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Maniac

Herstellungsland:USA (1980)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Meeting with Frank
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,18 (144 Stimmen) Details
inhalt:
Ein Mann mittleren Alters namens Frank leidet unter seiner psychischen Krankheit. Er hat ein gefährlich gestörtes Verhältnis zu Frauen.Frank arbeitet als Restaurator für eine Modellagentur und lebt in einer kleinen Wohnung mitten in der Großstadt. Aber er lebt trotzdem vollkommen mit sich und seiner Krankheit allein. Er ermordet Frauen, und skalpiert sie.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von chollo:

William Lustig's "Maniac" von 1980 ist so ziemlich jedem Filmbegeisternden, der in die Untiefen des Horror-/Slasher-/Psychothriller- Genres eintaucht, ein Begriff. Von Fankreisen verehrt und mit dem Kultsiegel versehen, wird diese Perle gleichsam von der Zensur als Gewaltpornographie verschmäht uns geächtet.

Das diese, von der Staatlichen Zensurbehörde scheinbar von Gremium zu Gremium vererbte Herangehensweise so bald kein Ende nehmen wird, zeigt die ständige Bestätigung bzw erneute Beschlagnahme dieses Ausnahmewerks nach Paragraph 131 StgGb. Ob es sich bei objektiver und unvoreingenommener Betrachtungsweise dabei wirklich um Gewaltverherrlichung und/oder Gewaltverharmlosung handelt, darf zumindest mal angezweifelt werden. Unbestritten bekommt man hier Schauwerte geboten, die etwas zartbesaiteten Gemütern mitunter sauer aufstoßen könnten, doch wer sich auf einen Film dieses Formats einlässt, rechnet auch nicht mit einem Rundum Sorglos-Paket a la Rosamunde Pilcher. Die Kunststücke aus der Werkstatt Tom Savinis können freilich auch heute noch schockieren, aber keinesfalls Gefühls-ethnisch desorientieren (abstumpfen), wie es im Amtsjargon so schön bedeutet. Das "Verbot" ist einfach gesagt überholt und gehört ähnlich wie bei anderen Leidensgenossen (Halloween 2; The Prowler ect. ect.) zurückgenommen und letztendlich abgeschafft.

Was dieses Werk in meinen Augen tatsächlich vom Einheitsbrei abhebt und auch heute noch schlucken lässt, ist die ungeheure Atmosphäre. Durchweg Pessimistisch und latent Bedrohlich schwebt diese wie ein Damoklesschwert durch den Film und gleichsam über dem betrachtendem Zuschauer. Das New York dieser Zeit als Schauplatz versprüht Unbehagen und Tristesse die man förmlich schmecken kann. Selbst ' normal' gepolte Menschen, so suggeriert es der Film, sollten Schwierigkeiten haben, hier Zugang zu finden. Von Sterilität ( Fotoshooting), Verwahrlosung und Einsamkeit (U-Bahn Station) sowie Hoffnungslosigkeit (Stunden Hotel) sind die gewählten Schauplätze geprägt, das selbst psychisch gefestigte Personen auf Dauer den Mut verlieren könnten. Geht es dann in geschlossene Räume, steigt man nochmal einen Treppenabsatz hinab. Freilich ist das dem Umstand geschuldet, die Erkrankung des Hauptcharakters zu visualisieren, doch drückt das ganze die Stimmung nochmals um ein beachtliches Maß. Bei allen Lobhuldigungen ist das natürlich auch den Umstand geschuldet, das es sich bei "Maniac" um ein Low Budget Projekt handelt und u.a. das grobkörnige 16-mm-Film Material auf dem er gedreht wurde dem Werk und seiner Atmosphäre außerordentlich gut zu Gesicht steht. Andererseits darf man auch nicht vergessen das es sich bei den Beteiligten, mal abgesehen von Joe Spinell und Carolin Munro, um Amateure gehandelt hat. Vor allem William Lustig, zur Entstehungszeit 25 Jahre und davor eher im Softcore Bereich tätig, hat hier wahrlich sein Husarenstück abgeliefert.

Damit gleich zu den Darstellern, oder besser gesagt zu dem Darsteller. Titelfigur Joe Spinell alias Frank Zito alias Maniac ist gleich in doppelter Hinsicht ein Segen für den Film. Zum einen zeichnet er als Produzent maßgeblich an seiner Entstehung verantwortlich, zum anderen wäre die Sogwirkung des Films ohne Spinell als psychopathischen Killer undenkbar. Er verleiht der Figur mit seiner Präsenz eine wirklich unheimlich verstörende Tiefe. Das liegt nicht nur an seinen Dialogen, die besonders in den surreal geführten Selbstgesprächen zur Geltung kommen, aber zusammen genommen wohl auf 3 Seiten passen würden. Es ist die Physis im Einklang mit dem Mimenspiel dieses herausrangendenden Schauspielers, der sein können z.B. auch in Rocky und Der Pate unter Beweis stellte, die diesen Film einfach unvergleichlich machen. Wir sehen einem aufgeschwemmten, unförmigen und von Acnenarben übersähten Mann dabei zu, seine krankhaften und zutiefst asozialen Begierden zu verheimlichen, um in dieser trostlosen Welt neue Opfer zu finden um seine in selbst quälenden Gelüste zu befriedigen. Caroline Munro als Gegenpart und Augenschmaus kommt an diese Intensität natürlich nicht mal ansatzweise heran, aber das muss sie auch nicht. Als Love Interest und Beinahe Opfer macht sie einen zufriedenstellenden Job und fällt nicht negativ auf. Die übrigen Damen und Herren die sich hier die Ehre geben sind Füllwerk oder eben Opfer des Maniacs und erfordern keiner ausführlicheren Beschreibung.

Auch William Lustig darf sich einen Teil des Ruhms mit seiner Inszenierung auf die eigenen Fahnen schreiben. Ruhige und bedächtige Kamerafahrten um Spinell's Spiel wirken zu lassen helfen dem Stück ähnlich wie das fehlen anderer Sinnes-ablenkungen. Musik ist hier nur spärlich zu hören und wenn dann in einem deprimierendem Unterton, um Zito's derzeitigen Gefühlszustand zu spiegeln. Auch die Brutalitäten werden, selbstverständlich im Stil der 1980'er, nicht ohne handwerkliches Geschick umgesetzt. Lustig gibt sich etwa nicht nur damit zufrieden, bei einschlägigen Szenen plump mit der Kamera draufzuhalten wie etwa andere, untalentiertere Zeitgenossen. Er verpasst der schon drückenden Stimmung noch gekonnt eine schauerliche Bildsprache. Besonders gut ist das z.B. bei der Verfolgung durch die U-Bahn Station oder eben auch bei den letzten Einstellungen in Zitos Apartment festzustellen.

William Lustig's "Maniac" von 1980 zählt für mich zu den Meilensteinen der Filmgeschichte. Das dreckig düstere Psychogramm wird zwar vor allem von Joe Spinell getragen, der sich bei Veröffentlichung zudem direkt als Misogynist bezeichnen lassen musste, sondern kann sich auch in Sachen Aufmachung mehr als sehen lassen. Ein Film der nach bald 40 Jahren die Fähigkeit besitzt neues Publikum zu finden und zu begeistern, hat meiner Meinung nach auch das Potenzial, dies weitere 40 Jahre zu tun.

10/10
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Kommentare

24.02.2018 22:17 Uhr - sonyericssohn
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Überhaupt nicht mein Film, aber gut beschrieben !

24.02.2018 22:44 Uhr - Nubret
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Liebevoll ausgearbeitete Besprechung. Und der Film ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, da kann selbst das sehr gute Remake nicht mithalten. Und Savinis Effekte haben tatsächlich in all den Jahren rein garnichts von ihrer Wirkung eingebüßt. Top!

24.02.2018 22:54 Uhr - Intofilms
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"Maniac" - was für ein Filmtitel! Da läuft mir sofort ein kalter Schauer über den ganzen Körper. Ja, das war damals Liebe auf den ersten Blick. Ein beklemmend intensiver Thriller, der in einer völlig desolaten Welt angesiedelt ist. Das Äußere spiegelt das Innere und umgekehrt. Die expliziten Gewaltspitzen sind da im Grunde nur gefällige Dreingabe. Von mir gibt es hier eine ganz starke 9/10. Deinen gelungenen inhaltlichen Ausführungen stimme ich voll und ganz zu. Einer der besten, faszinierendsten Horrorfilme, die ich kenne. - Das wäre übrigens auch ein Titel, den sich mal das Museum of Modern Art und die Film Foundation für eine Deluxe-Restaurierung schnappen könnten, siehe "Ganja & Hess" und "Basket Case". Gerade "Maniac" hätte das so verdient! :))

Ich schätze auch das Remake sehr und finde es letztlich genauso genial wie das Original - was ich im Vorfeld ja niemals für möglich gehalten hätte! ^^

25.02.2018 00:04 Uhr - TheRealAsh
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Mit der Atmo hast du recht, das beschreibst du bei den Schauplätzen echt gut, der Rest ist Filmgeschichte, sehr gut beschrieben und danke vor allem für die Erinnerung, ich werf mir den demnächst mal wieder ein, viel zu lange nicht gesehen.

Das Remake kommt für mich nie hier ran, obwohl ich es auch sehr fies finde und es - ich muss es leider sagen - den besseren Soundtrack von Robin Coudert hat (Chattaway ist aber schon auch gut). Trotzdem;-)

25.02.2018 08:33 Uhr - gok
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Ja ja ja gut geschriebene rev. Hab den film von meiner frau vor jahren geschenkt bekommen aber leider fsk16 , und da waren die schnitte doch sehr sehr auffällig. Aber in unserem schönen ösi land gabs den dann doch uncut zu kaufen. Finde auch das das ein filmchen ist wo zumindest nachvollziehbar ist warum man die erwachsenen zu beschützen versucht. Weiter so lese deine revs echt gern weil sie meistens nicht zu lang geschrieben sind aber doch alles wissenswerte beinhalten.

25.02.2018 11:58 Uhr - Knochentrocken
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Steinigt mich, aber das Remake gefällt mir sogar besser. Aber natürlich ist dieser Film auch einer meiner Lieblinge des guten alten Horrorkinos!

Maniac: 07/10
Maniac Remake: 09/10

25.02.2018 12:26 Uhr - CHOLLO
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Vielen Dank liebe Kollegen für die netten Kommentare.

25.02.2018 18:00 Uhr - DriesVanHegen
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Ich habe dieses Werk erst knappe 30 Jahre nach seiner Premiere gesehen, aber es hat mich echt weggeblasen. Spinell ist einfach Frank Zito. So eine verdammt körperliche Performance, so ein zutiefst deprimierender Film. Ich mag diesen Ausspruch eigentlich nicht, aber nach diesem Werk habe ich mich tatsächlich schmutzig gefühlt.

25.02.2018 21:17 Uhr - CHOLLO
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Ganz wie bei mir Dries, erst sehr spät gesehen den Film und total überwältigt!

26.02.2018 19:12 Uhr - Insanity667
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DB-Helfer
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Das war DER Film schlechthin, wenn es in der "Jugend" um harte Ware ging. :) Tom Savinis Effektekunst war ja dahingehend meisterhaft. Die gesellschafts- und sozialkritische Komponente hat sich damals natürlich noch nicht erschlossen, jetzt dafür aber umso mehr! Tolle und treffende Rezi!

26.02.2018 21:05 Uhr - Dissection78
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DB-Co-Admin
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Chapeau, CHOLLO!

Das war DER Film schlechthin, wenn es in der "Jugend" um harte Ware ging.

Exakt. Der hier sowie "Tanz der Teufel", "Muttertag", "Der New York Ripper", "Zombie", "Man Eater", "Ein Zombie hing am Glockenseil", "Blutgericht in Texas" - die beliebtesten Filme damals auf dem Schulhof. Ganz nach dem Motto "'Verboten' = Gut!" So haben uns gerade die Jugendschützer zu "bösen" Filmen verleitet :D

"Maniac" ist nach wie vor klasse, auch wenn ich ihn mir nicht allzu oft reinziehe, da reichlich bedrückend. Neben dem Savini-Köpper ist mir hier vor allem die U-Bahn-Verfolgung im Gedächtnis geblieben. Das Remake ist ganz in Ordnung, mir persönlich allerdings zu steril. William Lustig könnte gerne mal wieder einen Film in dem Stil drehen, aber dazu hat er ja keinen Bock mehr.

27.02.2018 19:18 Uhr - CHOLLO
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Vielen Dank euch beiden!!

@ Dissection78
Von Lustig kenne ich nur diesen. " Maniac Cop 1&2" sollen ja auch ganz brauchbar sein.
Die sollte ich mir bei Gelegenheit mal geben!

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