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Bordello of Blood

Herstellungsland:USA (1996)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Komödie, Splatter
Alternativtitel:Geschichten aus der Gruft presents: Bordello of Blood
Tales from the Crypt Presents: Bordello of Blood
Dead Easy
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,72 (81 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Vampirlady Lilith (Ex-Model Angie Everhart) eröffnet ein Bordell am Stadtrand. Nach dem Liebesdienst muss die Kundschaft bluten, im Wahrsten Sinne des Wortes. Privatdetektiv Rafe (Dennis Miller) soll für eine Klientin („Baywatch"-Nixe Erika Eleniak) dieses Freudenhaus näher unter die Lupe nehmen und entdeckt das schreckliche Geheimnis. Selbstverständlich hat er nun nicht nur jede Menge Ärger, sondern auch eine Meute blutdurstiger Vampire am Hals – wo auch sonst... (Eurovideo)

eine kritik von dicker hund:

Gilbert Adler ist im Grunde fast ausschließlich für das "Geschichten aus der Gruft"-Franchise bekannt, dem auch der hier besprochene "Bordello of Blood" zuzurechnen ist. Ein Jahr nach dem starken "Demon Knight", der federführend von Ernest R. Dickerson umgesetzt wurde, durfte Adler nun mehr als nur die Einrahmung durch den Crypt-Keeper inszenieren. Dieser geht hier ein Prolog voraus, der mit einem spanischen Akzent irritiert, der die grenzwertige Synchro bereits mächtig überfordert. Dafür gefällt der bereits hier etablierte Vincent Prather als zwielichtige Figur, die von dem kleinwüchsigen Phil Fondacaro ("Troll", "Land of the Dead") mit Bravour gemimt wird.

Derart gewissenhaften Einsatz hätte man sich auch von den anderen Darstellern gewünscht, die jedoch mehrheitlich nur in Sachen Körpergröße gegenhalten können. Besonders unangenehm fällt Dennis Miller als der Privatdetektiv Rafe Guttman auf. Dem Comedian steht der pseudocoole Sprücheklopfer im Stile eines "Angel Heart"-Mickey Rourke nicht besonders gut zu Gesicht. Oft schaut er keineswegs verwegen und halbseiden drein, sondern macht eher den Eindruck, er würde die ganze Zeit über befürchten, dass sein Hosenstall offen steht. Dabei sind einige seiner Kommentare ja ganz keck, was er als Anlass hätte nehmen können, sich für flache Rohrkrepierer weniger zu schämen, die er sich stattdessen zum Credo gemacht zu haben scheint:

"Ich komme mir vor wie in einer schlechten Folge aus Geschichten aus der Gruft." 

Wenn derartige Plump-Witze mit amüsant-herzigen Albernheiten vermischt werden, geht das auf, soweit frisch, frei und mutig mit vollem Risiko, sich lächerlich zu machen, auf den Nuttenschenkel geklopft wird. Dazu gehört dann eine gewisse Masse wie in diversen Troma-Werken oder durchgedrehten Quasi-Parodien wie "Blood Diner". Leider ist der Humor (5/10) hier aber nicht mehr und nicht weniger als einfach vorhanden, was Fehlzünder störender erscheinen lässt. Denn eine vorsichtige Auswahl kann sich einzelne Nieten weniger leisten als ein Füllhorn. Millers verkrampfte Vortragsform tritt da noch nach. Einfach nur gelangweilt und von ihrer Rolle genervt wirkt an seiner Seite Erika Eleniak, die in "Alarmstufe: Rot" bereits mit zweifelhafter Schauspielkunst eines gewissen männlichen Kollegen Erfahrung sammeln durfte. Da passt ihre Mimik lediglich zu Katherine Verdoux Reaktion auf ihren Bruder Caleb, der mit seinem pubertären Machogehabe noch anstrengender ist als der geschiedene Schnüffler. Corey Feldman stand der Tommy Jarvis im vierten und fünften "Freitag" besser als der kleinkriminelle Spinner, für den er hier einfach zu weich wirkt. Deutlich eckiger kommt dagegen nicht nur in den Mundwinkeln Angie Everhart als die Vampirin Lillith rüber, die in "9 1/2 Wochen in Paris" noch im erotischen Sektor nachlegen durfte, dort mit dem echten Mickey Rourke. Gegen die dämlichen Possen aus dem Drehbuch stemmt sie sich erfolgreicher als ihr Kollege Miller.

"Ich mag Männer, die ihren Kopf verlieren."

Nach einer Enthauptung ist solch ein Kommentar in bestimmten Gefilden naheliegend, wenn auch nicht allzu einfallsreich. Dafür hält so manche Organ- und Körperteilreißerei bei Laune, wobei derartige Härten gleichmäßig mit der roten Gießkanne über die Spielzeit verteilt und annehmbar getrickst wurden (Gewalt 8/10). Unterbrechungen durch den gelegentlichen Offscreen sind vor diesem Hintergrund ausnahmsweise verschmerzbar. Unangenehmer fällt da schon der angesichts der Titelgebung und des Sujets recht wenig ausgespielte Sex (4/10) auf. Sicher, die Hupen der verruchten Damen tröten sporadisch umher, zur Sache geht es aber kaum. Trotz einer guten Portion nudity erhält der Film dadurch eine geradezu sterile Note, wie sie die Nordamerikaner nun einmal am "besten" hinbekommen.

"Ich weiß, wie man eine Frau anmacht."

Na ja...

Noch sparsamer wurde der Horror (3/10) dosiert, von dem nur in einigen schmierigen Einblendungen einer Sezierung und angesichts weniger vergilbter Gerippe ein Profil sichtbar wird. Erschreckender sind da schon eher die Spezialeffekte, sobald der Computer für sie verantwortlich wird. Orangene CGI-Würmchen und nachträglich eingefügte Flammen in einer Grafik wie von der ersten Playstation lassen momentweise an Amateurniveau denken. Dermaßen minimalistisch gerieten zum Glück allenfalls noch die Comic-Anteile, die sich bedauerlicherweise auf eine einzige Zeichnung im Frame-Bereich beschränken.

Auf der anderen Seite zeigt die Kamera dann plötzlich doch noch ihre Fähigkeit zur Präsentation mehrschichtiger Bildinhalte; diverse Anspielungen auf andere Filme und ein Kurzauftritt von Whoopi Goldberg belegen die Bemühungen um eine höhere Dosis Pfiff als jene, die häufig erkennbar ist. 

"Fragen Sie nach der Cunningham-Messe."

Subtile Querverweise klingen anders, aber es gibt sie. Wichtiger für den streckenweise erfreulichen Eindruck sind aber viel basalere Punkte, allen voran das Set: Das dubiose Beerdigungsinstitut mit dem titelgebenden Bordell im Keller, das alte Kino, das zum Ermittlerbüro umfunktioniert wurde, oder die pompöse Halle der Fernseh-Predigers (ausreichend: Chris Sarandon aus "Fright Night") - hier wurde mehr Kreativität aufgewendet als bei allen anderen Bestandteilen zusammen. Zweckmäßig bis einigermaßen atmosphärisch lässt auch der Score sich hören, der seine schönsten Momente hat, wenn die tiefen Streicher spielen dürfen.

Es dürfte herauszulesen sein: Der naheliegende Vergleich mit "Ritter der Dämonen" drängt Enttäuschung auf, von thematisch teilweise verwandten Ausnahmewerken wie "From Dusk Till Dawn" ganz zu schweigen, obwohl beide zu ähnlicher Zeit gedreht wurden. Besser wird man bedient, wenn man den verspielten, simplen 1988er Fun-Splatter "Waxwork" als Parallelprodukt zitiert. Gerade neben letzterem sieht "Bordello of Blood" dann schon wieder ordentlich aus (6/10 Punkten), obwohl er naturgemäß mehr Vorbilder hatte. Bei dem Review von Dissection fällt demnach die Zustimmung leichter als bei jenem von Frank, eine ergänzende Lektüre sei jedenfalls empfohlen. Bleibt noch zu erwähnen, dass "Bordello of Blood" bis 2016 indiziert war, inzwischen aber nach Neuprüfung ungeschnitten mit eingeschränkter Jugendfreigabe der FSK auf einmal weniger bedenklich sein soll. Besser als umgekehrt.

6/10
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Kommentare

22.03.2018 18:13 Uhr - sonyericssohn
3x
Moderator
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Der war bei mir eher weniger angesagt. Hab damals ein Massaker a la Ritter der Dämonen erwartet und wurde enttäuscht.

Da hilft dein grandioses Rev auch ned weiter :-(

22.03.2018 19:01 Uhr - Nubret
2x
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Ist bei mir schon lange her...aber gekauft hab ich den damals nicht, was normalerweise kein gutes Zeichen ist. Dein Besprechung hingegen ist über jeden Zweifel erhaben!

22.03.2018 20:00 Uhr - TheRealAsh
1x
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Hast mich mal wieder köstlich unterhalten, Moppi, sehr pointiert auf den Punkt gepunktet. Mein Gott, wenn ich dran zurückdenke, die Erika Eleniak damals im Playboy, mein Gott, das waren Zeiten.

22.03.2018 20:57 Uhr - DriesVanHegen
1x
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Bis au ein paar wenige Episoden der Zeichentrick Geschichten aus der Gruft, ist dieser Film meine einzige Berührung mit dem Franchise.
Und nun ja, nachdem die DVD lange im Regal stand, war ich Ende letzten Jahres doch ziemlich enttäuscht vom Werk.
Flach, blutarm und nahezu langweilig dümpelt die Geschichte vor sich hin.
RITTER DER DÄMONEN steht aber noch in der Kartei, um das schlechte Bild auszugleichen.

22.03.2018 22:23 Uhr - dicker Hund
1x
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Besten Dank!

@Dries
Der ist nicht blutarm. Vorsichtshalber empfehle ich mal einen Blick in die Schnittberichte. Aber der Schatten des strahlenden Ritters ist wahrlich zu groß für den Film.

23.03.2018 08:03 Uhr - DriesVanHegen
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Nun dann sagen wir einfach, ich habe mehr erwartet ;)

23.03.2018 20:00 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
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Ein Film mit "Bordello" im Titel sollte mindestens eine 9/10 in puncto Sex bieten, sonst ist das nur halbherzig. :)
Deine Schreibkunst ist hingegen - wie immer - alles andere als halbherzig. :)

23.03.2018 20:31 Uhr - Horace Pinker
1x
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Deine Besprechung ist wie immer ein literarischer Leckerbissen, der abgesehen von der formalen Perfektion auch inhaltlich zu überzeugen weiß. Ich gehöre zu der absoluten Minderheit (falls ich nicht sogar allein auf weiter Flur stehe), der Borderllo of Blood besser als Ritter der Dämonen gefallen hat, ich fand die Story ziemlich unterhaltsam, die Effekte gut gemacht (imho übrigens auch blutiger als in Ritter, in dem mir in der Hinsicht außer der Kopfdurchschlagung kaum was im Gedächtnis geblieben ist), die Erotik für einen US-Film relativ explizit und die Schauspieler auch ganz in Ordnung, würde 7-8 Punkte vergeben. Natürlich ist das wie immer absolute Geschmackssache und könnte auch daran liegen das ich Vampire weit lieber mag als Dämonen ;)

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