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Hitman - Cohen & Tate

(Originaltitel: Cohen and Tate)
Herstellungsland:USA (1989)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Alternativtitel:Hitman - Cohen und Tate
Hitman - In der Gewalt der Entführer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,27 (11 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Familie steht im Zeugenschutzprogramm und wird von FBI-Agenten gewacht. Eines Tages tauchen plötzlich Killer auf und töten alle, die FBI-Agenten als auch die Familie, nur das Kind Travis wird bewusst verschont, denn die beiden Killer Cohen und Tate wurden beauftragt den Jungen einer unbekannten Zielperson auszuliefern. Der Junge scheint anfangs sehr eingeschüchtert zu sein und die Entführung wirkt unkompliziert. Doch Travis ist schlauer als die Entführer und er macht den Auftragsnehmern das Leben schwer. Die Entführung nimmt eine Interessante Wendung, als Cohen von Travis eingeredet bekommt, das Tate beide umbringen will.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von chollo:

Filme über das Organisierte Verbrechen, ihre Angehörigen, die Opfer und deren Auswirkungen gibt es wahrlich zuhauf. Klassiker wie die "Pate" Trilogy, "Goodfellas" oder "King of New York" haben uns tief in dieses erschreckende aber auch faszinierende Milieu abtauchen, oder besser gesagt, eintauchen lassen. 

Was diesen Filmen allen gemein ist, ist der Fakt, das sie sich in ihrer Erzählstruktur eines längeren Zeitraums bedienen. Nicht selten folgt der Zuschauer den Protagonisten hier über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Das wirkt nicht nur dem Gesamteindruck entgegen, sondern hebt das Werk mitunter noch zur epochalen Größe an. Kinkerlitzchen wie Entführungen; Auftragsmorde oder dergleichen werden relativ beiläufig in das Strickwerk mit eingeflochten und dienen meist nur als Mittel zum Zweck. Das der Fokus auf solch einen Teilbereich gelegt aber auch äußerst interessant und lohnenswert für das Publikum sein kann, zeigt der hier vorliegende Film.

"Cohen& Tate" oder auch etwas debiler in der deutschen Übersetzung: "Hitman- In der Gewalt der Entführer" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit äußerst begrenzten finanziellen und filmischen Mitteln, ein höchstmöglichstes Ergebnis erzielen kann. Nüchtern betrachtet handelt dieses Werk von 3 Personen in einem Auto, bei denen durch Antipathien und ausufernder Gruppendynamik so ziemlich alles aus dem Ruder läuft was eben geht. Doch diesen Film nüchtern oder gar teilnahmslos zu betrachten ist wie ich finde ein Ding der Unmöglichkeit. 

Schon in den ersten Minuten erzeugt der Film eine subtile Spannung. Nach einem kurzen Prolog wird der Blick frei auf ein abseits gelegenes Farmhaus. Der 9-jährige Travis Knight wirft -umringt von einer Horde Bewacher- ein paar Bälle mit seinem Vater und bespasst den hauseigenen Flokati, bevor dieses surreal wirkende Ereignis jäh von 2 grimmig dreinschauenden Männern unterbrochen wird. Noch unter Schock stehend erwacht dieser alsbald auf der Rückbank eines Pkw nur um festzustellen, das diese 2 Männer seine Familie ausgelöscht haben um ihn in einem anderen Bundesstaat ihrem Kartell auszuliefern. In den folgenden anderthalb Stunden bekommt man dann das, was man als Kammerspiel auf höchstem Niveau bezeichnen kann.

Eric Red, der sich davor mit "Hitcher- Der Highwaykiller" und "Near Dark" sowie danach mit "Blue Steel" einen Namen als begnadeter Autor gemacht hatte, lieferte mit "Cohen& Tate" sein Langfilmdebüt ab. Und dieses hat es wirklich in sich. Selbst im schon als robust geltendem Low-Budget Aktionsegment der Achtziger Jahre nimmt sein schonungsloses Roadmovie eine Sonderstellung ein. Derart kompromisslos und pessimistisch vorgetragen braucht es den Vergleich zu Genrevertretern jüngerer Geschichte nicht zu scheuen. Erwartungen und Sympathien werden in diesem Mikrokosmos derart komprimiert und durchgewirbelt, das man sich zu keinem Zeitpunkt einer Entwicklung oder Personalie sicher sein kann. Folgt man zu Beginn noch dem Leidensweg des jungen Travis und nimmt den Schlagabtausch des ungleichen Killer-Gespanns nur nebensächlich wahr, verschiebt sich der Schwerpunkt als auch dieser sich an den immer schärfer geführten Wortgefechten beteiligt. 

Dieser Umstand ist nicht unerheblich der Wahl der Darsteller dieses mörderischen Duos geschuldet. Roy Scheider ("Der weiße Hai", "Atemlos vor Angst") gibt hier den älteren und erfahrenen, aber auch in Pflichterfüllung freudlos und lebensmüde gewordenen Cohen. Im Gegenüber steht der fast schon infantil wirkende, leicht sadistisch veranlagte Tate, gespielt von Adam Baldwin ("Full Metal Jacket", "Predator 2"). Nicht nur der körperliche Habitus der beiden, auch die Triebfeder zur Ausübung ihrer Tätigkeit könnten unterschiedlicher nicht sein. Bringt Cohen seinen Job noch gekonnt professionell und  scheinbar unberührt über die Bühne, lässt Tate jeglichen Anspruch von Moral jedweder Ausrichtung komplett fallen. Dieser Zustand wird vor allem zu Beginn, während der Hinrichtung von Travis Eltern und diverser Bodyguards sichtbar.  Schwillende Konflikte und auftretende Probleme erschüttern diese fragil wirkende Konstellation dann soweit, das das ganze Vorhaben in einer selbstzerstörerischen Orgie kulminiert.

Scheider, hier wohl schon am Anfang vom Ende seiner langjährigen Schauspieler-Laufbahn angekommen, brilliert regelrecht als gealterter und mit allen Wassern gewaschener Sensenmann. Minimalistisch, fast schon Stoisch stampft er hier durch die Szenerie. Mann kauft ihm die Abgeklärtheit zu jedem Zeitpunkt ab, bis sich sein denkwürdiger Abgang wie mit einem Lötkolben ins Gedächtnis des Zuschauers einbrennt. Nicht minder ist die Wirkung von Adam Baldwin alias Tate. Derart gleichgültig seinem und dem Leben anderer gegenüber stellt er eine immer währende, unkontrollierbare Gefahr dar. Die schwächste Leistung stellt in diesem Triumvirat freilich Harley Cross als Travis Knight dar, was man ihm aufgrund seines zärtlichen Alters von gerade einmal 10 Jahren wohl kaum zum Vorwurf machen will. Aber auch seine Vorstellung kann man zumindest als geglückt bezeichnen.

Einen weiteren Pluspunkt ist neben der Schauspielerischen Leistung und der minimalistisch aber wirkungsvollen Regie zweifellos die musikalische Untermalung. Komponist Bill Conti ( "Rocky", "Lock up", "Karate Kid") stattet den Film gekonnt mit bedrohlich bis deprimierend wirkenden Klängen aus, wohlwissend das etwaige glorifizierende Geräuschkulissen hier mehr als deplatziert wären.

Der Härtegrad beziffert sich bei "Cohen& Tate auf ein paar äußerst blutige Schießereien und legitimiert den schonungslosen Grundtenor des Werks noch zusätzlich. Die  gezeigten Tötungsszenen wirken keinesfalls aufgesetzt, oder im Jargon der BPjM ausgespielt, sondern tragen zusätzlich zur Authentizität des Gesamten bei.

Mann darf sich diesen Diamanten vorbehaltlos zu Gemüte führen, wissend das es sich hierbei um einen Rohschliff handelt der eventuell ein paar Kratzer hinterlassen dürfte.

9/10
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Kommentare

05.06.2018 06:13 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.090
Den kenn ich jetzt noch nicht.

Aber Deine geile Besprechung macht echt Bock auf das Teil! Und Roy Scheider ist immer grandios. Gerne auch mal als Bösewicht.

05.06.2018 11:01 Uhr - Stoi
Gut geschrieben aber irgendwie siehst du den Film durch die rosa Brille.
Ich fand den ziemlich durchschnittlich, kann man sich mal ansehen aber das wars dann auch.
Meine Wertung wäre eher 5/10.

05.06.2018 13:46 Uhr - Intofilms
1x
Prima, CHOLLO! Film wie auch Rezi treffen genau meinen Geschmack. Als du in deiner "Hitcher"-Kritik den Namen Eric Red erwähnt hast, habe ich ja gleich mit viel Sympathie an diesen Streifen hier denken müssen. Ich sehe den auch mindestens bei einer 8/10. Für mich hat der definitiv hohes Rewatch-Potenzial! Ich mag hier eigentlich alles: den brutalen Auftakt, die anschließende Flucht mit dem Wagen und natürlich das starke, adrenalingesättigte Finale. Action bietet der Streifen also reichlich (der Härtegrad weiß ebenfalls sehr zu gefallen). Aber daneben eben auch eine psychologisch akzentuierte, äußerst bedrohliche Grundspannung, die mich wirklich über den gesamten Film hinweg mit eisernem Griff gepackt hielt. Wie auch bei "The Zero Boys" (die kommen mir gerade so in den Sinn) wäre hier ein lange aufgeschobenes, mit Sicherheit sehr freudiges Wiedersehen unbedingt erstrebenswert. ;D

05.06.2018 15:33 Uhr - CHOLLO
2x
User-Level von CHOLLO 9
Erfahrungspunkte von CHOLLO 1.200
@ Into; Nubret; Stoi

Danke für die netten Worte!

@ Stoi

Da hast du nicht ganz Unrecht, ich liebe diesen Film einfach!

05.06.2018 16:21 Uhr - Tom Cody
5x
DB-Helfer
User-Level von Tom Cody 20
Erfahrungspunkte von Tom Cody 8.709
Echt schickes Review zu diesem ultra-coolen Roadmovie (besonders dein Fazit hat mir sehr gut gefallen).
Ein Jammer, dass der Film an den US-Kinokassen völlig untergegangen ist und auch Eric Red danach als Regisseur nichts Vergleichbares mehr zustandegebracht hat ("100 Feet" war noch ganz o.k.).

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