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Necron
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XP 205
Eintrag: 13.01.2018

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Kids

Herstellungsland:USA (1995)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,54 (31 Stimmen) Details
inhalt:
Telly und Jennie küssen sich. Jennie hat noch nie mit einem Jungen geschlafen. Jungfrauen "knacken" - darauf steht der 17-jährige Telly. "Jungfrauen sind geil. Und du kannst dir nichts holen." Zuerst hat Jennie Angst, doch dann kommt Telly zum Ziel. Reine Routine, Technik. Danach wimmelt er Jennie ab. Später trifft sich Telly mit seinem Freund Casper. Sie kaufen sich Dope mit Geld, dass sie gerade Tellys Mutter geklaut haben. Total bekifft, verprügeln sie einen Schwarzen, der Casper versehentlich angerempelt hat. Währenddessen sitzen die Mädchen bei Ruby zusammen und reden über Sex, über den Unterschied zwischen "making love", "having sex" und "fucking". Jennie erzählt dass sie entjungfert wurde. Noch weiß sie nicht dass Telly AIDS hat...
eine kritik von necron:

„The Kids Aren´t Alright“

Zitat: The Offspring

Wir schreiben das Jahr 1995. Larry Clark (Ken Park) liefert sein fulminantes Spielfilmdebüt mit dem scheinbar harmlos klingen Titel „Kids“ ab. Doch harmlos ist hier überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil. Der Film ist heute noch mindestens so brandheiß aktuell wie damals. Und das ganz bewusst in Zeiten von Smombies ( Kofferwort aus Smartphone und Zombies), tausend beliebigen Facebook Freunden und abgedrehten youtube Stars.

Larry Clark hatte für seinen Film als Recherche sich das New York dieser Tage genau angesehen und insbesondere die dortige Jugend Subkultur. Skater in den Parks, um ein Beispiel zu nennen. Bei dem anschließenden Castingprozess wurden die jungen Darsteller als Laien quasi von der Straße weg gecastet. Bei dem ein oder anderen werden da jetzt sicherlich die Alarmglocken angehen, doch Clark hat hier einen sehr geschickten Riecher bewiesen. Handverlesen, die Idealbesetzung für sein umstrittenen Film. Namen wie „Rosario Dawson“ (Deathproof), „Chloe Sevigny“ (Zodiak) oder Leo Fitzpatrick (Bully) sind nach ihrem Debütfilm „Kids“ nicht in der Versenkung verschwunden, ganz im Gegenteil. Bemerkenswert wie ich finde, wenn man bedenkt was ansonsten ein normaler Kinderdarsteller für eine Halbwertszeit hat. Und so oder so schaffen es diese jungen Laien einen dermaßen authentischen Eindruck zu vermitteln, dass der Film selber dadurch fast zur Dokumentation wird. Fast, denn Clarks Inszenierung ist dermaßen unverkrampft gekonnt, das „Kids“ nur als rundum gelungener Leckerbissen bezeichnet werden kann. Was für ein Einstieg.

Das lose Schandmaul der Jugendlichen und die desillusionierte, wie provokante Handlung hat Clark einige wütende Reaktionen eingebracht. Warum reden die Jugendlich dort nur so einen vulgären Müll, haben vor nichts und niemand Respekt und überhaupt lässt der Film kaum ein gutes Haar an der dort skizzierten Generation. Es wird für den nächsten schnellen Kick und den entspannenden Drogenrausch, wo man ihn bekommt, gelebt. Einfach so in den Tag hinein. Leo Fitzpatrick als Telly marodiert dabei mit seinem besten Kumpel Casper (Justin Pierce) durch New York, immer auf der Suche nach der nächsten Jungfrau die „geknackt“ werden kann. Denn diese reinen Einhörner zu bumsen ist Tellys heimliche Mission. Blöd nur das er nicht wissend HIV positiv ist und somit eine tragische Schneise der Zerstörung hinter sich herzieht. Seinem Kumpel Casper ist sowie alles egal, wodurch er ungeniert sich alles einwirft was geht, Passanten die ihm dumm kommen in der Gruppe krankenhausreif schlägt und egal wie man es dreht auf alles scheißt. Total unbekümmert mit einem schelmhaften Charme, der seine Auftritte nur noch unverfrorener erscheinen lässt. Damit keine Missverständnisse aufkommen, diese Kids sind gefährlich. Bei dem parallel ablaufenden Handlungsstrang auf der weiblichen Seite schwadronieren die Mädels Ruby (Rosario Dawson) und Jenny (Chloe Sevigny) über das flach gelegt werden. Sex ist für die bereits sehr erfahrende Ruby mehr Sport als Liebe. Jenny ist da noch deutlich schüchterner. Bei einem spontanen HIV Test stellt sich dann heraus, dass anstatt der bumsfreudigen Ruby, ihre Freundin Jenny HIV positiv ist. Da sie nur einmal mit Telly bei ihrer Entjungferung geschlafen hatte, ist ab diesen Zeitpunkt auch Tellys Schicksal glassklar für den Zuschauer. Und so beginnen sich diese beiden Handlungsstränge über den weiteren Filmverlauf, aus Drogenpartys und Exzessen, immer weiter anzunähern. Ohne groß spoilern zu wollen, ein Happy End sollte der Zuschauer nicht unbedingt erwarten.

Wie oben bereits angedeutet ist der Film in den USA jetzt nicht unbedingt überall sehr positiv aufgenommen worden. Auch die vielen Darstellungen von den Jugendlichen wie sie Sex haben, kamen dort eher nicht so gut an. Gut, die verklemmten Amis könnte man jetzt meinen. Aber nein, das greift an dieser Stelle zu kurz, denn das ist eine typische Abwehrreaktion darauf, das Clark mit seinem moralischen Abgesang auf die Jungend uns allen den Spiegel vorhält. Er legt nicht gerade angenehm für uns den Finger in die Wunder und danach haut er noch einmal kräftig drauf. Denn die Jugendlichen sind letztendlich nur ein Produkt ihrer Umwelt. Von Eltern die nie da sind oder sich nicht richtig um ihre Sprösslinge kümmern. Und allgemein eine Welt, wo wir nicht die Vorbilder sind. Nein, wir sind die Witzfiguren für diese Jugendlichen. Wie in Caspers Comics, verzerrte Gestalten, die dermaßen unglaubwürdig sind, das es mich nicht wundert das wir nicht für voll genommen werden. Auch wenn die Jugendlichen einiges noch nicht ganz verstehen (können), so darf man sich sicher sein, das ein tiefsitzendes instinktives Gefühl ihnen jederzeit zeigt, dass wir nur moralisch insolvente leere Hüllen sind, die selber Wasser predigen aber Wein trinken. Kein Wunder das dann die Jugendlichen so reagieren, wie sie es in dem Film tun. Da hilft auch alle künstlich gespielte Empörung am Ende nichts mehr. Denn das sind nur unsere wohleinstudierten Nebelgranaten, um von unserer moralischen Schuld abzulenken. Unser Scheißhaufen an Welt, wo die jungen Leute drin aufwachsen sollen, stinkt zum Himmel. Das kann niemand mehr übersehen.

Natürlich ist das noch nicht schlimm genug. Noch lange nicht. Scheitert z.B. ein Erwachsener final an diesem ganzen verlotterten Scheißhausszenario, dann ist das selbstverständlich schon eine Tragödie für sich. Aber diese Jugendlichen haben doch vom Start weg keine ernsthaften Chancen. Und dadurch werden all unsere handgefertigten Höllenkreise auf Erden, nur noch weiter ausgehoben, damit auch jeder am Ende reinpasst. Denn langsam wird es ziemlich eng. Wir addieren hier mindestens, wenn nicht sogar multiplizieren einen negativen Effekt mit einem anderen negativen Effekt. Und lasst euch das gesagt sein, nur in der Mathematik ergibt sowas bisweilen ein positives Ergebnis, hier definitiv nicht. Hier haben wir somit einen mindestens linearen Anstieg des moralischen Niedergangs, wenn nicht sogar einen exponentiellen Anstieg. So oder so, das ist wahrlich fürchterlich. Clarks Film ist somit die unvermeidbare Groteske unseres Lebens in Konsequenz. Denn diese Gleichung kann sich am Ende nicht anders ausbalancieren. Wir dekadenten selbstsüchtigen Wesen die wir am Ende des Tages sind, verbrennen die Zukunft unserer Kinder in den moralfreien Hochöfen dieser Zeit. Nur deshalb können wir so leben wie wir jetzt leben. Alles nur ein Knopfdruck entfernt, man kann fressen bis man platzt, und ficken bis der Arzt kommt. Wir sind die Teufel, niemand anderes (kein Marvel Comic Bösewicht, der praktischer Weise dafür herhalten kann) und die nächste Generation an Dämonen ist somit ganz alleine unser Werk. Bei so einer nicht gerade schmeichelhaften Selbsterkenntnis, kann ich die künstliche Empörungstaktik durchaus nachvollziehen. Auch wenn es einigen vielleicht nur unterbewusst zu dämmern scheint. Egal.

Unter dem Strich ist dieser Film ein Must Have, das man gesehen haben sollte. Minimale Schwächen bei der fortlaufenden Handlung der beiden parallelen Handlungsstränge (was hauptsächlich dem realistischen Anspruch geschuldet ist) lassen mich eine ganz starke 9/10 ziehen.

 

P.S.

Damit das Grauen noch realer wird, eine leider traurige Randnotiz. Justin Pierce, der Darsteller des Casper hat mit nur 25 Jahren Selbstmord begangen und Harold Hunter, ein erfolgreicher Skater aus dem Film, welcher als Nebendarsteller auftrat, ist mit 31 Jahren an einer Überdosis gestorben. Die Einschläge kommen näher…

9/10
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Kommentare

13.01.2018 18:01 Uhr - Insanity667
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Extrem gute Kritik zu einem extrem guten Jugendfilm, den ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Wird Zeit das zu ändern! :)

13.01.2018 18:13 Uhr - TheRealAsh
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Thumps up!!! Du holst ja grad echt die ganzen Klassiker raus, top Film natürlich, dem du jetzt endlich ne schöne rezi spendiert hast. Kam grad letztens erst auf bluray glaube. Hab da noch ne olle dvd aus england. Und die vhs von früher. Jugend ist einfach tragisch, da kann man nix machen

13.01.2018 18:46 Uhr - Necron
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Top Feedback, ich dank euch :)

13.01.2018 18:49 Uhr - MovieManiac4Life
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Gute Review zu einem DER Filme meiner Jugend!!!

13.01.2018 20:06 Uhr - JasonXtreme
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ja da kann ich mich den Vorrednern nur anschließen. Da war ich selbst im betreffenden Alter, dementsprechend hatte der mich damals echt tief beeindruckt. sehr gelungenes Sozialdrama samt Milieustudie von Clark, Du triffst wiedermal die Nägel auf den Kopf Compadre

13.01.2018 22:29 Uhr - dicker Hund
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Wunderbar negative Vibrationen zu einem wunderbar negativen Film!

14.01.2018 09:00 Uhr - Necron
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Es freut mich das weiterhin Film und Review so gut ankommen :)

14.01.2018 19:13 Uhr - DriesVanHegen
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Ich habe mich vor einigen Jahren mal recht intensiv mit echtem Sex im Film befasst, da kommt man an Larry Clark natürlich nicht vorbei.
KIDS war mein erster Berührungspunkt mit Clark, dessen Werke ziemliche Downer sind. Unbequem und ungeschönt.
Clark hat's ja mit Castings, man denke nur an das amüsante Porno-Casting in seinem Part bei DESTRICTED.

23.01.2018 20:23 Uhr - der neue1067
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Als der Film raus kam und ich ihn gesehen habe war ich schon Ende zwanzig und damals hatte mich der Film nicht so richtig gepackt. Ich habe auch nur noch den etwas dokumentarhaften Stil und diese negative und trostlose Atmosphäre in Erinnerung.
Beim lesen des Reviews dachte ich noch dass ich mir den Film nochmal anschauen sollte, als ich das Review durchgelesen hatte habe ich mir überlegt das ich den Film doch kein zweites mal anschauen werde. Das lesen deines Reviews hat dann doch gereicht und das spricht sehr für die gute Qualität des Reviews.
Du hast mir sehr plastisch vor Augen geführt wie "runterziehend" der Film doch ist und dass ich ihn doch nicht noch einmal sehen muss. Also, Klasse Review und wohl ein Film den es auch geben muss und soll der seine guten Bewertungen auch zurecht bekommen hat. Aber mittlerweile schaue ich grundsätzlich lieber Filme die nicht so extrem Negativ sind was aber nicht bedeutet das ich nur noch weichgespühltes Kino anschaue aber wenn's den solcherlei Kost ist da suche ich genau aus was ich mir anschaue und was mich mit flauen Gefühl im Magen zurücklässt.
Seit deinem Review zu "Salo - Die 120 Tage von Sodom" steht der jetzt auch nochmal auf der Watchlist, wozu ich dein Review übrigens sehr hervorragend fand!
Ich habe den Film das erste mal mit ca. 16-18 Jahren gesehen und fand ihn wirklich schlecht und einfach nur dämlich. Dann habe ich ihn nochmal vor 10-15 Jahren richtig gesehen und da hatte ich einen ganz anderen Zugang zum Film denn ich verstand ihn!!! Nach deinem Review möchte ich mich da tatsächlich nochmals darauf einlassen und erfahren wie er jetzt auf mich wirkt bzw was er mit mir macht.
Aber das ist einer der Filme die man nicht mal so nebenbei guckt denn dann kann man es auch sein lassen.
Mit Caligula ging es mir etwas ähnlich, den habe ich auch mit vielleicht 15 Jahren das erste Mal gesehen und er gefiel mir nicht. Zum einen mochte ich damals die sogenannten "Sandalen Filme" nicht und Hardcore Pornos hatte ich auch schon gesehen, es gab da also nichts was mich reizte. 10 Jahre später fand ich ihn ziemlich Klasse und sah auch das Meisterwerk darin. Ich habe mir dann vor ungefähr 5 Jahren das Blue-Ray Mediabook gekauft und war nicht mehr so begeistert wie mit Mitte zwanzig aber auch nicht mehr so enttäuscht wie mit 15 Jahren.

Sorry das ich soweit abgeschweift bin, wahrscheinlich wollte ich sagen das sich Einstellungen und Sichtweisen zu einem Film durchaus verändern können und über einen längeren Zeitraum sogar mehrfach aber ich bei dem Film "Kids" keine weitere Sichtung meinerseits und das nach deinem Review, für nötig halte!!

Ein kleiner Hinweis noch,
Ein kleiner Flüchtigkeitsfehler hat sich bei dir eingeschlichen.
...... Finger in die Wunder.....


24.01.2018 19:39 Uhr - Necron
1x
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@der neue1067

Vielen Dank für dieses starke wie umfangreiche Feedback (+Salo - Die 120 Tage von Sodom Feedback). Das mit Filmen die einen runterziehen kann ich voll verstehen. Unterhaltungsfilme sind das für mich auch in kleinster Weise was das angeht.
Meine Einstellungen und Sichtweisen zu einem Film haben sich über die Jahrzehnte bestimmt auch locker das ein oder andere mal (stark) geändert.

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