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Ein stahlharter Mann

(Originaltitel: Hard Times)
Herstellungsland:USA (1975)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Sportfilm
Alternativtitel:Streetfighter, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (8 Stimmen) Details
inhalt:
Chaney, ein arbeitsloser Herumtreiber kommt während der Weltwirtschaftskrise mit dem Güterzug in New Orleans an. Um sich etwas Geld zu verdienen beteilligt er sich an einem illegalen Strassenkampf, den er mit einem Schlag für sich entscheiden kann. Beeindruckt von den Fähigkeiten zieht er die Aufmerksamkeit des windigen Spielers Speed auf sich, der ihm als Manager das grosse Geld anbietet. Chaney willigt für ein paar Kämpfe ein, doch mit dem Erfolg wächst auch der Wetteinsatz und Speed lässt sich schliesslich mit den falschen Leuten ein...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von pratt:

Hintergrund:

Der Film ‚Hard Times‘ (dt. Titel: Ein stahlharter Mann) wurde in 38 Tagen von September – Oktober 1974 für ca. 2.700.000 $ hauptsächlich in New Orleans, sowie in Los Angeles gedreht.

In der Hauptrolle glänzt Charles Bronson (Gesprengte Ketten, Die glorreichen Sieben), neben ihm sind James Coburn (Gesprengte Ketten, Die glorreichen Sieben), Strother Martin (Butch Cassidy and the Sundance Kid, The Wild Bunch) Jill Ireland (Der Mann ohne Nerven, Kalter Schweiß) zu sehen, in weiteren Rollen sieht man bekannte Gesichter wie  Bruce Glover (James Bond – Diamantenfieber, Chinatown), Robert Tessier (Die Kampfmaschine, Doc Savage) Frank McRae (Nur 48 Stunden, Last Action Hero) und Stuntman-Idol Nick Dimitri (u.a. für Sean Connery & William Smith). Walter Hill (Nur 48 Stunden, Red Heat) damals lediglich Drehbuchautor (The Getaway, Der Mackintosh-Mann), gab mit diesem Film sein Regiedebüt. Der erste Rohschnitt von Regisseur Hill lief ca. 2 Stunden, wurde jedoch auf etwas mehr als 90 Minuten zusammengeschnitten, Dialogszenen, u.a. mit Jill Ireland, sowie einige Kampfszenen fielen der Schere zum Opfer, von einigen existieren aber unter anderem Aushangfotos, der Rohschnitt gilt als verschollen. Der Film sollte ursprünglich unter dem Titel ‚The Streetfighter‘ veröffentlicht werden, aber der Sonny Chiba Film ‚Der Wildeste von allen‘ war dem gerade zuvorgekommen und man wich auf den Drehbuchtitel ‚Hard Times‘ aus, der Film war kein Hit aber finanziell erfolgreich, in einem Interview von 2009 sagte Walter Hill, dass er immer noch Tantiemen für den Film erhält.

Story:

Der Film spielt im New Orleans der 30er Jahre, zur Zeit der großen Depression und erzählt die Geschichte von Chaney einem Drifter der von Stadt zu Stadt zieht und an illegalen Bare-Knuckel-Boxkämpfen teilnimmt um Geld zu verdienen. Mit dem Zug in New Orleans angekommen trifft er auf Speed, einen professionellen, redseligen Spieler, immer auf der Suche nach einem neuen Talent und die beiden bilden ein erfolgreiches Team …

Zum Film:

Der Film fängt die Atmosphäre  der Rezession und den Lokalkolorit von New Orleans sehr gut ein, hier wird größtenteils auf Hinterhöfen, in Hafenvierteln und Lagerhallen gefilmt, auf geschönte Bilder wird bewusst verzichtet. Es wurde viel Wert auf Authentizität gelegt so wurde z.B. eine Szene im Bordell mit echten Prostituierten vor Ort gedreht. Das Drehbuch kann überzeugen und enthält einige starke Dialoge (z.B. „Besorg‘ das Geld, egal wie, klau es, verkauf deine Schwester, leih es, sofort!“, „ Wie fühlt es sich an jemanden niederzuschlagen? Viel besser als es sich für ihn anfühlt.“) Barry De Vorzon’s stimmiger, besonders in den Kampfszenen gedämpfter Soundtrack, trägt sein Übriges zum Gelingen des Films bei und Philip H. Lathrop’s Widescreen Kameraarbeit und der rasante Schnitt des späteren Regisseurs Roger Spottiswoode runden das Ganze ab. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen auch die großartig in Szene gesetzten und realistischen Kampfszenen, teilweise wohl zu realistisch, denn beim Kampf zwischen Robert Tessier und Charles Bronson, wurde Tessier mehrmals wirklich von Bronson getroffen und brach sich unter anderem die Nase.

Der absolute Glanzpunkt des Films ist Charles Bronson, der hier endlich mal wieder ohne seinen berühmt, berüchtigten Schnäuzer und mit kurzen Haaren zu sehen ist, er spielt den wehmütigen, wortkargen Mann, grandios und absolut überzeugend und zeigt sich hier mit fast 53 Jahren in ausgezeichneter körperlicher Verfassung. Seine scheinbar brodelnde Leinwandpräsenz stellt die anderen Darsteller absolut in den Schatten, dabei war zunächst der deutlich jüngere Jan-Michael Vincent vorgesehen, da Walter Hill Bronson als zu alt empfunden hatte, ein weiterer Grund dürfte Bronson‘s 1 Million $ Gage gewesen sein. Bronson  verzichtete bei den Fights auf ein Double und ein extra für die Eröffnungsszene des Films angeheuerter Stuntman, der aus dem fahrenden Zug ins Gleisbett springen sollte, wurde von Bronson mit den Worten „ich weiß mehr darüber aus fahrenden Zügen zu springen als irgendwer anders“, wurde von Bronson weggeschickt. Die Rolle war wahrscheinlich näher an Bronson‘s eigener Persönlichkeit als irgendeine andere, so arbeitete er bereits als Kind und später als Jugendlicher in den Kohleminen von Pennsylvania und wurde von vielen Kollegen als schweigsam, distanziert und als Einzelgänger beschrieben. Zu der Zeit war es üblich, dass Bronson’s Frau Jill Ireland eine Rolle im Film erhielt, Walter Hills Kritik an Ireland’s schauspielerischen Fähigkeiten und das Entfernen einiger Szenen mit ihr verhinderten leider eine weitere Zusammenarbeit zwischen Bronson und Hill. Auch für James Coburn’s Rolle war zunächst Warren Oates vorgesehen und Coburn war zunächst zögerlich, die zweite Geige hinter Bronson zu spielen, da er seinen Durchbruch als Erster mit der Derek Flint Rolle hatte. Coburn weiß hier zu glänzen, als windiger, geschwätziger Spieler, der von seiner Spielsucht ständig in Probleme getrieben wird. Des Weiteren kann Strother Martin als opiumsüchtiger „Doktor“ Poe überzeugen, seine zurückhaltende, leise Art hinterlässt einen starken Eindruck, die laut Walter Hill an Autor Tennessee Williams angelehnt war. Jill Ireland bleibt etwas blass in ihrer (verkürzten) Rolle, ist aber hübsch anzusehen.

Charles Bronson selber war eher unzufrieden mit dem veröffentlichten Film und machte dafür Walter Hill verantwortlich, zu dem er nach der Premiere sagte, „Wir hatten einen guten Film, aber du hast in zu Tode zerstückelt.“ Tatsächlich macht der Film an einigen Stellen den Eindruck als fehle etwas, so ist z.B. James Coburn’s Freundin/Verlobte im letzten Drittel unerklärlicherweise abwesend und die Backstory von Chaney fehlt fast völlig, allein von Strother Martin’s Szenen wurden sieben entfernt.

Fazit: ‚Hard Times‘ ist ein hervorragender Film, mit großartigen Kampfszenen, einer interessanten Geschichte, sehr guter Ausstattung und tollem Lokalkolorit. Charles Bronson war schauspielerisch selten so gut wie hier und danach höchstens noch in Sean Penn’s Regiedebut ‚Indian Runner‘ und vielleicht noch in ‚Yukon‘. Einziges Manko, der Film musste wie oben beschrieben vor der Veröffentlichung einige Federn lassen und die ursprüngliche Fassung wurde (bisher) nie veröffentlicht.

10/10 möglichen Punkten. (Review No. 13)

Die Reviews beziehen sich immer auf die Originalfassung, niemals auf eine synchronisierte Fassung, die das Filmerlebnis in meinen Augen stark beeinflussen.

Die bisher beste Fassung des Films gibt es von Eureka, Masters of Cinema auf Blu-Ray & DVD in Großbritannien, mit einigen Extras und einer 4-K Restaurierung.

10/10
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Kommentare

10.12.2017 14:17 Uhr - NoCutsPlease
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Bevor diese Kritik in der aktuellen Reviewwelle unterzugehen droht, hinterlasse ich mal schnellstens mein Lob. ;)
Aus der Erinnerung heraus ist der Film bei mir im 9er Bereich angesiedelt. Bronson und Coburn sind jedenfalls wie gemacht für ihre Rollen.

10.12.2017 15:05 Uhr - Dissection78
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Jawoll, auch ein dickes Lob von mir, Pratt. Definitiv eines von Bronsons besten Werken. 9 Punkte sind hier absolut gerechtfertigt. Ein tolles, hartes Boxerdrama. Außerdem hoffe ich, dass ich mit 53 noch solch einen durchtrainierten Körper wie Bronson habe :)

10.12.2017 15:38 Uhr - Pratt
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10.12.2017 15:05 Uhr schrieb Dissection78
Jawoll, auch ein dickes Lob von mir, Pratt. Definitiv eines von Bronsons besten Werken. 9 Punkte sind hier absolut gerechtfertigt. Ein tolles, hartes Boxerdrama. Außerdem hoffe ich, dass ich mit 53 noch solch einen durchtrainierten Körper wie Bronson habe :)


Den Körper habe ich nicht mal jetzt und ich bin 15 Jahre jünger, der war schon 'ne Maschine. W. Hill sagte mal Bronson hätte in einem Kampf wahrscheinlich jeden am Set ausknocken können, der trainierte bis über 70 täglich!!!

10.12.2017 17:48 Uhr - JasonXtreme
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Da Reihe ich mich mal ein, Bombenfilm und passende Reiz dazu! Ja Bronson war schon verdammt fit! Soweit ich weiß hat er vor seiner Karriere auch mal Barenuckel Fights gemacht

10.12.2017 18:56 Uhr - Pratt
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@All, vielen Dank für euer Lob, ich "mühe" mich gerade noch mit zwei weiteren Reviews ab! Schade,dass solche Filme heute kaum noch gemacht werden...

11.12.2017 22:30 Uhr - Tom Cody
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Tolle Kritik mit starken Background-Infos zu Walter Hills großartigem Regieeinstieg.
Ich hatte mir letztens erst die Bluray zugelegt. Da wäre eine restaurierte Neufassung sicherlich hochinteressant, aber die Chance darauf schätze ich als weniger als gering ein...leider.

Und du hast vollkommen Recht. So ein Kino wie das von Walter Hill wird heute tatsächlich nicht mehr gedreht. Wahrscheinlich auch ein Grund, dass Hills letzter, wirklich guter Film auch schon mehr als 20 Jahre zurückliegt ("Last Man Standing").

12.12.2017 17:50 Uhr - Pratt
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@ Tom Cody, danke dir. Ja leider, werden wir die vollständige Fassung wohl nicht mehr erleben, da es sich kaum noch lohnt außer bei Blockbustern diesen Aufwand zu betreiben und selbst da sind die Verkaufszahlen rückläufig...

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