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Der Liquidator

(Originaltitel: The Evil That Men Do)
Herstellungsland:Mexiko, USA, Großbritannien (1984)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,44 (25 Stimmen) Details
inhalt:
Der professionelle Killer Holland (Charles Bronson) erfährt durch Hector Lomelin (Jose Ferrer) von dem Mord an ihrem gemeinsamen Freund George. George, ein politischer Gegner des Regimes seines Landes, wurde von einem gewissen Dr. Clement Moloch (Joseph Maher) im Auftrag der Staatsführung zu Tode gefoltert. Moloch ist in ganz Lateinamerika nur als "Der Doktor" bekannt, gefürchtet und gehaddt: Die Zahl der Menschen, die der kaltblütige Folterarzt verstümmelt oder getötet hat, läßt sich nicht mehr überschauen. Holland beschließt Moloch zu liquidieren. Hollands Plan ist es, die Schwester und engste Vertraute des Doktors zu entführen. Eine mörderische Verfolgungsjagd endet in einer angeblich stillgelegten Opalmine in den Bergen. Versteckt in den Höhlen der Mine lauern Bergarbeiter und Bauern, von denen viele Zeichen und Narben entsetzlicher Folterungen tragen. Die Männer umklammern die Griffe ihrer Schaufeln und Hacken und kommen langsam ans Licht...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                       DER LIQUIDATOR

Seit Beginn der Achtziger Jahre, genauer seit Death Wish II – Der Mann Ohne Gnade (1982), arbeitete Charles Bronson quasi exklusiv für die Cannon Group Inc. Eine Ausnahme bildete der Actionthriller Der Liquidator (1984), den Bronson für ICT Entertainment drehte, da man sich im Hause Yoram-Globus nicht über die Finanzierung des 4,6 Millionen Dollar teuren Films einig werden konnte.

Der Liquidator basiert auf dem Roman The Evil That Men Do von R. Lance Hill, der auch einen ersten Drehbuchentwurf schrieb. Allerdings waren die Produzenten des Films mit Hills Arbeit überhaupt nicht zufrieden, so dass John Crowther angeheuert wurde, um das Drehbuch zu retten – Crowther hatte bereits, ohne dafür einen Credit zu erhalten, am Drehbuch des Bronson-Films Ein Mann Räumt Auf (1979) mitgeschrieben. Crowther straffte das Drehbuch, indem er einige Figuren und eine Traumsequenz strich und bügelte einige seiner Meinung nach unlogische Szenen aus. Außerdem war ein zweiter Autor namens David Lee Henry am Liquidator-Drehbuch beteiligt. Nach Fertigstellung des Drehbuchs und der Anstellung von Darstellern wie Theresa Saldana (Angel Town, 1990), Joseph Maher (Sister Act – Eine Himmlische Karriere, 1992), José Ferrer (Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für seine Rolle in Der Letzte Musketier, 1950), John Glover (Robocop 2, 1990) und Antoinette Bower (Prom Night – Die Nacht Des Schlächters, 1980) wurde Der Liquidator in Mexiko gedreht. Regie führte erneut J. Lee Thompson (Der Tag Der Abrechnung, 1976), neben Michael Winner Charles Bronsons Haus – und Hof-Regisseur.

Clement Molloch (Joseph Maher) ist ein in Guatemala tätiger Arzt, der jedoch nicht darauf spezialisiert ist, Menschen zu heilen, sondern sie zu foltern. Geschützt von der CIA, die sich offiziell von ihm distanziert, verkauft Molloch sein Wissen an den Meistbietenden. So hält er „Vorträge“, in denen er bedauernswerte Opfer wie den kritischen Journalisten Jorge Hidalgo zu Tode foltert. Da ein Attentat auf den Folterknecht, der von allen nur „der Doktor“ genannt wird, schief geht, will man sich an einen Profi wenden, und zwar an den ehemaligen Berufskiller Holland (Charles Bronson), der einst für die CIA arbeitete, die Bleispritze aber mittlerweile an den Nagel gehängt hat. Obwohl der alternde Ex-Hitman eigentlich keine Lust hat, seinen Ruhestand auf den Cayman-Inseln gegen eine neue Mission einzutauschen, lässt sich Holland zu dem Job überreden, nachdem er einige Videos mit überlebenden Opfern des „Doktors“ gesehen hat. Mit Hidalgos Witwe Rhiana (Theresa Saldana) und ihrer Tochter reist Holland nach Guatemala, um den Job zu erledigen …

Viele Kritiker haben Charles Bronson vorgeworfen, dass er – im Gegensatz zu Hollywoodstars wie Clint Eastwood (Dirty Harry, 1971) oder Sean Connery (James Bond 007 – Goldfinger, 1964) – bis ans Ende seines Lebens am Image des harten Hundes festhielt, ohne sein Alter in seine Rollen einfließen zu lassen oder sich gar etwas Selbstironie zu leisten, wie es z.B. Arnold Schwarzenegger bereits mit Mitte Vierzig in Filmen wie Terminator 2 – Tag Der Abrechnung (1991) tat. Nun, Selbstironie oder gar Humor gibt es in Der Liquidator freilich nicht, aber zumindest Bronsons Alter hat man hier berücksichtigt. So spielt der damals immerhin schon Dreiundsechzigjährige hier einen Killer im Ruhestand. Zudem hat man die Figur so angelegt, dass man ihr physisch nichts Unmögliches abverlangt und sie ernst nimmt. Holland ist ein mit allen Wassern gewaschener, eiskalter und erfahrener Profi, und um eine solche Rolle zu spielen, bedarf es schon eines gewissen Alters – streckenweise erinnert Holland an eine ältere Version von Bronsons Arthur Bishop in Kalter Hauch (1972). Damit haben Thompson und die Liquidator-Drehbuchautoren ihren Hauptdarsteller zwar nicht aus seiner Komfortzone getrieben, seine umfangreiche Filmographie aber um eine interessante Figur erweitert, die von Bronson überzeugend gespielt wird. Zudem hat man aus Bronson hier – im Gegensatz zum ein Jahr später folgenden Death Wish III – Der Rächer Von New York - keine Comicfigur gemacht, sondern einen „echten“ Charakter, der in „echten“, bodenständigen Actionszenen agiert.

Wer besagten Death Wish III und seinen Showdown als Maßstab für einen gelungenen Actionfilm mit Charles Bronson nimmt, dürfte von Der Liquidator unter Umständen enttäuscht werden, da es hier keinen ellenlangen, bürgerkriegsähnlichen Showdown mit Maschinengewehren und Bazookas gibt. Stattdessen bietet der Film, der nicht nur reiner Actionfilm, sondern eher ein Actionthriller ist, etliche gute, weitgehend realistische Actionsequenzen, die so über die Spieldauer des Films verteilt sind, dass im Grunde kaum Langeweile aufkommt. Von der Schrotflinten-Schießerei über Messerwürfe bis hin zur packenden Autoverfolgungsjagd bietet Der Liquidator – allerdings ohne das Rad neu zu erfinden oder gegen damalige Konkurrenzfilme wie Stallones Rambo (1982) oder Schwarzeneggers Terminator (1984) anstinken zu können – alles, was man von einem guten, harten (B-)Actionfilm erwarten darf. J. Lee Thompson hat all diese Szenen mit sicherer Hand inszeniert und Freunden der ruppigen Gangart zudem ein kleines Geschenk gemacht: Der Liquidator gehört zu Bronsons härtesten Filmen. Schon die auftaktgebende Folterszene verursacht – besonders in der Unrated-Version, auf die sich diese Rezension bezieht – ein unangenehmes Gefühl und das auch nach mehrfacher Sichtung. Die Ausweglosigkeit der Situation und das völlige Ausgeliefertsein des Opfers in dieser Szene wurden in bedrückenden, niederschmetternden Bildern eingefangen, die auch heute noch unter Haut gehen und so manchen aktuellen Folterfilm in puncto Intensität übertreffen. Nach dieser Szene ist jede noch so brutale Aktion der Hauptfigur gerechtfertigt, auch wenn diese kaum weniger gnadenlos agiert und reichlich Blut fließt, wenn Holland zum Gewehr oder zum Wurfmesser greift.

Was den Liquidator – zumindest ansatzweise – inhaltlich positiv von vielen Bronson-Vehikeln der Achtziger Jahre abhebt, sind seine kritischen Untertöne. Der Liquidator kritisiert Aspekte der damaligen amerikanischen Außenpolitik: So wird hier ein Folterknecht im Ärztekittel vom amerikanischen Geheimdienst CIA gedeckt, was durchaus der Wirklichkeit entsprach – in den Jahren 1983 und 1984 war Guatemala eine pro-amerikanische, von Präsident Ronald Reagan unterstützte Militärdiktatur. Auch darüber hinaus lässt Der Liquidator kein gutes Haar an Folter und Diktatur. Allerdings werden diese inhaltlichen Aspekte vom Racheplot des Films ebenso torpediert wie von den nicht minder brutalen Methoden Hollands. Trotzdem und auch wenn man sie nicht überbewerten sollte: Die kritischen Aspekte sind da, weswegen man den Liquidator nicht einfach so in die Exploitation-Schublade stecken kann wie so manche Cannon-Produktion mit Bronson.

Hinsichtlich der darstellerischen Leistungen weist Der Liquidator Licht und Schatten auf. Neben Bronson sind es vor allem die Schurken des Films, die überzeugen können. Gerade weil Joseph Maher so harmlos großväterlich aussieht und später in etlichen Komödien mitgespielt hat, wirkt er in Der Liquidator so bedrohlich – man hat den Folterarzt hier nicht dämonisiert und mit einem Schauspieler besetzt, der nicht von Anfang an als Bösewicht und Erzschurke erkennbar ist, sondern ihm ein menschliches Gesicht verpasst, was die Figur des „Doktors“ umso beängstigender macht. Nicht weniger kalt und bedrohlich wirkt Antoinette Bower als Mollochs Schwester Claire, die zwar keinem Gefangenen Stromstöße durch den Körper jagt, ihrem folternden Bruder eine „moralische“ Stütze ist und dessen Taten bedingungslos unterstützt, so dass man sich bisweilen fragt, wer von beiden schlimmer ist.

Der Rest der Darsteller ist dagegen austauschbar und bisweilen sogar störend. Dies gilt besonders für Theresa Saldana als Bronsons Begleiterin, die man anscheinend nur engagiert hat, um ein moralisches Korrektiv zu ihm zu platzieren, damit die Story nicht allzu gewalt – und selbstjustizverherrlichend rüberkommt. Und das ist extrem nervig. Schließlich hätte man bereits vom Engagement von Holland wissen müssen: Wenn ich Godzilla zu meiner Geburtstagsparty einlade, muss ich damit rechnen, dass etwas Geschirr zu Bruch geht. Von daher wirkt es inkonsequent, Holland erst zu engagieren, nur um dann an seinen Methoden herumzunörgeln.

Unterm Strich gehört Der Liquidator, der an den Kinokassen über 13 Millionen Dollar einspielte, vielleicht nicht gerade zu Charles Bronsons besten Filmen, da er neben seinen Stärken auch einige nicht zu leugnende Schwächen aufweist und, was die Schauwerte angeht, im Vergleich zu den damals aktuellen Filmen der aufstrebenden Actionhelden Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger den Kürzeren zieht. Dennoch ist Der Liquidator wegen Charles Bronson, einiger ordentlich inszenierter Actionszenen, seiner kompromisslos harten Gangart und der Schurkendarsteller ein sehenswerter (B-)Actionfilm, der auch heute noch funktioniert und vieles von dem enthält, was das heutige Actionkino vermissen lässt.

7-8/10

8/10
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Kommentare

05.06.2018 06:31 Uhr - Nubret
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Mein lieber Scholli, Dein Output ist momentan qualitativ wie auch quantitativ kaum zu toppen! Super!

Dieses Bronson-Vehikel besitze ich leider nur in der "normalen" Uncut-Fassung, die ich aber schon als ziemlich hart empfinde.

Erinnerungswürdig ist für mich vor allem die Kneipenschlägerei mit dem riesengroßen Mexikaner. Ein herrlich dreckiger Film!

05.06.2018 11:28 Uhr - JasonXtreme
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Yes, erneut ein echtes Punisher-Review mit adäquatem Inhalt! Ich leieb den Film bekanntlich ebenso, ne 8 zücke ich da sehr gerne. Die Buchvorlage würde mich mal jucken, kam meines Wissens aber ja nie auf deutsch raus, und auf englich lesen hab ich keine Lust mangels Zeit. Ich liebe die Darstellung Mollochs (allein der Name schon), nichtmal wirklich das onscreen Gezeigte macht den Film hart, sondern eben auch das was man nur hört an Erzählungen Mollochs Taten etc. - man fühlt sich durchaus an Mengele erinnert, der ja schon bei Dr. Szell Erinnerung fand im Marathon-Mann.

Bronson agiert gewohnt souverän, aber seinem Alter entsprechend gesetzter - passt völlig zur Rolle wie Du ja sagst - das Ende ist sagenhaft "Dottore dottore dottore" :D

Action würde ich hier nichtmal mit ins Genre nehmen, Thriller trifft es am besten.

05.06.2018 12:45 Uhr - NoCutsPlease
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Ich mag Charles in seinen typischen Dreifachrollen (Richter, Jury, Henker) einfach!
Dieser hier ist zwar etwas schwächer als seine Klassiker, aber er haut trotzdem gut rein.
Schöne Besprechung deinerseits wieder!

05.06.2018 13:49 Uhr - Pratt
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Tolles Review, dass ich so auch komplett unterschreiben würde, Bronson agiert gewohnt souverän und wird hier auch nicht so viel gedoubelt wie in einigen späteren Cannon-Filmen. Zu keiner Zeit langweilig und wie bereits mehrfach erwähnt sehr brutal!!

05.06.2018 14:13 Uhr - CHOLLO
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Auch von mir: verdammt gute Besprechung!
Habe mir vor wenigen Tagen auch deine Reviews zur Death Wish Reihe vorgenommen die ich ebenfall sehr genial finde.

05.06.2018 22:38 Uhr - Punisher77
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@Alle:
Vielen Dank für Eure zahlreichen netten Rückmeldungen - freut mich, dass das Review und auch der Film euren Geschmack treffen.

@NoCutsPlease:
Dass die Bronson-Klassiker ("Spiel Mir Das Lied Vom Tod", "Death Wish", "Ein Mann Geht Über Leichen", "Rivalen Unter Roter Sonne"...) besser sind, finde ich auch ... trotzdem ein starker Streifen.

@CHOLLO:
Vielen Dank, dass Du Dir die "Death Wish"-Reviews vorgenommen hast. Hoffe, sie haben Dir gefallen!

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