SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Suche:
A Way Out uncut AT-PEGI · Gefängnisausbruch mit bahnbrechendem Koop · ab 34,99 € bei gameware Gal Gun 2 Switch uncut AT-PEGI · Japan-Shooter ohne USK-Freigabe · ab 49,99 € bei gameware
Nubret
Level 4
XP 240
Eintrag: 18.03.2018

Amazon.de

  • Kickboxer - Die Abrechnung
Blu-ray
15,99 €
DVD
13,99 €
  • Pay Day
Blu-ray
16,99 €
DVD
14,99 €
Amazon Video
13,99 €
  • Shortwave
Blu-ray
13,99 €
DVD
11,99 €
  • McMafia
Blu-ray LE
23,99 €
DVD
21,99 €
Amazon Video
0,00 €
  • Motorrad - The Last Ride
Blu-ray
13,99 €
DVD
11,99 €
Amazon Video
9,99 €

Im Glaskäfig

(Tras el Cristal)
Herstellungsland:Spanien (1987)
Genre:Horror, Drama
Alternativtitel:Caged Glass
In a Glass Cage
Techo de Cristal, El

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Ein ehemaliger KZ-Arzt, der in einem Konzentrationslager schreckliche Versuche an Kindern durchgeführt hat, taucht nach Ende des Krieges mit seiner Familie in Spanien unter. Als seine dunklen Triebe ihn einholen und er auch dort beginnt, kleine Jungen zu missbrauchen und zu töten, stürzt er sich aus Verzweiflung von einem Dach. Doch er überlebt schwerverletzt. Völlig gelähmt und nur noch von einer eisernen Lunge am Leben gehalten, lebt Klaus seitdem zu Hause und wird von seiner Frau Griselda und der gemeinsamen Tochter Rena gepflegt. Eines Tages verschafft sich ein junger Mann völlig überraschend Zutritt zu Klaus’ Zimmer und bietet ihm seine Dienste als Krankenpfleger an. Obwohl Griselda strikt dagegen ist, besteht Klaus seltsamerweise auf dessen Anstellung. Kurz darauf beginnt Angelo ein perfides Spiel mit seinem Patienten, geprägt von Demütigung, aber auch von Zuneigung. Immer mehr dominiert der Junge das Geschehen im Haus. Getrieben von einer Mischung aus Faszination und Abscheu wird seine Beziehung zu Klaus bald zur Besessenheit. Als dieser erkennt, wie es um Angelo steht, ist es bereits zu spät. Er kann nur noch hilflos mit ansehen, wie Angelo zunehmend die Kontrolle verliert...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von nubret:

Agusti Villaronga inszenierte mit IM GLASKÄFIG ein einzigartiges, äußerst verstörendes Kammerspiel. Oft wird dieser Film aus dem Jahre 1987 in die Nähe von Cavanis DER NACHTPORTIER oder Pasolinis SALO gerückt. Nicht ganz zu unrecht (dennoch gibt es, meiner Meinung nach, gravierende Unterschiede. Aber dazu später mehr). Das vorliegende Debüt des katalanischen Regisseurs ist ebenso tabubrechend und kontrovers wie genannte Werke. Nur eben (leider) nicht ganz so bekannt. Ich kann nicht genau sagen, ob es am GLASKÄFIG liegt, aber Villaronga hat es bis heute nicht geschafft, als Filmemacher richtig Fuß zu fassen. Obwohl sein (scheinbar ebenso kompromissloser) EL MAR (2000) von Kritikern hoch gelobt wurde. Ich denke, seine Radikalität, damals wie heute, ist einfach zu viel für die breite Masse des Kinopublikums.

Das beginnt schon mit der äußerst heiklen Thematik dieses Films: Klaus (Günter Meisner), ein ehemaliger SS-Arzt, führte in einem Konzentrationslager einst grausame Experimente an kleinen Jungen durch. Dabei konnte er seine pädophilen Neigungen ungehemmt ausleben. Nach dem Krieg flieht er, mit Frau und Tochter, ins spanische Exil. Dort gibt er seinen krankhaften Trieben weiterhin nach, bis er eines Tages aus Scham einen Suizidversuch unternimmt. Dieser schlägt jedoch fehl, von jetzt an muß der Kindermörder, vollständig gelähmt, sein Dasein in einer eisernen Lunge fristen, ohne die er nicht überleben könnte. Irgendwann taucht der junge Angelo (David Sust) bei der Familie auf. Er bietet an, die Pflege des hilflosen Klaus zu übernehmen. Obwohl seine Familie dagegen ist, besteht dieser auf der Einstellung des geheimnisvollen Jungen. Dieser scheint einiges über das Vorleben des Verbrechers zu wissen, immer weiter dringt er in dessen Vergangenheit ein und übernimmt langsam die Kontrolle im Haus. Er treibt ein perfides Spiel mit der wehrlosen Familie, das nur in einer Katastrophe enden kann.

Wie man unschwer erahnen kann, ist dieser Film ein heftiger Brocken. Villaronga hat hier wohl bewusst auf Konventionen gepfiffen und seinen künstlerischen Ambitionen freien Lauf gelassen. Zum Glück! IM GLASKÄFIG ist ein einzigartiges, völlig verstörendes Erlebnis. Auf billige Effekthascherei verzichtet er vollends, seine Inszenierung ist kühl und fast chirurgisch. Die Kamera von Goya-Preisträger Jaume Peracaula taucht die ganze Szenerie in faszinierende, kaltblaue Bilder, die ihresgleichen suchen und eine einzigartige Atmosphäre heraufbeschwören. In der grausamsten Szene des Films wird einem kleinen Jungen eine Benzinspritze direkt ins Herz injiziert. Die Ekelhaftigkeit und der unfassbare Realismus dieser Szene haben mich fast dazu gebracht, diesen filmischen Ausflug vorzeitig abzubrechen. Glücklicherweise habe ich das nicht getan. Und wenn ich genau darüber nachdenke, warum sollte man das verwerflichste Verbrechen nicht genau so grässlich darstellen dürfen, wie es auch in Wirklichkeit sein muß? Diese Frage sollte aber im Endeffekt doch jeder für sich selbst beantworten.

Um weiter auf den technischen Aspekt einzugehen, muß unbedingt noch der synthetische Elektrosound des Komponisten Javier Navarette (PANS LABYRINTH, ZORN DER TITANEN) Erwähnung finden, der die ohnehin schon gespenstischen Bilder perfekt untermalt. Eine beängstigende Symbiose entsteht zudem zusammen mit dem immerwährenden Pumpgeräusch der lebensnotwendigen Beatmungsmaschine. Auch hier hat Villaronga eine äußerst glückliche Hand bewiesen.

Auf darstellerischer Seite glänzt vor allem David Sust, dessen beeindruckende Performance der des wesentlich erfahreneren Hauptdarstellers mindestens ebenbürtig ist. Sein langsames Abgleiten in den Wahnsinn, wobei seine Grausamkeit die des KZ-Arztes fast noch übertrifft, ist ungeheuer beängstigend. Wo Klaus wenigstens noch teilweise Ekel vor sich selbst und seinen Taten empfindet, hat Angelo diese Gefühle völlig abgelegt. Meisners Interpretation eines kranken Individuums ist (fast) ebenso brillant. Der oftmals auf Nazirollen (DIE AKTE ODESSA) festgelegte Schauspieler zieht ebenfalls alle Register seines Könnens.

Die Dreharbeiten, wie auch die Nachproduktion, waren mit etlichen Problemen behaftet. Darsteller Sust drohte wegen einer Netzhauterkrankung zu erblinden, und fast wäre das ganze Projekt aufgrund massiver Geldprobleme gescheitert. Schlußendlich durfte das Werk dennoch seine Premiere auf der Berlinale feiern. Jedoch nicht im offiziellen, sondern im Panorama-Teil des Festivals. Dies war wohl der kontroversen Thematik (Nazismus/Homosexualität/Kindsmord) geschuldet. Zu guter Letzt wurde Regisseur Villaronga noch von einem empörten Filmbesucher niedergeschlagen, der ihn zudem noch als Mörder beschimpfte. Na ja, immerhin hatte er etwas mehr Glück als seinerzeit Pier Paolo Passolini.

Um nochmal auf die Parallelen zu oben genannten Werken (SALO/DER NACHTPORTIER), oder nehmen wir doch einfach noch DER LEICHENVERBRENNER von Juraj Herz dazu, zu sprechen zu kommen, kann ich nur bedingt zustimmen. Die Bösewichter in diesen Streifen sind allesamt Produkte einer verbrecherischen Ideologie, die ohne das Aufkeimen der selbigen niemals entstanden wären. Klaus, der Hauptakteur von IM GLASKÄFIG, hingegen macht sich diese Ideologie zunutze, um seinen krankhaften Trieben (unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft) ungestört nachgehen zu können. Seine Grausamkeit ist nicht durch ein unmenschliches System hervorgerufen worden, sie hat schon immer in ihm geschlummert und wäre unter allen Umständen zu Tage getreten. Allein diese Tatsache hebt Villarongas Werk auf eine völlig andere, einzigartige Stufe.

Ein Film also, den man weder lieben noch hassen kann. Atmosphärisch vergleichbar mit Gerald Kargls ANGST. Makellos inszeniert, technisch perfekt, schauspielerisch hervorragend. Aber leider auch viel zu verängstigend und verstörend. Oder wie John Waters sagte: "Ein großartiger Film - aber ich habe Angst, ihn meinen Freunden zu zeigen." Damit hat er mir aus der Seele gesprochen.

Wer einen perfekten Film sehen, aber sich dennoch den Abend versauen möchte, dem sei die hervorragende Veröffentlichung des Labels BILDSTÖRUNG empfohlen. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Regisseur erstellt.

 

9/10 Punkten.

 

9/10
mehr reviews vom gleichen autor
die neuesten reviews
Bad
kokoloko
8/10
Ready
tschaka17
8/10
Nikita
Ghostfacelooker
8/10
Boss
Ghostfacelooker
8/10
Herkules
sonyericssohn
2/10

Kommentare

18.03.2018 04:31 Uhr - naSum
3x
User-Level von naSum 11
Erfahrungspunkte von naSum 1.672
Saubere Schreibarbeit. Den Geist des Filmes hast du treffend herausgearbeitet.

18.03.2018 07:44 Uhr - dicker Hund
3x
User-Level von dicker Hund 11
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.945
Titel ist notiert. Sehr interessante Kritik!

18.03.2018 10:02 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 4
Erfahrungspunkte von Nubret 240
Habt dank, ihr beiden. Angesichts der Thematik habe ich auch lange überlegt, ob ich den Film überhaupt bespreche.

18.03.2018 10:40 Uhr - NoCutsPlease
3x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 11.111
Klingt nach harter Kost mit anspruchsvollem Tiefgang - quasi ein Must-See! Sehr gut und eindrucksvoll beschrieben.
Apropos Thematik: Da sollte man sich nicht beirren lassen. Mit einer angemessenen Betrachtungsweise hat hier fast alles seinen Platz. "The Boys from Brazil", in dem der flüchtige Josef Mengele wie ein größenwahnsinniger Bond-Bösewicht charakterisiert wird, hatte ich hier auch ohne Scheu besprochen.

18.03.2018 10:48 Uhr - Nubret
3x
User-Level von Nubret 4
Erfahrungspunkte von Nubret 240
Da hast du sicher recht, NoCuts. Dennoch muß man etwas sensibler an solche Streifen herangehen. Und oftmals bin ich dazu einfach nicht in der Stimmung..nun ja. Auf jeden Fall vielen Dank für dein positives Feedback. Und in deinen "Boys..", den ich auch vor einiger Zeit mal gesehen habe, schau ich gleich mal rein!

18.03.2018 11:20 Uhr - Dissection78
3x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.877
Irgendwie keimte in mir schon der Verdacht, dass Du diesen beklemmenden Skandalstreifen, einen der umstrittensten überhaupt, hier rannimmst. Ich hatte auch einst geliebäugelt. Kontroverse Werke sind m. E. schließlich das Salz in der Suppe der Filmgeschichte. Sowas muss sein - nicht immer, aber manchmal. Gegen den Glaskäfig sind die etwas pulpigen, nichtsdestotrotz einnehmenden Jungs aus Brasilien allerdings ein Guter-Laune-Stoßtrupp, NCP.
Ich meine übrigens mal gelesen zu haben, dass eine Kopie von "Tras el Cristal" während der Berlinale '87 beschlagnahmt wurde. Die Frage ist nur, ob Bluthunde hier anschlagen würden, da das Unerträgliche mehr auf psychischen als auf physischen Pfaden daherkommt. 8 - 9 Punkte von mir :)

18.03.2018 11:26 Uhr - NoCutsPlease
4x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 11.111
Mir ist der Unterschied zwischen einem überzogenen Thriller mit humoristischen Elementen und einem zutiefst bitteren Horrordrama durchaus bewusst. Ich meinte lediglich, dass ich einen grundsätzlichen Rückzieher wegen einer Thematik schade finden würde.

Apropos Gute-Laune-Stoßtrupp: Damit wären wir wieder bei "Kelly's Heroes".

18.03.2018 11:50 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 8
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 900
Einer der Filme, die ich schon so lange vor mir herschiebe, da sie mir dann doch zu nahe gehen. Dein vorvorletzter Absatz ist sehr gut gelungen, da du hier die Parallelen zwar respektierts, aber dich dennoch mit deiner eigenen Meinung abgrenzst. Auch wenn es mir lieber wäre, wenn es anders ist;-)

Hier gehts mir echt wie mit El Mar, ich kann mich irgendwie nicht durchringen, auch wenn ich weiß, dass das bald mal sein muss. Ich meine, Serbian Film hab ich auch gesehen, aber Spaß hat mir das nicht gemacht. Das Waters-Zitat ist übrigens auch ganz toll und Bildstörung sowieso ein supergutes Edellabel, das ich regelmäßig mit einem Kauf unterstütze.

Aber ehrlich, ich kann mich hier irgendwie nicht durchringen, es ist schwierig, der grandiose ANGST ist für mich ja ein absoluter Klassiker, bei dem ich keine Probleme habe, ihn mir anzusehen. Ach je, ich hol mir den jetzt dann doch hoffentlich bald.

18.03.2018 12:28 Uhr - DriesVanHegen
2x
User-Level von DriesVanHegen 5
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 351
Bildstörung ist eh das beste deutsche Label!

IM GLASKÄFIG habe ich bis dato ein einziges Mal gesehen und er gehört zu den wenigen, die mir jegliche Lust auf eine neue Sichtung genommen haben. Zu ungemütlich, zu grausam, zu trostlos. Die famose Review macht mit ihrer neutralen und objektiven Sicht, aber doch "Lust", den Versuch erneut zu wagen...

18.03.2018 15:43 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 4
Erfahrungspunkte von Nubret 240
Danke, Leute!

Wie man sieht, erhitzt dieser Streifen auch nach drei Jahrzehnten noch die Gemüter. War wohl doch die richtige Entscheidung, ihn hier aus meiner Sicht zu präsentieren.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
Schnittberichte.com (2018)