SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Suche:
Wolfenstein II: The New Colossus · 100% uncut englische Version · ab 59,99 € bei gameware Call of Duty: WWII · Uncut GB-PEGI mit superschnellem Gratisversand · ab 69,99 € bei gameware
dicker Hund
Level 11
XP 1.661
Eintrag: 23.11.2017

Amazon.de


Scalps - Der Fluch des blutigen Schatzes



Kill Bill: Volume 1 & 2
Black Mamba Edition - Ultimate Fan Collection

Basket Case - Der unheimliche Zwilling

(Basket Case)
Herstellungsland:USA (1982)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Splatter, Trash
Alternativtitel:Basket Case 1 - Der Blutrausch

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,01 (36 Stimmen) Details
inhalt:
Belial und Duane werden als siamesische Zwillinge geboren. Da die Mutter bei der Geburt stirbt, entlädt sich der Fluch des Vaters über beide. Mit 14 Jahren läßt der Vater sie gegen ihren Willen operieren und Belial, der als Mißgeburt an der Seite Duanes angewachsen war, landet als lebensunfähig und tot auf dem Abort. Duane spürt jedoch, daß sein Bruder noch lebt, rettet ihn, und beide beschließen den blutigen Rachefeldzug gegen alle Beteiligten an ihrer gewaltsamen Trennung...
eine kritik von dicker hund:

"Basket Case" von 1982 brachte es auf zwei Fortsetzungen, die dem Fun-Splatter zugeordnet werden können. Ursprünglich war allerdings ein Mutantenfilm gegeben, dessen ulkige Momente nicht beabsichtigt waren. Regisseur Frank Henenlotter brauchte noch ein wenig Zeit, um sein Talent für absurde Tischraketen wie "Frankenhooker" (1990), "Bad Biology" (2008) oder eben die Sequels des hier besprochenen Werks zu entfalten.

Dieses ist getränkt von einer emotionalen Ambivalenz, die auf einem ähnlichen Selbstfindungstrip zu sein scheint wie Hauptfigur Duane. Kevin van Hentenryck spielt ihn mit einem ziemlich hampeligem Gehopse, das die Dramatik und das Potential zur Gesellschaftskritik aus der tragischen Vita des siamesischen Zwillings relativiert. Noch ungelenker gerieten die Stop-Motion-Animationen seines Bruders Belial, welcher nur aus Kopf und Armen besteht. Solch ein mörderisches Wesen löst eher Schmunzeln als Entsetzen aus, wenn die knuffigen Tricks an Knetmännchen aus dem Kinderprogramm erinnern (Humor 3/10). Dort wären natürlich keine Goreszenen vorhanden, die vorliegend das Kunstblut dank der scharfen Zähne und Fingernägel der nicht immer so drolligen Figur ordentlich fließen lassen. Spektakulär oder over the top geriet dabei kaum ein Schauwert (Gewalt 5/10), was ersichtlich dem Budget geschuldet war.

Dieses zeigt sich zugleich im hässlichen Set, das in erster Linie aus einem verwahrlosten Hotel und diversen Arztpraxen mit kargen Zimmern und Fluren besteht. Die misstrauische und schroffe Atmosphäre fühlt sich in derartiger Umgebung zwar heimisch, fürs Auge wird jedoch wenig Nennenswertes geboten. Nicht einmal die Außenaufnahmen in New York City helfen da mit ihren Sehenswürdigkeiten aus, zumal die holprige Kamera selbst dermaßen dankbare Hintergründe blass erscheinen lässt. Vielleicht liegt das aber mehr an der unglaubwürdigen Liebesgeschichte, für welche diese Kulisse gewählt wurde.

Bei so viel Unbeholfenheit entsteht spiegelbildlich ein trashiger Charme. Wenn Duane seinen Bruder immer wieder in diesem riesigen Weidenkorb (Übersetzung des englischen Titels) umherträgt, ist das einfach ein herrlich verschrobener Anblick, der mit der bizarren Grundidee harmoniert. Belials Präsentation wird derweil in zurückhaltenden Schritten erweitert, so dass sich die Story langsam mit der Steigerung seiner Screentime entfaltet. Das tun auch zwei Damen, die absonderliche und nicht unbedingt erfreuliche Kontakte mit dem anderen Geschlecht erleben (Sex 4/10). Eine gewisse Erotik kann diesen obskuren Abschnitten nicht einmal abgesprochen werden. Grausiger gerieten indes andere Passagen, insbesondere eine schäbige Operation (Horror 6/10), die im Kontrast zu der oben angedeuteten unfreiwilligen Komik den gewollt fiesen Eindruck hinterlassen. Dadurch erhält auch die Deutungsmöglichkeit, den Plot als ein wüstes Gleichnis von Schicksalen behinderter Menschen zu verstehen, ein nachgereichtes Gewicht. In narrativer Hinsicht wird das Wichtigste in einer langen Rückblende fast in einem Stück geschildert, was wiederum ein wenig plump geriet, weil die Erzählgeschwindigkeit nicht nur in diesem Kapitel arg träge justiert ist.

Das kann auch der passende Score nicht kaschieren, da dieser ohnehin eher für die von sich aus spannenden Abschnitte reserviert ist. Andernorts sind vor allem die Stimmen der zum unschönen Overacting neigenden Schauspieler zu vernehmen, die samt und sonders viel zu kreischen und wenig zu differenzieren haben. Bei der Simulation von Todesangst mag das ja noch angehen, jenseits davon strengen die hysterischen Schreie aber schon ziemlich an - besonders in der deutschen Synchro. Und trotzdem: Dank dem hohen Maß an Kreativität, dem latenten Anspruch und den versehentlich lustigen Einschüben macht der eben nicht durchweg unheimliche Zwilling über weite Strecken ordentlich Laune (6/10 Punkten). Nicht so spaßig ist dagegen die Zensurgeschichte, denn der Film war bis 2008 indiziert und wurde mehrfach in geschnittener Fassung veröffentlicht, so dass beim Erwerb äußerste Vorsicht geboten ist.

6/10
mehr reviews vom gleichen autor
die neuesten reviews
Hell
(sic)ness_666
6/10
Brautalarm
Ghostfacelooker
4/10
Pakt
(sic)ness_666
10/10
Dracula
PlotholeBundy
4/10
Cult
PlotholeBundy
6/10
Rexosaurus
PlotholeBundy
6/10
Running
PlotholeBundy
8/10

Kommentare

23.11.2017 07:34 Uhr - Intofilms
1x
Ich liebe diesen Streifen! Zusammen mit "Brain Damage", den ich ebenfalls ganz prima finde, mein Lieblings-Henenlotter. "Basket Case" bekommt von mir ganz starke 8 Punkte, die beiden schwächeren Sequels jeweils noch eine knappe 7. Immerhin bilden diese zusammengenommen eine recht schöne Einheit.
"Basket Case" mag seine ulkigen Momente haben. Ich fand und finde den aber durchaus schockierend, unheimlich, eigenwillig bizarr, wunderbar kreativ, anrührend traurig und melancholisch und insofern auch irgendwie verstörend. Der regt mich tatsächlich zum Nachdenken an! Ich glaube, hier könnte man so einiges herauslesen...

"Basket Case" ist aber ebenso ein trashig-schriller, unleugbar selbstzweckhafter und letztlich nicht ganz so ernst zu nehmender B-Exploiter, der dem geneigten Fan vor allem auch ganz viel Spaß und Gaudi bieten will. Mit am besten gefällt mir hier, wie echt und authentisch sich das Ganze anfühlt! Die schäbigen, siffigen Hotelzimmer und Straßenzüge, die großenteils im Rotlichtmilieu angesiedelt sind und man so auch aus anderen Filmen des Regisseurs kennt, finde ich einfach herrlich. Die teils derben Goreeffekte können mich auch voll und ganz überzeugen. Und Belial... Also, ich finde seine Stopmotion-Animationen im Rahmen eines Lowbudget-Streifens wirklich sehr gelungen, alles richtig gemacht!
Mein Resümee: Hier wurde definitiv ganz viel Herzblut eingebracht! Henenlotter, von dem ich schon ein paar Interviewauftritte kenne, finde ich total sympathisch.

Du bist hier wieder etwas strenger als ich. Damit wäre ja wieder alles beim Alten. Recht hast du mit deinen Kritikpunkten sowieso irgendwie. Und brillant geschrieben ist auch diese Rezi wieder. Wunderbare Filmauswahl, vielen Dank, Wuffi! :)

23.11.2017 11:05 Uhr - JasonXtreme
1x
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 12
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.347
Wiedermal gut gebrüllt :-) ich mochte den auch immer recht gern, aber auch die beiden anderen Teile. Wobei Teil 3 ja durchaus anders angelegt ist.

23.11.2017 11:06 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.748
Unterhaltsame Kritik zu diesem recht spaßigen Trashvehikel.
Aus der - dank der Lektüre aufgefrischten - Erinnerung heraus wäre ich bei knappen 7/10.

23.11.2017 11:23 Uhr - DriesVanHegen
1x
User-Level von DriesVanHegen 4
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 258
Eine Bildungslücke meinerseits, bei der du mir den gerade den Eifer genommen hast, was daran zu ändern :(
Deine Zusammenfassung bringt zwar noch einmal Punkte an, die dafür sprächen, aber dein zweiter Absatz überwiegt bei mir im Kopf doch mit seinen negativen Deutungen.

23.11.2017 15:57 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.617
Anschauliches und sehr unterhaltsames Review vom hiesigen Reviewhund, wie immer gute Arbeit. Wie Dries kenne ich die Basket Case Reihe bisher nur vom hören sagen und nach deiner doch eher durchwachsenen Wertung wird sich dies wohl auch erst mal nicht ändern.

23.11.2017 19:16 Uhr - Intofilms
1x
Och, ihr beiden, Dries und Horace, so negativ klingt das bei Wuffi doch gar nicht! Für mich zählen Henenlotter und speziell "Basket Case" zum unverzichtbaren Grindhouse-Grundwissen. Eine Sichtung wenigstens dieses einen Streifens kann ich euch nur empfehlen, der ist so sehens- und liebenswert! Aber ich sehe schon: Meine Begeisterung nimmt sich mal wieder zu wichtig. Ach, es ist schlimm...! :D

24.11.2017 04:34 Uhr - HATEMONGER
1x
"Basket case" heißt im Englischen auch so etwas wie ein "hoffnungsloser Fall"...
Starkes Review...

24.11.2017 06:04 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 10
Erfahrungspunkte von naSum 1.510
Gut gebellt. Da werden spaßige, aber leider zensierte, Erinnerungen wach. Dennoch unterhaltsam, wenn man es mit dem zum Titel passenden Geschwisterkind anschaut. Da kraul ich dich doch glatt mal hinter den Ohren.

24.11.2017 08:10 Uhr - dicker Hund
3x
User-Level von dicker Hund 11
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.661
Eine tolle, vielseitige Resonanz!

Nur echt mit dem Review zum Review vom fleißigen User Intofilms;-)

24.11.2017 08:27 Uhr - Intofilms
2x
Knutsch! ;D

26.11.2017 20:06 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.210
Bombenreview!

"Bei so viel Unbeholfenheit entsteht spiegelbildlich ein trashiger Charme. "

Jenau. Man kann den Film irgendwie nur mögen. Die Fortsetzungen sind aber katastrophal.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
SB.com