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Da mich der Fall selbst schon länger brennend interessiert, juckt mich der Film natürlich auch. Gibts da für mich auch noch was zu holen, will heißen beschäftigt man sich eingehender mit dem alten Fall, oder ist alles eher auf die Handlung des "Slashers" gemünzt?

Super geschrieben!

17.10.2017 09:31 Uhr - leichenwurm
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Wow... vielen Dank an alle, für die zahlreichen, interessierten Rückmeldungen... das freut mich sehr ;-)) !

@Ghost, Weltraum und Nocuts: Ja... das deutsche Covermotiv mal wieder. Ich bin ganz ehrlich, eigentlich hatte ich mich aufgrund dieses generischen Covers innerlich schon auf einen Veriss eingestellt... ! Die positive Überaschung war dann natürlich umso größer... ähnlich erging es mir ja schon beim "Windmill Massacre". Von "Lake Bodom" gibt es noch alternative Cover, die wesentlich stimmingsvoller rüberkommen. Könnt ja mal nach googlen... ;-) !

@Tom: Cool das du meinen positiven Eindruck vom Film bestätigen kannst... ;-) ! Und bei mir war es so, dass ich von diesem Film tatsächlich gar nix wusste... kein Trailer wurde von mir gesichtet, ja nichtmal der Titel war mir geläufig. Das nenn ich echt mal positive Überaschung ;-)) ! Und witzig, dass du und Weltraumgott "Cold Prey" erwähnt habt... der steht nämlich auch noch auf meiner Review-Liste, toller Film ;-)) !

@Jason: Nun die Hintergründe des realen Falls spielen hier schon eine Rolle, sind aber nicht zentrales Handlungsthema. Schwierig da jetzt was zu schreiben ohne zu spoilern, aber ich denke das dein Interesse an den realen Hintergründen der Wirkung des Films schon positiv in die Karten spielen könnten... ;-) !

@intofilms: Mensch deine Ausführungen zum "heimlichen Hauptdarsteller" treffen den Nagel auf den Kopf... da wünsch ich mir grad, mir währe eine ähnlich passende Aussage fürs Review eingefallen ;-)) ! Und was andere aktuelle Genre-Beiträge angeht, geb ich dir recht. Man muss schon wirklich suchen um da was brauchbares zu erwischen. Aber wenn man dann solch eine Perle wie "Lake Bodom" ausgräbt, dann hat sich der Aufwand (zumindest für mich persönlich) gelohnt ;-)) !

Vielen Dank nochmal an alle fürs Lob ;-) !

17.10.2017 12:12 Uhr - DriesVanHegen
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Allein, dass er eben aus Finnland stammt, hat mich bisher vermuten lassen, dass ihm das Cover bei uns mal gar nicht gerecht wird.
Deine Besprechung bestätigt das und mit den hier schon genannten vergleichbaren Filmen, kann ich mich super anfreunden, allen voran COLD PREY (beide mir bekannten Teile der Trilogie machen Spaß).
Und deine Worte klingen durchaus so, als würde er sich da prima einreihen.

Vielleicht noch ein bisschen ausbessern, damit es noch runder wird:

"[...]denn je weniger man hier über den Verlauf der Geschichte wei[ß] desto besser."
"[...]bei wirklich vortrefflicher Ausleuchtung und bedeckt von malerischen Nebelschwaden wir[d] der See [...]"

17.10.2017 13:06 Uhr - leichenwurm
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Besten Dank für die Rückmeldung und die Hinweise auf die Tippfehler DriesVanHegen ! Werden ausgebessert ;-) !

17.10.2017 21:02 Uhr - Fratze
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Jepp, auch mich hast du angefixt. Wird gleich mal bei Amazon geliehen.

Und auch ansonsten kann ich mich nur allem bereits Gesagten anschließen: Großartige Besprechung zu einem Film, den wohl auch ich aufgrund seines irreführenden Covers sonst links liegen gelassen hätte. Wie ich a.a.O. schon mal schrieb: Die Umverpackung eines Trägermediums hält nicht immer das, was sie verspricht. War damals allerdings schon eher negativ gemeint - schön, dass es auch andersrum geht. Vielen Dank, Wurmi ^^

17.10.2017 22:20 Uhr - leichenwurm
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Dankeschön Fratze ! Und dann viel Spaß beim Film. Kannst ja später mal hören lassen wie er dir so gefallen hat ;-) !

19.10.2017 20:13 Uhr - TheRealAsh
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danke für den Tipp, auf den wäre ich nie gekommen, den hol ich mir!

20.10.2017 09:30 Uhr - leichenwurm
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Na dann dir auch viel Spaß beim Film. Hoffentlich kommt er bei dir auch gut an... ! Und evtl hören wir deine Meinung ja auch in einem Review zum Film ;-) !

05.02.2020 21:48 Uhr - OllO
Der Score, vorallem die Synthwave Tracks ala Cliff Martinez ist auch sehr positiv hervorzuheben.

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