SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Just Cause 4 · für PS4, Xbox One und PC · ab 64,99 € bei gameware Red Dead Redemption · Uncut Westernfeeling für PS4 und Xbox One · ab 67,99 € bei gameware
Necron
Level 4
XP 233
Eintrag: 13.12.2017

Amazon.de

  • Mission: Impossible 6 - Fallout
4K UHD/BD Steelbook
39,99 €
4K UHD/BD
26,99 €
Blu-ray Steelbook
tba €
Blu-ray
17,99 €
DVD
15,99 €
Amazon Video
16,99 €
  • Predator - Upgrade
4K UHD/BD
28,99 €
Blu-ray LE
29,99 €
Blu-ray
19,99 €
DVD
15,99 €
amazon video
15,99 €
  • Subconscious Cruelty
  • BD/DVD Mediabook
Cover A
43,95 €
Cover B
43,95 €
Cover C
43,74 €
  • American Rikscha
  • Limitiertes Mediabook
Cover A
37,98 €
Cover B
38,02 €
Cover C
50,05 €

Cosmopolis

Herstellungsland:Frankreich, Kanada, Italien, Portugal (2012)
Genre:Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,67 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Eric Packer (Robert Pattinson), Millionär sowie erfolgreicher Vermögensverwalter fährt in seiner weißen Stretch-Limousine quer durch Manhattan, um sich bei seinem Lieblingsfriseur die Haare schneiden zu lassen. Doch das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses postmoderne Pandämonium schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen.
Während das Leben im Inneren seiner rollenden Festung zum Fernsehbild gerinnt, träumt Packer von hartem Sex, philosophiert über digitale Medien, geilt sich an riskanten Termingeschäften mit dem japanischen Yen auf und lässt sich seine "asymmetrische" Prostata untersuchen. Weltweit wackeln die Börsenkurse, die Finanzmärkte geraten ins Trudeln, und als Eric viele Stunden und etliche riskante Termingeschäfte später endlich seinen Haarschnitt bekommt, droht auch sein Leben aus den Fugen zu geraten ...
eine kritik von necron:

Der Kampf der Systeme ist gewonnen worden. Der Kapitalismus hat den Kommunismus bezwungen und ist zum globalen Allheilsmittel aufgestiegen. Doch heute mehren sich immer mehr die Anzeichen, dass dieser jetzt völlig enthemmte, wie zügellose Kapitalismus vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Wohin wird uns dieser Weg wohl führen? Und wichtiger noch, was wird er aus uns Menschen dabei machen?

Der Film „Cosmopolis“ von David Cronenberg (Scanners) geht dieser Frage in einem dystopischen Zukunftsszenario auf den Grund. Der Meister des Bodyhorrors bedient sich dabei einer sich selbst entwaffnenden Hochglanz-Ästhetik, abgeschmeckt mit fast zu perfekten Kamerafahrten, was im ersten Augenblick over the top wirkt. Doch auf den zweiten Blick nur diese ganze flache, oberflächliche Mentalität des amerikanischen Traums als Metapher ausbreitet, als Leinwand für den eigentlichen Film. Hauptfigur in diesem Drama ist der eiskalte und brillant-logisch agierende Vermögensverwalter Eric Packer, gespielt von Robert Pattinson (Twilight). Mit seinem teils ausdruckslosen, fast emotionslosen Gesichtsausdruck ist er quasi die Idealbesetzung für einen Menschen, der andere Menschen besitzt, ganz einfach weil er es kann. Er muss sich für nichts rechtfertigen. Und für Mitleid oder Wohltätigkeit hat er nicht viel übrig. Sein Interesse erregen dabei immer wieder gerne schräge Situationen, die er mit seinen Algorithmen und Cleverness versucht zu analysieren, nur um damit die Situationen umso mehr zu verzerren. Diese von Pattinson wahrhaft gewordene Verkörperung des heutigen Raubtierkapitalismus, bis ins Extrem pervertiert, ist grotesk. Und vulgär, ohne dafür einen einzigen Kraftausdruck verwenden zu müssen. Es ist unglaublich, mit was für einer Selbstverständlichkeit anderen Mitmenschen die menschenverachtendste Logik aller Zeiten einfach so ins Gesicht geworfen wird. Jedes „normale“ Zwischenmenschliche Verhalten wird wenn überhaupt nur oberflächlich begriffen und dann im besten Fall stumpf kopiert, ohne überhaupt zu verstehen, was es in Wirklichkeit bedeutet. Und letztendlich ist es ihm auch völlig egal. Arrogant, überlegen und desillusioniert. Sex den er sich jederzeit nehmen kann hilft dabei die Desillusioniertheit im Zaun zu halten. So als Gegenmittel, den schnellen Kick für zwischendurch, das man noch lebt.

Doch auch so eine Fassade kann ihre Risse bekommen. Der Raubtierkapitalismus muss zerstören, um erschaffen zu können. Und im Extremfall zerstört er sich dabei selbst. Er kann gar nicht anders. So auch unser Protagonist. Der Film beginnt bereits sehr früh damit ihn auf einen Trip der Selbstzerstörung zu schicken. Weil er bei einer Währung die Kontrolle verloren hat, bzw. sich ganz platt verzockt hat, beschließt er alles niederzureißen. Alles und jeden um sich herum. Fast verzweifelt versucht er dabei einen Sinn im eigentlich Sinnlosen zu suchen. Ein paar Stufen weiter kommt hier später auch noch Ausnahmeschauspieler Paul Giamatti als abgefuckter Systemverlierer Benno Leins ins Spiel. Ganz klar Paul Giamatti like genial runtergespielt, aber aus Spoilergründen kann ich darauf hier jetzt nicht wirklich eingehen.

Die Musik in dem Film wiegt den Zuschauer am Anfang noch leicht in Sicherheit, ganz tiefenentspannt, nur um dann im Verlauf immer treibender und zum Ende hin richtig bedrohlich zu werden. Wie der sich selbstentlarvende Hochglanzlook, eine Metapher. Eine Metapher des Untergangs. Der verkehrten Welt. Ein Strudel in dem sich alle Menschen in dem Film mehr oder weniger befinden. Empathie ist hier eine aussterbende Art. Die Menschen verstehen den vereinzelten, wütenden Protest gegen dieses System gar nicht mehr. Die Dialoge sind dabei bisweilen geradezu erbärmlich entwaffnend. Man unterhält sich, aber redet eigendlich an einander vorbei. Am Gegenüber, wie auch am Thema. Der wichtige zwischenmenschliche Kitt ist verschwunden. In einer Szene verbrennt sich, wie früher die Mönche, ein Mensch auf der Straße selbst. Aus Protest, damit die anderen Menschen mal was zum Nachdenken haben. Die Cheftheoretikerin vom Hauptprotagonisten kommentiert das trocken mit „Nicht glaubwürdig“. Das ganze wird selbstverständlich erschreckend kalt-logisch auch sogleich begründet. Ein Symptom für das woran es dem Kapitalismus mangelt. An Menschlichkeit. Dafür ist schlicht kein Platz mehr. Genauso wie für die Gegenwart, die auf Kosten der Zukunft zerstört werden muss. Maximale Ausbeutung, weil es sich so gebietet. Die meisten Menschen bleiben dabei auf der Strecke. Denn genau so muss es sein. Eine berechnende, unmenschliche Logik, die unnachgiebig immer weiter macht. Es gibt hier keine Tabus mehr, da ist nichts.

Dieser Film ist sehr gemischt aufgenommen worden. In meinem Freundeskreis auch nicht besonders gut weggekommen. Ich kann das alles verstehen. Menschen brauchen Hoffnung. Dieser Film ist die Gegenthese und in sich dermaßen hoffnungslos, das manch einer sich bestimmt nur noch damit zu helfen wusste, indem er das gesehene verleugnet oder am besten gleich ausmacht. Ist man nicht empfänglich für die eigentliche Botschaft des Films, kann sich zudem bestimmt schnell Langeweile einstellen. Cronenberg kann sich als Bodyhorror Ikone zwar die eine oder andere grausige Gewaltspitze nicht verkneifen, aber hält sich dennoch, was so etwas angeht sehr stark zurück. Ich möchte hier jetzt auch keine falschen Erwartungen schüren. Es ist und bleibt ein Hochglanz Kammerstück, mit einer Luxus Limo (also quasi High Tech Büro des Protagonisten) die sich durch die Stadt schlängelt.

Wie möchte man so einen Film jetzt „richtig“ bewerten? Wem kann man diese Art von Film überhaupt empfehlen? Ich denke wer mal einen kleinen, bösartigen Ausblick in die Zukunft haben möchte (von der wir bereits jetzt einiges im Hier und Jetzt entdecken können), der ist hier nicht verkehrt.  Nehmt einen tiefen Zug Realität und lasst alle Hoffnung fahren. Wohl bekomms.

Ich vergebe 8/10 Weltuntergangsphantasien

 

P.S.

Kleine Anmerkung. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Don DeLillo.

8/10
mehr reviews vom gleichen autor
Sicario
Necron
7/10
Eiskalte
Necron
8/10
Suspiria
Necron
9/10
die neuesten reviews
Demon
dicker Hund
8/10
Red
Ghostfacelooker
Salt
Kaiser Soze
10/10
Gotti
JasonXtreme
6/10
King
ETXGonzo
6/10

Kommentare

14.12.2017 00:05 Uhr - TheRealAsh
3x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.082
Sehr schön beschrieben necron, ein sehr besonderer Film, den ich persönlich mittlerweile sehr schätze. Beim ersten mal in einem kleinen Programmkino hat man die enge und das hoffnungslose voll gespürt und das ganze Publikum war nur genervt. Aber, ein cronenberg, wie er sein soll. Das Buch ist noch einen tacken besser

14.12.2017 05:40 Uhr - Ghostfacelooker
2x
User-Level von Ghostfacelooker 16
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 4.589
Bin doch immer wieder überrascht wie wortgewandt du doch zwischen deinen vorher von dir kryptischen Einzeilern sein kannst wenn du willst.

Ein verbales Raubtier, das also nur zubeißt wenn es muß, gefällt mir besser von dir als das tollwütige Raubtier das quasi auch gern in die Hand biß die sie füttert^^^^^

So wird man auch weniger geächtet.

14.12.2017 08:32 Uhr - JasonXtreme
2x
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.510
Abermals sehr genial geschrieben, Hut ab!!! Film kenne ich bislang nicht, das klingt aber nach einem sehenswerten Bastard!

14.12.2017 14:52 Uhr - cecil b
3x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.645
Meisterhaft formulierte Rezension!

Das Thema scheint dir zu liegen, diese aktuellen Gesellschaftskritiken finden ja gerne deine Beachtung.

14.12.2017 15:31 Uhr - Necron
3x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 233
Ich dank euch allen für dieses starke Feedback :)

@TheRealAsh
Also bei mir wächst der Film mit jedem Durchlauf jedesmal ein bisschen mehr. :)

@Ghostfacelooker
win-win Situation quasi ;)

@JasonXtreme
In der Tat ein sehr "sehenswerter Bastard" ;)

@cecil b
Eine gewisse Faszination für diese speziellen Themen kann ich in der Tat nicht abstreiten. :)


14.12.2017 16:42 Uhr - cecil b
3x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.645
Diese speziellen Themen: Cheap Thrills, zum Thema: Was würdest du für Geld tun, wenn du es dringend nötig hast? Ne Rezi gibt es, aber eine weitere könnte nicht schaden. ;)

Dass Cronenbergs Cosmopolis unter die Haut geht, da bin ich mir sicher. Ich halte fast alle seiner Filme für gesellschaftskritisch.

Ansonsten bin ich Fan von den Sendungen DIE ANSTALT und SCOBEL, die aktuelle politische und gesellschaftliche Themen fulminant satirisch darlegen (D A), oder besprechen Scobel).



14.12.2017 19:59 Uhr - Necron
3x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 233
14.12.2017 16:42 Uhr schrieb cecil b
Cheap Thrills


Das klingt nach einem interessanten Film den ich noch nicht kenne. Mal gucken ob ich das demnächst nachholen kann und dann möglicherweise noch eine Review... :)

P.S.
Cronenberg ist einer dieser Regisseure, die ich für was ganz besonderes halte (und meine Liste ist kurz was das angeht ;) )

15.12.2017 08:55 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.645
CT: Lohnt sich. Nur kleine Schwächen.

Cronenberg: Ich liebe seine Filme, bei denen man viel Psychologie hinein interpretieren kann, bei einem Review zu DIE BRUT habe ich mich da hinein gesteigert. A History of Violence und Dead Zone ließen mich überraschend kalt, aber die würde ich noch mal versuchen. VIDEODROME EXISTENZ...lechz... ;)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
Impressum Datenschutz Nutzungsbedingungen Team Kontakt / Werben Mithelfen
© Schnittberichte.com (2018)