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Mord im Orient-Express

Originaltitel: Murder on the Orient Express

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Krimi, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,13 (15 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Was als luxuriöse Zugfahrt durch Europa beginnt, entwickelt sich schnell zu einer der stilvollsten, spannendsten und aufregendsten Mysterien, die je erzählt wurden. Basierend auf dem Buch der Bestsellerautorin Agatha Christie, erzählt MORD IM ORIENT EXPRESS die Geschichte von dreizehn Fremden in einem Zug, von denen jeder ein Verdächtigter ist. Ein Mann muss gegen die Zeit ankämpfen, das Rätsel zu lösen, bevor der Mörder noch einmal zuschlägt. (20th Century Fox Deutschland)

eine kritik von tschaka17:

Ich sehe Böses in diesem Zug.

Agatha Christie gehört wohl zu den bekanntesten Autorinnen des vergangenen Jahrhunderts. Besonders populär sind dabei die Abenteuer von Miss Marple oder dem Detektiv Hercule Poirot. Dieser Belgier ist auch in eines der berühmtesten Verbrechen der Literatur verwickelt, den Mord im Orient-Express. Neben dem 1934 erschienen Roman gibt es etliche Verfilmungen des Stoffes. Deren Qualität scheint Schwankungen unterzogen zu sein, die wohl berühmteste Aufarbeitung ist allerdings zweifelsfrei die 6-fach oscarnominierte Verfilmung aus dem Jahr 1974. Trotz der zahlreichen Chancen gewann nur Ingrid Bergman als "Beste Nebendarstellerin". Zur Verteidigung muss man jedoch erwähnen, dass in diesem Jahr (Verleihung 1975) ebenfalls Der Pate - Teil II (11N/6S) und Chinatown an den Start gingen. Letzteren traf es wesentlich härter, bei elf Nominierung gab es gerade einmal einen Oscar.

Bei all diesen Hintergrundinformationen verfälscht sich eventuell der Eindruck dieser Rezension. Es wird hier keinen Vergleich verschiedener Verfilmungen oder mit der Romanvorlage geben. Leider muss ich nämlich gestehen, dass mir sowohl die alten Filme als auch das Buch fremd sind. Bisher bin ich einfach noch nicht dazu gekommen. Diese Review ist also aus Sicht eines Zuschauers zu verstehen, welcher zum ersten Mal die Handlung erlebt hat. Trotzdem ist sie auch für Kenner sinnvoll. Und ausdrücklich spoilerfrei!

"Der vermutlich größte Detektiv der Welt". So bezeichnet sich zumindest Hercule Poirot selbst. Ein wenig Größenwahn lässt sich dem Mann also durchaus unterstellen. Nach Abschluss eines Falles in Jerusalem und der damit verbunden - doch sehr eindrucksvollen - Demonstration seines Talents sehnt er sich nur nach etwas Ruhe. Wer jedoch weltweit als Top-Ermittler gilt kommt selten in diesen Genuss. In London werden seine Fähigkeiten gebraucht. Also schnell an Bord des Orient-Express, eines Luxus-Zuges und der schnellstmöglichen Verbindung von Istanbul gen Westen. Wie der Titel bereits erahnen lässt, findet allerdings ein Verbrechen statt. Mord. Da der Zug durch den Abgang einer Lawine tief im Nirgendwo feststeckt übernimmt Hercule Poirot auf Bitten eines Freundes die Aufklärung der Tat bis zum Eintreffen der Hilfskräfte. Wer also mordet an Bord des Orient-Express?

Wie bereits gesagt werde ich auf spezielle Details der Handlung nicht näher eingehen. Deswegen widmen wir uns direkt dem Cast. Oder auch nicht, denn dies würde ebenfalls nur unter Nutzung von Spoilern wirklich funktionieren. Namenhaft besetzt ist der Zug allemal: Penélope Cruz, Willem Dafoe, Johnny Depp oder Judy Dench sind nur einige der Passagiere. Insgesamt bieten sie alle eine gute Schauspielleistung an, wobei das Script aber nicht jedem Charakter die Möglichkeit zur Entfaltung gibt. Manche Personen erhalten arg wenig Screentime.

Sprechen kann und sollte man an dieser Stelle aber ausführlich über Kenneth Branagh. Dieser fungiert für den Film sowohl als Regisseur als auch Hauptfigur. Branagh führt den Zuschauer, da die Geschichte aus Sicht von Hercule Poirot erzählt wird. Dieser Mann wird schon zu Beginn mit seinen Verschrobenheiten perfekt dargestellt und bindet sich schnell ans Publikum. Der Kerl ist einfach nett. Und natürlich clever, denn die meisten seiner Eingebungen teilt er auch mit anderen Figuren und somit auch dem Zuschauer. Ich vermute, dass Mord im Orient-Express keine Oscarmaschine wie der Streifen von 1974 wird. Kenneth Branagh wäre aber auf jeden Fall eine Nominierung zu gönnen. Gute Darsteller sieht man oft, ab und an das Verschmelzen mit ihrer Figur. Aber Kenneth Branagh scheint Hercule Poirot einfach verinnerlicht zu haben wie eine zweite Persönlichkeit. Optisch top, der leichte Akzent perfekt, sympathisch und humorvoll. Eine Verkörperung, welche im Kopf bleibt. Ganz große Kunst! Mühelos trägt er die Handlung und leitet den Zuschauer auch durch verwinkelte und verzwickte Handlungsstänge. Hut ab vor Kenneth Branagh!

Der Film schlägt sich beim Erzählen der Handlung und den Charakteren wirklich extrem gut. Spannend, ab und an witzig und um keine Wendung verlegen. Größter Kritikpunkt wird vermutlich die Inszenierung sein. Mit seinen 114 Minuten ist der Streifen gerade gegen Ende etwas zu lang geraten. Nach der angekündigten Aufklärung zieht sich diese noch über etliche Minuten hin. Hier wäre kurz & knackig besser gewesen. Um dann auch bei den Mankos zu bleiben, die Effekte sind eher mau. Der Film wirkt arg glatt. Beispielsweise wirkt die Ausfahrt aus dem Bahnhof in Istanbul zwar schön animiert, dabei allerdings auch absolut unecht. 0 Realismus. Dieses Phänomen zieht sich eigentlich durch das ganze Werk. Ordentlich gearbeitet wurde an den meisten Stellen, das CGI ist aber stets offensichtlich und lässt den Film glatt und gefaked wirken, so dass der Zuschauer durch eine unsichtbare Brücke immer etwas getrennt vom Geschehen ist. Dies gilt jedoch ausdrücklich nur für Außeaufnahmen! Innerhalb des Zuges wurde ein handgemachtes Setting verwendet, welches den Flair der 30er-Jahre schön widerspiegelt und trotz seiner Enge gewisse Spielräume zulässt. Größte Bombe ist dann auch wieder eine Außenaufnahme. Spoilerfrei, aber das Kaffeekränzchen findet vor einer gefühlten Pappkulisse statt, welche auch noch unscharf ist. Jarrr, sowas stört extrem und lenkt von der Szene ab.

Inszenatorisch wären damit allerdings die Probleme auch besprochen. Musikalisch wurde der Film mit einem orientalischen Soundtrack unterlegt, der schön geheimnisvoll sanft im Hintergrund spielt. Wirkliche Actionszenen gibt es kaum, die zwei wackeligen Rennerein hätte man sich sparen sollen. Ansonsten ist die Kameraarbeit sehr gut und vor allem innovativ. So gibt es Einstellungen von oben oder quer durch und am ganzen Zug. Ab und an dient die Kamera auch als humoristisches Stilmittel. Die Fargebung ist recht kräftig gehalten, so dass etwa dunkles Holz eine richtig satte braune Farbe hat. Sehr ordentlich.

Meine Erwartungen hat der Film vollends erfüllt. Ich hatte auf einen spannenden Krimi mit interessanten Figuren gehofft und genau dies bekommen. Die Geschichte wird wendungsreich erzählt und zieht sich nur gegen Ende ein wenig. Der Cast ist gut drauf, Kenneth Branagh absolut positiv hervorzuheben und noch einmal exzessiv zu loben. Bombastische Performance und dieses Jahr meine bisherige Figur Nr. 1. Handwerklich bietet der Film im Zug schöne Settings und innovative Kameraperspektiven, Außenaufnahmen sind mäßig bis vereinzelt schlecht animiert und wirken oft zu glatt und einfach unrealistisch. Der Soundtrack wurde passend gewählt. Humor bietet der Film an wenigen Stellen auch, jedoch etwas weniger als von mir erwartet. Es ist und bleibt eben ein Krimi.

Allen Nicht-Kennern der Geschichte kann ich den Streifen wärmstens empfehlen. Ein tolles Rätselerlebnis und Faszination über knapp zwei Stunden. So muss ein Krimi sein.

Allen Kennern der Story würde ich ebenfalls eine Empfehlung aussprechen. Oftmals sind Remakes unnötig und so werden viele ordentliche Exemplar oftmals direkt boykottiert. Mord im Orient-Express aus dem Jahr 2017 verdient definitv eine Chance!

Ob der Streifen bei der nächsten Sichtung sein Niveau hält ist etwas fraglich, ich hoffe es, für die Erstsichtung gibt es starke 8/10 und nochmals ein Lob an Kenneth Branagh.

8/10
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Kommentare

10.11.2017 18:29 Uhr - Intofilms
1x
Ausgesprochen sympathische Rezi, die einen wirklich guten Eindruck vom Film vermittelt. Top! :-)
Für mich ist diese Neuverfilmung natürlich ein Must-see. Bin jetzt schon gespannt und voller Vorfreude. Ich warte allerdings geduldig auf die Heimkino-VÖ. Du solltest dich unbedingt mal mit den alten Verfilmungen der 1970/1980er-Jahre vertraut machen. Die bieten, fast schon verschwenderisch, absolut grandioses Schauspielerkino in stilvoll-eleganten Inszenierungen und verströmen alle irgendwie dieses ganz spezielle mondäne und leicht dekadente Flair. Ich glaube, dieser letzte Punkt fasziniert mich dabei am allermeisten. Nicht zu vergessen: die musikalische Untermalung. Auch ein Hochgenuss. Sei also gewarnt, tschaka17: Hier besteht akute Suchtgefahr! Ich jedenfalls bin diesen Filmen hoffnungslos verfallen und könnte die immerzu schauen. Ach, wie schön...! :D

10.11.2017 20:30 Uhr - tschaka17
2x
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Hatte auf jeden Fall vor, mir den Klassiker bald zu Gemüte zu führen und auch den Roman endlich mal zu lesen. Suchtgefahr bei der Musik klingt genial, ich liebe gute Soundtracks :)

Warum denn nicht ins Kino? Muss ehrlich sagen, dass der natürlich nicht so derb Effekte usw. auffährt, aber die Atmosphäre war wirklich (bei meinem Kinobesuch) gut. Denke leider, dass der finanziell eher mau fahren wird und daher gerade den Support braucht.

10.11.2017 23:38 Uhr - Intofilms
Kino ist einfach nicht mehr so mein Ding. Vielleicht kommt das mal wieder zurück, der Spaß und die Begeisterung. Einstweilen supporte ich dafür umso lieber die Heimkinoauswertungen. Ist ja auch nicht verkehrt, oder?! :)

Das mit dem Suchtfaktor bezog sich keineswegs nur auf die tolle Filmmusik, sondern natürlich auf die Filme insgesamt, also auf alle Aspekte! :)

Ja, die Bücher der guten Agatha müsste ich wirklich auch mal anfangen zu lesen. Die würden mir bestimmt wahnsinnig gut gefallen. Doch dazu fehlt mir leider die Zeit. Echt schade...

11.11.2017 11:28 Uhr - deNiro
1x
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Starke und informative Kritik, die mich ein wenig wehmütig an die Zeit ohne CGI- Landschaften denken lässt. Da geht doch eine Menge Atmosphäre flöten.

Werd dem Film wohl trotzdem eine Chance geben, da ich gut gemachten Detektiv-Geschichten, ala "Sherlock Holmes", immer etwas abgewinnen kann.

11.11.2017 12:47 Uhr - tschaka17
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10.11.2017 23:38 Uhr schrieb Intofilms
Kino ist einfach nicht mehr so mein Ding. Vielleicht kommt das mal wieder zurück, der Spaß und die Begeisterung. Einstweilen supporte ich dafür umso lieber die Heimkinoauswertungen. Ist ja auch nicht verkehrt, oder?! :)

Absolut! Hauptsache Support. Auch wenn ich mich generell eher als Fan von aktuelleren Filmen gebe, so ein guter "alter Schinken" á la "Der Hexer" oder "Miss Marple" geht immer. Charme, du sagst es.

@deNiro: Ja, diese CGI-Landschaften stören mich auch immer mehr. Bei Sci-Fi oder Fantasy ist das ok, aber gerade bei historischeren Filmen (von der Zeit her) wirkt es oft deplaziert. Viel Spaß im Kino :)

12.11.2017 02:32 Uhr - spobob13
Wer Remakes hasst ist doff - Punkt. Nosferatu wurde auch schon zig mal verfilmt. Und klar ist der Friedrich Wilhelm Murnau Klassiker mehr oder minder die Vorlage für die Lee Vampire Filme, und nix anders als ein Remake. Mit der Buchvorlage von Bram Stocker. Das Filmgeschäft basiert locker 99% auf mehr oder minder erkennbare Remakes.

12.11.2017 18:03 Uhr - jrtripper
12.11.2017 02:32 Uhr schrieb spobob13
Wer Remakes hasst ist doff - Punkt. Nosferatu wurde auch schon zig mal verfilmt. Und klar ist der Friedrich Wilhelm Murnau Klassiker mehr oder minder die Vorlage für die Lee Vampire Filme, und nix anders als ein Remake. Mit der Buchvorlage von Bram Stocker. Das Filmgeschäft basiert locker 99% auf mehr oder minder erkennbare Remakes.


da kann man dir nur recht geben.
stokers dracula ist der meist interpretierte stoff in der film welt, da kann kein anderer mithalten.
fast alles ist schonmal da gewesen und wenn man lange genug wartet, fällte es nur den älteren semestern auf.

und dieser film hier, ist sehenswert und unterhaltsam.

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