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Horace Pinker
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XP 7.810
Eintrag: 03.01.2018

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Achilles und die Schildkröte

(Akiresu To Kame)
Herstellungsland:Japan (2008)
Genre:Drama, Komödie
Alternativtitel:Achilles and the Tortoise

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Seit frühester Kindheit wird Machisu (Takeshi Kitano) zum Künstler herangezogen. Sein gesamtes Umfeld ist davon Überzeugt, dass Machisu eines Tages ein berühmter Maler wird.
Machisu selbst glaubt irgendwann so fest daran, dass es keine Alternative mehr für Ihn gibt außer die Kunst. Er heiratet Sachiko (Kanako Higuchi), die ihn nach Kräften bei der Verwirklichung seiner Träume unterstützt. Als sich jedoch selbst im fortgeschrittenen Alter noch kein Erfolg einstellt und der Drang nach künstlerischer Entfaltung sogar den Tod der eigenen Tochter (Eri Tokunaga) für ihn in den Hintergrund drängt und seine Frau Ihn verlässt, gerät sein Leben vollständig aus den Fugen.
eine kritik von horace pinker:

Nachdem sich Takeshi Kitano in Takeshi’s mit den Herausforderungen der Schauspielerei beschäftigte und mit Glory to the Filmmaker die Regiearbeit beleuchtete vollendete er 2008 mit Achilles und die Schildkröte (Originaltitel: Akiresu to Kame) seine Kitano Trilogie. Als Thematik diente diesmal die Malerei. Wie gewohnt gab sich Kitano nicht mit dem Regisseur Posten zufrieden, sondern übernahm zusätzlich auch noch eine Hauptrolle, verfasste das Drehbuch, wurde als Cutter tätig und malte einige der gezeigten Bilder. Die Handlung dreht sich um Machisu, der schon seit seiner Kindheit davon träumt ein erfolgreicher Maler zu werden. Nach dem tragischen Selbstmord seiner Eltern geht es allerdings für ihn stetig Berg ab und trotz all seinen Mühen und Versuchen will es nicht zum angestrebten Durchbruch kommen. Wird er doch noch erfolgreich werden oder an seiner Obsession zerbrechen?

Biografischer Exkurs: Anders als der Protagonist wurde Kitano selbst vergleichsweise spät künstlerisch tätig. Als er 1994 einen sehr schweren Motorrollerunfall erlitt (bei dem es sich um einen Selbstmordversuch gehandelt haben könnte), begann er während seiner Rehabilitation Bilder zu malen, die später auch in Hana-Bi und Kikujiros Sommer zu sehen waren. Später malte er auch für weitere Filme (darunter auch Battle Royale) Bilder, zudem konnte seine Werke auch bei einer französischen Ausstellung bewundert werden.

Wie bereits angedeutet, fällt Achilles und die Schildkröte im Vergleich zu Takeshi’s deutlich weniger selbstreferentiell (und dafür für nicht Kitanokenner auch besser geeignet aus). Stattdessen bekommt man eine sehr emotional mitreißende tragische Komödie serviert. Dabei wurde für einen perfekt ausgewogenen Mix aus tieftraurigen Szenen und auflockernden witzigen (aber nie zu klamaukigen) Momenten gesorgt, die teils sogar nahezu nahtlos ineinander übergehen (etwa wenn Kunststudenten zunächst harmlose Spielchen treiben, dies aber dank schlecht durchdachtem Verhalten in einem tödlichen Autounfall mündet). Auch die Entscheidung das gesamte Leben des Protagonisten von seiner Kindheit, über seine frühen Erwachsenenjahre bis ins hohe Alter aufzuzeigen sorgt für Abwechslung sowie eine tiefgehende Portraitierung des Protagonisten. Dieser ist dem Zuschauer trotz all seiner Unzulänglichkeiten und Schwächen sympathisch, so dass man sich wünscht, dass er sein Ziel doch noch erreichen wird. Auch die Nebenfiguren sind zum Großteil recht ansprechend umgesetzt worden und erscheinen durch die Darstellung ihrer eigenen Sorgen und Wünsche auch relativ dreidimensional. Thematisch ist das Ganze auch interessant, werden doch neben der Kunst auch ernsthafte Probleme wie familiäre Vernachlässigung, Prostitution, Depressionen, Suizid und Armut behandelt.

Vom technischen Standpunkt aus gibt es ebenso keinen Grund für Beschwerden: Kitanos Stammkameramann Katsumi Yanagijima (Shutter, The Grudge 2) liefert wunderschöne Aufnahmen der Kunstwerke, Natur und urbanen Umgebung, welche zudem durch den Verzicht auf viele Schnitte eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Untermalt wird das Ganze passend durch die melancholischen Klänge von Yuki Kajiura (hat sonst vor allem Soundtracks für Animes gemacht).

Die Hauptfigur Machiso wird im Film gleich von drei verschiedenen Darstellern verkörpert, den Anfang macht Reiko Yoshioka (sein bisher einziger Leinwandauftritt), der hier Machiso als Kind verkörpert. Trotz seiner fehlenden Schauspielerfahrung macht er gute Arbeit und schafft es die nötige kindliche Unbekümmertheit und Naivität auszustrahlen und dabei auch schon die spätere Obsession seiner Figur durchscheinen zu lassen. Als nächstes folgt Yurei Yanagi (Hana-Bi, Boiling Point), der Machiso als jungen Erwachsenen spielt. Dabei schafft er es sowohl einen gewissen Charme auszustrahlen, als auch seine Besessenheit klar zu verdeutlichen. Als letzter im Dreiergespann gibt sich Kitano selbst die Ehre. Dieser schafft es perfekt sich als innerlich junggebliebener alter Mann von seiner üblichen Rolle als knallharter Yakuza abzugrenzen und dabei sowohl den Zuschauer durch die Ignoranz seiner Figur bezüglich seiner Familie und den ihm durch seine oft eher ungewöhnlichen Kunstwerke  drohenden Gefahren (etwa malen in einem brennenden Haus) zu schocken als auch den ein oder anderen Lacher zu erzeugen. Als seine Filmfrau Sachiko steht ihm Kanako Higuchi (Casshern, Ronin-gai) zur Seite. Es gelingt ihr dabei glaubwürdig die tiefgreifende Liebe und das vorhandene Verständnis für ihren Mann, aber auch den Schock über seinen teilweisen Mangel an Empathie zu vermitteln. Auch bei der restlichen Besetzung gibt es keine Ausfälle, so das auch kleinere Nebenfiguren, wie Machisos fieser Onkel, seine Tochter oder sein geistigbehinderter Kindheitsfreund dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben.

Aufgrund des weitgehenden Verzichts auf grafische Gewaltszenen wenig überraschend, wurde Achilles und die Schildkröte in Deutschland ungekürzt mit dem 12er Siegel der FSK veröffentlicht.

Mit Achilles und die Schildkröte hat  es Kitano erneut geschafft ein fesselndes und hochemotionales Werk auf Celluloid zu bannen, welches trotz der Thematik auch für Kunstlaien (den Autor eingeschlossen) dank der hervorragenden Schauspielleistung, der ungewöhnlichen und durchgehend sehenswerten Geschichte, sowie der tollen Optik und dem hervorragenden Mischung aus Witz und Traurigkeit geeignet ist. Dafür gibt es von mir wohlverdiente 9/10 Gemälden.

9/10
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Kommentare

03.01.2018 23:51 Uhr - TheRealAsh
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Schon beeindruckend, was kitano alles so geschaffen hat, ein wirklicher Künstler. Deine rezi öffnet mir mal wieder die tore eines unbekannten kosmos, den ich noch betreten muss und kann:-)

04.01.2018 10:36 Uhr - Horace Pinker
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03.01.2018 23:51 Uhr schrieb TheRealAsh
Schon beeindruckend, was kitano alles so geschaffen hat, ein wirklicher Künstler. Deine rezi öffnet mir mal wieder die tore eines unbekannten kosmos, den ich noch betreten muss und kann:-)

Vielen Dank Ash, freut mich das es mir gelungen ist dein Interesse am Film zu wecken. Achilles und die Schildkröte ist übrigens im gewohnt tollen Capelight Mediabook zu Outrage Beyond enthalten, welches immer noch für relativ wenig Geld erhältlich sein sollte.

04.01.2018 11:30 Uhr - NoCutsPlease
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Es ist doch immer wieder interessant, was du dir abseits des Horrorsektors so alles ansiehst, insbesondere Kunst und Musik (aber bloß kein Ballett) scheinen ja immer wieder den Weg zu dir zu finden. :)

Ich bin grundsätzlich immer an solch philosophisch angehauchten Filmen interessiert, deshalb werde ich den mal im Hinterkopf behalten und bedanke mich für den pinkerschen Tipp!

04.01.2018 12:10 Uhr - Horace Pinker
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04.01.2018 11:30 Uhr schrieb NoCutsPlease
Es ist doch immer wieder interessant, was du dir abseits des Horrorsektors so alles ansiehst, insbesondere Kunst und Musik (aber bloß kein Ballett) scheinen ja immer wieder den Weg zu dir zu finden. :)

Ich bin grundsätzlich immer an solch philosophisch angehauchten Filmen interessiert, deshalb werde ich den mal im Hinterkopf behalten und bedanke mich für den pinkerschen Tipp!

Vielen Dank fürs Lob NCP! Auch wenn man ein Genre bevorzugt ist es ein Fehler sich ausschließlich darauf zu beschränken, daher sehe ich mir zwischen den harten Horrorschockern auch gerne mal Komödien und Dramen an und auch anderen Richtungen wie Action, Fantasy, Sci-Fi und Western bin ich nicht abgeneigt, so kommt keine Langeweile auf (auch in reviewtechnischer Hinsicht ;) Zudem sehe ich mir wenn ich einen Regisseur oder Darsteller mag oftmals viele seiner Filme an, die meist ohnehin schon mehrere Genres umfassen.

04.01.2018 13:00 Uhr - DriesVanHegen
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04.01.2018 10:36 Uhr schrieb Horace Pinker
03.01.2018 23:51 Uhr schrieb TheRealAsh
Schon beeindruckend, was kitano alles so geschaffen hat, ein wirklicher Künstler. Deine rezi öffnet mir mal wieder die tore eines unbekannten kosmos, den ich noch betreten muss und kann:-)

Vielen Dank Ash, freut mich das es mir gelungen ist dein Interesse am Film zu wecken. Achilles und die Schildkröte ist übrigens im gewohnt tollen Capelight Mediabook zu Outrage Beyond enthalten, welches immer noch für relativ wenig Geld erhältlich sein sollte.

Sehr fein, dann kann ich mir den auch bei Zeiten mal ansehen. Sehr löblich, dass Capelight ihre MB als Sondereditionen verstehen und so was als Bonus dazupacken.
Review habe ich nicht gelesen, von Kitanos Werken lasse ich mich lieber gänzlich überraschen.

04.01.2018 13:28 Uhr - TheRealAsh
3x
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04.01.2018 10:36 Uhr schrieb Horace Pinker
03.01.2018 23:51 Uhr schrieb TheRealAsh
Schon beeindruckend, was kitano alles so geschaffen hat, ein wirklicher Künstler. Deine rezi öffnet mir mal wieder die tore eines unbekannten kosmos, den ich noch betreten muss und kann:-)

Vielen Dank Ash, freut mich das es mir gelungen ist dein Interesse am Film zu wecken. Achilles und die Schildkröte ist übrigens im gewohnt tollen Capelight Mediabook zu Outrage Beyond enthalten, welches immer noch für relativ wenig Geld erhältlich sein sollte.


Danke fürs erinnern, die liegen ja tatsächlich in den Märkten neben dem Dolls-MB für ca. 10€ rum. Ich muss mich jetzt echt mal aufraffen:D

04.01.2018 16:45 Uhr - Insanity667
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Arigatō Horace-san! :)
Wieder sehr schöne Lektüre! Die philosophische Komponente könnte sogar einen Muffel wie mich hinter dem Ofen vorlocken. Eieieieieiei... was ich mir, dank dir und den anderen, schon wieder alles für dieses blutjunge Jahr vorgenommen habe!

04.01.2018 17:47 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
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04.01.2018 16:45 Uhr schrieb Insanity667
Arigatō Horace-san! :)
Wieder sehr schöne Lektüre! Die philosophische Komponente könnte sogar einen Muffel wie mich hinter dem Ofen vorlocken. Eieieieieiei... was ich mir, dank dir und den anderen, schon wieder alles für dieses blutjunge Jahr vorgenommen habe!

Domo arigato Kyōki-san ;) Ich klinge zwar sicher schon wie eine zerbrochene Schallplatte, aber bei Kitano kann man nicht viel falsch machen, seine Regiearbeiten sind sowohl inhaltlich als auch visuell top und auch seine literarischen Arbeiten sind sehr empfehlenswert. Das mit den Vorsätzen kann ich nachvollziehen, bei den vielen interessanten Filmen ist es schwer hinterherkommen.
Dries: Dann wünsche ich dir viel Vergnügen und bin gespannt ob unsere Meinungen zum Film übereinstimmen werden.

04.01.2018 18:29 Uhr - Insanity667
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Da ich ja nun auch überraschend von meiner jahrelangen Verweigerungshaltung gegenüber Animes kuriert bin, vertrau ich dir einfach mal! "Hanna-Bi" (den du mir unter dem letzten Review schon empfohlen hattest) und "Dolls" sind soeben in meinem Warenkorb gelandet! :P An den hier muss ich dann bei Gefallen wohl irgendwie anders rankommen...

04.01.2018 20:49 Uhr - cecil b
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Beat Takeshi bringt dich zu lyrischen Meisterleistungen. :)

Während des Aufenhalts im Krankenhaus, nach dem "Motorrollerunfall", schrieb er übrigens den Roman, von dem ich dir berichtete. Der Mann ist zu kreativ, als dass er nur liegen kann.

Weitere Takeshi-Reviews von dir und die besprochenen Filme muss ich bei Gelegenheit nachholen, denn du hast meine Begeisterungen für diesen Meister wieder entfacht!

04.01.2018 21:30 Uhr - Horace Pinker
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04.01.2018 20:49 Uhr schrieb cecil b
Beat Takeshi bringt dich zu lyrischen Meisterleistungen. :)

Während des Aufenhalts im Krankenhaus, nach dem "Motorrollerunfall", schrieb er übrigens den Roman, von dem ich dir berichtete. Der Mann ist zu kreativ, als dass er nur liegen kann.

Weitere Takeshi-Reviews von dir und die besprochenen Filme muss ich bei Gelegenheit nachholen, denn du hast meine Begeisterungen für diesen Meister wieder entfacht!

Vielen Dank auch an dich Cecil für Lob und Ergänzungen! Da du (wie deine empfehlenswerten Rezensionen belegen) schon seine 90iger Jahre Werke mochtest bin ich überzeugt das auch der neuere Output des japanischen Regiemeisters deinen Geschmack treffen wird. Ich für meinen Teil bin auf Outrage Coda gespannt und hoffe auf ein baldiges Release der bisher hierzulande unveröffentlichten Werke Getting Any und Glory to the Filmmaker.

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