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The Purge: Election Year

Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Horror, Science-Fiction,
Thriller
Alternativtitel:American Nightmare 3
The Purge 3
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,12 (34 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Zwölf Stunden absolute Gesetzlosigkeit. Alle Verbrechen, inklusive Mord, sind in der alljährlichen PURGE-Nacht erlaubt. Amerika ist erneut im Ausnahmezustand: In THE PURGE: ELECTION YEAR wird der knallharte Überlebenskampf zu einem Phänomen, das inzwischen auch mordlustige Touristen aus aller Welt anzieht. Gleichzeitig plädiert eine aufstrebende Senatorin für die Abschaffung der alljährlichen Säuberung, die sich vor allem gegen die Armen und Unschuldigen richtet, und gerät damit ins Visier der hochrangigen Eliten.

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Leo Barnes (Frank Grillo) sich während der PURGE-Nacht im letzten Moment dagegen entschied, an dem Mann Rache zu üben, der Schuld am Tod seiner Tochter hatte. Es ist Wahljahr und mittlerweile arbeitet er als Sicherheitschef der Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell). Mitten in ihrer Präsidentschaftskampagne steht die alljährliche PURGE-Nacht bevor, die ihre politischen Gegner natürlich nicht ungenutzt lassen wollen. Nach einem hinterhältigen Verrat ist die bedingungslose Jagd auf die Senatorin eröffnet und Leo hat alle Hände voll zu tun, die Senatorin aus der Schusslinie zu bringen und die Nacht zu überleben... (Universal Pictures Germany)

eine kritik von tschaka17:

Die Purge führt zur Reinheit.

Bei den Purge-Filmen verhält es sich ähnlich wie bei manch anderem Franchise, beispielsweise der Saw-Reihe. Entweder man mag das Konzept oder man hasst es. Die oft erwähnte goldene Mitte vertreten hier eher die Wenigsten. Meines Erachtens nach werden die Streifen im dystopischen Setting jedoch insgesamt zu negativ bewertet und deswegen oftmals garnicht erst selbst angeschaut. Mir geht es da nicht anders, Teil 1 mit seinen schwachen Kritiken habe ich mir bis dato gespart. Noch einen Home-Invasion-Horrofilm kann und will ich mir nicht antuen. Momentan zumindest.

Purge: Anarchy nutzte als zweites Installment des Franchises endlich die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern. Es ging raus auf die Straße und quer durch die Stadt. Ein paar Probleme bei der Charakterzeichnung, einige Logiklöcher und die stellenweise plumpen Computereffekte machen den Streifen nicht zu einer Granate. Solide und vor allem unterhaltsame Kost ist Purge: Anarchy aber auf jeden Fall. Für die Meisten ist wohl dieser 2. Teil der Favorit der Reihe.

Meiner nicht. Purge: Election Year ist klar mein persönlicher Liebling. Der Streifen kombiniert geschickt eine interessante Geschichte mit sympathischen Charakteren und brettharter Gewalt. Dabei lässt er auch nie sein Grundmotiv, die Purge, zurück.

Der Film startet mit einem Rückblick. Die Familie von Charlie Roan wird in sadistischen Spielen gefoltert und gequält. Alles ganz legal natürlich, schließlich ist gerade Purge-Nacht. Am Ende wird Mami´s Entscheidung gespielt. Charlie Roan gewinnt und überlebt den Horror als Einzige. 18 Jahre später kämpft sie als Senatorin um die Präsidentschaft und für die Abschaffung der Purge. Logisch, dass die Verantwortlichen und "Neuen Gründungsväter" nicht begeistert davon sind. In einer geheimen Sitzung wird vokabularisch recht kräftig formuliert, wie mit der Dame umzugehen sei. Die nächste Purge soll ihre letzte sein!

Mit einem Handlungsstrang gibt sich der Film allerdings nicht zufrieden. Er beleuchtet auch die Situation eines Ladenbesitzers. Dieser Laden ist sein Hab & Gut. Einfach alles für ihn. So verwundert es kaum, dass der Besitzer für ihn sein Leben aufs Spiel setzten würde. Was auch passiert, denn er kann die Raten seiner Purge-Versicherung nicht bezahlen, weil diese kurz vor der Purge-Nacht drastisch erhöht werden. Der kleine Mann wird eben immer beschissen. Mit Gewehr und Bier bewaffnet möchte der Ladenbesitzer seine Existenz vom Dach aus verteidigen.

Doch auch dieser zweite Handlungspart reicht dem Film noch nicht ganz aus. Er geht tiefer, zeigt wie sich Widerstand gegen die Purge formiert. So gibt es freiwillige Helfer, die ihr eigenes Leben riskieren um Andere zu retten. Oder Systemfeinde, die die Nacht der Gewalt zum Sturz der Regierung nutzen wollen. Dem Zuschauer werden so interessante Einblicke in sichere Zonen und Menschlichkeit in den schlimmsten Stunden des Jahres geboten.

Purge: Election Year schafft es dabei, alle Handlungsstränge zu einem großen Konstrukt zu vereinen. Die einfachen, braven Menschen gehen mit Politikern und gewaltbereiten Revolutionären durch die Nacht. So bleibt man nie lange an einem Ort und die Story immer in Bewegung. Auch wenn es sich um eine fiktive Situation handelt bildet der Streifen doch gewollt oder ungewollt oftmals reale Probleme der Gesellschaft ab. Die Gier nach Macht und Geld der Reichen, die Verzweiflung und Kampfkraft der Normalen, die Hilflosigkeit vieler Armen und die Verrohung der Gesellschaft allgemein. Das Szenario Mord-Tourismus wäre bei einer realen jährlichen Purge vermutlich schnell trauriger Trend.

Bei all seinen durchaus gesellschaftskritischen Punkten ist der Film vor allem aber ein Unterhaltungsprodukt. Die gut verwobene Geschichte wird von netten Akteuren getragen. Dabei ist jeder Einzelne als Schauspieler mit Eifer unterwegs, jedoch bringt erst die Interaktion der Menschen Leben in die Bude. Der Gehilfe, welcher seinem Boss für dessen Laden beistehen will. Der Bodyguard, welcher für einen Wandel in der Politik sein eigenes Leben riskiert. Die Ex-Kriminelle, welche nun jede Purge-Nacht Verwundeten hilft. Interaktion heißt allerdings auch, dass die Bösen zu Wort kommen. Die Purge-Messe mit ihren fanatischen & manisch agierend Anhängern ist durchaus verstörend anzusehen. Sie frisst die Personen regelrecht auf. Dass eigentlich das Leben und nicht der Tod im Vordergrund stehen sollte macht die Sache noch viel schauriger.

Im Bereich Action hält sich der Streifen lange zurück. Im Gegensatz zu Teil 2 wird hier keine Straßenschlacht gefeiert. Ziel vieler Charakter ist zunächst nur das reine Überleben, wobei sich Kämpfe eher als hinderlich erweisen würden. In der ersten Hälfe gibt es nur kurze Explosionen von Gewalt. Einige skurrile Purge-Szenerien wie etwa eine Guillotine oder brennende Menschen entfalten aber auch in der Kürze ihre Wirkung. Highlight ist allerdings der nicht mal eine halbe Minute dauernde Schlachtzug von Gut gegen Böse. Unerwartet, extrem heftig und dabei trotzdem irgendwie gerecht. Bleibt definitiv im Kopf. Hälfte 2 kommt dann mit deutlich mehr Geballer und längeren Scharmützeln daher. Schönerweise steht die Story aber weiterhin im Vordergrund. Der Härtegrad ist für ein FSK 16 vertretbar, über eine Freigabe ab 18 hätte man aber meiner Ansicht nach auch nicht klagen dürfen. Fiktive Situation hin oder her, aber hier werden einige Menschen echt brutal abgeschlachtet.

Eingefangen wird die Geschichte sehr kontrastreich. Tagesszenen sind oft sehr stark beleuchtet - stellenweise deutlich zu heftig - und die Nachtszenen dementsprechend dunkel. Allerdings wird es nie zu finster, denn der Film wartet mit einer Hochglanzoptik auf. Wie im Teil davor wurde nicht versucht durch einen Schmuddel-Look dem Streifen mehr Härte zu verleihen. Schönerweise, denn trotz des dystopischen Rahmens wirkt der Film irgendwie edel. Die Kamera bietet dem Zuschauer einen guten Überblick über das Geschehen und die tollen und abwechslungsreichen Settings. Bei Gewaltszenen wird voll draufgehalten. Und voll heißt hier voll! Effekte stammen in Purge: Election Year leider wieder zu einem Großteil aus dem Computer. Viele sind dabei sehr ordentlich und überzeugend animiert, manche allerdings offensichtlich als CGI erkennbar. Zwar gutes CGI, aber handgemachte FX haben halt einfach ihren Charme. Nächstes Mal vielleicht. Dafür kommt der Ton mit richtig Druck aus der Anlange. Wie in Teil 2 wurde ein dystopischer Soundtrack gewählt - oder halt stellenweise der aus Purge: Anarchy - und dieser kommt mit tiefen Basschlägen daher. Da kann man sich in den wenigen Schockmomenten richtig erschrecken.

Purge: Election Year ist ein gelunger Horror-Action-Thriller. Er kombiniert die lokale Begrenztheit aus Teil 1 mit dem Durchqueren der Stadt aus Teil 2. Gerade dieser Mix sorgt für ordentlich Abwechslung bei der Geschichte. Aufgrund gut ausgearbeiteter Charaktere bleibt der Zuschauer interessiert und findet sich vermutlich in einem von ihnen wieder. Dazu gibt es dosiert ein paar Jump-Scares und brutale Gewalt. Die typischen Purge-Szenen fehlen dabei natürlich auch nicht.

Wer mit dem Konzept der Reihe nichts anfangen kann wird auch hier keinen Spaß haben. Wer dieser dystopischen Version der Vereinigten Staaten mit Interesse begegnet erhält einen Streifen, der stellenweise auch tiefere Punkte anspricht und letzten Endes trotzdem ein fiktives Unterhaltungsprodukt bleibt. Und zwar ein verdammt gutes Unterhaltungsprodukt! Interessierte sollten selber eine Sichtung vornehmen und sich nicht von den negativen Kritiken oder Schmähungen gegen die Reihe abhalten lassen. Ich persönlich finde den Film top.

8/10

+ Vorfreunde auf Teil 4 oder eine Serie.

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Kommentare

07.11.2017 21:11 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
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"Election Year" habe ich mir vor ein paar Wochen gegönnt und mir hat der Streifen auch sehr gut gefallen.
Kurzum: Volle Zustimmung zu Inhalt, Auslegung, Stärken, Schwächen und Gesamtwertung.

Teil 2 ist meiner Meinung nach minimal schwächer und Teil 1 hat auf seine Weise für mich auch gut funktioniert, ist im direkten Vergleich aber das Schlusslicht der Reihe.

07.11.2017 21:20 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 17
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Ansprechende Kritik. Auch die Wertung lässt sich hören. Die Gewalt finde ich etwas überbetont, schließlich ist das hier kein Gorefest. Vor allem Optik, Aufbau und Charaktere sind aber treffend beschrieben.

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