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dicker Hund
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Eintrag: 03.06.2018

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Carrie - Des Satans jüngste Tochter

(Originaltitel: Carrie)
Herstellungsland:USA (1976)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Stephen King's Carrie - Des Satans jüngste Tochter

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,32 (41 Stimmen) Details
inhalt:
Carrie White (Sissy Spacek) ist die typische Außenseiterin an der Bates Highschool. Sie wird von ihren Mitschülerinnen gemobbt und muss zu Hause auch noch unter ihrer fanatisch gläubigen Mutter Margaret (Piper Laurie) leiden. Dieser ist ihre Tochter ohnehin nicht ganz geheuer, denn Carrie besitzt telekinetische Fähigkeiten. Als die Sticheleien ihrer Mitschüler den Höhepunkt erreichen, setzt Carrie ihre Fähigkeiten schließlich gegen Schulkameraden ein.
eine kritik von dicker hund:

Brian De Palma ist Freunden der rauheren Mainstreamkost in der Regel wegen "Teufelskreis Alpha" und "Scarface" ein Begriff, wenn nicht ohnehin wegen dem hier zu besprechenden Thrillerdrama "Carrie", dem Original von 1976 wohlgemerkt. Es handelt sich um die Verfilmung eines Romans von Stephen King, und zwar zu einer Zeit, als das noch nicht bedeutete, Gras auf eine bereits grüne Wiese zu kippen. So vergingen sogar bis zur immer noch als früh durchgehenden Umsetzung von "Shining" durch Stanley Kubrick weitere vier Jahre.

Der zeitlupendurchsetzte Beginn ist nicht nur intensiv inszeniert, sondern für nordamerikanische Sehgewohnheiten auch überraschend schlüpfrig. In der Schulmädchenumkleide ist jede Menge nackte Haut zu erblicken, auch jene von Hauptdarstellerin Sissy Spacek unter der Dusche. Dass diese im grob unpassenden Alter von 27 Jahren ihr Talent für eine jugendliche Rolle einsetzen musste, hat sie zum Glück nicht demotiviert. Im Gegenteil haucht sie ihrer "Carrie" die schüchtern-ungeschliffene Aura einer Außenseiterin ein, die trotz oder gerade wegen ihrer sozialen Randständigkeit in manchen Situationen reflektierter und emotional intelligenter wirkt als ihre oberflächlichen Mitschülerinnen. Naturgemäß kann sie jedoch die gravierenden Defizite aus dem alleinerziehenden Elternhaus nicht alleine kompensieren. Dort herrscht im Kontrast zur erotischen Zeigefreude der Schüler einschließlich eines Blowjobs im Off (Sex 4/10) eine unendlich verklemmte Grundstimmung, die von Seiten der despotischen Mutter Margaret (Piper Laurie in ihrer 29. Rolle) religiös verbrämt wird:

"Wir wollen beten!"

Diese Ansage ist angesichts des Schreiens und Flehens der hierzu unwilligen Tochter als pluralis majestatis zu verstehen. Angesichts der überzeugend unausstehlich gespielten Erzeugerin kann der Plot als Sinnbild für den sozialen Zwei-Fronten-Krieg herhalten, den Jugendliche aus instabilen Verhältnissen zu führen haben, wenn ihnen die peergroup in der Schule ebensowenig Halt gibt, sondern durch Mobbing noch Öl ins Feuer gießt. Die eitlen Quälgeister unter der Wortführerschaft von Chris (Nancy "Robocop"-Anne-Lewis Allen) machen dem schlecht aufgeklärten Mädchen das Leben zur sprichwörtlichen Hölle. Interessanterweise verkommen die Jungs (u. a. John Travolta, der mittlerweile zuvörderst mit "Pulp Fiction" assoziiert wird, und William Katt, Paul Drake Jr. aus diversen "Perry Masons") in diesem Spiel zu bloß optisch begehrenswerten Statisten, die rasch um den Finger gewickelt sind, um sich für die Intrigen der Grazien einspannen zu lassen. 

"Macht schon, Ihr eingebildeten Puten!"

Selbst die Lehrerschaft tut sich schwer mit den pubertierenden Schönheiten, für die Carrie als Fußabtreter herhalten muss. Mit ihr sollte man sich eigentlich nicht anlegen, denn sie hat die Gabe der Telekinese. Dieses für Freunde des Phantastischen erfreuliche Motiv lässt leider lange auf sich warten, erst recht tun das die wenigen damit einhergehenden grafischen Momente (Gewalt 3/10), die zwischen moderat explizit und total verhüllend umgesetzt sind. Das außergewöhnlich eingesetzte Blut kommt im vorgezogenen Finale nach einer guten Stunde zur visuell beeindruckenden Geltung, ohne allzusehr zu erschrecken (Horror 5/10). Dafür weiß die berüchtigte Sequenz auf dem Abschlussball aber mit Splitscreen-Tricks und wahrlich diabolischen Blicken zu gefallen. Die dortige Demütigung gleicht eher einem Attentat als einem Streich und wurde absichtlich lange vorhersehbar gehalten. Dennoch erscheint die Publikumsreaktion fernliegend: Wenn die blöde Feier den Gören doch ach so wichtig ist, warum sollten sie sich freuen, wenn ein dermaßen ekliges Ereignis die Stimmung versaut? Durch die eitle Definition des Abschlussballs als Zugehörigkeitsritual entsteht sowieso schon eine gewisse Distanz des Zuschauers, die durch solche Widersprüche nicht verringert wird. Die altbacken spießige Institution der "Prom Night" ist in hinterfragenden Darstellungen wie in "The Loved Ones" inzwischen zum Glück besser aufgehoben als in dem überkommenen, ernst gehaltenen Psychospuk. Mangels  Humors (1/10) hebt sich an mancher Stelle hier die Augenbraue noch recht hoch.

Die engagierten Schauspieler wenden so manch eine vor diesem Hintergrund drohende erzählerische Peinlichkeit ab. Würdige Kulissen stehen ihnen als Rahmen hierfür zur Verfügung, wobei insbesondere die unwirklich bunt gehaltene Fassade des Tiergeheges und der reichlich geschmückte Ballsaal zu gefallen wissen. Der Score unterstützt die vor allem in den durchdachten Dialogen authentisch wirkenden Konflikte mit einer Grundstimmung aus verträumter Atmosphäre und undurchsichtigem Grollen. So wird retuschiert, dass der Hokus Pokus um wie von Geisterhand bewegte Gegenstände ähnlich an der Grenze zur Albernheit schrammt wie die überdimensionalen Fliegen der jungen Herren und Tommys "Thomas Gottschalk"-Frisur. Diese kleine Perle (7/10 Punkten) von einem angestaubten Schocker lebt von ihrer zeitlosen Thematik um schlimme Ausgrenzung an Schulen und noch schlimmere Opferreaktionen, die sich in den gerade wieder aktuellen Amokläufen an nordamerikanischen Bildungsstätten zeigt. Audiovisuell und in Sachen Schauspielkunst hat sie einiges zu bieten. Mitfiebern oder -leiden mag man mit den unsympathischen Figuren indes nicht - und auch die provokative Wirkung der recht geizig eingesetzten Horrorelemente hält sich in Grenzen. Die eingeschränkte Jugendfreigabe erscheint wiederum angemessen.

7/10
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3/10

Kommentare

03.06.2018 10:26 Uhr - Necron
1x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 254
Ach was, der Film ist von De Palma, also das hatte ich so definitiv mal nicht auf dem Schirm. Nach dieser Information und deiner gelungenen Vorstellung denke ich jetzt ernsthaft über eine Sichtung nach...

03.06.2018 11:16 Uhr - Punisher77
2x
DB-Helfer
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Gewohnt eloquente, unterhaltsame Kritik. Bei der Bewertung gehe ich mit.

03.06.2018 14:38 Uhr - cecil b
6x
DB-Co-Admin
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Deine Formulierung ist wieder ein Fest, und deine Review ist ein zeitgemäßes Stück Kunst. :)

Meine persönliche Sicht auf den Film:

Mit den unsympathischen Figuren kann ich nicht mitfiebern, aber bei Carrie (nenne sie bloß nicht Cassie ;) ) könnte ich noch heute mitheulen.

Humor wäre unangebracht gewesen. Die Widersprüche sehe ich auch nicht.

Den religösen und sexuellen Aspekt halte ich für wichtig.

Das Drama ist für mich heftiger als das Gemetzel in Zombiefilmen oder Slashern.

Angestaubt ist der Film wirklich, aber wenn das Blut fließt, wird es auch heute noch krass. Jesus-Position lässt grüßen. Das Finale im Haus finde ich heftig.

03.06.2018 15:38 Uhr - dicker Hund
1x
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Vielen Dank für das Feedback!

@Necron
Vor allem in performativer Hinsicht sieht man die Handschrift De Palmas schon durchscheinen.

@Punisher
Interessant, dass wir da gleichauf sind, zumal ich Dich sonst ein wenig großzügiger mit den Punkten einschätze;-)

@cecil
Ich nehme Deinen Kommentar noch einmal zum Anlass für eine Zusammenfassung der aus meiner Perspektive relevanten Kritikpunkte:
Mir ist Carrie nicht besonders sympathisch, was wahrscheinlich am Traum von der Königin des Abschlussballs liegt. Komme ich nicht drüber hinweg. Mit Humor hätte einer der Mitschüler vielleicht einmal die Oberflächlichkeit seiner Klassenkameraden aufs Korn nehmen können. Alle fiebern stattdessen diesem dämlichen Tanzabend entgegen - und dann soll dessen Sabotage auf einmal witzig sein? Außerdem ist Tommy ja beliebt - trotzdem wird er ausgelacht. Meines Erachtens passt das hinten und vorne nicht zusammen. Damit lässt mich auch das Drama über weite Strecken kalt.

Aber bitte nicht missverstehen: Schön, dass Du mich trotzdem lobst. Für Deine Ansicht hast Du ja triftige Gründe, deren Lektüre natürlich vor meiner eigenen Niederschrift selbstauferlegtes "Pflichtprogramm" war. Wäre ja langweilig, wenn alle dasselbe schreiben...

03.06.2018 17:49 Uhr - Nubret
3x
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Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Schön, daß du dich dieses Films angenommen hast. Saubere Arbeit wieder!

Sehe die vermeintlichen Kritikpunkte als Klassiker-Fossil natürlich etwas weniger eng. Ein toller Streifen!

Deshalb bin ich mit meiner Wertung auch 2 Punkte höher.

Aber wie gesagt, sehr schöne Besprechung!

03.06.2018 18:27 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
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Ich hatte Alpträume nach dem ersten mal anschauen. Da war ich 12 glaub ich...
Starkes Werk ! Der Film UND deine Kritik !

03.06.2018 20:52 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
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Wortgewandt gebellt und Absatz für Absatz mit sprachlichen Spielereien gespickt, Wuffi wie er leibt und lebt! :)

Zum Film:
Meine letzte Sichtung ist nun schon einige Jährchen her, aber ich habe "Carrie" dennoch als starkes Horrordrama im Hinterkopf.
Dass Carrie so sehr auf den Titel als Ballkönigin abfährt, würde ich aus der Erinnerung heraus mit ihrer naiv-kindlichen Persönlichkeit begründen. Sie ist nun einmal eine sensible Träumerin, die noch nicht so "erwachsen" ist.
Den bösen Gegenspielerinnen geht es vorwiegend darum, Carrie in Grund und Boden zu mobben, deshalb haben sie auch so viel Spaß daran, den Ball zu sabotieren, und Carrie in ihrem scheinbar glücklichsten Moment so richtig dumm dastehen zu lassen.
Somit sind die meisten Punkte, die du als widersprüchlich deklarierst, für mich im Gesamtkontext des Films nachvollziehbar.

03.06.2018 21:36 Uhr - dicker Hund
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Nochmals danke! Schön, dass Ihr mit meiner Rezi etwas anfangen könnt, obwohl Ihr die Kritik nicht teilt.

@NCP
Es lachen halt nicht nur die bösen Gegenspielerinnen. Habe aber Verständnis dafür, dass so etwas eben nicht jeden stört.

04.06.2018 14:12 Uhr - BFG97
1x
Moderator
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Für mich immer noch ein grandioser Streifen, den ich mir ab und an mal anschaue. Angestaubt ist er auf jeden Fall, wobei die Thematik an sich, wie du schon sagst, noch immer aktuell ist. Nach meiner ersten Sichtung vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich 9 Punkte gegeben. Mittlerweile sind es "nur" noch 8^^

Starke Besprechung, die mal wieder dein dickes Talent zeigt ;)
Was hälst du denn vom Remake?

04.06.2018 19:55 Uhr - dicker Hund
1x
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04.06.2018 14:12 Uhr schrieb BFG97
Für mich immer noch ein grandioser Streifen, den ich mir ab und an mal anschaue. Angestaubt ist er auf jeden Fall, wobei die Thematik an sich, wie du schon sagst, noch immer aktuell ist. Nach meiner ersten Sichtung vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich 9 Punkte gegeben. Mittlerweile sind es "nur" noch 8^^

Starke Besprechung, die mal wieder dein dickes Talent zeigt ;)
Was hälst du denn vom Remake?


Besten Dank! Auf Deine Frage wird es hier demnächst eine ausführliche Antwort geben, wenn Du verstehst
; -)

05.06.2018 00:20 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 9
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ach, Hundefreund, ich lese deine Rezis zu solchen Klassikern einfach zu gerne, wenn du uns auf den Boden der Tatsachen zurückholst. Für mich ist das natürlich auch ein grandioser Film, bei dessen Schock-Ende ich mich trotz der eigentlich lächerlichen Machart (vielleicht grade deswegen) immer noch erschrecke (genauso wie beim ersten Freitag;-9

Well done!

07.06.2018 22:02 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.927
dicker Hund: Es wäre schrecklich, wenn alle die selbe Meinung hätten! Deine ist immer lesenswert, egal welche :)

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