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Necron
Level 4
XP 233
Eintrag: 25.01.2018

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Der große Crash

(Originaltitel: Margin Call)
Herstellungsland:USA (2011)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Thriller
Alternativtitel:Der grosse Crash

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,71 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Wall Street 2008: Broker und Börsenmakler jonglieren noch ohne schlechtes Gewissen mit hohen Einsätzen und erzielen schwindelerregende Gewinnmargen. Doch die Finanzkrise hat bereits Einzug gehalten. Hauptleidtragender in einer großen Investmentfirma ist Risikoanalyst Eric Dale. Er arbeitete an einer Unternehmensanalyse und übergibt die brisanten Daten bei seiner Entlassung seinem Nachfolger, dem smarten Jungtalent Peter Sullivan. Durch weitere Berechnungen erkennt dieser, dass der finanzielle Untergang seiner Firma bevorsteht. Von den Zahlen alarmiert, fasst die Konzernführung in einer Nacht- und Nebelaktion einen folgenschweren Entschluss.
eine kritik von necron:

"I will show you fear in a handful of dust"

-T. S. Eliot

 

2008. Die globale Finanzkrise fegt wie ein Feuerball über die Weltkarte. Massenarbeitslosigkeit, tiefrot verschuldete Staaten und in den Abgrund trudelnde Finanzhäuser. Doch wie genau konnte es überhaupt erst soweit kommen? Der Film „Der große Crash – Margin Call“ von Drehbuchautor und Regisseur J.C. Chandor geht dieser Frage geradezu dokumentarisch genau auf den Punkt, mit dem Zuschauer als neutral-nüchternen Beobachter auf dem Beifahrersitz.

Zuerst ist es nur ein Gedanke. Ein winzig kleiner Zweifel, fast ein Haarriss, in einem überlebensgroßen System, das so komplex, wie verschachtelt, nur aus einem einzigen Grund erdacht worden ist. Um eine Menge Geld zu machen. Computermodelle generieren unvorstellbare Neusummen an virtuellen Geld, für das es schon lange keinen realen Gegenwert mehr zu geben scheint. Die schlausten Köpfe aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft betreuen diese Modelle, mit ausgetüftelten Algorithmen, die nur noch die allerwenigsten überhaupt in der Lage sind annährend zu begreifen. Peter, gespielt von einem pragmatisch zweifelnden Zachary Quinto („Star Trek“), ist Risikoanalyst in diesem System, in dem Bauch der Bestie, einem namenlosen Finanzhaus in New York. Peter ist die Tage seltsam entrückt, denn als Mensch irritiert ihn die gerade um ihn herum ablaufende Kündigungsorgie seines Arbeitgebers. Ohne erkennbares System, werden allem Anschein nach, wahllos Kollegen und Vorgesetzt vor die Tür gesetzt. Sein gutherziger Boss Eric, stoisch-menschlich gespielt von Stanley Tucci („In meinem Himmel“) ist auch einer von denen die an so einem Tag ihren Job verlieren. Externe Sensenmänner verrichten diese unangenehme Arbeit, so dass eigene rückratlose Manager sich selber nicht die Hände schmutzig machen müssen. Ein sauberer Schnitt, wie es so schön heißt. Nachdem dieses Blutbad vorbei ist, weiß wenigstens noch der nach außen hin routiniert auftretende Boss Sam, genial gespielt von Kevin Spacey ("Sieben"), den verunsicherten Resthaufen an Angestellten zu motivieren. Es muss ja schließlich weitergehen. Hinter verschlossenen Türen seines Büros verleiht Spacey dann allerdings seiner Figur Sam etwas dermaßen menschlich zerbrechliches, was dem Zuschauer vor Augen führt, was so ein Job am Ende aus den Menschen macht. Es hat den Anschein das nur noch jahrzehntelange Routine und letzter Wille Sam weitermachen lassen. Seine rechte Hand Will, grimmig gespielt von Paul Bettany („The Da Vinci Code“), versucht wenigsten noch die weiterhin gedrückte Stimmung mit leicht zwanghaftem Sarkasmus etwas aufzulockern. Selber ist er aber auch bereits deutlich angeknackst, was er aber nur bisweilen hier und da mal durchscheinen lässt, wenn der Schmerz zu groß wird.

Peter, als noch verlässlichste Identifikationsfigur für den Zuschauer, stürzt sich in die Arbeit und entdeckt durch einen Zufall unglaubliches. Alles steht ganz kurz vor dem großen Knall. Eigentlich hätte es schon knallen müssen, aber Computermodelle sind tricky, da weiß man am Ende nie so genau. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Handlung eine treibende Eigendynamik auf. Wie ein Lauffeuer wird Boss, dann Boss vom Boss und so weiter alarmiert. Bis in die tiefe Nacht hinein. Es wird dermaßen viel panikhafter Staub aufgewirbelt, das auf dem Höhepunkt des blanken Entsetzens, dieser sich immer weiter beschleunigenden Krise, der CEO mit dem Heli eingeflogen wird. Der ganze Vorstand kommt zusammen. In dieser haifischartigen, wie schrägen Tischrunde muss dann jeder von unten bis oben Rechenschaft ablegen. Auf den Punkt genau geschliffene Dialoge, geschwungen wie tödliche Schwertstreiche, schreiben hier im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte, wenn von dem Obersten Hai, John Tuld, raubtierhaft-gerissen verkörpert von einem bestens aufgelegten Jeremy Irons („Stirb langsam: Jetzt erst recht“) eiskalt-effizient beschlossen wird alles abzustoßen. Alle toxischen Papiere raus, so damit man selber irgendwie überlebt und alle anderen dann den Schaden haben. So nahm alles seinen Anfang. In diesem Tornado aus effizienter, wie gnadenloser Zerstörung sollen noch viel mehr Mitarbeiter ihren Job verlieren. Alles muss raus. Peter und seine quasi Verbündeten aus dem mittleren Management sind so fassungslos, wie machtlos. Was Tuld befiehlt hat so zu geschehen, innerhalb dieses Systems gibt es keine Helden die sich so etwas noch entgegenstellen können. Das hier ist die reale Welt.

Unerbittlich walzt der Film vorwärts, während weiterhin Leute unter die Räder kommen, fassungslos im Graben landen und einige ganz wenige mittlerweile wieder gut gelaunt bei bestem Essen sich selber auf die Schultern klopfen, dafür das man so kaltschnäuzig clever gewesen ist. Der Zuschauer muss erkennen, dass der Einzelne, wenn er nicht zufällig ganz oben stehen sollte, nichts weiter als eine Zahl ist. Das Gefühl von entwaffnender Ohnmacht macht sich breit. Es spielt dabei keine Rolle was man schon alles an Herzblut und kostbarer Lebenszeit dem Unternehmen geopfert hat. Das ist irrelevant. Auf der Haifischbecken Gegenseite versteht man mit ausdruckslosen Gesichtern überhaupt gar nicht die Aufregung und die Empörung. So ist es halt, na und? Wo ist das Problem? Von den Schäden die man bei Menschen und Kunden außerhalb des eigenen Unternehmens anrichtet, also das ist sowieso völlig egal. Scheiß auf alle anderen, nur selber fressen und überleben zählt. Bei aller teuflischer Intelligenz, da beginnt wieder das Urzeitprogramm zu ticken. Jared Chohn, einer der obersten Manager direkt unter Tuld, verkörpert diesen Managementstil mit makelloser, wie beißender Effizienz (OT: Er geht über Leichen). Simon Baker („The Mentalist“), der Chohn spielt, kann sich in dieser Haifischrolle voll und ganz austoben. Es ist fast schon ein perfider Genuss ihm dabei zuzusehen, wie er mit Hochgeschwindigkeit Leuten das Wort abschneidet, weil er bereits drei Schritte weiter ist und dabei stets bereit alle anderen zu opfern, nur damit er selber überleben kann. Die „normalen“ Menschen, soweit man hier noch das Wort „Normal“ verwenden kann, zerbrechen fürchterlich daran. Der innere Glaube und vermeintliche Gewissheiten bekommen elementare Risse, die nie wieder heilen können. Es ist dabei auch kein Trost, dass man selber eh nie eine Chance hatte.

Auf unsere Realität übertragen, ist dieser Film für mich ein wohlig-schauriges, kleines Meisterwerk. In dem Unternehmen wo ich arbeite, hat die Finanzkrise auch zu unmoralischsten Kündigungsorgien und zwischenmenschlichen (Negativ)Offenbarungen geführt. Kollegen und Mitarbeiter wurden bisweilen aus Meetings herausgebeten, weil man ihnen etwas mitzuteilen hatte, danach sah man sie nie wieder. Jeder Betroffene musste unter Aufsicht sofort das Firmengelände verlassen. Auch wenn ich in einem Hochtechnologieunternehmen arbeite (also kein Finanzhaus), so ist der Eigentümer doch eine Heuschrecke aus den USA, die mit massig Fremdkapital (sogenannte Hebel) den Laden gekauft hatte, was dann im Beben der Finanzkrise natürlich zu sehr unschönen Effekten geführt hat. Die Menschen selber spielen in so einem System keinerlei Rolle mehr. Es ist egal wer was macht. Das spielt alles keine Rolle. Überhaupt gar keine. Es geht am Ende nur ums Geld. Alles andere kann man vergessen. Dieser zwangläufige Prozess der konstanten Entmenschlichung führt dann zu den hässlichsten Symptomen an der Basis. Denn die Reise nach Jerusalem wird selbst nach einer Krise (bereits vor der nächsten Krise und weiterhin laborierend an der vorangegangen Krise) nur noch ungenierter weitergespielt. Das zerrt an den Nerven, macht ehemalige Freunde zu Feinden, wo das sägen an dem Stuhl des anderen nur allzu verlockend als eigene Lebensversicherung erscheint. Das Produkt in so seinem System sind Arschlöcher, rückratlose Jasager, innerliche Kündigungen und Psychopathen vom Allerfeinsten. Willkommen im Haifischbecken. Aber es muss wohl so gewünscht sein und wird am Ende dann ja auch von allen direkt oder indirekt akzeptiert und gelebt. Damit wären wir dann wohl auch wieder bei unseren eigen erschaffenen Höllenkreisen, für die man keine mystische Nachwelt mehr braucht. Glaube wird überflüssig. Die Hölle ist bereits hier. Soviel dazu, wenn man den Rachen nicht voll genug bekommt. Wohl bekomms.

Ich vergebe starke 8/10, da die Inszenierung zwar schnörkellos gelungen ist für so eine Art von Film, sich aber hier und da einige Längen einschleichen und nicht jede Szene an das Niveau der vorangegangen anschließen kann. Das Pacing wirkt bisweilen etwas stoßartig und inkonstant. Die Musik ist dafür durchweg gelungen, mal verspielt und verträumt die Szenerie ausmalend, dann wieder treibend energisch, wenn mit schnellen Schritt aufgebracht durch die Gänge des Finanzhauses gezogen wird. Und die auftretenden Darsteller sind sowieso über alle Zweifel erhaben, von einer leicht zerknirschten Demi Moore („Eine Frage der Ehre“) mal abgesehen, die leider nicht über darstellerisches Mittelmaß hinauszukommen weiß. Aber das bleibt ein Abzug in der B-Note.

8/10
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Kommentare

25.01.2018 23:14 Uhr - Pratt
3x
DB-Helfer
User-Level von Pratt 22
Erfahrungspunkte von Pratt 10.710
Starkes Review zu einem klasse Film, ich fand hier auch Jeremy Irons Darstellung besonders gut. Ich kann dir auch 'Company Men' von 2010 ans Herz legen, der schlägt ungefähr in die gleiche Kerbe, außerdem noch der TV-Film 'Too big to fail', alle weisen starke Darstellungen auf. Wenn man diese Filme kennt selbst und "nur" die Hälfte stimmt wird einem Angst und bange, allerdings befürchte ich, dass die deutlich näher an der Wahrheit liegen.

26.01.2018 07:23 Uhr - Insanity667
2x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.641
Wunderbar! Immer wieder eine Freude, auch wenn DAS nicht unbedingt meine Thematik ist. Schön geschrieben und informativ ist es allemal! :D

Edit: Sorry, grad mal wieder auf den Meldebutton gekommen, obwohl ich nur nen Daumen nach oben geben wollte... :(

26.01.2018 14:37 Uhr - Necron
1x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 233
Ich dank euch für das starke Feedback :)

@Pratt
Also bei "Company Men" werde ich in jedem Fall mal einen Blick riskieren...

@Insanity667
Ja, dieses spezielle Thema ist schon eher Nische...

26.01.2018 16:47 Uhr - Mr.Tourette
3x
User-Level von Mr.Tourette 2
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 63
Der Film kommt mir immer wieder aus, aber landet sicher mal im Einkaufskörbchen. Tolle Review. Ich bin ja gespannt, wann die nächste Blase platzt, da null Konsequenzen aus der Katastrophe gezogen wurden. Gewinne bleiben privat, Verluste werden verstaatlich; einer Elite wird weiterhin das Roulettespiel mit unser aller Geld ermöglicht. Traurig!

27.01.2018 22:50 Uhr - Necron
1x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 233
@Mr.Tourette

Top :)
Mit dem Film wirst du bestimmt nichts falsch machen.
Wann wohl die nächste Blase platzt ist schwer vorherzusehen, da dermaßen massiv in den Markt eingegriffen wird um Blasen absichtlich zu verzögern. Aber alles hat seinen Preis, mal gucken wo uns diese Reise noch hinführt...

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