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DriesVanHegen
Level 4
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Eintrag: 23.11.2017

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Scalps - Der Fluch des blutigen Schatzes

Small Town Killers

(Dræberne fra Nibe)
Herstellungsland:Dänemark (2016)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Komödie, Krimi, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: - (0 Stimmen) Details
inhalt:
Die Ehen der beiden Heimwerker Ib und Edward haben schon bessere Zeiten gesehen. Ihre Frauen Ingrid und Gritt halten ihre Männer nur für Witzfiguren, flirten ständig mit dem Tanzlehrer und schlafen lieber auf dem Sofa als mit dem Gatten. Ein Neuanfang muss her, doch die Männer sitzen auf so viel Schwarzgeld, dass eine Scheidung sie bettelarm machen könnte. Ein Auftragskiller soll die ungeliebten Ehefrauen loswerden. Doch die Damen haben längst Wind von dem Plan der Männer bekommen und sich eine eigene britische Profikillerin besorgt…
eine kritik von driesvanhegen:

Ole Bornedal ist ein Name, der mir immer wieder mal in Vergessenheit zu geraten scheint. Dabei ist sein Erstlingswerk NIGHTWATCH zum Kulthit avanciert, der sogar so prächtig erfolgreich war, dass Hollywood einige Jahre später ein Remake anordnete, bei welchem Bornedal ebenfalls auf dem Regiestuhl Platz nahm. So verehrt wie NIGHTWATCH auch heute noch wird, ist der Schöpfer dieses Hits relativ unprominent geblieben. Was zum Teil darin begründet sein wird, dass er nahezu alle Folgefilme wieder im weniger schillernden und erfolgheischenden Europa, genauer: seiner nordischen Heimat, gedreht hat. Sein Output ist in all der Zeit seit NIGHTWATCH übersichtlich geblieben. Weiterhin wage ich die Behauptung, dass der große Teil seiner Werke ziemlich still veröffentlich wurde und außerhalb Dänemarks eher seine „großen“ Filme bekannt sind. So konnte er mit seinem intensiven Drama BEDINGUNGSLOS ein recht spannendes Verwirrspiel anstiften und bei seinem späteren DELIVER US FROM EVIL Sam Peckinpah Tribut zollen. Beide wussten mich mit ihrer spröden Art zu unterhalten. Sein neuester Streich, SMALL TOWN KILLERS, wurde allerdings weniger als Thriller, sondern mehr auf der schwarzhumorigen Schiene beworben – kein Wunder, sind die Grotesken von beispielsweise Anders Thomas Jensen,  trotz allem bösen Humors, wohlig herzlich und vor allem erfolgreich.

 

Doch ach, SMALL TOWN KILLERS schafft es nicht gänzlich, sich dieser Tradition zu verschreiben. Dabei bietet der Plot genügend Potential für eine stimmungsvolle schwarze Komödie: Edward und Ib haben sich im Laufe der Zeit ein ordentliches finanzielles Polster mittels Schwarzarbeit angelacht. Nach außen hin geben sie sich unbeholfen-naiv, lassen ihre Frauen aber nach Herzenslust im Reichtum schwelgen. Allerdings sind die beiden Maurer nicht mehr sonderlich glücklich in ihren Ehen, denn Sex findet keiner mehr statt und ihre Gattinnen lästern im örtlichen Lokal über ihre Männer. Kurzerhand wird beschlossen, sich scheiden zu lassen. Dem entgegen stehen jedoch horrende Anwaltskosten und um diese zu umgehen, und ihr angehäuftes Geld nicht noch teilen zu müssen, wird im alkoholischen Rausch kurzerhand ein Killer engagiert…

 

Filme wie DÄNISCHE DELIKATESSEN meistern die Gratwanderung zwischen unterhaltsamer, bitterböser Groteske und ergreifender Menschlichkeit mit Bravour. SMALL TOWN KILLERS versucht, diesem Schema zu entsprechen.

Da ist der Humor: derb, zeitweise auch herrlich schwarz gefärbt, aber oft doch zu gewollt. Ab und zu herrlich naiv, beispielsweise, wenn Edward und Ib mit einem Namensschildchen ihren angeheuerten Killer vom Flughafen abholen wollen. Ab und zu herrlich inkorrekt, beispielsweise, wenn (scheinbar) orthodoxer Russe auf taxifahrenden Islamisten mitsamt Bin Laden-Tattoowierung trifft. Ab und zu herrlich schräg, beispielsweise, wenn Ib seine feminine Seite entdeckt. Aber oft eben auch hölzern, mit der Brechstange und auf die Bedienung von Klischees aus. Das Verwursten dieser kann zwar unterhaltsam sein, bietet auf Dauer aber keine neuen Humorimpulse.

Da ist die Menschlichkeit: oder eben auch nicht. Wo Jensens Werke tatsächlich immer mit einer mehr oder weniger versteckten Moral aufwarten können, verkommen die vermeintlich emotionalen Momente zu offensichtlich, eben auch zu gewollt daher. Trotzdem kann ein Appell Ingrids in der Kneipe mit seiner Schonungslosigkeit bezüglich verwerflicher Gedanken menscheln.

 

Spannung wird zu allem Übel auch nur leidlich, um nicht zu sagen gar nicht, aufgebaut. Die finale Ausrichtung des Plots ist recht schnell erahnt und so verkommt die vermeintlich intrigante Hatz doch zum zahnlosen Versuch einer stimmungsvollen Groteske. Die Atmosphäre, eine beschauliche Kleinstadt wird von den sich überschlagenden Ereignissen förmlich überrollt, möchte sich nicht einstellen. All das sehr zum Leidwesen der engagierten Darstellerriege. Bekanntestes, auch international aufgestelltes, Gesicht bietet hierbei mit Sicherheit Ulrich Thomsen (BANSHEE, THE THING [2011], IN EINER BESSEREN WELT, ADAMS ÄPFEL u. v. m.). Ein fähiger, ursympathischer Schauspieler, der hier zusammen mit Nicolas Bro (Häuser-Hans bei den DÄNISCHEN DELIKATESSEN, ADAMS ÄPFEL, NYMPHOMANIAC) wunderbar den augenscheinlich dümmlichen, insgeheim aber durchtriebenen Typen gibt. Mia Lyhne (DÄNISCHE DELIKATESSEN) und Lene Maria Christensen (mir leider nicht bekannt: FIDIBUS) können sich als gelangweilte, neureiche, anfangs gewissenlose und doch etwas unsympathische Ehefrauen austoben. Gerne mehr gesehen hätte ich vom immer wieder gewaltigen und gewaltig charmanten Ole Thestrup (ADAMS ÄPFEL, DÄNISCHE DELIKATESSEN, MEN & CHICKEN), der hier in einer kurzen, aber angenehm skurillen  Szene als Anwalt auftauchen darf.

 

Neben den Darstellern überzeugt natürlich auch die Kulisse vollends: träumerisches Kleinstadtleben, weite Landschaften und trüber Himmel können den, einerseits spröden und tristen, andererseits komisch-liebenswerten, skandinavischen Charme problemlos transportieren – schade dass dieser nicht auf inhaltlicher Ebene zum Tragen kommt.

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Kommentare

24.11.2017 16:59 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Da greife ich als Skandinavien-Fan doch gern mal zu. Danke für den Tipp und "Nightwatch" hat mir auch gut gefallen.

24.11.2017 19:29 Uhr - DriesVanHegen
1x
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Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 258
Wenn du, so wie ich, einen Narren an Jensens Filmen gefressen hast, würde ich empfehlen, die Erwartungen runterzuschrauben. Erreicht in meinen Augen nicht deren Klasse. Für beißende Groteske zu gewollt böse und für einen Thriller zu spannungsarm.
Oder scheust einfach alle Vergleiche und lässt dich überraschen ;)

26.11.2017 20:00 Uhr - cecil b
1x
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Großartige Vorstellung! Dänischer Humor ist immer interessant, finde ich, auch wenn er nicht immer bei mir funktioniert. Vielleicht auch nicht bei diesem Film.

Oles Bedingungslos muss ich bestimmt noch einmal probieren. Sehr schwere Kost, fand ich. NIGHTWATCH ist natürlich nen Knaller.

27.11.2017 14:42 Uhr - DriesVanHegen
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Ich werde mir glaube die Jensen Filme mal wieder geben bzw. bei FLICKERING LIGHTS eine Erstsichtung durchführen.

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