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Ender's Game - Das große Spiel

Originaltitel: Ender's Game

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction
Alternativtitel:Enders Game
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,64 (11 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

In einer Welt der Zukunft, in der die Erde von Aliens bedroht wird, sucht das internationale Militär verzweifelt nach einem militärischen Genie, dem es gelingen kann, die überlegene Flotte des übermächtigen Gegners zu besiegen. Dazu rekrutiert Commander Mazer Rackham (Ben Kingsley) potentielle Kandidaten bereits im Kindesalter, um sie in einer Militärschule im All isoliert auf den Kampf gegen die Außerirdischen vorzubereiten. Trainiert werden die Kinder vom hochdekorierten Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford), der immer auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger für den legendären Commander Mazer Rackham ist. Unter den Kindern ist auch Andrew "Ender" Wiggin (Asa Butterfield), ein ganz normaler Junge. Schon in kürzester Zeit meistert er die kompliziertesten und schwierigsten Aufgaben im Kampfsimulator und beweist großes strategisches Geschick. Plötzlich ruhen alle Hoffnungen auf die Rettung der Erde auf den Schultern dieses schüchternen und verschlossenen Jungen, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine normale Kindheit. Wird die Rechnung des Militärs aufgehen? Oder wird das Kind unter der Last des Drills, der Einsamkeit und der Verantwortung zerbrechen? (Constantin Film)

eine kritik von norminator:

Anm.: Ich habe die Bücher zum nachfolgendem Film nicht gelesen und kann/werde deshalb keinen Bezug dazu nehmen

 

Wollen wir mal böse sein? Was macht man, wenn man keine eigenen Ideen mehr für ein Drehbuch hat? Dann schaut man einfach in dem recht ähnlichen Sektor der Romane und bedient sich eben dort. Und sind wir doch mal ehrlich: manche Bücher schreien ja gerade zu danach verfilmt zu werden. Ob das dem einen oder anderen Autoren beim schreiben des Romans bewusst ist? Jedenfalls fanden so unzählige Werke von Stephen King (Shining, The Green Mile), John Grisham (Die Firma, Der Klient) oder bspw. auch die Hobbit und Der Herr der Ringe Reihe von J.R.R. Tolkien ihren (beim einen mehr beim anderen weniger) wohlverdienten Weg auf die Kinoleinwand. So lief es auch bei der Military-Science-Fiction-Roman-Reihe von Orson Scott Card. Dieser schrieb ab 1985 (bis 2008) unter Anderem die „Ender-Serie“, wobei das erste Buch den Namen „Das Große Spiel“ trägt. Und genau dieses Buch nahm sich Gavin Hood (X-Men Origins: Wolverine) an, um daraus einen Film zu machen. Wer die Bücher kennt bzw sich ein wenig mit ihnen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass sie einerseits sehr erfolgreich waren/sind und zum Anderen sich tatsächlich dafür eignen auf die große Leinwand verbannt zu werden. Dennoch beinhaltet so eine Adaption auch immer ein großes Risiko. Hinter solch Entscheidungen wie bspw. „Was verändere ich?“ oder „Was kann man weglassen?“ steht immer eine recht große Fanbase, die abgöttisch ihren Roman verteidigt und damit noch so jede kleine Änderung äußerst skeptisch gegenübersteht, wenn sie es nicht gleich von Anfang an verteufelt. Aber die Leserschaft ist nun mal ein anderes Publikum, als die Filmzuschauer. Was auf dem Papier noch grandios wirkt, kommt auf der Leinwand gar nicht so euphorisch rüber. Allein die Dramaturgie ist auf der Leinwand eine ganz Andere. Somit kommt man meist nicht umher, einige Passagen aus dem Buch eben umzuschreiben oder sie gar zu kürzen. Eben auch, um eine gewisse Spielzeit des Films zu bewahren bzw nicht zu überschreiten. Doch Hood wollte eben nicht nur das Drehbuch schreiben, sondern gleich auch die Regie übernehmen. An und für sich keine schlechte Idee. Hatte er mit dem ersten „Wolverine“-Ableger doch recht solide Arbeit geleistet und sogar einen Erfolg abgeliefert. Aber kann er sich auch bei einer erfolgreichen Romanreihe behaupten? Jein!

 

An und für sich macht er einen recht ordentlichen Job. Während andere „großspurige“ Regisseure den Film audiovisuell bombastisch aufgezogen und in allen Bereichen übertrieben hätten, konzentriert sich Hood aufs Wesentliche. Er lässt die Handlung sich entfalten und seine Charaktere entwickeln. Aber: Das geschieht viel zu hastig! Ender wird, gefühlt, im Minutentakt befördert. Nebencharaktere werden eingeführt, da sind sie auch schon wieder weg und generell scheint es so, als fällt Ender einfach alles in den Schoß. Hier wäre eine längere Laufzeit definitiv angebracht! Zum letzten Punkt: Von Anfang an wird einem eingetrichtert, dass Ender der „Auserwählte“ und allem Anschein nach übermäßig intelligent ist. Gut, okay. Aber seine Mitstreiter und/oder Widersacher werden insoweit nur bis zu dem Punkt aufgebaut, wo sie Ender helfen oder eben im Weg stehen und da übertrumpft er sie auch schon. Es wird dem Zuschauer nahezu aufs Auge gedrückt, inwieweit Ender in seiner eigenen Liga spielt. Niemand scheint ihm gewachsen. Zugegeben. Hie und da werden Momente eingebaut, in denen er mal „strauchelt“ und dann eben doch wieder kindlich bzw verletzbar erscheint. Aber im Großen und Ganzen kann ihm nichts und niemand das Wasser reichen. Was schade ist. Etwas mehr Menschlichkeit bzw menschliche Abgründe hätten dem Charakter sehr gut getan. Einige werden im Film zwar angedeutet. Ist summa summarum aber zu wenig. Dennoch macht sein Schauspieler Asa Butterfield (Der Junge im gestreiften Pyjama, Hugo Cabret) im Prinzip Alles richtig. Ob Wut, Angst, Trauer oder Selbstsicherheit, Butterfield weiß mit Allem umzugehen und überzeugend auf die Leinwand zu bringen. Dazu strahlt er, trotz körperlichen „Einschränkungen“, eine enorme Präsenz aus und wird dadurch zurecht zur Hauptfigur. Da hat sogar Schauspiellegende Harrison Ford (Indiana Jones, Blade Runner) das Nachsehen. Die Figur des Col. Graff bietet der damals 71-jährigen Mime kaum Herausforderungen. Auch er darf zwar in winzigen Momenten zeigen, dass er an sich selbst bzw seinen Entscheidungen zweifelt, bleibt aber ansonsten, wie beim Militär üblich, starr und autoritär. Leider gelingt es ihm aber nicht deutliche Akzente zu setzen. Seine Figur ist weder Fisch noch Fleisch. Ist er jetzt eine Art Vaterfigur, die, trotz Strenge, nur das Beste für seine(n) Schützling(e) will oder ist er die über Alles erhabene Autoritätsfigur, die Befehle über alles Andere stellt? Somit fährt Ford bzw Graff lediglich Sympathiepunkte durch seinen Bekanntheitsgrad ein, nicht durch seinen ausdrucksstarken Charakter. Als dritter Hauptdarsteller wird, zumindest laut Filmposter/-cover, Ben Kingsley (Iron Man 3, Schindlers Liste) suggeriert. Gewissermaßen ist seine Figur Mazer Rackham eine Schlüsselfigur für die Geschichte. Aber zum einen tritt er, für einen angeblichen Hauptdarsteller, erst im letzten Drittel des Films auf und zum anderen hat er dabei, logischerweise, so wenig Screentime, dass er doch mehr wie ein Stichwortgeber oder eine Art Stütze rüberkommt. „Du warst da. Hast deinen Text untergebracht. Danke für eine weiteren recht bekannten Namen“. So könnte man es grob zusammenfassen. Sein Spiel ist dabei, figurenbedingt, noch ausdrucksloser als die der gegnerischen Alienrasse. Und die haben nicht mal ein Gesicht – glaube ich. Von den Nebendarstellern darf man leider auch nicht all zu viel erwarten. Sie machen zwar eine recht passable Figur, aber von Viola Davis (Prisoners, Suicide Squad), Abigail Breslin (Zombieland, Maggie) oder Nonso Anozie (Game of Thrones, Pan) sticht gerade mal noch so Hailee Steinfeld (True Grit, Pitch Perfect 2 & 3) positiv hervor. In erster Linie ist sie Enders heimliche Geliebte und/oder Beschützerin; diese Rolle spielt sie zwar auch recht annehmbar, hat aber auch wieder, Screentime bedingt, zu wenige Momente, um wirklich zu überzeugen.

 

Keine Patzer hingegen erlauben sich die Abteilungen, die sich hinter der Kamera befinden. Aber wen wundert's? Sind diese doch mit Profis wie Donald McAlpine (Predator, Mrs. Doubtfire) bei der Kamera oder Zach Staenberg (Matrix Trilogie, Pacific Rim: Uprising) beim Schnitt besetzt. Somit ergeben sich formidable Bilder, die sich organisch mit den vielen (im übrigen sehr guten) Special Effects vereinen. Lediglich von der Musik bin ich nicht sonderlich angetan. Sie ist nicht schlecht, ganz und gar nicht. Aber es ist nicht ein einziges Stück dabei, wo man sagen kann das gehört zu „Ender's Game“! Indiana Jones, Rambo, Rocky, der Terminator, ja selbst der „weiße Hai“ hatten eine Musik, die untrennbar mit ihnen verbunden ist und wenn ein jener sie hört, eben sofort an den Film und/oder dessen Figur denkt. Bei Ender? Fehlanzeige! Schade drum. Ebenfalls enttäuschend ist, dass es keine Fortsetzung gibt. Der ganze Film ist irgendwie darauf aufgebaut, dass es noch weitergehen wird. Doch wie, das wird man (wahrscheinlich) nie erfahren. Es sei denn man liest natürlich die Bücher. Nachdem der Film nämlich an den Kinokassen floppte und auch generell eher unbekannt blieb, wurde erst mal von einem zweiten Teil Abstand genommen. Meiner Meinung nach, lag das aber auch vor Allem an dem miesen Marketing. Zumindest ich und auch eigentlich Alle meiner Freunde und Bekannte, haben rein gar nichts von dem Film, als er anno 2013 anlief, mitbekommen. Und gerade in der heutigen, digitalen Zeit, wo man ja fast stündlich mit neuen Teasern & Trailern bombardiert wird, sobald man YouTube oder meinetwegen Reddit startet, will das schon was heißen.

 

Fazit = Der Film macht vieles richtig. Eine recht originelle und trotz einer leichten Vorhersehbarkeit spannende Handlung. Sympathische, gut aufgelegte und teils recht bekannte Darsteller und audiovisuell perfekte Special Effects sorgen für einen kurzweiligen Science-Fiction-Film. Allerdings fehlt es dem Film unbestreitbar einfach an Laufzeit! Die Handlung wirkt gehetzt, die Figuren können sich nicht vollends entfalten und auch emotionale/dramatische Szenen bleiben dabei auf der Strecke, statt Akzente zu setzen. Fast könnte man meinen, der Film will zu viel, scheitert dabei aber an seinen eigenen Vorhaben. Letztendlich komme ich auch nicht herum, dass dem Film mindestens eine Fortsetzung fehlt. Die auf den hier gegebenen Ereignissen aufbauen und alles in Allem weiterentwickeln kann, damit es zu einem logischen und befriedigenden Ende kommt. Somit bleibt mir nur noch zu sagen, dass man den Film durchaus empfehlen kann, aber mit dem Hinweis nicht zu viel zu erwarten. 

7/10
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Kommentare

17.07.2018 13:49 Uhr - deNiro
3x
DB-Helfer
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Ich muss gestehen, dass ich den Film überraschender Weise ebenfalls recht unterhaltsam fand. Gehe mit deiner informativen Kritik deshalb absolut d'accord;))

17.07.2018 17:16 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Deine Reviews sind was feines. :)

18.07.2018 15:36 Uhr - Norminator
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Habt vielen, lieben Dank =)

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