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TheRealAsh
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Eintrag: 12.02.2018

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Der seidene Faden

(Phantom Thread)
Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Niemand kann Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) in Sachen Mode und Schneiderkunst das Wasser reichen. Unterstützt von seiner Schwester Cyril (Lesley Manville) kleidet er Adlige, Filmstars, Erbinnen, Damen aus der Society und Debütantinnen im London der Nachkriegsjahre ein. Alle reißen sich um die unverwechselbaren Modelle des „House of Woodcock“. Frauen kommen und gehen im Leben des Modemachers, dienen dem überzeugten Junggesellen als Inspiration und leisten ihm Gesellschaft. Bis er Alma (Vicky Krieps) kennenlernt. Eine junge, natürliche und unbefangene Frau mit starkem Willen. Bald schon ist sie aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken. Als Muse. Als Geliebte. Und sein maßgeschneidertes Leben, kontrolliert und planvoll, beginnt sich an den Säumen aufzulösen...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Eine kurze Vorbemerkung: Wer sich über Teenies und Tonies in der Kinovorstellung echauffiert, die mit ihren Smartphones Egoshooter und Tinder daddeln, der hat noch keine Seniorenvorstellung erlebt, wo Omi und Opi zuerst in 10-Minuten-Abständen zu spät kommen, ständig miteinander quatschen, seufzen und Kommentare ablassen wie:

"Typisch Mann!"

"Jetzt verliebt er sich gleich in sie."

"Obacht, vorsicht, jetzt krachts gleich."

So passiert im wohl kleinsten Programmkino nahe Waldhüttenhausen, wo Paul Thomas Andersons neuer Film auf der wohl kleinsten Leinwand lief, die ich seit langem sehen musste.

Warum tu ich mir sowas an, fragt man sich vielleicht. Für mich ist Paul Thomas Anderson einer der besten zeitgenössischen Regisseure, die es gibt. Dirk Digglers Porno-Biopic in Boogie Nights kann ich mir immer anschauen, die biblische Dimension von Magnolia erschließt sich mir in ihrer Episodenhaftigkeit immer wieder neu, Punch-Drunk Love ist für mich immer noch Adam Sandlers anspruchsvollste Rolle, There Will Be Blood ein filmisches Meisterwerk von Dostojewskischer Schlagkraft, The Master eine völlig verkannte Reflexion auf die religiös-politischen Mechanismen unserer Zeit, sowie Inherent Vice die wohl abgedrehteste Neo-Noir-Thomas-Pynchon-Kiffer-Literaturverfilmung ever.

Da muss ich zugeben, dass ich schon etwas enttäuscht war, als ich die Inhaltsangabe des neuen Machwerks lesen musste, die da sagt, dass es diesmal um einen Starschneider und seine neue Muse im Nachkriegslondon geht. Dann kommt noch der seltsame deutsche Titel Der seidene Faden hinzu, sodass ich fast überhaupt keine Lust hatte. Kein Wunder, dass ich den Altersdurchscnitt ausnahmesweise mal im Kino um einige Jahrezehnte gesenkt habe. Phantom Thread gefällt mir da schon besser, da wir gerade ja sowieso bei Geistern und Gespenstern waren und ich den Phantomfaden gerne wie einen roten Ariadnefaden aufnehme.

Kurz und gut, ich war etwas enttäuscht vom Sujet des vorliegenden Films und mehr als genervt vom Kukident-Publikum in der Vorstellung, das immerhin nicht die ganze Zeit an Nachos und Popcorn knusperte. Was ich erlebte war ebenfalls zu Beginn etwas zäh und wenig spannungsgeladen. Ja, Daniel Day-Lewis ist in seiner Rolle als Reynolds Woodcock grandios wie immer. Anscheinend handelt es sich hier um seine letzte Rolle vor der Berentung, was auch schon irgendwie wieder passt. Die charakterliche Tiefe, mit der er den Damenschneider darstellt ist wirklich großes Kino und verweist auf seine Ausnahmekarriere, angefangen bei Sunday, Bloody Sunday als kindlicher Vandalierer und sicher nicht endend bei Bill the Butcher in Gangs of New York.

Schauspieltechnisch wird hier insgesamt nichts falsch gemacht und auch Lesley Manville (Topsy-Turvy) und Vicky Krieps (Der junge Karl Marx) bieten dem großen Schauspielkönig einen mehr als starken weiblichen Konterpart. Ungewöhnlich ist, dass Anderson als Autorenfilmer neben dem Drehbuch ebenfalls die Kamera bediente, was für die sehr intime Atmosphäre spricht.

Wer die Filme von Anderson kennt, der kennt Jonny Greenwood, der nicht nur bei Radiohead sein musikalisches Unwesen treibt, sondern mittlerweile einer der großen Soundtrack-Komponisten ist. Hier gibt es einen wunderbar orchestralen Score, der eines Franz Waxman (Du lebst noch 105 Minuten, Boulevard der Dämmerung, Das Fenster zum Hof) mehr als würdig wäre.

Wo wir gerade schon bei Hitchcock sind. Nicht nur der Nachname des angesehenen Modehauses Woodcock erinnert an den guten Alfred, nein, es gibt eine Referenz, die Phantom Thread aus der Seniorenvorstellung des sogenannten Arthouse-Kino katapultiert und wirklich zu einem grandiosen Relationship-Suspense-Thriller macht, der sich gewaschen hat: Rebecca!

Also, jeder, der Hitchcocks Drama um die zweite Mrs. de Winter kennt und schätzt, muss hier einfach reinschauen. Anderson zollt hier nicht nur Tribut, sondern schafft ein originär eigenes Werk, in dem eine zu Beginn unglaublich übergriffige Beziehungs-Einverleibung sich langsam aber sicher zu einer Konstellation wandelt, in der die ehelichen Geschlechterfronten völlig überschritten werden. Alma ist dabei ein weiblicher Charakter, der mir so noch nie begegnet ist. Im Zusammenspiel mit Reynolds entwickelt sich diese Liebes- und Hassbeziehung schließlich zu einem Finale, dessen Unausweichlickeit und Krankhaftigkeit wirklich ohne Gleichen ist. Vielleicht aber ist sogar jede Paarbeziehung so, ich lasse das mal offen.

Würde ich die Filme gesehen haben, müsste ich vielleicht sagen, dass das hier Shades of Grey für Erwachsene und anspruchsvolle Beziehungsgeister ist. Da ich das aber nicht habe, bleibt mir nur zu sagen, dass man sich wegen des seltsam langweilig erscheinenden Plots nicht beirren lassen sollte und unbedingt einen Blick in den Abgrund im Kampf der Geschlechter wagen sollte.

Bleibt abzuwarten, ob die Oscar-Nominierungen für Phantom Thread was übrig haben (darunter sind Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Beste Regie, Beste Filmmusik, Bestes Kostümdesign).

In diesem Sinne, zitieren wir als Abschluss mal wieder Helge Schneider:

"Geh doch deine Oma mal besuchen... vielleicht ist's für dich das letzte Mal."

 

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Kommentare

12.02.2018 19:40 Uhr - NoCutsPlease
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Einfach nur schön, dass mein Lieblingsschlawiner wieder Rezis schreibt! :)
Diesen Film merke ich mir gerne für das Heimkino ohne Kukident-Publikum vor.

12.02.2018 20:37 Uhr - Horace Pinker
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Freut mich das mal wieder neuer Lesestoff kommt, besonders wenn dieses mal wieder so wunderbar formuliert und aufschlussreich ausfällt:) Ich habe noch keinen einzigen Film von Anderson gesehen, Phantom Thread klingt aber interessant, wird vlt. mal beim nächsten Videothekengang ausgeliehen.

12.02.2018 22:35 Uhr - Insanity667
1x
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Hab ich da "Hitchcock" aus der Waldhütte gehört????... Der ist auf jeden Fall vorgemerkt, vielen Dank mein Lieber! :) Schön, dass es ganz offensichtlich wieder läuft mit dem Schreiben! :D

13.02.2018 11:14 Uhr - TheRealAsh
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Dank euch, das war übrigens eine Hausaufgabe für euch, Rebecca harrt nämlich noch ihrer Rezension;-p

13.02.2018 11:16 Uhr - tschaka17
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Ha, die Rezi hat mich doch ordentlich zum Grinsen gebracht :D Notiz an mich selbst: Rentnervorstellungen vermeiden!^^
Film an sich ist für mich so mäßig interessant, Anderson als Regisseur und Day-Lewis sind natürlich ne gute Bank, aber irgendwie packt mich da nicht so wirklich die Lust.
Denke, dass der bei den Oscars kaum was zu melden hat. Hab da schon andere Kandidaten mir angesehen. Und der Helge-Spruch tut Wahrheit kund ;)

13.02.2018 17:18 Uhr - Insanity667
1x
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13.02.2018 11:14 Uhr schrieb TheRealAsh
Dank euch, das war übrigens eine Hausaufgabe für euch, Rebecca harrt nämlich noch ihrer Rezension;-p


Tja... da gibt's wohl nur eines zu tun... :P

13.02.2018 18:47 Uhr - TheRealAsh
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Ich hoffe ja, dass Greenwood den Soundtrack-Oscar bringt, das würde ich ihm echt wünschen. Und grüße an die Omma, Tschaka!

Insi, du wirst doch nicht??? Ich bin gespannt;-)

13.02.2018 21:54 Uhr - Weltraumgott
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Hey Ash, etwas spät aber, ich werde den Film definitiv schauen!
Egal wie zäh er sein sollte (laut einigen Stimmen soll er dies ja wirklich sein), alleine weil es Day-Lewis letzter Film sein soll.

Dass Daniel Day-Lewis den Oscar abstaubt ist so sicher wie das Amen in der Kirche!

14.02.2018 14:00 Uhr - TheRealAsh
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echt, meinst du? einen vierten Oscar? na, warten wir mal ab:-)

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