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naSum
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XP 1.979
Eintrag: 18.03.2018

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Scorpio Rising

Herstellungsland:USA (1964)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Mystery, Kurzfilm

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Der Biker Scorpio ist Teil einer Motorradgang. Für die abendliche Halloweenparty im Clubhaus schraubt er nochmals an seiner Maschine herum, steigt dann in sein Leder-Outfit und macht sich auf den Weg. Das Zusammentreffen der Biker-Gang driftet letztendlich aber in eine homoerotische Orgie ab, die außer Kontrolle gerät und letztendlich in einem finalen Motorradrennen endet.
Kenneth Angers Scorpio Rising stellt den sechsten Teil des Magic Lantern Cycle dar.
eine kritik von nasum:

Kenneth Anger: Magick Lantern Cycle - Teil 6:

 

Scorpio Rising (1964)

28 Minuten

 

Mit Scorpio Rising erschafft Kenneth Anger eine provokante Hassrede an eine intolerante Gesellschaft durch eine ebenso klischeehafte, wie auch gezielt sarkastisch pointierte Schwarz-Weiß-Malerei von Gegensätzen, die eigentlich keine sind. Das Resultat dessen schwankt irgendwo zwischen einem homoerotischen „Sons of Anarchy“ und einem „Taxi Driver“ auf Harleys. Garniert wird das Ganze dann mit der experimentellen Note, die Homosexualität in Zwischenblenden immer wieder mit Okkultismus und Nationalsozialismus gleichsetzt oder die gesellschaftliche Ächtung des Schwulen mit der Passion Christi überlagert. Ob das nun kunstvoll gelungen ist, sei mal dahingestellt.

 

Nunja, schauen wir mal auf den Inhalt, der hier tatsächlich in einer Story gegeben ist und dem Werk einen roten Faden gibt. Der Rocker und Biker Scorpio eröffnet das Szenenbild in einer Garage, in welcher er sein Motorrad pflegt und repariert. Die Bildmomente sind dabei mit sexualisierten Bewegungen eingefangen und bieten in präzise gewählten Kameraperspektiven einige phallische Betrachtungswinkel. Die mechanischen Arbeiten des Protagonisten offenbaren immer wieder Schauwerte von nackter Haut, Leder und Schweiß, was sich in der tristen Umgebung der Garage passioniert abhebt. Dadurch entsteht ein kontrastreiches Szenario emotionaler Handwerksarbeit in blass-matter Farbgebung. Nach den harmonisch eröffneten Pflegeeinheiten für sein Motorrad, reichert sich das Werk mit einigen hektischen Zwischenschnitten an, die Scorpios Ankleideprozess für die kommende Rockerparty mit provokanten Symbolen durchziehen. Während der Darsteller selbst auf erotische Ästhetik setzt, will die Inszenierung in dreckige Unästhetik abdriften. Bildstörungen, Zwischensequenzen, hektische Kameraschnitte und an Werbung erinnernde Abbildungen mischen sich unter das Bildmaterial und widersprechen so einem angepassten Massenkonsum einer Mainstream-Popkultur.

 

Dennoch kann die bewusste Vernetzung von Gegensätzen ihr Ziel nicht schadlos erreichen, denn im späteren Verlauf des Filmes wetzt sich der Effekt merkbar ab. Auch die übertriebene Anwendung des immer gleichen Stilmittels im Finale kann da keine Steigerung in Aussage oder Spannungsfaktor mehr hervorheben, denn die enorm kurzen Momente von Gewalt, Misshandlung und Sex wirken deplatziert und irgendwie als einfallsloses Mittel zum Zweck. Die mittlerweile in nationalsozialistischen Charakter gesteigerte Symbolik, die immer wieder zwischengeschnitten wird, schießt dabei weit über das angestrebte Ziel hinaus und wirkt in ihrer übertriebenen Darstellung distanzierend auf den Zuschauer. Anteilnahme oder Personifikation mit dem visuellen Geschehen ist nunmehr schwer möglich und auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Homosexualität rückt weiter in die Ferne. Der Schock einer Provokation wirkt zudem eher lächerlich. Zusätzlich erschwert wird die Auseinandersetzung mit Angers Werk durch das nahtlose Aneinanderreihen verschiedenster Filmszenen und Songtitel, was irgendwie lieblos wirkt, da die sonstige Inszenierung so detailverliebt durchdacht ist. Es wird deutlich, dass mehrere stark gezeichnete Einzelsequenzen zwar für sich selbst stehen könnten, in der unmittelbaren Abfolge aber noch keinen guten Filmfluss als Gesamtwerk ergeben.

 

Trotz aller offensichtlicher Kritik muss man anerkennen, dass die Übertreibungen und abstrus verknüpften Querverweise dem gesellschaftlichen Denken auf Andersartigkeit einen sarkastischen Spiegel vorhalten. Ironisch untermalt wird dieser thematisch unpassende Kontrast durch einen Soundtrack, der sich dem Bild nicht fügen will. Angers Stilbruch mit seiner sonst harmonisch audio-visuellen Paarung schreit nach Aufmerksamkeit, so unpassend sind die Songtexte zum gezeigten Bild. Da wird „blue velvet“ besungen, während Lederjacken angezogen werden, der „Boyfriend is back“ als ein Mann auf sein Motorrad steigt und Elvis Presleys „Devil in Disguise“ ist ein homosexueller Rocker, der seine weibliche Sexualorientierung in einem männlichen Körper versteckt, und so weiter... Die musikalische Ironisierung der Bilder erfüllt in ihrer gegensätzlich komischen Art das Ziel, den Zuschauer darauf hinzuweisen, dass mit den vernetzten Themen etwas nicht stimmt. Ist der Homosexuelle am Ende doch nicht so abartig, oder gar krank, wie ihn die intolerante Gesellschaft macht? Und hat sich die eigene Unkenntnis einfach in eine intolerante, gar sexistische Angst gewandelt, die keinerlei Abweichung von der Norm duldet? Was ist eigentlich die Norm?

5/10
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Kommentare

18.03.2018 21:06 Uhr - Knochentrocken
1x
User-Level von Knochentrocken 5
Erfahrungspunkte von Knochentrocken 346
Erinnert mich an „Cruising“ mit Al Pacino.

18.03.2018 22:43 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.054
Guten Morgen, Herr naSum! Sie sind aber auch ein strenger Lehrer, der unsere jugendliche Ungestüm im Keim ersticken möchte. Wie bei den meisten Angern sehe ich es ja etwas anders, aber immerhin nimmst du den Cycle komplett in den Unterrichtsplan, von daher vielen Dank! ;-) Rebellion!!!

Btw: die amerikanische Nazipartei hat Anger damals vors Gericht gebracht, weil er ihre heilige Hakenkreuzflagge in Scorpio mit so einem unflätigen Sexzeug verunglimpft habe. Glücklicherweise hat das Gericht in Angers Namen entschieden.

Und Welti, du denkst schon ganz richtig, nicht nur auf Friedkin hat dieser erste Rock-n-Roll-Film enormen Einfluss gehabt.

Bis zum nächsten Mal bei KKK... und ich habs glaub schon mal gesagt, krass ist, dass Anger ja noch lebt (91 Jahre alt, der gute)

19.03.2018 16:56 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 11
Erfahrungspunkte von naSum 1.979
Welti ,Cruising kenne ich nicht, aber schau in Scorpio einfach mal rein und urteile selbst.

Ash, ein wenig Härte und Strenge schadet doch niemandem. Meine Intention ist dabei jedoch nicht, etwas zu ersticken, sondern einen fairen aber fordernden Ansporn anzusprechen. Dabei möchte ich auch vor allem auf die inszenatorischen, wie auch Qualitativen Schwankungen in Angers Werken hinweisen. Sie alle gleixhwertend auf eine 10er Ebene zu stellen halte ich für verschenkte Lorbeeren. Wo bleibt da der Unterschied, der zB den hier besprochenen Scorpio vom durchweg erhabenen Rabbits Moon trennt?

PS: Oje, die armen Nazis und ihre heilige Hakenkreuzflagge... Jetzt müssen sie schmollend in der Antarktis leben und das im unterirdischen Bunker von Adolf Hitler (Der ja dort noch lebt - Sein Tod soll eine Verschwörungstheorie sein...)

PS2: KKK? Meinst du etwa die Kilimanjaro Koffee Kompany, die den grandios vollmundigen Moshi Kaffee aus Tansania fair trade einkauft? ;)

19.03.2018 21:44 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.054
Ne, das Kilimanjaro Kutjazz Kollective, die auf der Bühne immer diese lustigen weißen geistermützen aufhaben;-)

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