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cecil b
Level 17
XP 5.210
Eintrag: 23.11.2017

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John Wick & John Wick: Kapitel 2
Gentleman's Edition - Ultimate Fan Collection

Gruesome

(Salvage)
Herstellungsland:USA (2006)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller, Mystery

Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,89 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Claires Nachtschicht an der Tankstelle geht zu Ende; mutterseelenallein läuft sie zum verabredeten Treffpunkt mit ihrem Freund Jimmy. Doch an Jimmys Stelle kommt ein Fremder mit seinem Wagen angefahren. Er verfolgt Claire bis nach Hause und reißt ihr im Keller die Haut vom Gesicht – Schnitt: Claire ist wieder an der Tankstelle und alles schien nur ein Traum der übelsten Sorte gewesen zu sein. Als ihre Schicht vorbei ist, wiederholt sich das Szenario, doch diesmal ist es Jimmy, der sie abholt. Dennoch plagen Claire üble Vorahnungen und Visionen – immer wieder träumt sie von dem Serienkiller. Sein Name ist Duke Desmond und laut Presse sollte er längst tot und begraben sein...
eine kritik von cecil b:

 

Die Inhaltsangabe hat inkorrekte Angaben, und sie kann zusammen mit dem Cover falsche Erwartungen suggerieren. Folterungen spielen in GRUESOME kaum eine Rolle, vielmehr handelt es sich um einen psychologischen Horror-Krimi.  Meiner Meinung nach geht bei diesem Independent-Film viel Spannung davon aus, dass man genau wie die Protagonistin darüber rätselt, warum alles passiert wie es passiert. Rechnet ein Konsument aber mit einem Folter-Horrorfilm, dann wird er GRUESOME vermutlich "voll langweilig" finden.

GRUESOME ist ein Autorenfilm der Gebrüder Jeff und Josh Crook (Rockaway). Josh, der für seinen Film LA SOGA auf dem Oaxaca FilmFest, MX den Global-Award erhielt, hat GRUESOME auch geschnitten. Die Musik wurde von Evan Wilson komponiert, dessen Musik für LA SOGA mit dem selben Preis ausgezeichnet wurde. Hinter der Kamera stand John Ashmore, der auf dem New York International Independent Film & Video Festival den Feature Film Award für I Am My Father erhalten hat. Für die spärlichen aber soliden Effekte war Adam Schwartz (The Blacklist) zuständig. Die Figuren und ihre Darsteller sind allesamt austauschbar, aber bis auf kleine Nebenrollen agiert keiner wirklich schlecht. Die Protagonistin, gespielt von Lauren Currie Lewis (Jessie & Jill), hat fast nur die Aufgabe gut auszusehen, Angst und Schmerz zu zeigen, sowie das Knutschen und Streiten mit ihrem Freund darzustellen. Und das macht Lewis genau richtig.

 

 

Eine alltägliche Situation wird für Claire zu einer großen Qual. Es dauert nur Minuten, bis sich alles bedrohlich entwickelt, und dann wird Claires Angst noch brutal bestätigt. Claire versucht dem Horror in der Umgebung die ihr die Wirklichkeit bestätigt zu entkommen. Aber nichts ist mehr wie es war, auch das Bekannte und Vertraute gibt keine Sicherheit. Der Schulunterricht, in dem Philosophie durchgenommen wird, wiederholt sich nicht nur, die Aussagen scheinen einen Zusammenhang mit Claires traumatischen Erlebnis zu haben. Auch wenn Claire einer weiteren prekären, grauenhaften Situation entflieht, und ihr Tag vom neuen anders beginnt, ändert das nichts an ihrem Schicksal, wieder das nackte Grauen zu erleben. Als die junge Frau den Satz hört: " Realität ist das, was du spürst.", und wieder furchtbares zu spüren bekommt, bezweifelt sie ihre schrecklichen Erlebnisse nicht, und recherchiert, um herauszufinden, was es mit ihrem nicht enden wollenden Albtraum auf sich hat. Sie bekommt keine Hilfe, und wird von Jimmy sowie der Polizei für verrückt erklärt. Egal was Claire macht, alles spitzt sich immer mehr zu. Von der ersten Sekunde an herrscht eine bedrohliche Stimmung, und das liegt auch an der guten Inszenierung. Es zeigt sich wieder, dass ein geringes Budget nicht zwangsweise die Kreativität einschränken muss.

Die Crooks haben in einem fast dokumentarischen Stil ein ödes Landschaftsbild mit spröden Bauten gemalt. Alles ist beklemmend und blass mit einem grauen Schimmer bedeckt. Die Motive werden mit gekonnten Schnitten oft aus vielen verschiedenen Perspektiven in Szene gesetzt, die selbst ganz alltägliche Situationen oder Dinge interessant aussehen lassen. Meist ist Claire der Mittelpunkt der halbnahen Einstellung, und der Zuschauer kann ihren verängstigten Blicken folgen, mit denen sie ihre Umgebung inspiziert. Claires Visionen werden in alltägliche Situationen eingefügt, und in manchen Szenen wird im Hintergrund etwas gezeigt, was einen Zusammenhang mit ihren Befürchtungen hat. Mehrere Szenen leben davon, dass effektiv mit Kontrasten zwischen hell und dunkel umgegangen wird. GRUESOME arbeitet nur vereinzelt mit ein paar Standards, wie z. B. Szenen in Zeitlupe und Jump Scares. Die bedrohliche Atmosphäre wird durch langgezogene Geräusche und Ansätze von einem Klavier- oder Geigenspiel schön hörbar gemacht, gelegentlich ertönen explosionsartig elektronische Geräusche. Dass hin und wieder Post-Grunge zu hören ist, kann zwar als unpassend empfunden werden, aber die Texte passen gut zum Inhalt des Films, und die Musik drückt Claires und Jimmys Vorlieben aus. Ob GRUOSOME inhaltlich und stilistisch gut gelungen ist, da scheiden sich die Geister.

Eine Person, die auf dem Sprung vom Teenageralter in das Erwachsenenalter ist, und gar furchtbar realistische Albträume hat? Da denkt der Horrorfan an Wes Cravens A Nightmare on Elmstreet und dessen Fortsetzungen. Und genauso wie bei diesen Filmen, kann man sich bei GRUESOME die Frage stellen, wie so ein Twen nach spürbaren Horror-Träumen und Visionen neben den ausgeprägten Angstzuständen überhaupt noch seinen üblichen Gewohnheiten nachkommen kann. Wer das besonders kritisch sieht, der findet in GRUESOME vermutlich noch eine vermeintliche Unlogik, ein altbackenes biblisches Motiv, und eine zusammengeklaubte Story, orientiert an Filmen, die ja angeblich alles besser gemacht haben. GRUESOME hat auch keine kleine Angriffsfläche. Der abgewrackte Bösewicht und Claires Freund mit übermäßigen Geiltrieb sind reine Klischees, Claires Verhalten ist zum Teil diskutabel, die Logik muss am Ende neu ausgelegt werden, und die Polizei geht zweifelhaft vor. Aber all diese Angriffspunkte können relativiert werden. Eines muss man aber eingestehen: Der Plot ist ziemlich konstruiert, und es gibt Szenen, die schon etwas gewollt wirken, und nicht einfach im Zusammenhang gesehen werden können. 

Der Killer, Duke Desmond, ist nur ein Versatzstück in Claires Zwickmühle, und es braucht keinen Schauspieler, der diese Rolle besser spielt als Chris Ferry (Rise of the Dead). Der Horror geht hauptsächlich von Claires Situation aus. Ihr Freund Jimmy wird auf seine Wollust reduziert, und das wird weder auffallend schlecht oder gut von einem unbekannten Darsteller gespielt. Man kann am Ende des Films schlüssig sagen, dass Jimmys Verhalten letztendlich einen tieferen Sinn ergibt, da der Horror auch mit einer sexuell motivierten Bedrohung beginnt, die so ständig für Claire präsent ist. Es ist nicht unspannend, dass die erotischen Träume vom Jimmy den Befürchtungen von Claire gegenübergestellt werden. Die im Film erwähnte Philosophie von Aicholos Tragödien über den Lebens- und Todestrieb, deckt sich mit dieser Gegenüberstellung. Nicht jeder Zuschauer möchte ein Verständnis dafür haben, dass die Protagonistin sich dann noch auf sexuelle Gelüste einlässt. Aber ist es nicht verständlich, dass sich Claire, nachdem sie vorerst feststellt, dass sie ihr grausames Erlebnis ohne Blessuren überlebt hat, wieder den schönen Dingen des Lebens zuwenden möchte? Außerdem spricht die Entwicklung jeder Situation im Endeffekt für sich. Die Polizei reagiert auf den ersten Blick zwar ärgerlich unrealistisch, aber gerade die Szene, die am stärksten anfechtbar ist, kann man sich dadurch erklären, dass ein bestimmter Polizist bewusst falsch vorgeht, um sein Handeln zu legitimieren. 

 

 

GRUESOME ist ein gehaltvoller Horrorfilm der untypischen Art, der eine kreative Inszenierung aufzuweisen hat, eine ungewohnte Auflösung bietet, und weder aufwendige Effekte noch bemerkenswerte Schauspieler benötigt, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Der schlichte Stil, die austauschbaren Figuren und das Spiel mit der Logik werden aber nicht jeden Zuschauer befriedigen. So mancher findet dass der Film wenn sowieso nur einmal funktioniert, weil man dann ja die Auflösung kennt. Das sehe ich nicht so, weil man bei einem zweiten Blick ein völlig neues Erlebnis haben kann! 

 

 

8/10
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Kommentare

23.11.2017 20:40 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 11
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.661
Ist notiert, besten Dank!

Ich finde es übrigens auch reizvoll, Filme nach ihrer Auflösung nochmals zu schauen. Die Perspektive ist dann ja eine völlig andere. Schönes Beispiel dafür ist etwa "Angel Heart".

24.11.2017 00:36 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 586
Hört sich tatsächlich gut an, mit angel heart hat der hundefreund recht, deine rezi macht mir Lust. Ungewöhnlich aktueller Horrorfilm für dich, oder? Oder auch nicht!

24.11.2017 06:41 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 10
Erfahrungspunkte von naSum 1.510
Da warst du mal wieder voll in deinem Element, Cecil, was besonders an deiner Fähigkeit sichtbar wird, den Film empathisch aus unterschiedlichen Standpunkten zu beschreiben. Zu welcher Seite ich tendiere weiß ich noch nicht, da beide Auffassungen schlüssig argumentiert wurden. Vielleicht riskiere ich einfach mal einen Blick. Klingt ja durchaus nicht uninteressant.

24.11.2017 09:12 Uhr - NoCutsPlease
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.755
Der Film scheint ja sehr kontrovers aufgenommen zu werden, die Besprechung gefällt hingegen schon automatisch. :)
Diesen Sichtungstipp nehme ich gerne an.

26.11.2017 11:46 Uhr - Trainspotter
1x
Dieses Cover und die Inhaltsangabe schreien regelrecht danach, nicht von mir gesehen zu werden, aber nach dieser Review merke ich mir den Film mal doch vor. Respekt zu dieser gut und vor allem interessant geschriebenen Kritik.

26.11.2017 20:14 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.210
Freut mich, dass es euch gefällt, oder ich sogar dazu anregen konnte, diesen Film zus sehen!

Dicker Hund: Angel Heart ist inhaltlich ein guter Vergleich. Aber Parkers Film ist natürlich besser inszeniert und deutlich besser gespielt. Aber Gruesome finde ich genauso spannend.

TheRealAsh: Ich habe in letzter Zeit viele alte Horrorfilme besprochen, und werde es wieder tun. ;)
Aber ich habe auch einige neuere besprochen, wie THE WOMAN; das CARRIE-, MANIAC- und EVIL DEAD-Remake, AMERICAN MARY; PONTYPOOL; RAMMBOCK; GINGER SNAPS 1-3, MAY, DEEP IN THE WOODS, OBSESSION; TRAPPED ASHES; The AbcS of DEATH; TRIANGLE; und so weiter. Filme, die die 2000 überschritten haben. ;)

27.11.2017 23:35 Uhr - kokoloko
1x
User-Level von kokoloko 8
Erfahrungspunkte von kokoloko 816
Der liegt hier schon lange ungesehen rum und bisher hab ich Angst vor schundigem No-Budgettrash mit Standardstory gehabt - aber diese, in der Tat sehr gut geschriebene, Review hat jetzt doch Lust und Neugierde wieder erweckt, danke dafür!

28.11.2017 21:59 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von cecil b 5.210
Danke, freut mich sehr! :)

Aber wie geschrieben, ob der bei dir funktioniert, das weiß ich nicht!

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