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Suburra

Herstellungsland:Frankreich, Italien (2015)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,43 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine minderjährige Prostituierte stirbt nach einer ausschweifenden Partynacht mit dem Parlaments-Abgeordneten Filippo Malgradi, der aus Angst vor einem öffentlichen Skandal den Vorfall zu vertuschen versucht. Besonders, weil er gerade im Begriff ist, für den mächtigen Paten "Samurai" ein millionenschweres Bauvorhaben umzusetzen, das den Einfluss der Mafia in Rom endgültig zementieren könnte. Doch die ehrenwerte Gesellschaft hat nicht als einzige Organisation ihre schmutzigen Hände im Spiel. Hinter dem Projekt steht eine mächtige Allianz aus korrupten Staatsvertretern, überzeugten Neo-Faschisten und Würdenträgern des Vatikans. Als Malgradis Vertuschungsversuch durch eine Verkettung tragischer Umstände misslingt, ruft dies den gefürchteten Anacleti-Clan auf den Plan, der von dem Bauvorhaben erfahren hat und ebenfalls beteiligt werden möchte. Samurais filigranes Beziehungsgeflecht droht zu zerbrechen und er ist gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Eine gefährliche Spirale aus Erpressung, Korruption, Gewalt und Mord beginnt sich immer schneller zu drehen, um sich unaufhaltsam tief in das dunkle Herz von Rom zu bohren... (Koch Media)

eine kritik von tschaka17:

Warst du das? - Das war Rom.

"Ein Mafia-Thriller, auf den sogar Scorcese stolz wäre." (Empire). Steht zumindestens auf meiner Amaray-Verpackung und so sagt es auch der Trailer. Ganz schön große Töne! Ich hatte mich richtig auf den Streifen gefreut, der im Jahr 2017 zudem eine Prequel-Serie auf Netflix erhalten hat. Am Ende war ich relativ enttäuscht. Eine tolle Inszenierung kann das Hauptproblem von Suburra leider nur bedingt aufwiegen. Der titelgebende Name bezieht sich übrigens auf einen alten Stadtteil Roms. Genug des Vorgeplänkels, starten wir mit der Rezension.

Auf die Story möchte ich hier wenig eingehen. Generell gibt es bei Suburra viele Dinge, über die ich nicht im Detail reden werde. Der Trailer suggeriert einen Thriller in Rom mit Mafiahintergrund und Action. Teil 1 stimmt, der Part mit der Action nur stellenweise. Dabei hat der Drehbuchautor zumindestens in Bezug auf die Geschichte solide Arbeit geleistet. Zu Beginn gibt es viele einzelne Handlungsstränge, welche im Verlauf zu einem großen Puzzle zusammenkommen. Die Story wirkt weder konstruiert noch gibt es Logiklöcher. Alles fließt perfekt ineinander. Wirklich gut.

Die Stärke des Films liegt dabei allerdings klar in seinem Handwerk. Schlicht und einfach: Vorzüglich. Optisch spielt der Streifen toll mit Farben und deren Nuancen. Die Kamera fängt dabei Stimmungen und Situationen ideal ein. Langsame und lange Kamerafahrten, stehende Bilder oder rasante, aber nie hektische Actionszenen zeugen von großem Können. Auch die Settings sind detailliert gestaltet, trotz schnell wechselnder Schauplätze weiß man stets, in wessen Zuhause man sich gerade befindet. Abgerundet wird das Ganze von einem leicht melancholischen, zum Schwärmen anregenden Soundtrack. Zwar wirkt die Musik redundant, doch dies stört eigentlich nicht. Cutter und Tontechniker scheinen unzählige Stunden damit verbracht zu haben, Bild & Ton in Harmonie zu bringen. Alles ist auf die Sekunde genau abgemischt. Hut ab.

Woran hapert es also bei Suburra? An den Charakteren. Massiv! Die Schauspieler sind indes das geringste Problem. Meine Kenntnisse über italienische Akteure sind gelinde gesagt mau. Auf Namen und Personen einzugehen macht daher wenig Sinn. Der Cast müht sich nach Kräften, doch das Hauptproblem lösen sie nicht:

Die Charaktere waren mir simpel gesagt total egal. Der Aufbau einer Bindung ist kaum bis nicht möglich. Dies liegt zum einen an der Vielzahl von Personen. Es gibt keine wirkliche Hauptfigur. Bei einer solchen Fülle an Menschen durchaus nicht unüblich, allerdings kommt hier Punkt 2 zum Tragen. Kurz vor dem Ankerpunkt bricht der Film immer ab. Betreffende Personen tauchen erst zehn Minuten später wieder auf. Ein Schlüsselereignis, welches schnell eine Verbindung Zuschauer-Figur aufbaut, fehlt. Wenig hilfreich ist dabei, dass eigentlich alle Charaktere ziemliche Ärsche sind. Moloch eben, aber nicht einen von denen hätte ich gerne als Nachbarn. So fehlt dem Film trotz vieler Menschen, deren Schicksalen und menschlichen Fehlern irgendwie die Menschlichkeit.

Generell sind die 130 Minuten Laufzeit zu lang geraten und insgesamt zäh. Nicht massiv, da die Handlungsauflösung interessant bleibt, aber das Schicksal der Charaktere kümmert einen 0. Der Versuch hier ein Epos zu erschaffen war wohl etwas zu viel gewollt. Ein, zwei Handlungsstränge weniger und mehr Zeit für die einzelnen Figuren. Mein Tipp für´s nächste Mal.

Selbstredend handelt es sich bei dieser Rezension nur um meine Meinung. Viele Menschen nehmen viele Dinge unterschiedlich wahr. Schönerweise. So hoffe ich einer der Wenigen zu sein, bei denen die Bindung hier nicht funktioniert hat. Von mir gibt´s daher nur maue 6,5/10. Leider war es für mich Style over Substance. Nicht negativ bewertet habe ich übrigens den Fokus auf hitzige Wortduelle und weniger die Action. Diese Wahl passt zum Gesamtkonzept. Wobei die vorhandene Action gut inszeniert ist und über handgemachte Effekte verfügt. Übermäßig brutal wird der Film in meinen Augen nie.

Aus meiner subjektiven Objektivität kann Suburra locker 7 oder 7,5 Punkte erhalten. Eine spannende und gut verschachtelte Geschichte sowie vorzügliche handwerkliche Arbeit sprechen für sich. Bei mir hat´s eben diesmal nicht gefunkt. Empfehlen kann ich den Film allerdings trotzdem.

7/10
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Kommentare

29.10.2017 19:28 Uhr - cecil b
Moderator
User-Level von cecil b 19
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Eins sehr guter Eindruck vom Film, zwei Daumen hoch!

Ja, ein Scorsese macht man nicht so schnell nach. Und egal, wie gut ein Film gemacht ist, die Figuren sollten einem meistens irgendeinen Bezug ermöglichen. Wenn sie einem egal sind, dat iss schon ein starkes Manko.

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