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Necron
Level 4
XP 226
Eintrag: 08.07.2018

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Suspiria

Herstellungsland:Italien, Deutschland (1977)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Dario Argento's Suspiria
Suspiria - In den Krallen des Bösen

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,42 (103 Stimmen) Details
inhalt:
Die junge Ballett Tänzerin Suzy kommt aus den USA nach München, um dort an einer angesehenen Schule Tanz zu studieren. Als sie dort ankommt, beobachtet sie ein junges Mädchen, das aus der Schule flieht, um dann aber später in der eigenen Wohnung auf mysteriöse Art und Weise ermordet zu werden. Doch auch Suzy kommt die Schule zunehmend merkwürdig vor. Die Lehrerinnen führen ein hartes Regiment, nachts hört man seltsame Geräusche und etwas schleicht nachts durch den Schlafsaal. Suzy forscht den merkwürdigen Vorgängen nach und findet langsam aber sicher heraus, dass das Haus an sich eine unheimliche Geschichte hat und eine dunkle Macht beherbergt.
eine kritik von necron:

In meiner eigenen Welt lebend, aufgebaut auf den Säulen meines Verstandes, entscheide ich durch die Auswahl des richtigen Pinsels, ob ich breite Striche oder enge Linien ziehen möchte. Eine schier unüberschaubare Palette an Farben welche mir dabei zur Auswahl stehen. Es ist dabei meine Entscheidung alleine, ob ich original Farbtöne verwende oder stattdessen mir lieber meine eigenen Farben mische. Verschiedene dünne Layer übereinander, an unterschiedlichen Einzelfarbtönen, ergeben dabei ebenso etwas völlig neues und ermöglichen mir zudem genau die Farbübergänge zu bekommen, die ich sehen möchte. Die einzige Grenze ist meine eigene Vorstellungskraft. Ich berausche mich dabei sowohl innerhalb des Schaffensprozesses, wo das, hoffentlich bald fertige, Werk, vor meinen Augen, Stück für Stück Gestalt annimmt. Dieses dann, wenn fertig gestellt, mit anderen zu teilen ist eine große Freude. Abschließend sei noch erwähnt, das ich leuchte Farben, knallige Effekte und Kontraste im Rahmen eines comichaften Looks, immer dem realitätsnahen Stil vorziehe.

- Necron

 

„Suspiria“ mittlerweile über 40 Jahre alt, ein Film von Regisseur / Altmeister / Legende Dario Argento (Rosso – Farbe des Todes) und als audiovisueller Kultfilm bekannt, mit dem sich Argento mehr oder weniger ein Denkmal gesetzt hat. Die eigentliche Geschichte ist dabei weniger Horror, als ein Märchen für Erwachsene, in dem ein junges Mädchen aus Amerika (fish out of water) an einer Ballettschule in Freiburg in einen surrealen Albtraum gerät, so wie damals Alice, die in den Kaninchenbau stürzte. Die Vorlage vom Schriftsteller Lewis Carroll diente neben anderen Kindheitsmärchen zudem Argento ganz bewusst als Inspiration für sein eigenes Werk. Und das sieht man dem fertigen Film auch an. Dazu später aber noch mehr.

Dieser mystische Grundton an Story baut auf eine nicht allzu detailliert ausgerollte Hexengeschichte auf, welche später, nach Suspiria, noch im Rahmen einer Trilogie (Der drei Mütter) weiter ausgerollt worden ist. Suspiria ist somit der erste Teil dieser Trilogie, auch wenn sich in diesem ersten Teil noch keine wirklichen Bezüge zu den beiden späteren Filmen finden. Die Hexen an sich werden nicht als arme unschuldige, wie missverstandene Frauen aus dem Mittelalter dargestellt, die zu Unrecht auf den Scheiterhaufen der Inquisition landeten, sondern stattdessen als machtbesessene Individuen, die anderen Menschen schlechtes wollen. Man kann dies bereits als erste Metapher auf den heutigen Raubtierkapitalismus sehen, wo die Kannibalisierung eines Geschäftes auf Kosten der anderen, um den eigenen Reichtum zu mehren, „best practice“ ist. Die nochmal eigene Welt der Ballettschule stellt in diesem Rahmen betrachtet dann eine Anspielung da, auf die heutige Leistungsgesellschaft, in der man zu funktionieren hat, bis zum Umfallen, was im Film noch einmal möglichst plakativ in einer entsprechenden Szene zum besten gegeben wird.

Ach, ich schweife schon wieder ab, die Review bis hierher weniger als ein Schatten, als das was ich eigentlich bezwecken möchte. Am liebsten würde ich über diesen Film in 3D schreiben, aber das 2D Medium der Worte und Buchstaben muss dann wohl oder übel doch ausreichen.

Dario Argento hat zweifelsohne viel gewagt und meiner Meinung nach umso mehr gewonnen. Sein Werk stellt eine audiovisuelle Konditionierung des Zuschauers da, was in ein Erleben und Eintauchen in eine andere Welt mündet. Geschickt unterschwellig vorangekündigt mit dem deutschen Blinden Schäferhund im Film, was ich allerdings später erklären muss, hierfür ist es jetzt noch zu früh. Vorab ein bisschen Technik Geschwafel. Zum Filmen wurde ein sehr spezielles Setup benutzt. Eastman Camera Negative Stock 5247 und Technicolor Druckverfahren, um vereinfacht gesagt die starken und fast poppig wirkenden Primär Farben im Film zu erzielen. Dadurch wird der visuelle Aspekt des Films bewusst überstrapaziert, um dem Zuschauer mit leuchtend intensiven blau, rot und grün Tönen zu bombardieren, welche eine Vielzahl von Einstellungen dominieren, was den einzelnen Szenen mehr den Anstrich eines gemalten Pastellfarben Gemäldes, als eines realen Bildes verleiht. Alleine dieser überaus gewiefte, wie kalkulierte Trick würde ausreichen um den Film aus dem Sumpf eines Horror Films (was er nicht ist, viel eher Mystery) in den Olymp der zeitlosen Meisterwerke zu katapultieren. Wir wähnen uns somit als Zuschauer instinktiv wieder in unsere Kindheit zurückversetzt, gedankenverloren blätternd in einem farbenfrohen Märchenbuch, bestehend aus auf den Punkt genau komponierten Darstellungen wundersamer Dinge. Dort wo die Magie noch überall ist und die triste Erwachsenenwelt bisher nicht marodierend ihren Einzug gehalten hat. Ein letzter Rückzugsort, für Phantasie, Kreativität und Freiheit. Doch damit nicht genug. Denn obwohl ich als bewusst visueller Mensch von diesen Bildern bereits mehr als beeindruckt worden bin, hat die Audio Komponente mir schließlich ganz den Kopf verdreht. Keine Angst, wir komme dann noch zu der oben bereits angedeuteten „audiovisuelle Konditionierung“.

Die italienische Rockband „Goblin“, welche sich witziger Weise extra für die Zusammenarbeit mit Argento erst in Goblin umbenannt hatten, steuert in enger Zusammenarbeit mit  Argento (beide Parteien hatten zuvor bei einem anderen Werk bereits zusammengearbeitet) einen instinktgetrieben, fast animalisch anmutenden Cocktail aus psychedelischem, treiben Rock Orchester bei. Keine Frage, die Musik ist plakativ und wird ebenso plakativ eingesetzt. Doch das soll an dieser Stelle keine Kritik sein, denn auf den Gesamtkontext kommt es dabei an. Die oben beschriebenen Farbbomben, welche sich unaufhörlich in die Netzhaut des Zuschauers brennen, die fulminanten Kamerafahrten, welche Argento typisch sehr verspielt und beweglich daherkommen, vermischen sich wie selbstverständlich mit diesem über alle Maßen treibenden Film Score. Die audiovisuelle Konditionierung nimmt ihren Lauf. Wie bereits Alice im Wunderland stolpert man somit, sorry, wird eher gestoßen, in diese surreale Version eines (Alb)Traums. Was man da sieht ist faszinierend und Neugier ist der Katze tot. Wir wissen, wir sollten lieber umkehren, doch können wir das nicht. Unser Pulsschlag geht nach oben, im wummernden Takt der Trommeln. Wir wissen dass etwas passieren wird. Doch gleichzeitig lassen wir uns hineinziehen. Treiben fast so darin hinfort. Unwissentlich wie unterbewusst, werden wir dabei wie die Hauptprotagonistin, immer tiefer und tiefer in den Kaninchenbau gezogen. Auf gleich mehreren Ebenen (Layern) sind wir wie der deutsche Blinden Schäferhund konditioniert. Zuerst sind wir noch, aufbauend auf unsere Basiskonditionierung aus Erlerntem, wachsam und misstrauisch, dagegen ankämpfend und um uns beißend. Doch ab einem gewissen Punkt akzeptieren wir den wohligen Mantel düsterer Kräfte als das Unvermeidbare, was uns an das Ende des Liedes bringt, bar jeden Ausgangs. Das ganze passiert dabei in den jeweiligen Szenen dermaßen langatmig ausgerollt, das es wie die heilende Gegenthese wirkt, zu der heutigen Unsitte aka Jump Scares, was geradezu ein Genuss ist, diesem Ereignis beiwohnen zu dürfen.

Ich kann das hier nur noch einmal unterstreichen. Diese audiovisuelle Konditionierung ist eine Wucht, geradezu ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Wie gebannt muss man dabei selbst aberwitzige Szenen, wie die hochkompliziert geschnittene (Schnitt / Gegenschnitt, immer wieder hin und her) Tötungsszene der ikonischen, blutig hängenden Frau verfolgen. Gewalt dient hier dennoch keinen plumpen, sich aufgeilenden Schauwerten, sondern ist vielmehr eine weitere, fast liebevoll eingewobene Note an Poesie, die dieses Werk durchzieht. Die paar Gewaltspitzen sind zwar selbst nach heutigen Sehgewohnheiten eher hart, aber in diesem phantastischen Kontext eingebettet völlig einer FSK 16 angemessen.

Ach, ich rede und rede und habe bisher noch gar kein Wort zu den eigentlichen Darstellern verloren. Fail? Nun, zu meiner Verteidigung, also „Darsteller“ in den Werken von Argento muss man wie so ziemlich alles andere auch, nach wie ich finde anderen Maßstäben bewerten. Die Erzählweise oder sagen wir besser die Idee, wie Argento da voranschreitet, entzieht sich Schablone F Maßstäben. Die Darsteller fügen sich dabei wie eine weitere Note in seine Gesamtkomposition ein, aber sind dabei nie so im Vordergrund stehend wie in anderen Filmen üblich. Denn isoliert betrachtet ist die teils plakativ gespielte, wie gestenreiche Darstellung von Emotionen sehr nah am Overacting. Ja ok, der Film ist 40 Jahre alt, aber dennoch, was da in einigen Szenen dem Zuschauer geboten wird, hat eher Slap Stick Niveau, „wenn“ man es jetzt auf die Goldwaage legen würde. Jessica Harper (Minortiy Report) als leicht naive Hauptdarstellerin der jungen Suzy ist dabei noch am lobendsten zu Erwähnen und die Hauptlast des Films, von Darsteller Seite aus betrachtet, liegt ohne jeden Zweifel auf ihren Schultern. Auch ein Udo Kier (Hexen bis aufs Blut gequält) sei an dieser Stelle einmal loben erwähnt, wenn auch nur in einer Klitzekleinen Nebenrolle. Seinen wie gewohnt stechenden Blick erkennt man sofort wieder. Joan Bennett (Moby Dick) ist auf der einen Seite gestandene Qualität einer Schauspielerin, in Sachen Ausstrahlung und Integrität, auf der anderen Seite ist ihr Overacting (z.B. Der Ausraster beim Klavierlehrer) eher nervig und wirkt bisweilen deplatziert. Dennoch, wir üben hier Kritik auf hohem Niveau. Aber ansprechen wollte ich es dennoch einmal der Fairness halber.

Ganz kurz vor der 10/10, würde ich wegen den Abzügen in der B-Note bei den Darstellern und deren teils durchwachsenen Dialogen, eine ganz starke 9/10 an düsteren Träumen vergeben. Der Film ist so oder so Kult, wie Meilenstein des Genres. Da passt das schon.

9/10
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10/10

Kommentare

08.07.2018 16:02 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 6
Erfahrungspunkte von Nubret 567
Tolle Arbeit, gespickt mit interessanten Aspekten!

Gerne mehr davon.

08.07.2018 17:33 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 12
Erfahrungspunkte von dicker Hund 2.173
Kein Wort zu dünner Story, naivem Hexenhorror und klobigen Effekten - dann würde es auch bald nicht mehr wie eine 9 klingen;-)

Aber das Audiovisuelle aus Farben und Klängen ist ja wirklich stark und zu Recht hervorgehoben. Bin wertungstechnisch niedriger dabei, hatte aber Spaß beim Lesen.

08.07.2018 20:57 Uhr - Necron
2x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 226
Cool, freut mich das euch der kleine Lesespaß gefallen hat :)

@Nubret
Bzgl. mehr davon, mal gucken was sich da zeitmäßig einrichten lässt...

@dicker Hund
Sehr gutes Beispiel dafür, das gerade bei diesem doch sehr speziellen Film jeder eine etwas andere Sichtweise drauf haben dürfte.

08.07.2018 22:53 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 8
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 977
Ich lieeeeeebe Hexen, ich muss es immer wieder sagen. Eine 9 ist für mich zwar ein Sakrileg, aber immerhin noch gut genug;-) Sehr persönliche und kreative Kritik, deinen Prolog mag ich sehr und dein Eingehen auf die visuelle Ebene. Ich bin allerdings auch von der immer so dünn kritisierten Story überzeugt, weil ich die gar nicht dünn finde, sondern unglaublich breit. Aber das ist eine längere Geschichte. Die Darsteller sind vielleicht nicht Weltklasse, aber die Mädels sind doch schnuckelig und Udo, Jessica, Joan und Rudolf eh großartig.

Ave Venefica!

PS: ich mag übrigens auch die fledermaus (aber pst, kleingeschrieben, nicht weitersagen;-)

09.07.2018 18:18 Uhr - Necron
1x
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Erfahrungspunkte von Necron 226
@TheRealAsh
Cooles Feedback vom Hexen Liebhaber ;)
Genau so muss es sein :)

17.07.2018 17:42 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von cecil b 5.554
Deine Rezension trifft meiner Meinung nach den ungewöhnlichen, lyrischen Stil dieses seltsamen Meisterwerks SUSPIRIA nur positiv!

Ja, man hätte..... aber musste es nicht. Sehr kreative Vorgehensweise, die bei einem Argento sehr gut passt!

Hab den Film mit einer kleinen Gruppe im Kinos sehen können. Die eine Hälfte schlug die Hände auf die Stirn, die andere schaute sich SUSPIRIA an, als ob sie aus einem Raumschiff heraus auf die Sonne schauen. :)

17.07.2018 19:36 Uhr - Necron
1x
User-Level von Necron 4
Erfahrungspunkte von Necron 226
Das freut mich besonders, das dir meine Herangehensweise zu diesem recht speziellen Film zu gefallen weiß. :)
Ich finde es immer wieder reizvoll, mich an so einer Review abzuarbeiten, wenn das Thema einiges hergibt.
Aber da muss ich dir ja nichts erzählen, denn du scheinst bei deinen Reviews da ebenfalls ein Faible für zu haben ;)

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