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Candyman's Fluch

Originaltitel: Candyman

Herstellungsland:USA (1992)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror
Alternativtitel:Candymans Fluch
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,08 (107 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

21 abscheuliche Morde, der Täter auf freiem Fuß. Im Ghetto regiert die Angst. Ein Gerücht macht die Runde: Der Candyman (Tony Todd), vor langer Zeit grausam zu Tode gequält, ist aus dem Jenseits zurückgekehrt. Wer immer seinen Namen fünfmal in den Spiegel ruft, erweckt ihn zu neuem Leben - und weiteren Morden. Helen (Virginia Madsen), eine junge Wissenschaftlerin, sucht - anfangs noch ungläubig - nach Spuren des Candyman. Doch der hat sie längst als Werkzeug für seine nächsten Bluttaten auserkoren... (Sony Pictures)

eine kritik von dicker hund:

Bei "Candyman's Fluch" handelt es sich um einen düsteren Thriller mit einer slashertauglichen Schauerfigur als Beilage. Bernard Rose füllte mit seinem Werk, dem zwei Fortsetzungen folgen sollten, die Lücke zwischen den abebbenden Schlitzerreihen mit den maskierten Berühmtheiten und den noch ausstehenden ironischen Franchises nach dem Prinzip "Scream" aus, welche in den frühen 1990ern entstand.

Da wundert es nicht, dass hinter diesem Titel mehr verborgen liegt als eine Gruppe Heranwachsender, welche einen Ausflug in zivilisationsfernes Territorium unternimmt und dabei zahlenmäßig in steter Regelmäßigkeit abnimmt. Schon das von solchen Schablonen weit entfernte Handlungsgerüst um die Doktorandin Helen (Virginia Madsen), die sich in den Kopf setzt, zum Hintergrund urbaner Legenden zu recherchieren, wirkt unverbraucht und vielversprechend. Diese Geschichte befasst sich aus einer wohltuend antirassistischen Perspektive mit dem Nebeneinander der großstädtischen Klassengesellschaft, deren Angehörige nicht selten bereits durch ihre Hautfarbe unterscheidbar sind. Dass die Protagonistin weiß und ihre Kommilitonin Bernadette (Kasi Lemmons) dunkelhäutig ist, dürfte dabei kein Zufall sein. Hier geht es vielmehr um "schwarze" Positivbeispiele, auf deren Existenz etwa noch die Nebenfigur Anne-Marie (Vanessa Williams) vehement hinweist. Sind eben nicht alle so wie die Gangmitglieder oder gar der "Candyman", den Tony Todd mit einer angemessen sinistren Würde spielt. 

Der Kontrast von Ghetto und gentrifiziertem Viertel findet einen imposanten Einzug in die Optik des Films. Erhabene Vogelperspektiven und Collagen von Müllbergen vor dem Skyline-Panorama widerspiegeln dies im Großen, die Gegensätze von Grafittis und Panoramafenstern im Kleinen. Durch die verträumte Klavierbegleitung und das tranceartige Keyboard wird der audiovisuelle Teil abgerundet. So schön kann schaurig sein, wenn blutverschmierte, abstoßend siffige Tatorte eine kompatible Nachbarschaft erhalten. Der berüchtigte Haken im Armstumpf des Antagonisten oder eklige Aufnahmen von echten Bienenschwärmen in den Gesichtern der Darsteller tun ihr übriges, um dem Horror (6/10) Nachdruck zu verleihen. Das ist auch erforderlich, denn anders als typische Slasherflicks wird hier auf der anderen Seite kaum Gore geboten. Nur eine einzige Szene wird ernsthaft explizit, der Rest gibt sich zurückhaltend (Gewalt 4/10). Auf die Kleinstabweichungen zwischen der hier genutzten R-Rated und der im Schnittbericht gegenübergestellten Unrated kommt es dabei nicht an.

Interessanter wäre dies bei den wenigen Szenen gewesen, die mit Sex (2/10) zu tun haben. Eingangs bekommt man(n) es nämlich mit einem schnöden Büstenhaltergefummel zu tun, auf welches besser verzichtet worden wäre. Denn selbst die nacktheitlastigen Einstellungen von Madsen geben da mehr zu sehen, ohne dass diese einen erotischen Kontext hätten. Ähnlich minimalistisch dosiert wurde der Humor (2/10), der sich auf unfreiwillig komische Erschreckerlis reduzieren lässt, die leider weder zu amüsieren, noch zu gruseln wissen, und daher ebenfalls besser ausgeschieden wären.

Das ändert indes wenig daran, dass diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) die Entdeckung lohnt. Anders als die verwendete Fototechnik ist der für den Plot aufgegriffene gesellschaftliche Rahmenkonflikt unter dem Stichwort "black lives matter" nämlich erschreckend zeitlos. Technisch ergibt sich ein mehr als stimmiges Bild, wobei vor allem Kameraarbeit und Schauspielkunst überzeugen. Für Zusatzinformationen und Vergleiche zur Buchvorlage seien die Reviews der Kollegen Frank und Horace empfohlen, wobei der Autor durch letzteres erst wieder auf den zwischenzeitlich in persönliche Vergessenheit geratenen Film aufmerksam geworden ist. Die FSK hat den "Candyman" (Originaltitel) seit jeher mit einer Erwachsenenfreigabe zur Kenntnis genommen.

7/10
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Kommentare

06.05.2018 13:46 Uhr - Horace Pinker
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Vielen Dank erst Mal für die positive Erwähnung und schön das ich dich zu einem Rewatch motivieren konnte :) Deine Besprechung liest sich wieder mal wunderbar und auch der Argumentation kann ich mich (trotz bekannter Weise minimal höherer Wertung) anschließen. Hast du eigentlich vor dich auch noch mit den beiden Nachfolgern rezensorisch zu befassen?

06.05.2018 15:54 Uhr - dicker Hund
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Danke Horace - und gern geschehen. Eine Besprechung der Sequels wäre auf besonders abenteuerliche Weise investigativ, da mir diese bis dato unbekannt sind;-)

06.05.2018 17:45 Uhr - Nubret
1x
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Wie immer prima Lesestoff! Bei der Bewertung bin ich diesmal auch ganz bei dir!

06.05.2018 18:03 Uhr - Intofilms
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Fein, fein, wunderbar. Ganz tolle Rezi zu einem ganz tollen Horrorfilm, man könnte auch sagen: Horrorklassiker. Ich war damals, als ich den erstmalig sah, gar nicht mehr so jung und horrorunerfahren, hatte aber dennoch ordentlich Muffensausen, oh ja! Und auch heute macht der mir immer noch ein bisschen Angst. Da haben die Macher also offenbar alles richtig gemacht. Von mir eventuell sogar eine knappe 9/10, da ich Figur und Mythologie des Candyman für eine der gelungensten Schöpfungen von Clive Barker halte. Ich mag aber vor allem auch das gesellschaftskritische Potenzial der Geschichte. Ich kenne dann nur noch den zweiten Teil. Der beleuchtet sozusagen den familiären Hintergrund des Candyman und bietet auch einige schöne Effekte, ist aber freilich nicht ganz so stark wie der erste Teil. Vielleicht 'ne knappe 8/10.

06.05.2018 18:07 Uhr - Pratt
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Gut beschrieben, hättest evtl. noch erwähnen können, dass der Film auf einer Kurzgeschichte von Clive Barker (Hellraiser) beruht, aber dennoch sehr lesenswert!!!

06.05.2018 18:53 Uhr - NoCutsPlease
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Gut gebellt, Candydog! :)
Hier muss ich auch mal einen Rewatch vornehmen, um ihn punktetechnisch besser einordnen zu können.

06.05.2018 21:57 Uhr - dicker Hund
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Nochmals danke!

@Nubret
Schön, wenn wir mal gleichauf sind.

@Intofilms
Zu Deinem Eindruck passt dann ja, wenn die Horrorteilnote höher als 5 liegt, dann gibt es nämlich mehr davon als nur Stilmittelspielerei. Bis ich allerdings ernsthaft erschauer und auch nach dem unmittelbaren Eindruck der Sichtung noch beeindruckt bin, bedarf es dann schon mindestens der Stufe 8. Empfindet natürlich jeder anders, aber für mich sind die meisten "Schocker" einfach nur ein guilty pleasure der schmierigen Art.

@Pratt
Stimmt, das hätte ich tun können. Da dieser Aspekt in anderen Reviews aber bereits optimal aufbereitet wurde, wollte ich lieber verweisen.

@NCP
Nur zu, so bin ich ja auch selbst - wie beschrieben - in den erneuten Genuss des Süßigkeitenmannes gekommen.

06.05.2018 22:25 Uhr - FordFairlane
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Schöne Kritik, nur schade das du nicht einige Hintergrundinformationen zum Film mit eingebracht hast.
Zum Beispiel sollte damals Denzel Washington die Rolle des Candyman spielen, was er aber aufgrund seines Freundes Spike Lee leider ablehnen musste, da er zu dieser Zeit mit Malcom X beschäftigt war.
Auch die Tatsache das Virgina Madsen mehrere male am Set vom Tony Todd freundschlaftlich erschreckt wurde, wäre auch eine Erwähnung wert gewesen.
Aber sonst Top.

06.05.2018 22:51 Uhr - Intofilms
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@Moppi
Schon klar. So abgebrüht wie du, wer ist das schon...?! ;D Für mich ist der erste "Candyman" jedenfalls tatsächlich ein seriöser Schocker. Der hat so was bedrückend Unheimliches und irgendwie Schwermütiges, wahrscheinlich gerade deshalb, weil er durchaus nicht übermäßig brutal und blutig ist. Ich bin allerdings auch wirklich eher zartbesaitet. Ein fähiger Psychiater würde meine unvernünftige Horrorfilmliebe sicherlich als kontraphobisches Verhalten bezeichnen und entschieden missbilligen. Wobei, vielleicht liegt in dieser bangen Konfrontation auch wirklich ein gewisser therapeutischer Nutzen, dann würde er mich wohl eher loben und in meiner Neigung bestärken... Ach, was ich da schon wieder daherrede - schlimm, schlimm...

07.05.2018 00:48 Uhr - Dissection78
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DB-Co-Admin
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Feiner Grusler, feines Review!

Punktetechnisch stimmen wir so ziemlich überein. Eine düster-bedrückende Stimmung hat der"Candyman" definitiv, selbst wenn ich davon keine schlaflosen Nächte bekomme. Die Fortsetzung habe ich auch kürzlich erst wieder gesehen. Fand ich gar nicht mehr so schwach wie in meiner Erinnerung, schwächer als Teil 1 ist sie trotzdem. Ach, diese C-Filme... ;)

07.05.2018 09:00 Uhr - dicker Hund
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Danke, die Dritte!

@Ford
Auch Dir sei empfohlen, die verwiesenen Kritiken zu lesen. Vielleicht steht da ja drin, was Du hier gerne gelesen hättest. Ansonsten ist es ja durch Deinen Kommentar nun ergänzt.

@Intofilms
Ich glaube, der Kollege Hudeley ist ganz rustikal dabei;.)

@Dissection
Das schöne an den C-Filmen ist, dass einige Titel dabei sind, die das Wort "Mahlzeit" herausfordern. Näheres demnächst hier... (Trommelwirbel)

07.05.2018 13:26 Uhr - Intofilms
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07.05.2018 09:00 Uhr schrieb dicker Hund
Das schöne an den C-Filmen ist, dass einige Titel dabei sind, die das Wort "Mahlzeit" herausfordern. Näheres demnächst hier... (Trommelwirbel)

Die Kannibalen kommen, ich hab's geahnt...! Der Herr steh' uns bei.
(Bei mir gibt's jetzt Grießschnitten mit Apfelmus und dazu eine schöne große Tasse Kaffee. Mahlzeit!)

08.05.2018 13:31 Uhr - Mr.Tourette
2x
User-Level von Mr.Tourette 2
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 69
"Erschreckerlis", welch wunderbarer Ausdruck, den lege ich zu meinem Wortschatz.

Den Film sehe ich genauso, wobei ich das "Candyman" Theme von Philip Glass als ein weiteres Highlight dieses Streifens nochmals hervorheben will.

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