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DriesVanHegen
Level 4
XP 258
Eintrag: 27.11.2017

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The Night of the Virgin

(noche del virgen, La)
Herstellungsland:Spanien (2016)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Fantasy, Komödie

Bewertung unserer Besucher:
Note: 3,67 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Heute Nacht will er sie endlich loswerden. Nico, Übergebiss, unbeholfen und schon längst über 20, hat sich vorgenommen seine Unschuld zu verlieren. Nur mit wem? Keine Frau lässt sich anbaggern, bis er zur späten Stunde Medea begegnet. Sie ist zwar deutlich älter als er – aber was soll's? Reifere Frauen verfügen bekanntlich über mehr Erfahrung. Medeas geheime Vorlieben entpuppen sich jedoch als extrem schmerzhaft und so beginnt für Nico eine Nacht, die er nie vergessen wird – falls er sie überhaupt überlebt...
eine kritik von driesvanhegen:

Mit NIGHT OF THE VIRGIN steht in diesem, sich langsam dem Ende neigenden, Heimkinojahr einer dieser Filme in den Startlöchern. Dieser bezeichnet in diesem Falle, Filme denen, vor allem im Genrekino, ein gewisser Ruf und damit einhergehend eine gewisse Erwartungshaltung vorauseilt. Marketing (Veröffentlichung in Pierrot le fou's Uncut Mediabook-Reihe, entsprechend verheißungsvoller Trailer) und PR (Kotztüten bei den Fantasy Film Festival-Screenings) geben sich aber auch beste Mühe, das Regiedebut von Roberto San Sebastián als den neuen tabulosen Horrorschocker auszuweisen.

Und damit beginnen schon die Probleme: NIGHT OF THE VIRGIN ist mit Sicherheit einiges, aber ganz genau eben kein Horrorschocker. Eine genretypische Einordnung verbietet sich fast schon, weshalb sich stattdessen ein Vergleich mit den verrückten Werken eines Álex de la Iglesia aufdrängt. Hier wie da bekommt der Zuschauer eine wilde Mixtur aus verschiedenen filmischen Aspekten vorgesetzt, die sich in ihrem schrill überdrehten Wahnwitz nicht katalogisieren lassen. Dabei scheint sich der offensichtliche Plot der NIGHT OF THE VIRGIN an klassischen Teenagerkomödien zu orientieren: Nico (Javier Bódalo), der nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht, möchte in der Silvesternacht 2015/2016 endlich seine Jungfräulichkeit verlieren. Nach mehreren missglückten Versuchen kann er endlich die deutlich ältere Medea (Miriam Martín) nach Hause begleiten. In den nächsten Stunden wird sein Vorhaben mehr als nur in die Tat umgesetzt...

Ganz so klassisch wie formuliert, beginnt der Film doch nicht. Stattdessen bekommt man eine äußerst peinlich moderierte Silvestersendung präsentiert. Wie dem Booklet des Mediabooks zu entnehmen ist, ist diese weitgehend unlustige Holzhammermoderation allerdings so gewollt und soll das reale Vorbild persiflieren. Als Nicht-Kenner des spanischen TV-Programms springt der Funke nur spärlich über, aber allemal wird ersichtlich, wie grauenvoll schlecht die alljährlichen Sketche sein müssen. Neben inhaltlicher Irritation schafft es diese mehrminütige Sequenz außerdem mit ihrem schwer einzuordnenden Äußeren zu verwundern. Grieseliges Bild, Vollformat, Bildfehler. Während die Kamera nahezu unbemerkt immer näher an den Bildschirm zoomt, wird dieser mit einem Mal gestochen scharf, die Kamera setzt zurück und man findet sich in einer Großraumdisco wieder, in der die Fernsehübertragung auf eine Leinwand projiziert wird. Dabei poppt ekstatischer Synthwave aus den Boxen (die mich frappierend an einen Song aus THE GUEST erinnerte) und verbreitet Partylaune. Kurze Zeit später variiert der Sound jedoch zu düsteren, bedrohlichen Klängen, so dass der erst nach knapp fünfzehn Minuten eingeblendete Filmtitel mehr wie eine Warnung, denn spaßiges Vergnügen wirkt. Kommen Zuschauer und Nico in Medeas Wohnung an, verstärkt sich dieses unwohle Gefühl schlagartig. Die Wohnung und speziell das Badezimmer können sich nahtlos in die Kategorie der siffigsten Klos der Filmgeschichte (ganz weit vorn neben TRAINSPOTTING und DESPERADO) nominieren lassen und würden mit Sicherheit eine gute Platzierung einfahren.

Womit ich erneut die, in meinen Augen, Fehlplatzierung im Horrorgenre aufgreifen möchte. Überraschen, das kann NIGHT OF THE VIRGIN offenkundig ziemlich gut. Ekeln und verstören zählt noch offensichtlicher zu seinen Stärken. Aber wird er deswegen gleich zum Horrorfilm? Hier ist wenig gruselig, wenig schockierend und am allerwenigsten subtil schauerlich. Um dem Film ein Zielpublikum zuzuschreiben, erscheint das Horrorgenre in der Tat am plausibelsten. Trotzdem würden mich überschwängliche Reaktionen von Anhängern des Mainstreamhorrors eher überraschen. Eben weil der Film auf Grusel pfeift, sich eben nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt  und es keine der modernen Jump Scares gibt. Auf der anderen Seite fährt dieser filmische Bastard kein reines Splatterspektakel auf. Es fällt verdammt schwer, für NIGHT OF THE VIRGIN eine Zielgruppe zu definieren. Der Horrorfan wird sprach- und ratlos zurückgelassen und der Gorehound wird sich der fast forward-Funktion seiner Fernbedienung erinnern. Denn eines kann dieses Werk: sich Zeit nehmen. Und davon reichlich. Die erste Stunde ist, trotz des nur langsam in die Gänge kommenden Plots,  ausgesprochen spannend und unterhaltsam, da die Figuren und Umgebungen erst vorgestellt und kennengelernt werden. Die zweite Hälfte, der Film läuft fast zwei Stunden, tritt mit repetitiven oder zumindest ähnlichen Handlungsmustern auf die Bremse, zieht und streckt NIGHT OF THE VIRGIN unnachgiebig in die Länge und nimmt ihm die Würze. Selbst in einem der zentralen Akte wird es bei all den dünnflüssig verspritzten Körperflüssigkeiten verdammt zähflüssig, man suhlt sich im schon Gesehenen und beginnt seinen unterhaltsamen Ekel zu unterwandern.

NIGHT OF THE VIRGIN weiß als Groteske zu überzeugen. Schimpftiraden; Sex; abgefahrener, meist unterhalb der Gürtellinie, Humor und viele Liter Körperflüssigkeiten wissen als Gemisch zu unterhalten, aber leider steht sich der Film mit seiner gestreckten Laufzeit (vor allem!) im Finale im Weg. Dabei gibt es handwerklich nahezu keinen Grund zur Kritik. Der begrenzte Schauplatz wird immer wieder spannend in Szene gesetzt und der Schnitt ist stellenweise absolut fantastisch gelungen. Farblich ansprechend düster gestaltet, wird die ranzige Wohnung stimmungsvoll präsentiert und stellt, Ironie in Anbetracht der gestreckten Spieldauer, die im Film verstrichene Zeit als Ungewissheit dar. Schade auch, dass die Beweggründe hinter der Tat etwas nebulös bleiben, denn dort wurde verheißungsvoll geteasert. So bleibt alles etwas beliebig.

Stichwort Hintergründe: wenn man des Films, ob der gestreckten Laufzeit, nicht überdrüssig geworden ist, sollte man sich die kurzen Sequenzen nach dem Abspann betrachten. Dort wird netterweise ein fieser Twist in die Handlung gebracht.

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Kommentare

27.11.2017 14:48 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 11
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.661
Interessante Titelwahl und beredte Rezi. Trotz Deiner dezenten Kritikpunkte könnte ich mir gut vorstellen, den einmal zu wagen...

27.11.2017 15:34 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.755
Ansprechend aufbereitet und informativ dargestellt, das Ding könnte mir also durchaus Spaß machen.

27.11.2017 16:08 Uhr - Ghostfacelooker
1x
User-Level von Ghostfacelooker 14
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 3.378
Nachdem ich mit Iglesia(s) und seinen singenden Verwandten^^^^ gute sowie schlechte Filme (und Lieder) gehört und gesehen habe und der Trailer auch schon Interesse weckte, hat dein sehr aufführliches Review nur bestätigt das ich den irgendwann sehen muss, und sei es nur einmal

27.11.2017 18:51 Uhr - DriesVanHegen
1x
User-Level von DriesVanHegen 4
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 258
Das Finale ist auf jeden Fall sehenswert, aber der Mittelteil davor musste doch eher durchgestanden werden, weil viel zu langatmig. Wäre nach der stimmigen Einleitung das Tempo stattdessen erhöht wurden, hätte man damit einen vergnüglichen, spritzigen und vor allem kurzweiligen Brecher abgeliefert. Denn was da abgefeiert wird, sieht man mit dem handwerklichen Können doch eher selten.
Wer sich also trotz des zähen Erzähltempos daran wagen möchte: viel Vergnügen.
Und Danke falls das trotz der kritischen Sichtweise durch meine Besprechung geschieht ;)

27.11.2017 19:40 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.210
Deine kreative Sprache gefällt mir echt gut. Ich finde es auch interessant, wie du einen Eindruck vom Film gibst, du dich dabei aber nicht zwangsweise festlegst, in der Wertung, auch nicht schriftlich. Nun, der Film scheint ja auch viele Seiten zu haben. Ich bin neugierig, aber schraube meine Erwartungen runter.

Deine Review zu MAD CIRCUS muss ich auch noch nachholen. Neben Ex-Drummer, den du ja nicht nur besprochen hast, wenn ich da auf deinen 'Namen' schiele, einer meiner absoluten Lieblingsfilme!

27.11.2017 19:59 Uhr - DriesVanHegen
1x
User-Level von DriesVanHegen 4
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 258
Lob vom Meister Cecil, danke, danke. :)
Ja, hol die ruhig noch nach bzw. hast du das gerade - aber weshalb gleich überschwängliche 5 Kommentare? :D

27.11.2017 22:06 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.210
"Meister". Bitte nicht. Ist immer relativ, und bringt mich in eine komische Position. Es sei denn, das :) ist auch ein ;). 'Meister' gibt es hier ja wohl ernsthaft zu genüge.

Ich habe vor Ort die 5 Kommentare erklärt, weiter schreibe ich nichts ohne meinen Anwalt!: ;)

28.11.2017 19:19 Uhr - dicker Hund
User-Level von dicker Hund 11
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.661
Einen "Meister" gibt es auch in "Violent Shit III", aber der Fünfer-Post unter "Mad Circus" ist wirklich rekordverdächtig;-)

28.11.2017 20:48 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.210
Ja, es gibt viele Meister ;) : https://www.youtube.com/watch?v=eDHkV6wPZyQ

29.11.2017 12:40 Uhr - DriesVanHegen
User-Level von DriesVanHegen 4
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 258
28.11.2017 20:48 Uhr schrieb cecil b
Ja, es gibt viele Meister ;) : https://www.youtube.com/watch?v=eDHkV6wPZyQ

Danke für die Erinnerung - vielleicht leg ich anstelle von Jensen lieber einen Helge-Marathon auf's Parkett :D

29.11.2017 17:50 Uhr - Mr.Tourette
1x
User-Level von Mr.Tourette 1
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 24
Ich würde den Film als Horrorgroteseke bezeichnen!

Nagel auf den Kopf getroffen, DriesVanHegen. Der Film suhlt sich in seiner eigenen Zähheit, Unlustigkeit, verbalen und bildlichen Ekligkeiten.

Es ist irgendwie so, als hätte Brecht einen Horrorfilm gemacht um den "klassischen" Horrorfilm anzuprangern und ad absurdum zu führen.

Wie richtig festgestellt scheitert das Experiment an seiner Laufzeit. 30-40 Minuten kürzer und der Film wäre durchaus spannend in seiner Andersartigkeit, so lässt er einen doch etwas ratlos und meiner Meinung nach verärgert zurück, da man das Gefühl hat, der Regisseur will einem mit seiner Kunstvision förmlich in die Fresse treten. Und damit hab ich prinzipiell ein Problem, wenn mir jemand seine Kunst aufdrängen will, um zu zeigen, was er/sie nicht für ein Künstler/in sei.

Aber auf jeden Fall selber sichten und Meinung bilden!

29.11.2017 17:57 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.617
Mal wieder eine sehr lesenswerte und exzellent ausformulierte Besprechung die Interesse an dem Film weckt, gute Arbeit Dries!

29.11.2017 21:49 Uhr - DriesVanHegen
User-Level von DriesVanHegen 4
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 258
Danke auch ihr zwei!

Genau die Zeitangabe schwirrte mir auch immer im Kopf rum, aber irgendwie habe ich sie dann immer wieder vergessen zu erwähnen. Danke also für die Erwähnung ;)

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