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The Burning Moon

Herstellungsland:Deutschland (1992)
Genre:Amateurfilm, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,79 (59 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Peter ist ein heroinspritzender Versager, den die ganze Welt ankotzt. Als seine Eltern ihr beauftragen den Babysitter für seine Schwester zu spielen, knallt er sich zu und versüßt der Kleinen den Abend mit zwei bluttriefenden Horrorgeschichten:

Julias Love - Ein ausgebrochener Massenmörder verliebt sich in die schöne Julia, als sie ihn zurückweist sieht er rot und metzelt ihre gesamte Familie nieder.

The Purity - Der Priester eines kleinen, verschlafenen Örtchens ist dem Teufel verfallen. Auf seiner Suche nach dem ewigen Leben opfert er Luzifer zahlreiche Dorfbewohner. Der Verdacht fällt auf den Dorftrottel, der der Lynchjustiz zum Opfer fällt. Aber die Gerechtigkeit lässt nicht lange auf sich warten und auch der Priester kommt in arge Bedrängnis... (Laser Paradise DVD)

eine kritik von dicker hund:

Drei Jahre nach seinem Debut "Black Past" machte sich Olaf Ittenbach an den Episodenfilm "The Burning Moon". Wieder einmal durften einige Örtlichkeiten aus einer bayerischen Kleinstadt als Set und diverse Laien als Darsteller herhalten. Der Regisseur höchstselbst mimt den "Peter" in der Wraparound-Geschichte, einen Tunichtgut, der bei einem Vorstellungsgespräch den Ober-Assi geben darf. Dieses ist unbedarft und blass gespielt wie alles weitere, was noch folgen soll, erweist sich aber als angenehm frei von Eitelkeit. Dadurch wird mit der feinen Selbstironie ein gewisser Charme getragen (Humor 4/10).

Peter erzählt seiner kleinen Schwester im Drogenrausch die beiden Gutenachtgeschichten der nicht kindgerechten Art "Julia's Love" und "The Purity". Dieser auf debile Weise komische Ansatz erweist sich als gar nicht mal so uninteressant, während die Bedtimestories als solche hauptsächlich Subgenrekonventionen nacheifern. Bei der ersten Episode geht es um eine Trulla, die sich auf ein zweifelhaftes Date einlässt. Für echte Thrillerstimmung fehlt es dort an glaubwürdiger, flirtspezifischer Kommunikation. Das unbeholfene Zusammenspiel von Julia und dem Macker, dessen Rückblenden ein wenig an "Nightmare in a Damaged Brain" erinnern, geriet zu hölzern, um als Figurenzeichnung durchzugehen. Zumindest läutet der Psycho bald schon zu sporadischen Onelinern den Exitus-Reigen ein, der zwar nicht gleich als Gore-Orgie durchgeht, mit der Vermehrung der Derbheiten aber an Fahrt gewinnt. Die "Charaktere" erklären derweil bei möglichst unpassender Gelegenheit in mäßig realistischer Breite ihre Motivation und Perspektive.

Nicht viel versierter sieht die zweite Episode aus, die dem Okkulthorror zuzuordnen sein dürfte. Der Start mit einer schäbigen Vergewaltigung setzt in Sachen Härte allerdings einen drauf. Viel mehr als ein heruntergerissener Slip und ein wackelnder Nacktmissionarmännerpo sind zwar nicht im Bild (Sex 3/10), fies ausschauen tut das Ganze aber schon. Der Täter ist obendrein Priester, was mit dem Kategorienwechsel eine neue Note einbringt, die als blasphemisch empfunden werden kann. Zugleich verantwortet der Prediger langatmige Verbalpassagen, die nicht zuletzt aufgrund der teilnahmslosen Nachsynchronisation für Ungeduld sorgen. Eine unheilige Messe und auf düster getrimmte Visionen lassen dafür spätestens jetzt das Gesamtwerk klar als Horror (5/10) identifizieren. Die Umsetzung erlaubt dabei jedoch nicht mehr als ein Achselzucken, bei der blutverwöhnten Zielgruppe jedenfalls. Anders sieht es dagegen mit der Gewalt (10/10) aus, die schon im Verlauf der Abschnitte nicht von schlechten Eltern ist, in den späten Impressionen aus der Hölle allerdings endgültig die ittenbachsche Extremmatschparade sichert. Ein Bezug zum Plot ist während dieser Kellerraum-Anatomieschau nur noch rudimentär auszumachen. Effekttechnisch gibt es dafür ebensowenig zu meckern wie in "Black Past".

Der fatalistische Schluss entlässt den Zuschauer mit einem gewissen Unwohlsein, das jedoch nur zu einem eingeschränkten Anteil der cineastisch modellierten Intensität geschuldet ist. Vielmehr beginnt nun die Suche nach den Stärken. Splatter und Sarkasmus hatten wir schon. Und sonst? Na ja, der Score erweist sich wieder einmal als probates und verlässliches Mittel, um in der mageren Umgebung ein Minimum an Stimmung zu kreieren, wobei einige Tonverzerrungen und Percussions leidlich herausstechen. Mehr als diese Handvoll Pros geht durch den strengen Filter des Resümees nicht hindurch (4/10 Punkten). Schauspielerisch ist Schlimmstes zu ertragen, die Kulisse bleibt belanglos, der Look bahnhofspennerbillig, die Betonung des gesprochenen Wortes pornoesk, das Tempo zäh und die Dramaturgie, falls von einer solchen überhaupt die Rede sein kann, diffus. Amateurschund für den Dickhund, sozusagen. Muss für Genrefans halt auch mal sein. Anderer Ansicht waren die Behörden, die eine Beschlagnahme erwirkt haben. Nachvollziehbar erscheint das kaum, zumal die monierte Brutalität in keinster Weise als etwas Wünschenswertes hingestellt wird.

 

4/10
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Kommentare

29.04.2018 13:21 Uhr - sonyericssohn
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Also für mich ist das Thema Ittenbach - oder wieviel Schmodder darfs denn sein?- endgültig durch.
Aber danke für diese Erinnerung an die Zeiten als Olaf seinem Gehirn noch nicht hinterher lief... ;-)

29.04.2018 13:28 Uhr - NoCutsPlease
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Ittenbachs Frühwerke bieten außer "Spläddar" wirklich nix. Ich betrachte Low-Budget-Produktionen ja gerne im Kontext des Genres und der Möglichkeiten, aber diese verwackelte Heimvideo-Optik ist wahrlich eine ganze schwache Kiste ohne weitere Substanz.
Umso stärker ist deine souverän gebellte Kritik. :)

29.04.2018 13:44 Uhr - Intofilms
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Ittis Werke haben mich ehrlich gesagt noch nie sonderlich interessiert. Man kann halt nicht überall mittanzen. Wenn ich mich jetzt nicht täusche, hat Itti auch die Effekte für den Neo-Kurz-Giallo "Yellow" kreiert. Die können sich allerdings sehen lassen. (Überhaupt ist das ein wirklich nettes Filmchen.) Meine Itti-Abstinenz bitte nicht als Naserümpfen falsch verstehen. Ich habe auch ein paar Leichen im Keller. Rezi ist wie immer top! ;D
P. S. :
Habe vorgestern einen Kumpel getroffen. Bekennender Ittianer. Offenbar gibt es da jetzt wieder was Neues? Titel hab' ich aber schon wieder vergessen.

29.04.2018 15:19 Uhr - Insanity667
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Mit dem guten Olaf hab' ich in den letzten 2 oder 3 Jahren immer mal wieder mein Glück herausgefordert, der Anfreundungsversuch ist aber offensichtlich (bis auf ganz wenige Ausnahmen) gescheitert. Dieses merkwürdige Schrott-Ästhetik in Verbindung mit den "Geschichten" die der Mann auftischt, will bei mir einfach nicht zünden, ich weiß auch nicht... 4/10 lass ich zwar nicht springen, trotzdem war die Rezi mal wieder ein kleines (Sonntags)Fest! ;)

29.04.2018 17:27 Uhr - Nubret
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Ich oute mich jetzt mal und gebe zu, daß ich seine ganz alten Schinken so alle paar Jahre mal ganz spaßig finde. Sicher, gute Filme sehen anders aus, aber seine ersten Arbeiten sind nicht ganz so seelenlos wie die Dinger, die er in den letzten Jahren auf die Menschheit loslässt.

Tolle Rezi mal wieder!!

29.04.2018 19:17 Uhr - dicker Hund
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Danke für das rege Feedback!

Das war's erst einmal mit B-Movies;-)

30.04.2018 00:54 Uhr - Fratze
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Da kommen wir beide wohl nicht auf einen Nenner, fürchte ich. Obwohl ich sagen muss, dass mir deine Teilbewertungen durchaus einleuchten... nur würd ich wohl die Gewichtung "etwas" anders setzen. Vielleicht bin ich auch nachsichtiger, weil's ein Amatuerfilm ist... aber ich meine, das Thema hatten wir schon mal, zählt für dich ja nicht als Kriterium (was auch okay ist). Ich persönlich mochte diese rohe Snuff-Ästhetik und fand bzw. finde den Film in seiner Wirkung insgesamt sehr verstörend und intensiv. Aber so ist das wohl mit dem Itti halt, man liebt oder hasst seine Filme, wat dazwischen gibbet nich.


@ Intofilms:
Du hast Leichen im Keller? o_O

30.04.2018 06:36 Uhr - dicker Hund
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Wenn ich 4 Punkte gebe, ist das unteres Mittelmaß. Es fällt mir schwer, eine solche Wertung unter "Liebe oder Hass" zu fassen. Auf dieser Wertungsebene tummeln sich unter anderem "Annabelle", "Astaron" "The Slayer", "Violent Shit III", "Bare Behind Bars" und der hier. Eher enttäuschend, aber auch keine Totalausfälle eben. Ich stimme aber zu, dass Ittenbach polarisiert.

30.04.2018 08:31 Uhr - Dissection78
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Ich habe letztens nach der Lektüre diverser Reviews festgestellt, dass ich von Olaf Ittenbach genauso viele Filme wie von Ingmar Bergman gesehen habe (jeweils neun). Und was soll ich sagen? Bergman ist dann doch der etwas talentiertere Regisseur^^

Als kleine Ergänzung finde ich von meiner Warte aus noch interessant zu erwähnen, dass der "Zahntechniker und Hobbyfilmer" (eine Kombination, die man dem derben Streifen durchaus ansieht) Ittenbach wegen Verbreitung der ungeschnittenen Fassung laut endgültigem Urteil des AG Fürstenfeldbruck zu einer Geldstrafe von DM 3.000,- (60 Tagessätze à DM 50,-) plus Gerichtskosten verurteilt wurde, womit das Gericht immerhin unter dem Höchststrafmaß von einem Jahr Gefängnis entschied. Die der FSK vorgelegte und um etwa 12 Minuten gekürzte Version durfte mit einer Altersfreigabe "ab 18 Jahren" in Vertrieb gehen, während die Originalversion beschlagnahmt und zudem am 8. November 1993 bundesweit eingezogen wurde. Neben den bei der Haussuchung beschlagnahmten Videos wurden auch etliche Masterbänder vernichtet (vgl. Focus 3/94, S. 72). Dieser staatliche "Jugendsch(m)utz"-Aktionismus nutzte nicht viel, denn etwa drei Jahre danach konnte ich eine ausländische Uncut-VHS des Machwerks für viel Geld von einem bayrischen Mailorder beziehen. Ich wollte mich quasi in jugendlich-gutmenschlichem Eifer solidarisch zeigen... tja, und etwas später habe ich das Tape weiterverkloppt, weil der Film - bei aller Gnade für Amateurproduktionen - reichlich unterdurchschnittlich war :D
Bei 4 Punkten gehe ich aus der Erinnerung mit, wobei ich nach einiger Überlegung vermutlich eher sogar noch ein Pünktchen abziehen würde.

Wenn's das erst einmal mit den B-Movies war, hoffe ich, dass Du Dir jetzt biddeschön C-Movies vornimmst, mein werter Hund. Wäre mir wie immer ein ausgesprochenes Vergnügen!

30.04.2018 08:50 Uhr - JasonXtreme
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Gut rezensiert... ich für meinen Teil fand Premutos noch am witzigsten, insgesamt ist aber Ittenbach für mich ein miserabler Regisseur. Auch seine Effekte wiederholen sich einfach zu oft, und sind für mich auch nicht state of the art (auch nicht in späteren Werken).

30.04.2018 09:27 Uhr - Intofilms
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30.04.2018 00:54 Uhr schrieb Fratze
@ Intofilms:
Du hast Leichen im Keller? o_O

Weißt du, ich tu' nur immer so vornehm. Aber keinesfalls schaue ich nur Filme von Michael Powell oder Martin Scorsese, sondern eben auch mal derben Amateursplatter. Genauere Angaben möchte ich an dieser Stelle nicht machen. Ich berufe mich auf mein Aussageverweigerungsrecht.
@Moppi
Die Sache mit deinen etwas strengeren Maßstäben, daran habe ich mich längst gewöhnt (und dann hast du die pyramidale 10/10 ja ebenfalls im Repertoire). Letztlich finde ich das sogar irgendwie liebenswert. Zumal deine Gewichtungen und Bewertungen immer deutlich genug aus deinen Texten hervorgehen! ;D Bei "Astaron" würde ich persönlich freilich höher werten. (Der gefällt mir noch eine Spur besser als "Alien 2", den ich auch gerne mag.) Und "The Slayer" ist für mich nun gar ein echtes Slasher-Highlight. Der hat eine ungemein stimmungsvolle, faszinierende Atmo und vermischt bzw. verwischt so schön die Grenzen zwischen Traum und Realität. Ein etwas anderer Schlitzerfilm und deshalb so wohltuend. - Über Geschmack lässt sich einfach nicht streiten. Und über die besondere Wirkung, die ein Kunstwerk auf uns ausübt, ebenso wenig. Sehr gut!

30.04.2018 20:42 Uhr - dicker Hund
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Nochmals danke!

Wer B sagt, muss auch C sagen.

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