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Carrie

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,02 (54 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Freude kennt die schüchterne Carrie (CHLOË GRACE MORETZ) kaum. In der Highschool hänseln und mobben ihre Mitschüler sie auf übelste Weise, zuhause macht die fanatisch-religiöse Mutter dem Teenager das Leben zur Hölle. Carrie entwickelt telekinetische Kräfte, die immer stärker werden, je mehr Demütigungen sie erdulden muss. Als sie auf dem Abschlussball Opfer einer besonders schlimmen Attacke wird, endet das Fest in einer Katastrophe... (Sony Pictures Deutschland)

eine kritik von dicker hund:

Brian De Palmas King-Verfilmung "Carrie" erhielt eine Fortsetzung, eine TV-Adaption und das hier besprochene Remake spendiert. Dieses entstand 2013 und damit 37 Jahre nach dem Original. Mit Kimberly Peirce wurde die Regie von einer Verantwortlichen übernommen, die in schaurigen Gefilden bis dahin unbekannt war und am ehesten noch mit dem Titel "Boys don't cry" in Verbindung gebracht werden dürfte.

Bei der Besetzung wurde zum Glück ein gravierender Fehler des Originals vermieden, indem die 16jährige Chloe Grace Moretz ("Dark Places") gecastet wurde. Diese ist nämlich nicht nur talentiert, was Sissy Spacek natürlich mindestens genauso war, sondern im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin auch im Lebensalter ohne die störende Dekade zu viel unterwegs. Für das Kind einer fanatisch religösen und konkurrenzlos frigiden Frau wirkt die Darstellerin allerdings spätestens aufgrund ihrer eingangs perfekt gestylten Dauerwelle einfach zu modelhaft. Ansonsten spielt sie gegen die Schwächen des phasenweise bloß papageienhaft nachplappernden Drehbuchs erfolgreich an. Am besten funktioniert dies im Zusammenspiel mit der irrwitzig überzeugenden Julianne Moore, die mit "Geschichten aus der Schattenwelt" und den "Tributen von Panem" bereits weit auseinanderliegende Referenzen vorzuweisen hat. Gerade zum Einstieg gelingt ihr eine perfekte Disharmonie mit der an "Inside" erinnernden Anti-Ästhetik. 

Deren Gegenteil wünscht man(n) sich angesichts der Vorlage natürlich besonders in erotischer Hinsicht, doch da stinkt die neue "Carrie" leider so richtig ab. Geschlechtsverkehr wird zwar gezeigt, aber steril und mit angelassenem Büstenhalter, schlimmste R-Rating-Klischees bedienenderweise. Dass die nachgespielte Dusch-Szene in der Mädchenumkleide ebenfalls massiv hautärmer umgesetzt wurde, versteht sich da fast von selbst (Sex 2/10). Andererseits gelang eine zeitgemäße Aufbereitung des Sujets. Insbesondere wurden die neuen Technologien konsequent über eine Cybervariante des Mobbings schön unaufdringlich in den Plot mit eingebunden. Zugleich wirken die Kleidung, die Fahrzeuge und die Bücherei deutlich weniger angestaubt. An der biederen Ball-Thematik hat sich dadurch zwar nichts verändert, doch sieht selbst die Tanzveranstaltung lebendiger und weniger vergilbt aus. Als hilfreich erweisen sich hierbei die eingespielten Pop- und Elektrotracks, die in angemessener Breite neuen Schwung geben.

Doch nicht alles, was neu ist, muss zugleich gut sein: Die Effekte sehen mitunter beschämend mies aus, wobei an allererster Stelle das extrem unecht wirkende CGI-Blut in der hiervon am reichhaltigsten in Anspruch nehmenden Szene zu nennen ist. Dieses kann nur als ein Schatten des Vorbildes bezeichnet werden, selbst wenn die Mimik der engagierten Carrie-Mimin die unfreiwillige Komik verhütet (Humor 1/10). Das gelingt ihr sogar bei einigen übungsweise durchgezogenen Levitations-Nummern, die unweigerlich Assoziationen zu "Harry Potter" auslösen. Horror entsteht wegen dieser verfehlten Inszenierung ausschließlich durch grafische Gewalt (je 5/10), die immerhin in einem genreadäquaten Umfang geliefert wird und sich auf diese Weise von einem traditionellen Klumpfuß befreit.

Ansonsten lassen sich im direkten Vergleich nur kleine Unterschiede ausmachen. Die Jungs machen einen geringfügig eigenständigeren Eindruck. Chris bleibt dieselbe arrogante Diva (wie verlangt zum reinschlagen: Portia Doubleday), hat aber mit Sue (differenziert: Gabriella Wilde) eine etwas gewissenhaftere und dadurch mehr Ambivalenz schaffende Freundin zur Seite. Das narrative Hauptproblem des Plots bleibt indes in Gestalt des unglaubwürdigen Gelächters der Ballbesucher nach dem zentralen Negativereignis erhalten, wenn der Vorfall als solcher durch die weniger einseitig dargestellten Charaktere auch weniger vorhersehbar gehalten ist. Ein bißchen Action hebt sich im Anschluss wohltuend von den bekannten Bildern ab, während die finalen Einstellungen in der Kino- wie in der Blu-Ray-Fassung leider gleichermaßen plumpe Pseudoschocks liefern und damit unpassend und irgendwie lustlos zu den Credits überleiten.

Das Remake ist in Teilen besser als das Original, weil es einige besonders grobe Schnitzer umschifft. Diese Errungenschaft reißt es jedoch hintenrum durch neue, eigene und in der Summe ein wenig schwerer wiegende Fehler wieder ein. Für sich genommen ist es dadurch ein ordentliches Thrillerdrama geworden, das sein Potential jedoch nicht ausschöpft (6/10 Punkten). Die FSK vergab dafür den blauen Flatschen.

6/10
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Nope
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7/10

Kommentare

07.06.2018 07:37 Uhr - NoCutsPlease
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Das Remake kenne ich noch gar nicht, werde es mir aber allein der Neugier wegen irgendwann noch anschauen.
Bei deinen Reviews wird die Neugierde des Lesers jedenfalls stets vortrefflich belohnt.

07.06.2018 07:48 Uhr - Taran
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Moderator
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Auch wenn ich unterm Strich vielleicht einen Punkt mehr geben würde, hast Du es in größten Teilen ähnlich wie ich empfunden. Der eine Punkt könnte auf Juliane Moore zurückzuführen sein, die eine wirklich beängstigend diabolische Performance liefert.
Obwohl ich überhaupt nicht auf Doublel-Features stehe, bin ich hier mit der BD die beide Filme an Bord und ein passendes Cover hat sehr zufrieden....

07.06.2018 07:55 Uhr - Horace Pinker
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Wie gewohnt großartige und Aussagekräftige Rezension und ein weiterer lohnenswerter Beitrag zu deiner C-Movie Reihe! Ich gehöre wohl zu der Minderheit die mit dem De Palma Film nur sehr wenig anfangen konnte, da hat mir diese Version (auch da ich Moretz sehr gut und talentiert finde) besser gefallen, zumal ich auch das als Finale besser und den Film allgemein als düsterer inszeniert empfand, würde 1-2 Punkte mehr vergeben.
P.S. Das mit der fehlenden Nacktheit dürfte u.a. an Chloes damaliger Minderjährigkeit gelegen haben.

07.06.2018 10:12 Uhr - JasonXtreme
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Ich fand den Streifen auch gar nicht so übel! Würde mich Deiner tollen Rezi bedenkenlos anschließen!

07.06.2018 11:08 Uhr - TheRealAsh
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Ich muss gestehen, dass ich mit Remakes echt keine einheitliche Linie habe. Prom Night, Carrie oder Poltergeist habe ich zum Beispiel nie gesehen, obwohl die mich interessieren, aber ich befürchte immer, dass sie ähnlich beschissen sind wie Nightmare on Elm Street. Nach deinem leckeren Review muss ich es mir jetzt aber doch mal überlegen. Vielleicht find ich den auf Netflix.

07.06.2018 11:39 Uhr - Kaiser Soze
1x
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Gut geschriebenes Review zu einem mittelmäßigen Film.

Eine Frage, da ich den Roman nicht gelesen habe:
Dieser Film ist ja erst einmal eine Romanverfilmung von SK Roman, ein Remake wäre es nur, wenn es Bestandteile einer vorigen Verfilmung (aus 1976) beinhaltet, die nicht im Roman vorkommen. Welche sind das? Ich weiß, der Film wird oft Neuverfilmung genannt und ist hier auch so gelistet, aber welche Übernahmen liegen denn vor?

07.06.2018 14:14 Uhr - BFG97
1x
Moderator
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Na das ist doch mal eine wunderbare Antwort auf meine Frage ;D
Immer wieder faszinierend wie viel Aussagekraft du in deine Sätze bringst^^

Mir hat das Remake ganz gut gefallen und ich stimme mit dir in allen Punkten überein. Carrie hatte das Potenzial besser als das Original zu werden, ist aber an den von dir genannten Punkten gescheitert. Dein "Remake" ist aber auf demselben Level, wie dein kürzlich veröffentlichtes Original ;)

07.06.2018 15:18 Uhr - dicker Hund
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Schön umfassendes Feedback, besten Dank!

@Kaiser
Vergleiche zu dem von mir vor 20 Jahren gelesenen Buch wage ich lieber nicht;-)

07.06.2018 16:34 Uhr - Kaiser Soze
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07.06.2018 15:18 Uhr schrieb dicker Hund
Schön umfassendes Feedback, besten Dank!

@Kaiser
Vergleiche zu dem von mir vor 20 Jahren gelesenen Buch wage ich lieber nicht;-)


Musst du auch nicht, wundert mich halt nur, warum hier immer alle von einem Remake statt einer Romanverfilmung sprechen, denn somit ist es kein Remake.

07.06.2018 21:59 Uhr - cecil b
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Moderator
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Besonders deiner Besprechung von Carrie und deren Mutter, und die Besetzung dieser, stimme ich vollkommen zu! Dem Rest eigentlich auch, wobei ich beim Original ja nicht solche Schnitzer sehe, oder die nicht so eng. ;) 6 Punkte für das Remake, so habe ich es auch vermerkt. :) Ansonsten bleibst du deinem Stil und deinem Niveau treu, ist ein Komplement. ;)

Die TV-Verfilmung finde ich auch nicht schlecht, aber die hat auch deutliche Schwächen.

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