SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Suche:
Kingdom Come: Deliverance PS4 AT · Realistisches Rollenspiel · ab 57,99 € bei gameware Gal Gun 2 Switch uncut AT-PEGI · Japan-Shooter ohne USK-Freigabe · ab 49,99 € bei gameware
naSum
Level 11
XP 1.642
Eintrag: 14.02.2018

Amazon.de


The Deuce - 1. Staffel
Blu-ray 29,99
DVD 16,99



Phantasm III
Blu-ray/DVD Mediabook
Cover A 26,49
Cover B 33,99

Fireworks

Herstellungsland:USA (1947)
Genre:Mystery, Kurzfilm

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,75 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Ein junger Mann (Kenneth Anger) träumt von sadomasochistischen und homoerotischen sexuellen Erlebnissen. Dabei begegnen ihm im Traum zwei Matrosen, die sich vor ihm ausziehen, ihn beginnen zu schlagen und zu misshandeln.
Kenneth Angers Kurzfilm ist ein wegweisender Experimentalfilm des Avantgardekinos, der die gespaltenen Gefühle eines jungen Träumers zwischen dem herbeisehnen einer Erfahrung und der Furcht vor ebendieser darstellt.
Er ist der erste Teil des Magic Lantern Cycle.
eine kritik von nasum:

Der Filmemacher Kenneth Anger dürfte den wenigsten Menschen durch seine geschaffenen Werke bekannt sein, obwohl er (vorwiegend) in den 30er bis 50er Jahren zahlreiche (Kurz-) Filme gedreht hat. Mit den dargestellten Themen von Sodomie, Homosexualität und okkulten Elementen eckte er dabei oftmals am feinen Geschmacksethos Hollywoods an. Seine Vorliebe, sich dabei von Visionen und Träumen leiten zu lassen oder lediglich einzelne emotionale Stimmungen filmisch darzustellen, fügten den kontrovers diskutierten Inhalten eine sperrige und experimentelle Gestaltungsebene hinzu, die den Mainstream nie erreichen konnte. Er blieb Zeit seines Lebens ein Regisseur des Untergrunds, konnte mit seiner erotischen Exzentrik jedoch stellenweise Anklang in der Musikszene finden und punktuell Einfluss geltend machen, der ihm heute noch anerkannt wird. Einige seiner populärsten Werke bilden den Magick Lantern Cycle.

 

Kenneth Anger: Magick Lantern Cycle - Teil 1:

 

Fireworks (1947)

15 Minuten

 

In die Schwärze der Nacht gekleidet und begleitet von Blitz und Donner begegnen einem jungen namenlosen Mann zwei Matrosen im Traum. Hin- und hergerissen zwischen Furcht und Faszination für diese erotisch anmutenden beiden Männer lässt er sich neugierig auf das Abenteuer ein und begegnet einer schockierenden Welt aus nackter Haut und gewalttätiger Dominanz.

Im Stummfilmcharakter führt Kenneth Anger seinen Hauptdarsteller ohne Dialoge oder erklärende Texttafeln durch ein surreales Szenario aus hektischen Kamerafahrten und Blickwinkeln. Verschwommene Details und im Schatten verlaufende Bildkompositionen stellen dabei nicht nur für den Zuschauer eine träumerische Ebene dar, sondern lassen den Träumer sehen, was er nicht zu glauben wagt, aber im innersten heimlich ersehnt.

 

Die damalig provokanten Themen der Homosexualität drängen sich in dem halbbekleideten und ausschließlich männlichen Cast unweigerlich auf. Dabei deuten die Choreografien der Darsteller die Schläge und Penetrationen zwar nur an, aber die Details der permanent eingestreuten Nahaufnahmen deuten mit einem großen Zeigefinger in Richtung sexueller Sodomie und lassen einige Blut und Gore-Elemente in guter Handwerkskunst erkennen. Die gesellschaftlich totgeschwiegene Thematik gleichgeschlechtlicher Beziehungen wird dabei bis in die Spitzen der Fantasie dargestellt und künstlerisch überhöht. In der raschen Schnittfolge der Bilder und mit dem Schattenreichtum der Film-Noir Zeiten erhärtet sich dabei ein verstörender, surrealer, leicht alptraumhaftiger Charakter, der jedoch durch die überzogene Gestik und Theatralik der Schauspieler stellenweise zum Schmunzeln anregt. Eine schockierende Wirkung kann das Werk dennoch auslösen. Wie die Gewichtung aus verschwommenen Bildmomenten und schwankender Bildqualität zu bewerten ist, wird nicht ganz deutlich. Zwar spielt der Regisseur teilweise bewusst mit diesem Element, um die Wirklichkeit von der Traumwelt abzugrenzen, jedoch mit mangelhafter Konsequenz. Ebenso kann dieses Manko auf das geringe Budget, sowie die Eigenproduktion zurückgeführt werden. Die Erzählweise wird dadurch allerdings nicht zusätzlich negativ beeinflusst, da der innere Konflikt des Mannes generell nur sehr vage angedeutet ist und seine Motive über weite Strecken des Werkes undurchsichtig bleiben.

 

Die musikalischen Elemente liefern zu den optischen Bildfetzen einen klar erkennbaren Spannungsbogen, der sich von harmonischen Flöten und Harfen zu dramatisch anschwellenden Orchesterpassagen steigert und die Stille immer wieder mit Paukenschlägen erschüttert. Das besonders die anstößigen Filmpassagen mit musikalischem Nachdruck begleitet werden, lenkt den Fokus klar in eine Richtung und betont neben den emotional ruhigen Momenten des Protagonisten seine Begeisterung für das Unbekannte, das Verpöhnte, das Gefährliche, das eventuell Falsche?

Hin- und Hergerissen zwischen seinen Gefühlen steigert sich Angers Werk deutlich zu einem filmischen, individuellen und sexuellen Höhepunkt. Einem Feuerwerk der Emotionen, das leuchtend die festlichen Bläserfanfaren durchstößt.

6/10
mehr reviews vom gleichen autor
Rabbit's
naSum
9/10
Puce
naSum
3/10
Wicker
naSum
4/10
die neuesten reviews

Kommentare

14.02.2018 10:15 Uhr - JasonXtreme
2x
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 12
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.412
Thematisch nicht wirklich meins, auch wenn ich nicht homophob bin - aber sehr anschaulich beschrieben :-)

14.02.2018 12:50 Uhr - Ghostfacelooker
2x
User-Level von Ghostfacelooker 15
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 3.694
1947 dürfte hier eines der ältesten Reviews sein. Respekt. Auch für die visuelle Schreibe. Schließe mich meinem xtremen Freund jedoch thematisch an

14.02.2018 14:19 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 7
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 727
Hm, ich versteh schon, dass dir der nicht so gut gefällt, aber der Film war halt damals schon krass, auch und vor allem wegen der heftigen Darstellung von Gewalt.

Und "nur" provokant war Homosexualität damals echt nicht, sondern schlichtweg strafbar. Das müsste man schon dazu sagen, deshalb ist der Film eben auch so einflussreich und wichtig.

14.02.2018 19:08 Uhr - Insanity667
2x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 10
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.555
Der Film schneidet wahrlich ein mutiges Thema für seine Entstehungszeit an, das mag wohl stimmen. Allerdings finde ich ihn persönlich zu überdreht und überspitzt, so dass es dem Image von Homosexuellen und deren Akzeptanz in der damaligen Gesellschaft wohl eher geschadet haben dürfte, aber da will ich mich eigentlich gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Jedenfalls stimme ich dir zu Jack und freue mich natürlich sehr darüber, dass du mal wieder an der Schreibmaschine warst! :)

@Ghost
Naja, da gibt es ältere... ;)

14.02.2018 20:56 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 11
Erfahrungspunkte von naSum 1.642
Danke sehr an alle.

Ash:
Der Film gefällt mir eigentlich schon, er ist nur stellenweise nicht sonderlich gut gemacht. Gerade die qualitativen Aspekte der Kameraarbeit und Bildqualität sind sehr bescheiden. Den Einfluss und die Wichtigkeit des Werkes möchte ich dadurch nicht schmälern. Aber trotzdem er diesen hohen Stellenwert inne hat, bekommt er von mir nur strenge aber faire 6 Punkte, da man ihn ja als Gesamtheit betrachten sollte. Nicht nur seine Aussagekraft.
Aber du hast auf jeden Fall Recht, dass man zu diesem Werk noch etliche Zeilen mehr hätte tippen können. Das volle Potential zu ergründen überlasse ich dann aber doch jedem selbst. ;)

Insanity:
Dem Image schaden aber dennoch zum reflektierten Denken anregen? Evtl hat der Film beides geschafft. Zu seichte Kost plätschert dann doch mal an einem vorbei...

Ghost:
Ich fordere dich heraus. Finde den ältesten Film der Seite und gönne ihm ein Review. ;) Spontan fällt mir auf jeden Fall Freaks oder Nosferatu ein.

14.02.2018 22:24 Uhr - Ghostfacelooker
1x
User-Level von Ghostfacelooker 15
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 3.694
14.02.2018 20:56 Uhr schrieb naSum
Danke sehr an alle.

Ash:
Der Film gefällt mir eigentlich schon, er ist nur stellenweise nicht sonderlich gut gemacht. Gerade die qualitativen Aspekte der Kameraarbeit und Bildqualität sind sehr bescheiden. Den Einfluss und die Wichtigkeit des Werkes möchte ich dadurch nicht schmälern. Aber trotzdem er diesen hohen Stellenwert inne hat, bekommt er von mir nur strenge aber faire 6 Punkte, da man ihn ja als Gesamtheit betrachten sollte. Nicht nur seine Aussagekraft.
Aber du hast auf jeden Fall Recht, dass man zu diesem Werk noch etliche Zeilen mehr hätte tippen können. Das volle Potential zu ergründen überlasse ich dann aber doch jedem selbst. ;)

Insanity:
Dem Image schaden aber dennoch zum reflektierten Denken anregen? Evtl hat der Film beides geschafft. Zu seichte Kost plätschert dann doch mal an einem vorbei...

Ghost:
Ich fordere dich heraus. Finde den ältesten Film der Seite und gönne ihm ein Review. ;) Spontan fällt mir auf jeden Fall Freaks oder Nosferatu ein.


Tja was aus einem Kompliment alles entsteht, aber gut, so kann ich dir eine etwaige Retourkutsche für dein Bladerunner Kompliment geben, dass andere absichtlich falsch verstanden haben^^^^^^^^^^^

Wie wärs hiermit?

https://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Titel&ID=14969

oder damit

https://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Titel&ID=48888

15.02.2018 07:38 Uhr - naSum
User-Level von naSum 11
Erfahrungspunkte von naSum 1.642
Also wenn ich wählen darf, würde ich Fritz Langs "der müde Tod" bevorzugen. Der hat nämlich starkes metaphorisches Potential.

15.02.2018 12:04 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 15
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 3.694
15.02.2018 07:38 Uhr schrieb naSum
Also wenn ich wählen darf, würde ich Fritz Langs "der müde Tod" bevorzugen. Der hat nämlich starkes metaphorisches Potential.


Hey es ist dein Review, feel free

16.02.2018 20:52 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.300
Äußerst interessante Vorstellung, in äußert gekonnter Form. Will ich sehen. Obwohl ich nicht weiß, ob ich das künstlerisch gut finde. Oder deswegen. Marian Dora habe ich ja auch überlebt. ;)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
SB.com