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Eintrag: 12.04.2018

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Ich, Daniel Blake

(I, Daniel Blake)
Herstellungsland:Großbritannien, Frankreich, Belgien (2016)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Drama
Alternativtitel:Moi, Daniel Blake

Bewertung unserer Besucher:
Note: 10,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Daniel Blake ist ein geradliniger Durchschnittsengländer, der immer rechtzeitig seine Steuern zahlt und das Leben so nimmt, wie es kommt. Doch eines Tages macht ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, und er ist auf staatliche Hilfe angewiesen. Aber die Staatsbürokratie stellt sich quer und verweigert ihm den Bezug von Sozialhilfe. Schnell gerät er in einen Teufelskreis von Zuständigkeiten, Bestimmungen und Antragsformularen.
Unaufgeregt und hochemotional erzählt er von den Ungerechtigkeiten im System – nicht nur in Großbritannien, sondern überall in Europa. Als er wieder einmal auf dem Amt wartet, kreuzt sich sein Weg mit der alleinerziehenden Mutter Katie und ihren beiden Kindern Daisy und Dylan. Sie raufen sich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen und erfahren neben den ständigen Seitenhieben der Behörden auch viel Solidarität – von ehemaligen Kollegen, von ehrenamtlichen Helfern der Tafel, sogar von Daniels schrägem Nachbar. Doch die bürokratischen Klippen des sogenannten Sozialstaates sind tückisch.Da wird Ohnmacht zur Wut – und so leicht geben Daniel und Katie ihre Träume und Hoffnungen nicht auf...
eine kritik von nocutsplease:

Der Brite Ken Loach zählt zweifellos zu den wichtigsten Regisseuren des sozialkritischen Dramas. Prominente Beispiele, in denen er das trostlose Leben verarmter Gesellschaftsschichten gleichermaßen dokumentarisch wie packend illustriert, bilden u.a. Kes, Raining Stones, Ladybird, Ladybird oder auch Riff-Raff. Sein aktuellster Spielfilm entstand anno 2016 als britisch-französisch-belgische Co-Produktion, trägt den Namen I, Daniel Blake und erhielt 2017 zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den BAFTA Film Award als Outstanding British Film of the Year. Für das Drehbuch war Paul Laverty (The Wind That Shakes the Barley, Sweet Sixteen, Mein Name ist Joe) verantwortlich, mit dem Loach bereits seit rund zwanzig Jahren regelmäßig zusammenarbeitet.


Worum geht es? Daniel Blake, ein 59-jähriger verwitweter Zimmermann, der Zeit seines Lebens fleißig gearbeitet hat, erleidet einen Herzinfarkt und stürzt dabei fast vom Baugerüst. Er möchte unbedingt wieder seinem Beruf nachgehen, allerdings sprechen die ärztlichen Befunde dagegen. Andererseits gilt Daniel als zu gesund, um die volle Sozialhilfe zu erhalten, weshalb er sich nun durch die Tücken der Bürokratie und den zunehmend digitalisierten Formulardschungel kämpfen muss, um seine Existenz zu sichern. Paragraphen, standardisierte Fragebögen, verschachteltes Fachchinesisch, endlose Warteschleifen bei den Servicehotlines und Mitarbeiter, die ihren Dienst stur nach Vorschrift machen, rauben ihm den letzten Nerv. Eines Tages trifft Daniel während des täglichen Behördenkampfes auf die alleinerziehende Katie Morgan, die mit ihren zwei Kindern aus London wegziehen musste und in einem heruntergekommenen Haus wohnt. Die beiden freunden sich an und unterstützen sich gegenseitig im bitteren Kampf gegen die amtlichen Windmühlen. Vor diesem erzählerischen Hintergrund unterhält I, Daniel Blake wie eine intelligente Komödie und kombiniert dies mit scharfzüngiger Satire, verharmlost die Probleme der Protagonisten aber zu keinem Zeitpunkt und enthält zudem alle Zutaten eines ernsthaften Dramas, ohne mit aufgesetzter Theatralik daherzukommen.  


Das Schauspielerensemble versteht ebenfalls sein Handwerk, obwohl keine großen Leinwandstars mit an Bord sind. Dave Johns, seines Zeichens britischer Stand-Up-Comedian, gibt hier eindrucksvoll sein Kinodebüt und verkörpert als Daniel Blake einen gutmütigen, ehrlichen und tatkräftigen Mann mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Dieser Protagonist ist so sympathisch und wirklichkeitsnah gezeichnet, dass man ihn einfach mögen muss. Hayley Squires (A Royal Night, TV-Mini-Serie Southcliffe) stellt Katie Morgan dar, die in ihrem Leben viel zu früh in eine Abwärtsspirale geraten ist und immer weiter herabzusinken droht. Trotzdem lässt sie sich nicht einfach hängen, sondern versucht ambitioniert, das Beste aus ihrer Situation zu machen und für ihre Kinder zu sorgen. Die übrigen Akteure sind nahezu unbekannt, allerdings wissen alle in ihren Rollen zu überzeugen. Insbesondere die Verfechter der Bürokratie und ihre diversen Erfüllungsgehilfen agieren herrlich penetrant, wenn sie ihre monotonen Phrasen herunterrattern und nur auf die passenden Signalwörter zu reagieren scheinen.   


Die technische Umsetzung ist in typischer Loach-Manier durch eine naturalistische und nüchterne Optik gekennzeichnet, was der Erzeugung einer authentischen Atmosphäre überaus dienlich ist. Die dafür erforderliche Kameraarbeit oblag Robbie Ryan (American Honey, Slow West, Fish Tank), der die unterschiedlichen Schauplätze in Newcastle für eine aussagekräftige Bildsprache zu nutzen wusste. Allerdings spielt auch die akustische Komponente eine bedeutende Rolle. Beispielsweise lauscht man während des Vorspanns einem Dialog zwischen Daniel und einer sogenannten Gesundheitsfachkraft, die für das Ministerium für Arbeit und Renten tätig ist. Diese Sequenz läuft komplett vor Schwarzbild ab und stimmt den Zuschauer mittels gepfefferter Rhetorik ideal auf die weitere Handlung ein. Zahlreiche Wortgefechte voller Kraftausdrücke und Flüche verleihen dem Geschehen zusätzlich eine alltagsnahe Note. Aufgrund jener unverblümten Sprache trägt der Film in Großbritannien ein BBFC-15-Rating, während er hierzulande anstandslos ab sechs Jahren freigegeben wurde. Wie es bei Loachs Werken üblich ist, ertönt Musik nur gelegentlich bzw. in besonderen Schlüsselszenen. Der zuständige Komponist war übrigens der fünffach für den Oscar nominierte George Fenton, der einst prominente Kinofilme wie Gandhi, Gefährliche Liebschaften und König der Fischer melodisch untermalt hatte.


Fazit: Mit I, Daniel Blake hat Ken Loach nach rund fünf Jahrzehnten als sozialkritischer Regisseur mittlerweile die Stufe der Perfektion erreicht. Eine dermaßen großartige Mischung aus packender Dramaturgie, beschwingtem Wortwitz, ernsthafter Tragik, bissiger Satire, pointierter Situationskomik, scharfsinniger Alltagsbeobachtung, erstklassigem Schauspiel und unverfälschter Optik hätte man wohl kaum besser umsetzen können. Aus diesem Grund gibt es von mir für dieses Meisterwerk des europäischen Kinos nichts anderes als die Höchstnote und eine uneingeschränkte Sichtungsempfehlung für alle Bürokraten, Bürokratiegegner sowie jeden anderen Zuschauer.

10/10
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Kommentare

12.04.2018 13:43 Uhr - Clemens
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Britische (Co-)Produktionen gehen bei meiner Wenigkeit praktisch immer!

Klasse geschrieben, Schneidermeister; von dem Film habe ich zu meiner großen Schande noch gar nichts vernommen. Aufgrund der höchstinteressanten Geschichte und natürlich deines klasse Reviews, wird dieser Umstand schnellstmöglich nachgeholt! Interesse ist mehr als nur geweckt!

12.04.2018 14:34 Uhr - Ghostfacelooker
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^Hm wenn DU schon mal die 10 zückst, dann sollte man dem Film Aufmerksamkeit schenken...aber wie hieß es einst? : Du hattest mich schon beim Fazit^^^^

12.04.2018 16:21 Uhr - Insanity667
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Noch nie etwas davon gehört, klingt aber nach einem ganz klaren Must-See! Eine 10 gab es ja schon länger nicht mehr von dir, alle Achtung! :) Vielen Dank für diesen hervorragend verfassten Tipp, dem ich wohl auch schon bald mal nachkommen werde, da ich ja sowieso an Loach dranbleiben wollte! :)

12.04.2018 17:32 Uhr - Intofilms
3x
Ich sah den eigentlich 'nur' bei einer starken 9. Jetzt aber, nach dem Lesen deiner ausgezeichneten und sehr überzeugenden Rezi, packe ich doch noch ein bisschen was drauf und runde mit Vergnügen zur Höchstpunktzahl auf! - Ken Loach ist ja geradezu ein Garant für packendes, kraftvoll-authentisches Erzählkino, das sich stets unermüdlich für die an den gesellschaftlichen Rand Gedrängten stark macht. Ein ganz wichtiger Filmemache, fast so etwas wie das soziale Gewissen einer von Ungerechtigkeit geprägten, unmenschlich-kalten Gesellschaft. Und auch im zarten Alter von 79 (anno 2016) hat sich daran offenbar recht wenig geändert! - Ganz großes Dankeschön, dass du für diesen tollen, eindringlichen Film so engagiert die Werbetrommel rührst! ;-D (Wäre natürlich schön, wenn von dir noch ein paar mehr Loach-Rezis kommen würden. Dieses Sujet scheint dir ja ganz besonders gut zu liegen...^^)

12.04.2018 19:46 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank alle miteinander! :)

Skeletor:
Freut mich, dass du auch mal wieder mit am Start bist. Leider bekommt man dich in allen Sparten mittlerweile nur noch selten zu Gesicht.

Ghost:
Mit deinem Sinn für bissige Untertöne und scharfkantige Rhetorik dürfte dir der Film auch eine 10 wert sein.

Insanity:
Stimmt, meine letzte 10er Wertung ist ziemlich lange her, das war vor fast eineinhalb Jahren "Schlacht um Algier".
Da es "Ich, Daniel Blake" derzeit im kostenlosen Prime-Angebot gibt, solltest du den recht leicht und schnell sehen können.

Intofilms:
Na, das darf es aber auch gar nicht geben, dass du einen Film strenger bewertest als ich. ;)
Ich werde mich Loach immer mal wieder widmen, keine Sorge. Da ich beim Schreiben jedoch Abwechslung bevorzuge, wird es allerdings keinen reinen Loach-Marathon geben. Den präsentiert man wie Bergman besser häppchenweise, damit die Leser auch in aller Ruhe entscheiden können, was sie sich ansehen.

12.04.2018 20:08 Uhr - cecil b
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Mal keinen wenig bekannten 'Klassiker?' Kein Problem für NCP.

Ken Loach/NoCutsPlease: Sehr gute Mischung! Wie du das Thema des Films erfasst, und jedem deutlich machst, ohne etwas vorwegzunehmen. Immer Spitze!!!!! :)

12.04.2018 20:28 Uhr - NoCutsPlease
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Thanks cecil! :)

Hoffentlich wird dieser Film im Laufe der Jahre zum Klassiker.
Ich bin mir jedenfalls sicher, dass "Ich, Daniel Blake" in ein paar Jahrzehnten immer noch so viel Relevanz und Brisanz besitzen wird wie jetzt!
Und Loach ist sich in seinem Stil über ein halbes Jahrhundert die ganze Zeit treu geblieben. Zwar ist die Optik mittlerweile auch digital geworden, aber der nüchterne Charakter ist noch immer wie zu seinen Anfängen in den 60ern. Ich hoffe, dass die ganz junge Generation über diesen Film auch zu Loach findet.

12.04.2018 20:29 Uhr - Insanity667
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12.04.2018 19:46 Uhr schrieb NoCutsPlease
Da es "Ich, Daniel Blake" derzeit im kostenlosen Prime-Angebot gibt, solltest du den recht leicht und schnell sehen können.


Das wird gemacht, am Wochenende denke ich mal! :D Sehr gut!

12.04.2018 21:57 Uhr - TheRealAsh
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Ich glaube ich habe ja noch keinen Loach gesehen, aber das von deiner Seite hört sich wirklich sehr überzeugend an, toll!

12.04.2018 22:08 Uhr - NoCutsPlease
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Merci beaucoup, Ash!
Ausgerechnet du hast noch keinen einzigen Film von Loach gesehen? Na, dann aber mal ran da!
Sobald Loach erst einmal deine Waldhütte von innen gesehen hat, willst du den immer wieder zu Gast haben!

13.04.2018 09:06 Uhr - JasonXtreme
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Ja also bei der Wertung und der super Rezi muss ich den auch mal im Kopp behalten!!!

13.04.2018 13:29 Uhr - Barsch zu Mund
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Ich habe den Film im letztes Jahr, in meinem Studium der Rehabilitationspsychologie, sehen dürfen. Schön das er ein gelungenes Review erhalten hat. Noch schöner das ein Film mit dieser Thematik überhaupt Menschen erreicht. Der Film ist Realität und auch ich kann diesem ein Haufen eigener Erfahrungen beifügen, die sich in der Thematik einreihen.
Ist ein Blick wert ;)

13.04.2018 13:33 Uhr - NoCutsPlease
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Muchas gracias! :)

Das ist über sämtliche Genre- und Geschmacksvorlieben hinweg einfach ein absoluter Pflichtfilm. So viel Realität und Tiefe in solch einem recht locker anzuschauenden Kontext, das muss man erst einmal hinbekommen!

13.04.2018 15:24 Uhr - Intofilms
1x
13.04.2018 13:33 Uhr schrieb NoCutsPlease
[...] das muss man erst einmal hinbekommen!

Allerdings! Aber Loach ist dafür natürlich genau der Richtige. Nur, dass er das alles auch im höheren Alter noch so gut beherrscht, ist eben doch erstaunlich. Der Mann ist Jahrgang '36! Ich bin sehr gespannt, ob ihm noch ein weiterer Erfolg dieses Kalibers vergönnt ist. Zu wünschen wäre es ihm - und uns! Ich wäre dann jedenfalls auch wieder mit dabei. Ehrensache! ;-D

13.04.2018 21:27 Uhr - NoCutsPlease
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DB-Helfer
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Auf jeden Fall! :)
Hoffentlich haut Loach noch einmal ein solches Highlight raus. Falls doch nicht, hat er aber dennoch ein gewaltiges filmisches Erbe hinterlassen.

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