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Brawl in Cell Block 99

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,48 (52 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nachdem der ehemalige Boxer Bradley Thomas (Vince Vaughn) seinen Job verloren hat, heuert er bei seinem alten Freund Gil (Marc Glucas) an und arbeitet fortan für diesen als Drogenkurier. Nach einem fehlgeschlagenen Coup landet Bradley jedoch im Knast. Um das Leben seiner Frau (Jennifer Carpenter) und seines ungeborenen Kindes zu retten, muss er sich dort in einer Spirale der Gewalt gegen Gefängsdirektor Tuggs (Don Johnson) und jede Menge anderer finsterer Gestalten erwehren... ()

eine kritik von tschaka17:

Prison will give me plenty of time to look at guys I don´t like.

Brawl in Cell Block 99 ist so ein Streifen, der trotz seiner filmischen Qualität keine Kinoauswertung in Deutschland erhalten hat. Dies liegt vermutlich an seinem Inhalt, welcher etlichen Zuschauern das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ruhig erzählt bietet das Werk extreme Gewaltspitzen von enormer Brutalität. Doppelte Steigerung, aber hier gibt es Bilder zu sehen, die in ihrer Härte einzigartig sind. Eigentlich schafft der Heim-VÖ-Sektor eine Plattform für solche Filme, jedoch lässt in Deutschland eine Veröffentlichung auf sich warten. In den USA bereits am 6. Oktober 2017 vereinzelt in wenigen Kinos zu sehen und nur eine Woche später im Markt zu kaufen, gibt es in der Bundesrepublik noch nicht einmal einen Ansprechpartner in Sachen Lizenzrechte. Schönerweise schafft das Ausland Abhilfe und bei meinem großem Interesse konnte die VÖ Ende 2017 in England nicht schnell genug kommen. Meine Sichtung bezieht sich dementsprechend auf die O-Ton-Fassung.

Bei der Story verzichte ich auf größere Details. Den Abwärtssog von Freiheit, mittlerer Gefangenschaft bis totaler Unterdrückung sollte jeder Interessent selbst erleben. Anders als vom Trailer suggeriert spielt der Film jedoch deutlich weniger im Knast oder gar Cell Block 99 als angenommen. Zu Beginn nimmt sich der Streifen viel Zeit um seine Figuren vorzustellen und eine Bindung zu Bradley Thomas (Vince Vaughn) aufzubauen. So ergibt sich das Gefühl, eher eine Biographie denn eines fiktiven Spielfilms zu schauen. Desto weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr fühlt man als Zuschauer selbst physisch den Schmerz, welchen Thomas erleidet. Sehr geschickt gemacht und wirklich vorzüglich umgesetzt. Insgesamt ist die Geschichte zudem plausibel, beinhaltet für mich allerdings einen Kritikpunkt: Der Grund für Bradley Thomas Einbuchtung ergibt gegen Ende, sobald man die Figur über knapp zwei Stunden mit ihren Facetten kennengelernt hat, Sinn. In besagter Situation jedoch war mir das Handeln von Thomas nicht ganz verständlich, er hätte unzählige Knast-Verhinderungsmöglichkeiten gehabt. Dies führt zu einer leichten Dissonanz, die sich im Verlauf des Films aber wieder aufhebt.

Weniger gestelzt beschreiben lässt sich die Performance von Vince Vaughn: Grandios! Im Film wirkt der eh schon hochgewachsene Vaughn wie ein unbezwingbarer Hüne. Sein Äußeres, insbesondere die Glatze und die spezielle Tätowierung, leisten einen großen Teil dazu bei. Der Mann, Bradley Thomas, zeigt kaum Gefühle. Doch in ihm brodelt eine Kraft und bei einem Ausbruch möchte man nicht im Weg stehen! Dabei ist Vaughns Figur trotz ihrer Gewalteskalationen, kriminellen Aktivitäten und schroffen Art irgendwie sympathisch. Er kennt den Unterschied zwischen Gut & Böse, muss jedoch manchmal die Grenzen verschwimmen lassen. Eine Darstellung, welche im Kopf bleibt. Erwähnenswert ist der Auftritt von Udo Kier, der mir sofort Erinnerungen an 4 gegen Z verschaffte. Wobei ich die Serie nie wirklich gut fand. Jennifer Carpenter und Don Johnson treten zwar auf, sind aber in meinen Augen nur Beiwerk zum genialen Vaughn.

Die Inszenierung ist hervorragend! Regisseur S. Craig Zahler wird den Meisten durch Bone Tomahawk bekannt sein. Hier schafft er ein Werk, welches im Verlauf immer dreckiger wird. Zu Beginn gibt es kleine, aber feine, Häuschen zu sehen, es folgen der Umschwung zu einem normalen Gefängnis und der Absturz ins mittelalterlich anmutende Grauen. Keine Übertreibung, die finale Zelle wirkt wie ein Kerker des 16. Jahrhunderts: Der Gestank kriecht förmlich aus dem Fernseher hinaus, es ist düster und eine merkwürdige Stille erzeugt ein Gefühl von Unmenschlichkeit. Dabei scheut sich der Film nicht auf zugeschissene Toiletten oder versiffte Matrazen näher einzugehen. Schon hier wird der Magen gefordert, mein Essenskonsum während des Werkes tendierte voranschreitenden gegen 0.

Insgesamt strahlt die Kamera eine ungewöhnliche Ruhe aus. Selbst in den Kampfsequenzen bietet sie fast statisch einen sehr guten Überblick, ohne dabei die notwendige Dynamik zu verlieren. Besagte Klopperein, bis auf eine Schießerei gibt es nur Hand-to-Hand-Combat, sind dann auch einfach nur heftig. Auch hier findet sich eine Dissonanz wieder, welche fasziniert: Auf der einen Seite wirken die Kämpfe arg choreographiert. Vaughn haut als (im Film) ehemaliger Boxer ordentlich zu, aber eben geplant. Allerdings stört diese Choreographie nicht, denn Bradley Thomas als Figur hat einen Aura der Unbesiegbarkeit um sich, welche ihn zu schützen scheint. Merkwürdig zu erklären, aber im FIlm gut zu sehen. Dieser Hüne bekommt zwar massiv auf die Schnauze, gewinnt seine Kämpfe aber nicht nur durch Technik, sondern auch durch mentale Stärke und vor allem massive Brutalität.

Bis zur letzten Viertelstunde hält sich die Gewalt noch im akzeptablen Rahmen: Einige gebrochene Körperteile da, ein paar abstehende Knochen hier, sadistische Stromschläge und verbale Bedrohungen. Insbesondere die Androhung der Schändung eines ungeborenen Fötus ist jedoch schon pur ekelerregend. Die finalen 15 Minuten sind allerdings einfach nur der brutalste Wahnsinn. Hier werden Köpfe zermatscht, Augen ausgequetscht und Menschen auf bestialischte Art und Weise hingerichtet. Vaughn eskaliert! Wie zu erwarten hält die Kamera voll drauf und bietet einige unvergesslich schaurige Bilder. Ich sag nur Fußboden-Wischer! Die Effekte sind dabei handgemachter Natur und wirken extrem realistisch. Nur zum Schluss gibt es den sehr auffälligen Einsatz einer Prosthetik, welcher meiner Ansicht nach aber gewollt ist.

Unterstützt werden diese Gewaltakte durch übertriebene Soundeffekte. Wenn hier was bricht, dann aber mit lautem Krachen! Over-the-top? Ja! Allerdings dadurch auch wieder plump und noch brutaler. Generell ist die Gewalt ziemlich überzeichnet: Sowas sieht man nicht oft und deswegen ist sie schlecht zu vergleichen, jedoch werden alle Handlungen mit nachvollziehbaren Resultaten durchgeführt. Eine Freigabe der FSK gibt es natürlich zu jetzigem Zeitpunkt noch nicht, ein rotes Siegel wird es aber wohl zwangsläufig werden. Der Film trieft vor Sadismus, beinhaltet massive Gewaltanwendungen und teilweise Selbstjustiz. Verweigern und zur SPIO schicken sollte die FSK allerdings dann doch nicht, "Keine Jugendfreigabe" sollte hier ausreichen.

Positiv zu erwähnen ist noch der sehr groovige und passende Soundtrack. Ja, groovig. Eben besagte Dissonanz: Gewalt und Gute-Laune-Musik gehen hier Hand in Hand. Viele andere Kritiker ziehen außerdem Parallelen zum Grindhouse der 70er-Jahre. Dieses Genre ist mir allerdings zu fremd, um hier weiter darauf einzugehen.

Brawl in Cell Block 99 hat mich nicht enttäuscht. Trotz 132 Minuten Laufzeit schaut sich der Streifen flott weg, Kürzungen hätten sein dürfen, sind aber kein Muss für mich. Der Film ist anders als erwartet kein reiner Knastklopper, sondern ein ruhig erzähltes Drama und gefühlt eine Biographie der Gefängniskarriere von Bradley Thomas. Großartig inszeniert und mit einem genialen Vince Vaughn als Hauptfigur bietet der Streifen zwar vereinzelte Kritikansätze wie manche Handlungsmuster, Motive oder die Laufzeit, überzeugt jedoch in der Gesamtheit. Die enthaltenen Dissonanz faszinieren und stören nicht. Noch einmal Daumen hoch für den coolen Score.

Interessenten sei der Film wärmestens empfohlen, ihr wisst worauf ihr euch einlasst! Otto und dem Normalverbraucher ist dieser spezielle Streifen wohl aufgrund seiner brachialen Gewaltakte und dem dunklen Grundtenor eher weniger ans Herz zu legen. Eine Sichtung der O-Ton-Fassung ist bei passablem Englisch gut möglich, ab und an muss man jedoch etwas genauer hinhören. Ich hoffe noch auf eine deutsche VÖ und bin dabei sehr zuversichtlich.

7,5-8/10

8/10
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Kommentare

08.01.2018 13:02 Uhr - DriesVanHegen
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Danke!
Habe von diesem Werk bis zum Wochenende nichts gewusst, dann aber zufällig bei FB gelesen, dass Brian Paulin den sehr überzeugend fand.
Deine Reviews bestätigt das ja deutlich & jetzt habe ich verdammt Bock auf die Prügelei im Zellenblock 99!

08.01.2018 13:59 Uhr - TheRealAsh
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Oh Mann, geil, ich warte ja auch jeden Tag darauf, dass der im Briefkasten ist. Hört sich echt gut an! Da kann es gut sein, dass ich in nächster Zeit auch noch ein Review raushauen werde;-) Ich hoffe ja, dass ich vielleicht noch drüber sein werde, grade "Bone Tomahawk" finde ich supergenial und mit der Zeit immer besser.

Der Soundtrack ist auch ziemlich heiß, ja, ich hab schon reingehört und ihn mir auf Platte bestellt, obwohl er wohl schon ausverkauft ist (waren nur 500 Stück). Ich denke, dass ich den auch nicht mehr kriege, da der Versandhändler das glaub ich nicht gecheckt hat, aber hoffen darf man ja.

Saubere Arbeit jedenfalls!

PS: Vince Vaughn gefällt mir echt immer besser. Zuerst "True Detective 2" und dann "Hacksaw Ridge", der entwickelt sich ähnlich gut wie Jimmy Stewart.

08.01.2018 19:19 Uhr - Inferis
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Warte auch schon darauf das Teil zu sehen. Klingt gut, eine Menge gute Kritiken gibt's auch und Bone Tomahawk war auch echt gut.

08.01.2018 20:40 Uhr - Insanity667
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Nette Vorstellung zu einem Film, dem ich vermutlich nicht so viel abgewinnen kann, weil nicht mein Thema, aber immerhin... das Lesen hat Spaß gemacht!

Zu Vince Vaughn, der Typ kann halt auch abseits von "Die Hochzeitscrasher" und "Dickste Freunde"... Konnte er aber eigentlich schon immer. :) "The Cell", "Tödliches Vertrauen", "Psycho" and so on...

08.01.2018 21:04 Uhr - TheRealAsh
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08.01.2018 20:40 Uhr schrieb Insanity667
Zu Vince Vaughn, der Typ kann halt auch abseits von "Die Hochzeitscrasher" und "Dickste Freunde"... Konnte er aber eigentlich schon immer. :) "The Cell", "Tödliches Vertrauen", "Psycho" and so on...


Hey, Kollege!!! Nichts gegen "Hochzeitscrasher", ja? Sonst gibts auf die Owen-Wilson-Gedächtnis-Nase und ab gehts zum "prakti.com" :p

08.01.2018 21:15 Uhr - Ivan_Danko
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Einer der wenigen Filme, die ich mir in letzter Zeit eben auch aus Interesse im O-Ton angesehen habe. Wie schon der geniale "Bone Tomahawk" ein sensationeller Beweis für ein Riesen-Regietalent, dass noch von sich hören lassen wird. Sehr gut beschrieben, ein mehr als heftiger Schlag in die Magengrube, bei dem ich mir mit der FSK nicht mal so sicher wäre, tippe auf eine SPIO und würde hier sogar 9 Punkte vergeben.

Das neue Projekt von Regisseur Zahler steht übrigens für 2018 an und wartet mit noch mehr Top-Besetzung auf, schaut mal auf die IMDB...

Zum Review: Sehr gut, ausführlich und kompetent geschrieben, man bekommt alles, was man wissen möchte. Top-Arbeit!

08.01.2018 21:16 Uhr - Tom Cody
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Sehr schöne Kritik.
Auf den Film bin ich ja auch scharf, seit ich vor vier Monaten hier den Trailer eingestellt habe.
Ist also auch ein guter Tipp, dass man den Film inzwischen auch in UK als Blu-ray bekommt. ich denke mal, bei diesen Kritikerstimmen (+ deiner Rezension/ Bewertung) ist da ein Blindkauf kein großes Risiko.

09.01.2018 00:21 Uhr - tschaka17
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Besten Dank für alle die netten Kommentare :)

@Ivan_Danko: Wird ne knifflige Sache bei der FSK, 100% auf ein 18er-Siegel würde ich auch nicht unbedingt schwören. Hoffentlich erfahren wir da bald mehr.

@Tom Cody: Wenn du weißt, worauf du dich einlässt, wirst du den Blindkauf nicht bereuen. Und wie gesagt: Hier ist der O-Ton ordentlich zu verstehen, da kann man mal den Import ruhig wagen.

Allen Interessierten viel Spaß und allen Bestellern eine schnelle Lierferung :D

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