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Nubret
Level 7
XP 661
Eintrag: 14.05.2018

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Der Schlachter

(Le boucher)
Herstellungsland:Frankreich, Italien (1970)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Krimi
Alternativtitel:The Butcher
Il tagliagole

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Auf einem Klassenausflug entdeckt Lehrerin Hélène eine Tote. Daneben liegt das Feuerzeug, das sie dem Schlachter und ihrem Geliebten Popaul geschenkt hatte. Ist er der Frauenmörder, der in der Gegend schon einmal zugeschlagen hat?
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von nubret:

Gerne erinnere ich mich an diesen Tag in meiner Kindheit zurück, der meine heutigen Vorlieben entscheidend mitgeprägt hat. Die Eltern nicht zu Hause, der kleine Nubi hat freien Zugang zum Nachtprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ein Titel hat mich dabei regelrecht angesprungen: DER SCHLACHTER. Sofort malte ich mir ob dieser verheißungsvollen Namensgebung die blutigsten Schreckensszenarien aus. Ich mußte diesen Film einfach sehen!

Schnell kam jedoch die Ernüchterung! Was war denn hier los? Keine Spur von blutigem Handwerk, alles wirkte irgendwie etwas altmodisch und, nun ja, langweilig. Dennoch blieb ich (zum Glück!) am Ball und ab dem ersten (unspektakulären) Todesfall wendete sich das Blatt. Von diesem Moment an übte dieser Film eine ungeheure Sogwirkung auf mich aus, die mich bis zum Ende der Vorstellung nicht mehr losließ.

Ca. 25 Jahre später lief mir dieser alte, mittlerweile etwas in Vergessenheit geratene, Bekannte wieder über den Weg. Und erneut habe ich das Ansehen nicht bereut.

Claude Chabrol war ein Freund der eher leisen Töne, der es meisterlich verstand, auch ohne Actioneinlagen und Gewaltexzesse Hochspannung zu erzeugen. Die meisten seiner Werke sind präzise, psychologisch ausgefeilte Charakterstudien, die ausgezeichnet funktionieren. DAS BIEST MUSS STERBEN, MASKEN oder eben auch DER SCHLACHTER sind hervorragende Beispiele subtiler Spannungserzeugung.

Ort der Handlung ist ein kleines Dorf in der französischen Provinz. Hier lebt und arbeitet ein sympathischer Schlachter (Jean Yanne/DAS BIEST MUSS STERBEN), von allen liebevoll "Popaul" genannt. Hinter seiner freundlichen Fassade verbirgt sich jedoch ein schwer traumatisierter, psychisch labiler Mensch, geprägt von dem unaussprechlichen Grauen des Indochinakrieges. Schon seit längerem begehrt er insgeheim die attraktive Lehrerin Helene (Stephane Audran/BLUTSVERWANDTE). Auf einer Hochzeitsfeier gelingt es ihm tatsächlich, sich der jungen Frau zu nähern. Doch Helene ist ebenfalls psychisch angeschlagen, wegen einer großen Enttäuschung ist es schwer für sie, erneut Vertrauen in einen Mann zu fassen. Dennoch freunden sich die beiden an, Körperlichkeiten bleiben aber außen vor.

Als die junge Braut, auf deren Hochzeit sich die beiden näher kamen, ermordet wird, spitzt sich die Lage zu. Helene findet bei der Leiche das Feuerzeug, das sie Popaul zum Geburtstag  geschenkt hat. In der jungen Lehrerin keimt ein fürchterlicher Verdacht, dennoch nimmt sie das Beweisstück an sich, um ihren Freund zu entlasten. Dies ist bereits der zweite Mord in dieser Gegend, ein dritter ereignet sich im nahen Perigueux. Als Popaul Helene kurz darauf einen Cognac anbietet, der angeblich ein Spezialität aus besagtem Perigueux sein soll, überkommt sie fast die Panik. Doch plötzlich hält Popaul das Feuerzeug in seiner Hand, das sie ihm einst geschenkt hat. Ist alles vielleicht doch ein fataler Irrtum?

Mehr verrate ich natürlich an dieser Stelle nicht, aber die ganze Geschichte ist genau so spannend, wie sich sich anhört. Kein Wunder, das Drehbuch hat Meister Chabrol diesmal höchst persönlich verfasst. DER SCHLACHTER funktioniert sowohl als nervenzerrender Krimi als auch als ausgefeiltes Psychodrama. Interessant finde ich vor allem Helenes Art der Verdrängung. Obwohl sie ahnt, daß Popaul hinter all dem stecken könnte, tut sie alles, um ihn zu decken. Und obwohl sie um ihr Leben fürchten muß, darf einfach nicht sein, was nicht sein darf. Ebenso clever von Chabrol ist es, unseren Mörder (?) Popaul zu keiner Zeit zu stigmatisieren. Man bekommt sogar eher Mitleid mit einem kranken, vom Leben gezeichneten Mann. Eigentlich ist der Film das Portrait einer tragischen Beziehung zwischen zwei Menschen, die nicht beziehungsfähig sind.

Selbstverständlich ist dieser Film, wie bei Chabrol üblich, handwerklich sehr sorgfältig gestaltet. Getragen wird er jedoch eindeutig von den beiden herausragenden Hauptdarstellern Jean Yanne und Stephane Audrane (1970 und 1973 zur Besten Hauptdarstellerin für ihre Rolle gekürt), die die restlichen Akteure völlig in den Hintergrund drängen.

Pierre Jansen, seines zeichens Stammkomponist des Regisseurs, sorgt für den passenden musikalischen Rahmen, der vor allem in den dramatischen Passagen ganz ausgezeichnet funktioniert. Jean Rabiers (KALTER SCHWEISS) Kamera fängt die trügerische Idylle überdies gekonnt ein.

Alles in allem kann Claude Chabrols DER SCHLACHTER inhaltlich wie formal beeindruckend. Sein Film wirkt wie aus einem Guß, sauspannend und top gespielt ist er sowieso. Und die psychologische Tiefe, die ihn des weiteren auszeichnet, ist wirklich bemerkenswert.

In Bodil wurde DER SCHLACHTER 1971 zum besten europäischen Film gekürt. Und auch die internationale Filmkritik ist sich bis heute einig, daß es sich hier um eines von Chabrols gelungensten Werken handelt.

Weniger gelungen ist leider die wenig liebevoll gestaltete DVD von FilmConfect. Aber immerhin ist sie ungekürzt.

Ich vergebe 9/10 Punkten für einen großartigen Film.

9/10
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Kommentare

14.05.2018 22:10 Uhr - dicker Hund
3x
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 2.257
Bei so einem Titel ist eine falsche Erwartungshaltung quasi vorprogrammiert. Dein Review gibt da einen wesentlich verlässlicheren Ausblick.

14.05.2018 22:14 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 7
Erfahrungspunkte von Nubret 661
Danke, Hundchen.

Hab mir fast gedacht, daß Du bei dem Titel anbeißt. Obwohl ich befürchte, daß er für Deinen Geschmack etwas zu blutarm sein könnte..

14.05.2018 22:29 Uhr - Intofilms
2x
Glänzend geschriebene, nachdrückliche Empfehlung, die ich sehr deutlich vernommen habe. - Ich muss schon sagen, ganz schön durchtrieben der kleine Nubi! Aber waren wir nicht alle so? O, du leidvoll-schöne Kinderzeit, komm' zurück! Ob ich deshalb so treu und ergeben am Horrorfilm festhalte...? ;D

15.05.2018 06:08 Uhr - Nubret
4x
User-Level von Nubret 7
Erfahrungspunkte von Nubret 661
Ja, schön war die Zeit..

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