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tschaka17
Level 7
XP 710
Eintrag: 02.02.2018

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Criminal Squad

(Den of Thieves)
Herstellungsland:USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Krimi, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Los Angeles – in kaum einer anderen Stadt werden so viele Banken überfallen und Transporter ausgeräumt wie hier. Auch die routinierte Gangster-Bande des Ex-Sträflings Ray Merriman (Pablo Schreiber) ist süchtig nach dem schnellen Geld. Doch als einer ihrer Raubzüge zu mehreren Toten führt, geraten die Outlaws ins Visier des skrupellosen Cops Nick Flanagan (Gerard Butler) und seiner Spezialeinheit des Sheriff’s Departments. Selbst bereit die Grenze zwischen Gut und Böse zu überschreiten, beginnen die Ermittler eine provokante Jagd auf die Verbrecher. Denn diese planen nichts Geringeres, als das am besten gesicherte Geldinstitut der Stadt zu knacken: die Federal Reserve Bank in Downtown L.A.
eine kritik von tschaka17:

Sehen wir aus, als würden wir dich verhaften? Wir erschießen dich einfach!

Los Angeles. Stadt der Engel und Stadt der Banküberfälle. Früher Morgen. Der Geldtransporter fährt auf einen Parkplatz und einige Wachleute steigen aus. Wie aus dem Nichts tauchen die schwer bewaffneten Räuber auf. Bisher läuft der Coup reibungslos. Doch die Polizei ist schneller da als erwartet und einem der Gangster reißen die Nerven, er eröffnet das Feuer. Das Rattern der Gewehrsalven hallt durch den Raum, das Blut in den Adern rast und mir wird bewusst: Das wird richtig gutes Entertainment.

Ehrlich gesagt, meine Erwartungen an Criminal Squad waren eher mäßig. Ein aggressiver Gerard Butler als Bad-Cop, etliche Action und Gangster-Musik. Zudem 50 Cent, dessen Künstlername ungefähr die Wertigkeit seines Talents widerspiegelt. Ach ja, und natürlich das Gefühl einen Abklatsch von Heat zu schauen. Der Streifen schlägt daher umso härter ein: Eine spannende, intensive und clevere Geschichte; Gerard Butler nur als 2. Hauptrolle neben dem genialen Pablo Schreiber; stark inszenierte und gut dosierte Action; ein extrem wuchtiger, sehr passender Soundtrack. Und trotz der Laufzeit von stolzen 124 Minuten in der deutschen Fassung keine Längen! *Hut zieh*

Auf die Story werde ich nicht näher eingehen. Bankräuber gegen Cops. Taktik gegen Taktik. Die Geschichte ist gut geschrieben, plausibel und nicht um die ein oder andere Wendung verlegen. Mancher Twist ist vielleicht erahnbar, andere wiederum kommen wie ein Hammerschlag. Langweilig wird´s auf jeden Fall nie. Dabei liegt der Hauptfokus des Films nicht wie zunächst gedacht auf den Ermittlern, sondern den Verbrechern. Beide Seiten werden beleuchtet und so entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel, bei welchem die Rollen nie so ganz eindeutig verteilt sind. Eine lange Suche nach den Tätern müssen die Polizisten eh nicht betreiben, die Fronten sind schnell geklärt. So bleibt Zeit für bissige Dialoge, scharfe Machtdemonstrationen beider Seiten und jede Menge Spannung. Exemplarisch sei hier das Schießtraining erwähnt. Kaum Dialog, kein direkter Kontakt. Das Duell wird nur über das Tempo der Pistolensalven geführt. Badass!

Grundlage für diese Konflikte bietet der Cast. Ja, Gerard Butler ist wohl der bekannteste Schauspieler dieses Films. Seine Rolle des kompromisslosen, regelverletzenden Spezialcops von Major Crimes passt natürlich wie angegossen. Ein ruppiges Auftreten, derbe Sprüche und ein verbrauchtes Äußeres tun ihr Übriges. Over-Acting und Unglaubwürdigket würde der Vorwurf an viele andere Kollegen lauten, die solch eine Rolle übernehmen würden. Again: Es passt einfach perfekt zu Butler. Physisch fit und professionell im Umgang mit Waffen ist der Kerl sowieso.

Die größten Lorbeeren gebühren allerdings Pablo Schreiber. Merrimen ist der Anführer der Räuber, Ex-Militär und verdammt clever. Seine Besonnenheit, seine Professionalität und sein unbändiger Wille halten das Team zusammen und beeindrucken den Zuschauer. So erhält der Bösewicht genügend Hintergrund, um auf individuelle Art und Weise Sympathien zu gewinnen. Hey, so macht der Konflikt von Gut & Böse richtig Laune! Faszinierender Grau-Charakterer und ein schwierig einzuschätzender Gegner. Die dritte Hauptfigur wird von O´Shea Jackson Jr. gespielt. Kein übertriebener Killer, eher ein schwächerer Mitläufer. War mir von Anfang an sympathisch und wird im Verlaufe des Films immer wichtiger. Schließlich verfolgt er ganz eigene Interessen, selbst wenn die Polizei ihn eigentlich simpel für ihre Zwecke missbrauchen will. 50 Cent, bürgerlich Curtis James Jackson III gerufen, gefiel mir ebenfalls überraschend gut. Aus dem Jungen werden in Zukunft weder Oscar-Kandidat noch ein ordentlicher Schauspieler. Eher in einer aktiven Nebenrolle ohne viel Gequatsche, denn Dialoge sind seine Schwäche, macht der Mann seinen Job allerdings ziemlich akzeptabel.

Dumpfes Bassgrollen. Eine Gruppe Jäger, eine Gruppe Gejagter. Stau. Raus aus den Fahrzeugen, langsam nach vorne arbeiten. Immer schön den Feind im Auge behalten. Zivilisten flüchten panisch aus der Szene, aber noch ist kein Schuss gefallen. Die Kamera geht dynamisch mit, ist sehr nah an den Personen dran. Immer öfter wechselt die Perspektive zwischen beiden Gruppen hin und her. Blicke in Gewehrläufe. Das Bassgrollen verheißt Eskalation. Die erste Salve geht durch Mark und Bein. Jetzt eröffnet auch die andere Seite das Feuer.

Sahne auf der Torte von Story und Cast ist definitv die Inszenierung! Der Film hat einen rauhen, coolen Look. Wackelkamera? Fehlanzeige! Trotz ihrer Dynamik und der Integration des Zuschauers in die Situation, trotz vieler Perspektivwechsel und unzähliger Beteiligter behält sie die Übersicht. Dazu gibt es viele kreative und erfrischende Bilder, nicht nur den standartisierten 0815-Unfug. Lange Fahrten, hautnahe Emotionen oder L. A. bei Nacht. Dass das Setting eigentlich auch jede andere Großstadt in den Staaten sein könnte stört nicht. Der Flair zählt. Vorhandene Effekte sind handgemachter Natur. Hart, aber nicht zu hart. Wirst du im Kugelhagel erwischt trittst du entweder sofort ab oder verblutest eine gefühlte Ewigkeit. Nicht schön, aber nah an der Realität.

Was gehört noch auf die Sahne? Richtig, die Kirsche. In diesem Fall die musikalische Untermalung. Der Soundtrack ist eine Mischung aus erwarteter Gangstermusik, welche jedoch weder dumm noch plump wirkt, und einfachen Bassklängen. Wie simples Grollen Szenen perfekt unterlegen kann hat bereits das obrige Beispiel gezeigt. Dabei wird die Musik nie aufdringlich oder gar aggressiv. Treibend, ja. Nervig, nein. Einziges Problem ist an manchen Stellen die Abmischung. Der Sound von Schüssen ist sehr laut. Ja, Heat war hier wohl Vorbild. In den ersten Minuten einer Schießerei ist diese Intensität und Nähe zur Realität auch noch schön, auf Dauer wird es allerdings etwas anstrengend. Es gibt tatsächlich auch ein "zu laut". Subwoofer haben bei dem Streifen wirklich Schwerstarbeit zu verrichten!

Bleibt am Ende nur noch ein Punkt offen, die Heat-Frage. Zunächst: Der Originaltitel Den of Thieves (zu deutsch etwa "Höhle der Diebe") gefällt mir besser, einfach weil der Fokus nicht unbedingt auf dem Criminal Squad liegt. Folgend: Ich spare mir die Floskeln von wegen schlechter Vergleichbarkeit und Klassiker. Meine ehrliche Meinung: Heat ist gut, für mich aber nicht mehr. Mit Michael Mann habe ich nie den großen Vertrag geschlossen und insbesondere sein Klassiker von 1995 ist stellenweise trotz vieler Vorzüge zäh. Der 2018er ist einfach leichter verdaulich und reißt insgesamt mehr mit. Allerdings stammt diese ganz individuelle Einschätzung vom "Entertainment"-Spezialisten, die Gewichtung sollte deswegen klar sein. Zu erwähnen sei noch, dass die deutsche Fassung nur 124 Minuten Laufzeit hat, während die Originalversion des Films 140 Minuten dauert.

In dieser Rolle spreche ich eine dicke Empfehlung aus. Criminal Squad ist: Spannend. Wendungsreich. Stark besetzt. Inszenatorischer Zucker. Massiv vom Ton. Einfach perfekte Unterhaltung.

8/10 Subwoofern ;)

8/10
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Kommentare

02.02.2018 19:55 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.410
Ein seeehr treffend ausgedrückter Einblick, in einen Film, der eigentlich zwar nicht meinen Interessen entspricht, aber offensichtlich vieles richtig macht.

Besonders der zweite Abschnitt gefällt mir gut, da ich durch diesen den Eindruck bekomme, mir den Film eventuell doch zu Gemüte ziehen. Bei Gelegenheit. ;)

Top Review.

03.02.2018 01:26 Uhr - Bruce Banner
1x
User-Level von Bruce Banner 8
Erfahrungspunkte von Bruce Banner 821
Hey tschaka, saubere Arbeit!
Den Streifen hatte ich ob der Heat-Vergleiche schon auf dem Schirm, dein anschauliches Review schürt meine Neugier noch mehr.
Ein-, zweimal könnte die gute Tante E. noch reinschauen, aber Du vermitteltst einen sehr deutlichen Eindruck vom Film und deine bildhafte Beschreibung einzelner Szenen erzeugt teilweise, ähnlich wie bei Necron manchmal, ein angenehmes Mitten Drin-Gefühl, die inszenatorischen Qualitäten kannst Du sehr deutlich vermitteln. Gefällt mir echt gut.
Bitte so weitermachen! ☺

03.02.2018 10:22 Uhr - Tom Cody
1x
DB-Helfer
User-Level von Tom Cody 19
Erfahrungspunkte von Tom Cody 7.093
Yep, die Rezension gefällt mir auch sehr gut.
Hätte ich nicht schon vorher Lust auf einen Gang ins Kino gehabt - spätestens nach dieser Kritik ist es ein "Must-See".
Das mit den 140 Min. Laufzeit hat mich übrigens auch etwas überrascht (Ich mag längere Filme, solange nicht zu häufig der Erzählrhythmus ins Stolpern gerät).

03.02.2018 10:39 Uhr - tschaka17
1x
User-Level von tschaka17 7
Erfahrungspunkte von tschaka17 710
03.02.2018 01:26 Uhr schrieb Bruce Banner
Ein-, zweimal könnte die gute Tante E. noch reinschauen

Besten Dank für das Lob, wobei du mir Tante E. einmal erklären müsstest. E für Edit? Wenn du das meinst, wurde schon vorgenommen ;) Und mit den Szenenbeschreibungen passt hier perfekt, da der Film sehr stark inszeniert ist. Werde ich wohl jetzt öfter benuzen, sofern es sich ergibt.

@cecil: Hatte auch eher plumpe Unterhaltung erwartet, aber das Teil verdient echt seine Chance. Fürs Kino spricht auch der Soundaspekt, der Streifen scheppert wirklich derbe :D Dahoam tut´s aber mit Sicherheit auch.

@Cody: 140 Minuten. Hatte erwartet, dass Längen unvermeidbar sind. Tatsächlich findet Criminal Squad so ein ausgewogenes Tempo, dass es eben keine Längen gibt. Dann hab ich mit solchen Laufzeiten auch kein Problem. Viel Spaß beim Sichten ;)

03.02.2018 16:30 Uhr - Bruce Banner
1x
User-Level von Bruce Banner 8
Erfahrungspunkte von Bruce Banner 821
03.02.2018 10:39 Uhr schrieb tschaka17
03.02.2018 01:26 Uhr schrieb Bruce Banner
Ein-, zweimal könnte die gute Tante E. noch reinschauen

Besten Dank für das Lob, wobei du mir Tante E. einmal erklären müsstest. E für Edit? Wenn du das meinst, wurde schon vorgenommen ;) Und mit den Szenenbeschreibungen passt hier perfekt, da der Film sehr stark inszeniert ist. Werde ich wohl jetzt öfter benuzen, sofern es sich ergibt.

Ja, genau die meine ich. Wenn die gute Frau jetzt noch im 4. Absatz ein kleines e (tuen) entfernen und bei "Flair" den Artikel "das" (klingt einfach schöner) verwenden würde, wär's ziemlich optimal.
Ansonsten, wie gesagt, weiter so! Deine Filmauswahl beweist (meistens) Geschmack, deine Schreibe ist sehr gut und die Reviews sind klar und ansprechend gegliedert.

03.02.2018 19:25 Uhr - tschaka17
1x
User-Level von tschaka17 7
Erfahrungspunkte von tschaka17 710
Mach ich, wobei "der Flair" bleibt. Klingt für mich tatsächlich schöner :D Und nochmals Danke für das Lob.

03.02.2018 21:12 Uhr - Bruce Banner
1x
User-Level von Bruce Banner 8
Erfahrungspunkte von Bruce Banner 821
Ok. Naja, ist dann ein kleines Manko, mit dem ich wohl leben muß. ;-) Gibt schlimmeres..

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