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Black Christmas

Herstellungsland:Kanada (1974)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Silent Night, Evil Night
Jessy - Die Treppe in den Tod
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,31 (27 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

In einer studentischen Schwesternschaft wird Weihnachten gefeiert. Während der Feier geschieht ein Mord an einer der Studentinnen. Da noch niemand von dem Mord weiß, wird die Studentin als vermisst gemeldet. Als dann die Leiche eines Mädchens entdeckt wird, geht man davon aus, dass die als vermisst Gemeldete möglicherweise auch ermordet wurde. Immer wieder kommt es zu bedrohlichen Anrufen in der Schwesternschafft. So sieht man einen Zusammenhang mit der vermissten Studentin. Eine junge Studentin soll nun die Anrufe annehmen, damit die Polizei die Adresse des Anrufers bekommt.
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eine kritik von dicker hund:

Eine sehr beschauliche Art, die Weihnachtszeit im finsteren Teil der cineastischen Gefilde zu verbringen, ist Bob Clarks kanadischer Thriller "Black Christmas" von 1974, der gerne als Marker genannt wird, um den Weg des Giallo nach Nordamerika nachzuvollziehen, der wiederum als Wurzel des Slasher-Subgenre aufgefasst wird. Zu den Anfangscredits erklingt "Stille Nacht", und das Schwestern-Haus ist so festlich geschmückt, dass die Weihnachtsdeko immer wieder ihren Platz auf dem Bildschirm findet. In einem behäbigen Tempo wird die Geschichte um den obligatorischen Killer erzählt, so dass genügend Zeit bleibt, um den großzügig bestückten Teller mit den Plätzchen zu inspizieren.

"Seid mal ruhig! Der Stöner ist wieder dran. Der Verrückte."

Einen Namen hat er also, nur nicht so klangvoll wie "Michael Myers" oder "Jason Voorhees", eher wie der originale "Maniac", wenn jemand die Zeilen aus dessen Trailer noch erinnerlich haben sollte. So schweifen die Gedanken gemütlich dahin, während Marian Waldman als Mrs. Mac mit kreativen Verstecken für ihre Flachmänner unterhält, die schmaler sind als sie, aber nicht flacher als der Humor. Ein Beamter weiß nicht, was das Wort "Fellatio" bedeutet; da kichert Detective Fuller lange onscreen mit seinem Kollegen drüber (Humor 6/10).

Solange die Spannung hierdurch so grausam erwürgt wird, wie das schwarze Herz lieber unschuldige Opfer leiden sehen würde, beginnt das Gesichter-Memory: Dieser Lieutenant ist doch ... John Saxon, bekannt aus dem ersten "Nightmare on Elm Street" und aus "Tenebrae". Anspruchsvoller wird das schon bei den kecken Damen, die das zarte Pflänzchen der sexuellen Revolution und der Emanzipation zu gießen lernen, vor Charisma aber bereits annähernd zu sprühen beginnen. Da wäre die betrunkene Barbie, die mit Themen wie vorzeitiger Ejakulation hausiert und deswegen ins Bett geschickt wird. Bei ihr handelt es sich um Margot Kidder, in zwei Jahren dann sichtbar als Lois Lane aus der Superman-Reihe. Und natürlich darf die ungewollt schwangere Jess nicht unerwähnt bleiben, deren (damaliges) Tabu-Thema geringfügig leiser, aber doch prägend etabliert wird. Freunde der derben Kost sollten das Gesicht von Olivia Hussey aus der "Insel der Verdammten" und nicht nur aus der TV-Auswertung von Kings "Es" kennen. Für die Frau mit dem markanten Gesicht war Peter (Keir Dullea) keine gute Partie, auch wenn er betont:

"Wenn Du mich heiratest, muss doch nicht Deine berufliche Entwicklung darunter leiden."

Seine ansonsten übergriffige Semantik und Körpersprache mausert sich indes zum gruseligsten Element der gesamten Dramaturgie. Ist er gar der unheimliche Anrufer? Tja, dieses Telefonmotiv, das 22 Jahre später im 1996er "Scream" persifliert wurde, dürften die wenigsten der überwiegend jungen Zuschauer als Bezug zu dem hier besprochenen Werk gedeutet haben. Inzwischen hat obszöne Plakatkunst (Sex 2/10) nebst Bildern einer Frau mit gestrecktem Mittelfinger zu der Parole "Express yourself" an Skandalpotential verloren. Und auch die Leichen in unadäquater Ablage, deren explizite Herkunft mit nur einer Ausnahme aus schön reflektierenden Kristallen fraglich bleibt, dürften niemanden mehr vom nadelholzverzierten Hocker reißen (Gewalt 3/10). Nett bleiben indes die stoischen und doch ziellosen POVs des Mörders, die neben den schattigen Ecken im Finale die Spannungskurve aus dem Klamaukschlamm zu befreien versuchen (Horror 5/10). Den angestaubten Look der Wählscheibentelefone kann man dabei ja als Zeitdokument heimelig finden, die Intensität der Aufregung des nur ein Jahr später entstandenen "Weißen Hai" oder die Schmiere des quasi parallel veröffentlichten "Blutgerichts in Texas" sucht man hier aber vergeblich.

Unverwüstlich besteht dagegen das Klavier jede Alterungsprüfung dadurch, dass es dunklere Momente verstimmt begleitet oder sogar Objekt eines längeren Solos wird. Seine Souveränität hätten die Szenenübergänge gerne. Leider wirken sie stattdessen plump, was sich nicht nur auf die elenden Schnitte bei den Konfrontationen, sondern auch auf simple Schauplatzwechsel bezieht, deren holpriger Vollzug wohl kaum allein mit Filmrissen zu erklären sein dürfte. Was am Ende resümiert werden kann, ist eine Gruppe selbstbewusster, weiblicher, junger Charaktere aus den wilden Siebzigern, gespielt von kompetenten Darstellerinnen, die unangenehmen, aber meist fähig kontrastierten Männerrollen gegenübergestellt werden. Dazu eben die "Musik", eine Handvoll drolliger Requisiten und eingängige Kamerafahrten aus der Egoperspektive über ziemlich hässliche Leichen. Das ist gar nicht mal so wenig und historisch nicht uninteressant, vom Unterhaltungswert her gesehen allerdings eher bieder und lehrreich als fesselnd oder gar schockierend. Für kategorieaffine Zuschauer geht das sicherlich so in Ordnung (6/10 Punkten), für die FSK glücklicherweise auch, mit blauem Flatschen. Andere winken ab und verpassen nicht allzuviel.

6/10
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Kommentare

21.12.2017 10:23 Uhr - naSum
3x
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Ich winke ab und verpasse nicht allzuviel.
Das ist natürlich nur auf den Film bezogen, denn das Review hat abermals gut unterhalten.

21.12.2017 11:41 Uhr - Intofilms
4x
Bob Clarks grandiose Slasher-Blaupause "Black Christmas" habe ich erst vor einer Woche, wie im Grunde jedes Jahr zu dieser Zeit, voller Hingabe und Verzückung wieder geschaut. Das ist ein ganz wundervoller Thriller, höchst interessant und bedeutsam vor allem in filmhistorischer Hinsicht!
Da hätten wir etwa John Saxon, der nicht nur in den von Wuffi erwähnten Werken einen markanten Eindruck hinterlassen hat, sondern natürlich bereits viel früher einschlägige Genrepfade betreten hat, nämlich in Mario Bavas großartigem Proto-Giallo "The Girl Who Knew Too Much"; apropos Bava, im gleichen Jahr (1963) dreht dieser auch "Black Sabbath" aka "Drei Gesichter der Furcht", dessen erstes Stück "The Telephone" hier, in "Black Christmas", eben auch seine Spuren hinterlassen haben dürfte. Dann gibt es die angesprochenen POV-Exkursionen, die mich ganz eklatant an Carpenters Über-Slasher "Halloween" erinnern. Wie hier die Kamera auf das nächtliche Wohnheim zugeht, es förmlich umkreist und durch die Fenster ins Innere blickt, hat wenige Jahre später sicherlich auch John Carpenter und Dean Cundey erheblich beeinflusst. Im Übrigen trägt diese recht häufig eingesetzte Kameraperspektive maßgeblich zu dieser wunderbaren, unheilvoll-düsteren Atmosphäre bei, die im Grunde den ganzen Film bestimmt und für mich ebenfalls ein großer Pluspunkt ist. Übrigens wird hier in gewisser Weise auch ein vor allem in der englischsprachigen Literatur geläufiges Motiv "The mad in the attic" variiert (freilich sind es dort meistens verrückte Frauen, nicht Männer, die abgeschottet von der Außenwelt im Dachboden hausen müssen), was mir irgendwie auch ganz gut gefällt. Ganz nett finde ich natürlich auch den Cast, der einige schrullige Figuren bereithält.
Von mir gibt es hier eine hauchdünne 9/10 und trotzdem alle Daumen hoch für deine gelungene Besprechung, deren kritische Sichtweise gut nachvollziehbar ist. Wuffwuff! ;D

21.12.2017 11:41 Uhr - JasonXtreme
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Den hier kenne ich zwar nicht, dafür liest sich die Rezi super, wie immer :-) das Remake mag ich allerdings sehr gerne!

21.12.2017 13:11 Uhr - NoCutsPlease
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Hm, dieser Film wird so oft intofilmsmäßig gelobt und jetzt dieses kritische Gebell?
Macht nix, die Besprechung weiß wie gewohnt zu gefallen. :)

21.12.2017 13:27 Uhr - dicker Hund
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Besten Dank!

Dieser hier ist für Giallo-Fans sicher ein Fest zum Fest, aber die Fan-Brille verfärbt eben stark rosa. Für mich ist Klamauk in diesem Subgenre absolutes No-Go, was zu spürbaren Abzügen führt. Auch die freundlicherweise von Intofilms ergänzten Punkte widersprechen dem Empfinden als "bieder und lehrreich" ja nicht unbedingt...

21.12.2017 14:02 Uhr - Intofilms
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Ja, meine Sichtweise auf diesen Film ist sicherlich nostalgisch verzerrt, oder meinetwegen auch komplett verblendet. Und nichts läge mir ferner, als diese subjektive Begeisterung möglichst vielen aufzuzwingen. Jeder schaut doch sowieso immer seinen ganz eigenen Film und das ist auch gut so! Wichtig ist vor allem, dass solche Sachen überhaupt eine so erstklassige Vorstellung vom Horrormops erhalten. Für etwaige abweichende Bewertungen/Meinungen darf man hier ja zum Glück jederzeit einen kleinen Post hinterlassen, ohne dass der Reviewer dann gleich eingeschnappt oder sonstwie beleidigt wäre - vergleiche Wuffis nettes Feedback zum Feedback! ;D

21.12.2017 19:01 Uhr - Insanity667
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Ich find' der "Horrormops" hat das hier ganz gut auf den Punkt gebracht, bravo! Sicher ist der Streifen eine Art Bindeglied zwischen den europäischen Schlitzerkollegen und dem amerikanischen Slasher, aber auch nur eines von vielen. Und auch ohne "Black Christmas" hätten die Herren Carpenter, Cunningham, Craven und Co. ihre Hausaufgaben gemacht, soviel ist sicher! :) Mich hat der jedenfalls nicht von Stuhl gehauen, ich würde hier tatsächlich ebenfalls zur 6/10 tendieren.

21.12.2017 21:19 Uhr - Dissection78
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Hundecoole Sache! Den schau ich mir nämlich jetzt gleich an. Das habe ich mir schon vorgenommen, nachdem ich das Remake vor etwa zwei Wochen hinter mich gebracht hatte. Die Neuverfilmung fand ich immer sehr unterhaltsam. Vor besagten zwei Wochen ist sie jedoch ein wenig in meinem Wertungssystem gefallen. Das Original hingegen riss auch mich bei der Erstsichtung nicht vom Hocker (da bin ich ebenfalls bei 6 Punkten gelandet), über die Jahre ist es allerdings gewachsen. Jetzt bin ich bei einer 8 und schon gespannt wie`s nachher ausschaut.

Und natürlich: Trotz kleiner Differenzen zwischen uns beiden in der Wertung ist Deine Rezi wieder mal plausibel ausgefallen. Da kann man nicht meckern :)

21.12.2017 21:39 Uhr - Insanity667
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Ach nee... Dann doch lieber "Blutnacht" aka "Death House" aka "Silent Night, Bloody Night". Der ist wesentlich atmosphärischer, spannender, einfach besser und mindestens genauso gewichtig bei der Etablierung des "Slashers". :) Und der ominöse Anrufer ist wesentlich erträglicher...

21.12.2017 22:05 Uhr - Intofilms
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Der Anrufer/Killer in "Black Christmas" ist allerdings schwer gestört. Dieses kranke, hasserfüllte Gestammel finde ich auch heute noch richtig beängstigend. Das könnte wirklich einer der unheimlichsten Telefon-Stalker der Filmgeschichte sein... Für mich natürlich auch ein Pluspunkt des Films, das hat schon was! ;D

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