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Edward mit den Scherenhänden

(Originaltitel: Edward Scissorhands)
Herstellungsland:USA (1990)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Fantasy, Liebe/Romantik
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,24 (43 Stimmen) Details
inhalt:
Das hätte sich die Avon-Beraterin Peg nicht träumen lassen: Statt Kunden findet sie in dem alten Schloß den Kunstmenschen Edward (Johnny Depp). Dessen Erfinder stirbt kurz vor der Vollendung seines Meisterwerks. Das Ergebnis: Edward sieht aus wie eine Mischung zwischen Pinocchio und Michael Jackson. Das Auffallendste an ihm sind aber seine riesigen Scherenhände. Als die resolute Avon-Lady ihn mit nach Hause nimmt, verliebt Edward sich in Pegs engelhafte Tochter Kim (Winona Ryder). Schon bald reißen sich die Leute um den Exoten, der mit seinen Scheren nicht nur Büsche und Bäume, sondern auch Hunde- und Frauenhaare in extravagante Kunstwerke verwandeln kann. Doch leider wollen nicht alle Edwards Talente für gute Zwecke einsetzen und bringen den naiven Scherenmenschen mit dem Gesetz in Konflikt. Sympathie verwandelt sich in Ablehnung und Hass...
eine kritik von kokoloko:

Edward Scissorhands (Blu-ray)

Keine Ahnung ob oder wie das Forum jetzt dazu reagieren wird, aber: Mochte ich nicht wirklich, halte ich für ziemlich überhypt.Scheint wohl ein weiterer, nostalgisch-verklärter Kindheitstrip zu sein für viele hier und das kann ich auch verstehen, aber trotzdem habe ich so meine Probleme mit dem Film, fangen wir an.

Fangen wir mit den guten oder gar fantatischen Dingen an: Der Soundtrack ist eins der, wenn nicht gar das beste Werk von Danny Elfman und unfassbar emotional, wow. Direkt bei den fantastischen Opening Credits habe ich an die Spiele von 2DBoy und die fantastisch winterlich-magische Atmosphäre dort, vorallem in "Little Inferno" gedacht, was ein riesiger Pluspunkt ist. Ergreifende, wunderschöne Musik zum Heulen und in den Schnee gucken. Punkt zwei ist demnach auch die fantastische Schneetanzszene, der ganze Anfang, jede Szene mit der Musik und vorallem das unfassbar emotional ergreifende und todtraurige Ende, ganz große Gefühle und eine kitschige, aber eben auch ungewöhnliche und zum Heulen schöne Liebesgeschichte, wow. Rahmenhandlung und Pointe, Darstellung der beiden Hauptcharaktere und der Soundtrack sorgen also für eine 10/10-würdige Atmosphäre, die mich wirklich ergriffen hat, so. Weiter mit dem Lob geht es dann mit den Darstellern, denn Dianne Wiest hätte hier hemmungslos overacten können, schafft aber tatsächlich eine relativ herzige und zurückhaltende Performance, Alan Arkin hatte sichtlich Spaß an seinem Charakter als ziemlich oberflächlicher, wenn auch grundguter "everyman"-Vater, Anthony Michael Hall ist ein unsympathisches Arschloch und viel mehr nicht aber ok, die ganzen moralisch verfaulten, aufgeregten Suburb-Hypocrite-Housewives sind allesamt Lästermäuler denen ich nach 10 Minuten den Tod gewünscht habe und sollen für die Geschichte ja auch genau so rüberkommen, insofern kann ich auch hier nur von gelungenen Darstellungen sprechen auch vorallem die Szenen mit Vincent Prince haben mich überrascht, was ein sympathischer und herrlicher Kerl das doch war.


Neben dem Soundtrack das absolute Highlight für mich ist dann jedoch nicht Johnny Depp sondern tatsächlich Winona Ryder, die nicht nur überzeugend spielt, sondern auch bildhübsch aussieht - jede Szene ein absoluter Genuß, engelsgleiches Gesicht und große Gefühle machen sich da breit, ganz ohne Hintergedanken gar.

Und das waren für mich dann auch schon die wichtigsten Pluspunkte in über 100 Minuten "Edward Scissorhands" - denn leider, leider hat der Film auch einen langen, langen Mittelteil, in dem inhaltlich quasi nichts passiert und genau dieser Mittelteil kriecht imho unschlüssig zwischen Realsatire, Drama und Comedy rum und bedient dabei kein Genre gut genug. Johnny Depp darf 100 Minuten lang verhalten und dämlich lächeln, ein desozialisierter und demnach quasi autistischer Freak und ja, das Thema mit dem "Will ich dazugehören?" etc., Doppelmoral, lassen dich fallen, Outsider usw. ist mir schon klar, nur trägt das den Film nicht. Minutenlange Minihandlungen oder Szenen sind weder witzig noch tragisch (Haare schneiden, Grillfest) und gehen nie von Edward selber aus, dazu verstehe ich oft einfach nicht, was das soll: Die Familie sitzt am Essen und alle scheinen zu bemerken dass Edward offensichtlicherweise nicht selber essen kann, aber niemand hilft oder agiert oder kommentiert das, was zum Teufel? Es ist zum Haare rausreißen und weder lustig noch irgendwie intelligent doppeldeutig etabliert, dass sie die Scherenhände nicht sehen oder so: Edward steht akward as fuck rum und scheitert im Alltag natürlich völlig an den einfachsten Dingen und alle Leute sehen das auch, aber niemand kommentiert das, macht sich drüber lustig oder hilft, sondern sie ignorieren es einfach. Nicht EDWARD selber ignorieren sie, da sie sogar mit ihm Reden, nur die Tatsache dass er nicht selber was essen oder sich anziehen oder Grillen kann, das wird so hingenommen, was weder zum Thema des Outsiders und der Integration passt, noch irgendwie in der Filmwelt selber Sinn macht. Hat man diesen großen Klotz an hirnrissigem Unsinn im steten Umgang mit unserem Hauptcharakter nun also geschluckt, fällt auf dass auch sonst bis auf die nebensächliche Lovestory fast nichts passiert und zwar sehr lange: Die ganze Frisörsalonsache führt zu nichts und ist nur ein unnötig riesiger und komplizierter Plot Device, ernsthaft in-depth Richtung Integration von Freaks wird es auch nie, so märchenhaft-bunt und lighthearted wie in anderen Bourtonwerken geht es aber auch nicht zu, da die grell-bunte Vorstadt als oberflächliche, sensationsgeile und durch und durch ätzend unsympathische Wohnsiedlung lästernder Tanten dargestellt wird, fernab vom sympathisch-magischen Wunschunivserum zum drin verlieren oder aber dem wohligen, leicht gothischen Grusel, den z.B. Corpse Bride oder Sweeney Todd so clever beherrschen. Nichts halbes und nichts ganzes, für ein Charlie & die Schokoladenfabrik reicht es nicht, für ein Sweeney Todd auch nicht. Grelle 60s-Werbereklamegesellschaft im Kontrast zum leicht gruseligen, aber herzlichen Freak, das haben wir in "Fido" zehnmal witziger und unterhaltsamer, auch nicht so zahm gelöst.
Hier und da gibt es schöne Einstellungen und Bilder und ja, ein paar Mal musste ich shcmunzeln - aber wenn ich als Zuschauer mit wenigen Ausnahmen nur von einem alltagsunfähigen Autisten nahezu ohne Dialog und einer Horde unsympathischer Heuchlerinnen umgeben bin, dann ist das - und zwar unabhängig davon, ob ich die Charaktere mögen SOLL, oder nicht - sehr nervig und zerrt gewaltig am Unterhaltungsfaktor.
Verlaufsspannung ist durch die archaisch wirkende Außenseitergeschichte mit üblichem Verlauf auch kaum gegeben, die Dialoge sind nicht schlecht aber auch nicht sonderlich gewitzt, sonstige reddeming factors sind bei der zahmen Inszenierung auch nicht wirklich gegeben, in düsterer und ernster oder eben überdrehter und witziger wär der Film deutlich gelungener.

Es bleibt also eine moderne "Frankenstein"-Version, eine Außenseitergeschichte mit einer wunderschönen Winona Ryder, teils fantastischen Darstellern, einigen inszenatorisch witzigen Szenen, emotional ganz großem Ende und wunderschöner Score - aber für 100 Minuten Filmunterhaltung reicht das leider nicht, wenn zwischendurch soviel garnichts passiert und die Charaktere so unsympathisch oder blass bleiben. 6/10

6/10
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Kommentare

28.11.2017 21:51 Uhr - cecil b
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Nun, du scheinst die Metaphorik echt nicht zu mögen. Sonst wäre dieser Film für dich wohl nicht so langweilig, egal an welcher Stelle. Die finstere Seite von Burton sehe ich stark gegeben, wenn ich da an das Schloss denke. Und das Dorf mit seinen Bewohnern ist ja nicht umsonst so, wie es ist. Aber dann sehen wir das einfach anders, oder einfach mit anderen Augen, jedem das Seine.

Dein Stil ist dein Stil, manchmal mag ich den auch, und den möchte ich dir nicht madig machen, aber in diesem Fall finde ich solche Sätze echt nur anstrengend:

"Die ganze Frisörsalonsache führt zu nichts und ist nur ein unnötig riesiger und komplizierter Plot Device, ernsthaft in-depth Richtung Integration von Freaks wird es auch nie, so märchenhaft-bunt und lighthearted wie in anderen Bourtonwerken geht es aber auch nicht zu, da die grell-bunte Vorstadt als oberflächliche, sensationsgeile und durch und durch ätzend unsympathische Wohnsiedlung lästernder Tanten dargestellt wird, fernab vom sympathisch-magischen Wunschunivserum zum drin verlieren oder aber dem wohligen, leicht gothischen Grusel, den z.B. Corpse Bride oder Sweeney Todd so clever beherrschen."

Erbsenzählerei: "shcmunzeln"

By the Way: Bitte keine Smileys und so etwas in die Reviews. Ich hab sie mal weder da unter gebracht, wo sie ihren Platz haben. ;)




28.11.2017 22:28 Uhr - kokoloko
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Von Metaphorik halte ich einiges, wenn du n Link zu ner ordentlichen Analyse/Besprechung hast dann immer gerne her damit, aber bis auf die Behandlung der filminternen, gesellschaftlichen Themen die ich genannt habe, ist mir da wirklich nichts weiter lobenswertes aufgefallen :( - und ja, das Schloss ist aber auch so ziemlich das einzig schön düstere Set. Was die Smileys angeht okay sorry und danke, war mir nicht sicher, was den Satz angeht: Hab ihn jetzt zweimal gelesen und zugegeben, "wird es auch nie" ist etwas schwach formuliert, aber sonst sehe ich das Problem nicht, ist wohl wirklich einfach Geschmackssache^^

Wie eh und je danke fürs Feedback!

28.11.2017 23:26 Uhr - cecil b
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Metaphorik: Ich habe da jetzt keine besondere weitere Link, aber in meinem Review bin ich darauf eingegangen, was ich in diesem Film sehe. Vielleicht ist das für dich interessant, vielleicht auch nicht. ;)

Smileys: ;)

Der Satz: Ist auch Geschmackssache. ;) Ich habe ja schon mal geschrieben, warum ich so einen Satz nicht gerade leserfreundlich finde.

Ansonsten weißt du ja, "Dein Stil ist dein Stil, manchmal mag ich den auch, und den möchte ich dir nicht madig machen". :)

29.11.2017 11:44 Uhr - NoCutsPlease
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Ich habe die Logik des kokoloko-Satzbaus auch noch nicht ganz durchschaut. Schachtelsätze, in denen Anfang und Ende inhaltlich zusammenpassen und Informationen mittels Nebensätzen dazwischengeschoben werden, kennt man ja im Allgemeinen.
Hier habe ich hingegen das Gefühl, dass du pro Satz immer vier, fünf, sechs Gedanken/Stichpunkte, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, willkürlich aneinanderreihst. Das macht die Lektüre aus objektiver Sicht schwerer nachvollziehbar, wenn man nicht unbedingt dein sprachliches Denkmuster teilt.
Was ich hingegen viel eher als persönlichen Stil betrachten kann, ist deine lebendige Wortwahl, auch wenn es sich für meinen Geschmack so hyperaktiv liest, als wenn du eine extreme Überdosis Koffein intus gehabt hast.

Aber wie auch immer, das ist nun einmal deine Art zu schreiben und auch die findet hier ihre Anhänger bzw. hat sie bereits gefunden.

05.12.2017 10:00 Uhr - der neue1067
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Es ist viel zu lange her als ich den Film gesehen habe und kann mich dementsprechend kaum daran erinnern. Aber zu dem was dich besonders gestört hat, ich meine das es offensichtlich ist das er mit seinen Scheren Händen nicht essen, sich anziehen oder grillen kann und sein Umfeld das zwar wahrnimmt aber ihm weder hilft noch seine Hilflosigkeit kommentiert. Könnte man das eventuell so interpretieren das sowas dabei rauskommt wenn man Behinderte genau so behandeln würde wie nicht Behinderte weil man sonst ja den Eindruck erwecken könnte das man den Menschen auf seine Behinderung reduziert!?!

Gut möglich das ich jetzt ziemlichen Humbug und Bullshit geschrieben habe denn ich bin meiner Meinung nach selbst nicht besonders gut im interpretieren aber das kam mir in den Sinn als ich die betreffenden Stellen in deinem Review gelesen Habe.

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