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dicker Hund
Level 12
XP 2.250
Eintrag: 16.04.2018

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Bullet in the Head

(Dip Huet Gaai Tau)
Herstellungsland:Hongkong (1990)
Genre:Action, Drama, Krieg, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Bloodshed in the Streets
Die Xue Jie Tou
Wild Bullet

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,20 (43 Stimmen) Details
inhalt:
Hongkong Ende der 60er Jahre: Die drei Freunde Ben, Frank und Paul fliehen nach Vietnam, nachdem Ben bei einer Auseinandersetzung mit einer Straßengang, deren Anführer tötet.
In Vietnam angekommen versuchen die drei geschmuggelte Waren zu verkaufen, doch der dort vorherrschende Krieg reisst sie gnadenlos mit in seinen Sog und stellt ihre Freundschaft hart auf die Probe.
eine kritik von dicker hund:

Als John Woo noch in Hongkong aktiv war, gehörte der unmittelbar auf "Blast Killer" folgende "Bullet in the Head" von 1990 zu seinen gereiften Werken. Unter den Vertretern des Heroic Bloodshed kann man diesen als außergewöhnlich bezeichnen, weil Elemente des Antikriegsdramas Einzug hielten und dadurch frischen Wind brachten. Zudem war der für die Realisierung betriebene Aufwand beträchtlich. Die Actionszenen protzen daher im fertigen Endprodukt mit zahlreichen Statisten, diversen Explosionen und schwerem Kriegsgerät. Entsprechend erhaben fotografiert sind die blutigen Shootouts und wüsten Schlägereien, für die der Regisseur so berühmt geworden ist.

Das Getöse ist einer Welt immanent, wie die drei Freunde Ben, Frank und Paul sie nun einmal vorfinden. Gespielt werden sie von Tony Leung, den man in "Hard Boiled" wiedersehen sollte, Jacky Cheung, welcher sich zuletzt im ersten Sequel von "A Chinese Ghost Story" zeigte, und Waise Lee, der nicht nur von ebendort, sondern vielleicht noch aus "City Wolf" ein Begriff sein könnte. Die Darsteller halten tapfer dagegen, wenn ihnen allzu plakativ zugespitzte Emotionen ins Drehbuch geschrieben sind. Typisch für das damalige Hongkongkino sind ihre Figuren wenig glaubhaft skizziert, was sie den Zuschauer bei der Sichtung aber manchmal vergessen lassen. Nicht einmal Wunderlichkeiten wie der Umstand, dass eine auf ex heruntergestürzte Flasche Whiskey keine Ausfallerscheinungen zur Folge hat, wissen nachhaltig zu irritieren. Besonders in der ersten Hälfte vergeht die Zeit vielmehr wie im Flug. Da verwöhnen Blasinstrumente, klassischer Rock'n Roll und schnulzig-schöne Fernost-Melodien das Ohr. Bis das Herzschmerz-Maintheme etwas zu viel des Guten wird, ist es da noch etwas hin. Der rasche Schnitt und die häufigen Ortswechsel treten das Gaspedal erst einmal voll durch, lassen Überragendes erwarten und scheinen dieses Versprechen zunächst einzuhalten. Mehr oder weniger anstößige Bars, ein freistehendes Juweliergeschäft, Straßenzüge voller Demonstranten, ein weitläufiger Steg oder eine schwitzige Flusslandschaft - die Umgebung ist für sich genommen bereits sehenswert und macht Lust auf mehr. Wenn die Kamera solche Szenarien einfängt und dabei noch geschickt an exponierten Vordergründen vorbeigleitet, ist die rezensorische Euphorie nicht weit. All das sieht edel, gewaltig und bedeutungsvoll aus - und ist es bis zu einem gewissen Grade auch.

"In unserer Welt bedeutet Geld alles."

"Als Freunde sind wir alle gleich."

Diese einfache, aber zeitlose und gewichtige Botschaft steht im Vordergrund. Das allein ist noch nichts Ungewöhnliches in John Woos Portfolio. Dass er aber politisiert, indem er starke symbolträchtige Momente aus der aktuellen Zeitgeschichte in seine Ästhetik übernimmt, stellt schon eine beachtliche Besonderheit dar. Er zitiert Fotografien aus der Berichterstattung über den Vietnamkrieg und sogar von den Protesten am Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Eine zeitlupenverstärkte Kopfschuss-Exekution und ein Protestant vor einem Panzer dürften jedenfalls nicht zufällig solche Assoziationen auslösen. Bedenkenswert erscheint dabei, dass das historische Tian’anmen-Massaker sich nur ein Jahr vor den Dreharbeiten zugetragen hatte. Die Darstellung des Vietnamkrieges erhält dabei eine deutlich pazifistische Note. Insbesondere das Grauen im Vietkong-Gefangenenlager sorgt sogar für einige als Horror (4/10) wahrnehmbare Schockszenen von Folter und Hinrichtung.

Dennoch gibt es daneben die typisch hochstilisierte Gewalt (6/10) zu sehen, bei welcher die Protagonisten nicht selten elegant und hochüberlegen wirken. Woher die Waffenfertigkeiten der ungeübten Zivilisten stammen sollen, wird nicht weiter hinterfragt. Dafür knallt und kracht es um so gehöriger, wobei selbst die vereinzelten Blutfontänen auf eine kuriose Weise "cool" wirken. Auf Humor (1/10) wurde völlig verzichtet und dass eine Sängerin sich prostituiert, erfährt man allenfalls in Andeutungen durch optische Botschaften (Sex 2/10). Nichts soll der rüden Schönheit der Konfrontationen im Wege stehe, abgesehen vom Pathos. Dessen Kitsch und der Rauch der Auseinandersetzungen geben sich in schöner Regelmäßigkeit die Klinke in die Hand, was in der zweiten Hälfte dann zunehmend für dramaturgische Eintönigkeit sorgt. Diese bleibt indes angesichts der öfter geradezu atemberaubenden Gefechte und der gelegentlich auch mitreißenden Gefühlsverwerfungen ein Jammern auf hohem Niveau.

"Bullet in the Head" kann damit als große Filmperle ausgezeichnet werden (8/10 Punkten). Seine vehemente Anklage gegen das Streben nach Macht und die Gier nach Geld wird zwar sehr holzschnittartig, ja geradezu naiv kommuniziert, ist aber im Gegensatz zu vielen anderen Botschaften des Actiongenres wirklich gut gemeint. Interessant erscheint dabei, dass offenbar im asiatischen Raum ein Mercedes ebenso als Statussymbol gewertet wird wie hierzulande. Ob der Fahrer dann zugleich Sympathieträger ist, steht konsequenterweise woanders geschrieben. Für die Zensoren war die simple Moral der Geschichte anscheinend immer noch zu kompliziert, was eine Indizierung zur Folge hatte, die nach wie vor besteht.

 

8/10
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Kommentare

16.04.2018 08:05 Uhr - NoCutsPlease
2x
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User-Level von NoCutsPlease 23
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Sehr schön aufbereitete Kritik zu diesem Woo-Kracher. Es ist immer wieder interessant, wie du einen Film auf seine Schwächen abschnüffelst. Mit seinen hochstilisierten Shootouts hat sich Woo die Herzen der Actionfans auf Lebenszeit gesichert.

16.04.2018 08:52 Uhr - sonyericssohn
2x
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Woos Bester ! Bullett war zwar auch okay, aber der übertrifft alles !!
Ebenbürtige Kritik !

16.04.2018 11:01 Uhr - JasonXtreme
1x
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Da kann ich mich nahtlos anschließen! Ein absoluter Höhepunkt Wooschen Schaffens, Deine Kritikpunkte sind aber angebracht

16.04.2018 12:08 Uhr - WeltraumkarateKaktus
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Für mich sind Hard Boiled und Hard Target immer noch die besten Woos.

16.04.2018 12:25 Uhr - sonyericssohn
4x
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16.04.2018 08:52 Uhr schrieb sonyericssohn
Woos Bester ! Bullett war zwar auch okay, aber der übertrifft alles !!
Ebenbürtige Kritik !


Ach ich Idiot !!! Woos bester is für mich Hard-Boiled. Da hät ich doch fast die ganze Schose vermasselt ! ;-)

16.04.2018 13:51 Uhr - Stoi
1x
Den muss ich mal wieder aus dem Regal holen.
Die letzte Sichtung war in den 90ern in einem Programmkino, meine DVD, die ich mindesten 12 Jahre im Regal habe, war noch nie im Player. ;)

Ich hatte den mit ein paar Längen in Erinnerung und einem übertriebenen Pathos - was wohl an der asiatischen Dramaturgie liegt.

16.04.2018 15:55 Uhr - cecil b
3x
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Dadurch, dass du den Film sprachlich kreativ von allen Seiten beleuchtet hast, habe ich einen haargenauen Eindruck vom Film, ohne dass du spoilerst. Sehr interessant, mit den historischen Ausschnitten, und dem Pathos, der durch gute Schauspieler und " der rüden Schönheit der Konfrontationen" noch tragbar ist. :)

16.04.2018 17:06 Uhr - Insanity667
2x
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Gut gebellt, keine Frage! Ich schließe mich dann mal den fleißigen Mitkommentatoren an: Nach "Hard Boiled" auch mein persönlicher Woo-Favourit! :) Da wird der Splattermops zum Actionmops, wunderbar! :D

16.04.2018 22:31 Uhr - dicker Hund
1x
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Angenehm wuselige Kommentare, besten Dank. Ich befürchte allerdings, dass meine nächste Kritik entweder auf Gegenwind oder betretenes Onlineschweigen stoßen wird. Bin mal gespannt...

17.04.2018 13:15 Uhr - Abel Ferrara 1977
1x
John Woo´s reifster Film ... bei mir kriegt der sogar eine 9 ... Super Kritik! :)
Damals die Video-Fassung von New Vision war ja eine Katastrophe und zählte mal zu den geschnittensten Filmen überhaupt.

17.04.2018 15:26 Uhr - Insanity667
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16.04.2018 22:31 Uhr schrieb dicker Hund
Ich befürchte allerdings, dass meine nächste Kritik entweder auf Gegenwind oder betretenes Onlineschweigen stoßen wird. Bin mal gespannt...


Ach Quatsch... Immer her damit. :) Eine kleine Kontroverse (was auch immer du geplant hast) belebt eine freundliche Community wie hier im Reviewbereich doch eher im positiven Sinne! :D

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