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naSum
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XP 1.864
Eintrag: 10.06.2018

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A Beautiful Day

(You Were Never Really Here)
Herstellungsland:Großbritannien, Frankreich, USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller, Mystery

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,67 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Ein junges Mädchen wird vermisst. Joe (Joaquin Phoenix), ein brutaler und vom eigenen Leben sowohl gequälter als auch gezeichneter Auftragskiller, startet eine Rettungsmission. Im Sumpf aus Korruption, Macht und Vergeltung entfesselt er einen Sturm der Gewalt. Vielleicht gibt es nach all dem Blutvergießen am Ende auch für Joe ein Erwachen aus seinem gelebten Albtraum…
eine kritik von nasum:

Die Trailer und Werbeplakate zum Film „You were never really there“ oder wie der Titel inkompetent für den deutschen Markt abgeändert lautet „A beautiful day“, schlagen hohe Wellen, loben mit großen Worten einen Film in den Fußstapfen von Taxi Driver und belobigen Joaquin Phoenix als Extremschauspieler für seine gewagte Rolle in diesem Werk. Doch können all diese Versprechen gehalten werden? Der Trailer zeigt sich da erstaunlich vielversprechend. Aber der Film? Riskieren wir einen Blick.

 

Joaquin Phoenix schlüpft in die Rolle eines Ex-Soldaten, der sich nach seiner Dienstzeit an der Front und einem Trauma als Mitbringsel, mit Gelegenheits-Jobs als Söldner oder Auftragskiller über Wasser hält. Dabei vermag er kaum noch Emotionen zuzulassen, so tief verstört ist seine Psyche. Lediglich in der liebevollen Unterstützung seiner alternden Mutter findet er einen Sinn, seiner depressiven Lethargie zu entrinnen. Dem häuslichen Umfeld entflieht er nur zu nächtlichen Exkursionen, um einen Ring von Kinderpornografie zu zerschlagen, wozu ihm ein Bekannter Aufträge vermittelt. Den abgehalfterten Ex-Soldaten, der in diesen von Selbstjustiz geprägten Heldentaten einen letzten Anker im Leben findet, spielt Phoenix erstaunlich gut, jedoch ist es keine Extremrolle, wie weitgehend beworben wurde. Dramatisch intensiv und mit starker körperlicher Präsenz füllt er die Rolle jedoch mit Nachdruck aus. Zwischen den Szenen gehen aber leider viele Emotionen verloren oder fallen in den kurzen Gewaltexzessen dem Offscreen zum Opfer. Tötungen seiner Opfer, sowie seine dabei auftretenden Emotionen verlieren sich in Filtern von Überwachungskameras, hinter Türrahmen oder gänzlich außerhalb des Bildes. Mag dies anfangs noch zu verkraften sein und dem Film nur ein kleines Bein stellen, wird es im Verlauf des Werkes immer mehr zum Manko. Nach der langen Einführung des Charakters und einem ruhigen inhaltlichen Werdegang zu einem gefälschten Auftrag, der ihn ans Messer liefern soll, bleibt der Grundton kühl und ruhig, die Gewalt weiterhin Offscreen. Eine Steigerung der Intensität, auch nach seinen tragischen Verlusten, wird nur in kleinem Maße angebahnt. In dem ab der zweiten Filmhälfte folgenden Racheakt an den Verschwörern, die ihn gelinkt haben, fehlt daher eine sichtbare Charakterentwicklung oder eine Abwärtsspirale seiner psychischen Verzweiflung, denn sein Verharren in der bereits zuvor gezeigten Ausdrucksweise entkräftet die Dramatik des generell schon minimalistischen Handlungsstranges. Die gezeigten Facetten des dargestellten Charakters bietet Joaquin Phoenix zwar gekonnt dar, er verweilt aber in einer zu statischen Figur. Am ehesten würde ich das dem Drehbuch zu Laste legen.

 

Die Kameraschnitte / Szenenfolge hingegen lässt sich sehen, wird sie doch genau so holprig inszeniert, wie die geschundene Psyche des Antihelden. Schnelle Schnitte, ruckartige Bewegungen, jedoch generell ruhige Bildmomente gleichen Kamera und Schauspieler aneinander an. Was passend abgestimmt wurde, wirkt dennoch immer wieder sperrig und lässt zwischen den Szenen, wie oben beschrieben, Lücken und vermisste Emotionen zurück. Speziell für den Subtext und die Charaktertiefe ist das sehr schade, bleiben hier doch etliche Punkte verschenkt. Krieg ist schlecht, Kinderpornografie ist böse. Das wars. Fertig. Leider. Ebenso in die Lücken zwischen den Schnitten fallen die Gewaltmomente, die bis auf wenige Szenen nur angedeutet werden oder im Offscreen verschwinden. Dabei vermisst man nicht die Gewalt selbst oder die Visualisierung des vergossenen Lebenssaftes, sondern die verpassten Aufnahmen des handelnden Retters, seine emotionalen Entgleisungen, Joaquin Phoenix Gesicht und was die gewaltvolle Situation mit ihm macht. Den großen Namen des Schauspielers auch in Nahaufnahmen, Details und prägnanten Bildmomenten einzufangen, bleibt auf der Strecke.

 

Die fehlende Tiefe in diesen Momenten wird versucht durch Rückblenden aufzufangen, die in die Vergangenheit als Soldat zurückspringen. Immer wieder werden kurze Sekunden eingeblendet, in wechselnden Schnitten zu einem weinenden oder verzweifelten Antihelden. Im Endeffekt lässt sich all das jedoch auf nur eine einzige Vergangenheitsszene reduzieren, die sich lediglich jedes mal um ein paar Sekunden verlängert. Da war ich dann doch sehr enttäuscht, was am Ende zu einer schlechten Identifizierung mit der Figur führte und so mein Mitgefühl für den Charakter, wie auch die emotionale Handlung stark gemindert hat. Weitgehend haben mich die Story des Filmes oder die Motivationen der Darsteller kalt gelassen. Und das bei einem so brisanten Thema...

 

Musikalisch kann ein gelungen ausgewählter Score überzeugen, der die psychisch zerrissene Atmosphäre mit elektronischem Ambient-Sound und stellenweise hektischem Beat untermalt. Zur Spannung trägt das nicht bei, jedoch zeitweise zur Dramatisierung des Hauptcharakters. Hier ist klar ersichtlich, dass es sich um ein Drama handelt, statt um einen Thriller, wie es der Trailer noch suggeriert haben könnte.

 

Im Fazit offenbart sich „You were never really there“ als ein sehr sperriger Film, der einige sehr intensive Gefühlsdarstellungen zu bieten hat, aber in seiner Kameraarbeit und der löchrigen Szenenabfolge immer wieder stört und patzt. Der emotionalen Intensität und Spannung ist das nicht dienlich. Musikalisch kann dies jedoch leicht abgefangen werden. Ein weiteres großes Plus ist Joaquin Phoenix, der in seiner physischen Präsenz und seiner melancholisch-sympathischen Art den Film rettet. Denn mit einem anderen Hauptdarsteller wären wir nicht mehr im Mittelmaß, sondern bei einem ziemlichen Flop. Aber da zeigt sich die Klasse eines guten Charakterdarstellers und was er vom sinkenden Schiff noch zu retten vermag.

Die Vergleiche zu filmischen Vorbildern, allen voran Taxi Driver, aber ebenso Bad Lieutenant, kann man zwar in der Inszenierung erkennen, aber definitiv nicht erreichen. Hier muss der Film sein Haupt beugen und sich hinten anstellen, denn diese Klasse kann er nicht erreichen, auch wenn es auf den Plakaten so beworben wurde. Nunja, mit großen Namen um sich zu werfen, vermarktet sich halt besser. Deshalb gibt es von mir trotzdem nur 6 Punkte und einen enttäuscht dreinschauenden Blick auf den Abspann, den ich dank des gelungenen Score noch ein wenig laufen und einwirken lasse.

6/10
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Kommentare

11.06.2018 06:16 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 6
Erfahrungspunkte von Nubret 455
Interessant, mal eine andere Meinung zu hören. Ich lehne mich entspannt zurück und warte einfach ab, bis er irgendwann über meine Mattscheibe flimmert.

Die Besprechung ist kompetent und unterhaltsam wie gewohnt.

11.06.2018 07:49 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 11.260
Das nenne ich doch mal einen deutlichen Kontrast zur Lobeshymne aus der Waldhütte.
Ich gehe davon aus, dass mein Eindruck vom Film irgendwo dazwischen liegen wird.

11.06.2018 08:18 Uhr - tschaka17
1x
User-Level von tschaka17 7
Erfahrungspunkte von tschaka17 724
Nach Ashs Lobeshymne war ich ziemlich gehypt, hab mir dann den Trailer angesehen und entschieden, doch nicht ins Kino zu gehen. Werde also warten, bis das Ding günstig zu haben ist für Zuhause. Rezi ist sehr ehrlich, mal schauen, welche Meinung ich persönlich später teilen kann.

Sehr gute Arbeit!

11.06.2018 11:42 Uhr - naSum
User-Level von naSum 11
Erfahrungspunkte von naSum 1.864
Danke euch dreien.

Ich war anfangs unschlüssig ob der Film einfach polarisiert oder ich die falsche Stimmung hatte, bin aber zu dem lange reflektierten Schluss gekommen, dass er einfach versucht etwas kunstvolles zu sein, was er nicht ausfüllen kann.

Aber bin gespannt auf eure Meinungen und Wertungen.

11.06.2018 16:30 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 8
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 956
Das ist natürlich schade, dass der dich nicht so umgehaut hat, in deiner strengen Wertungsskala ist eine 6 aber ja durchaus in Ordnung. Musste Anger ja auch über sich ergehen lassen;-)

Ich finde im Übrigen, dass deine Kritikpunkte ja grade den Reiz des Films ausmachen. Außerdem kann ich mich mit diesem coolen Typen auf dem Plakat einfach total identifizieren, aber ich bin eben auch so ein Racke Rauchzart;-)

11.06.2018 19:49 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 13
Erfahrungspunkte von Punisher77 2.562
Sehr interessante, umfassende Kritik und ein ebenso interessanter Kontrast zu all den Lobeshymnen, die schon auf den Film gesungen wurden. Das macht noch gespannter auf die irgendwann folgende eigene Sichtung.

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