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Punisher77
Level 13
XP 2.814
Eintrag: 07.08.2018

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Stadt in Panik

(Originaltitel: Paura in città)
Herstellungsland:Italien (1976)
Genre:Action

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (4 Stimmen) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                   STADT IN PANIK

Stadt In Panik ist ein Poliziottesco aus dem Jahr 1976, einer Zeit, in der der italienische Polizei/Gangsterfilm fest etabliert war und Streifen dieses Genres wie am Fließband produziert wurden. Stadt In Panik-Hauptdarsteller Maurizio Merli, das Genreaushängeschild schlechthin, trat im gleichen Jahr noch in zwei weiteren Poliziotteschi auf. In Stadt In Panik trat Merli unter der Regie von Giuseppe Rosati (Vier Teufelskerle,1973), der zusammen mit Giuseppe Pulieri (Die Linke Hand Des Gesetzes, 1975) auch das Drehbuch verfasst hatte, vor die Kamera. Neben Merli gehörten u.a. Silvia Dionisio (Andy Warhols Dracula, 1973), James Mason (20.000 Meilen Unter Dem Meer, 1954), Raymond Pellegrin (Sie Nannten Ihn Plattfuß, 1973) und Cyril Cusack (Fahrenheit 451, 1966) zur Besetzung des Films.

In Stadt In Panik bricht eine zwölfköpfige Verbrecherbande, angeführt von Lettieri (Raymond Pellegrin), aus dem Gefängnis aus und rechnet auf drastische Weise mit den Leuten ab, deren Aussagen die Schurken hinter Gitter brachten. Der überforderte Polizeipräsident Masoni (Cyril Cusack) sieht keine andere Lösung als den knallharten Kommissar Mario Murri (Maurizio Merli) einzuschalten, der in dem Ruf steht, erst zu schießen und dann immer noch keine Fragen zu stellen. Was der gestresste Masoni nicht weiß – Murri hat ein persönliches Interesse an Lettieri …

Wie eingangs erwähnt war der Poliziottesco in dem Jahr, in dem Stadt In Panik in die Kinos kam, bereits fester Bestandteil der italienischen Kinolandschaft und eine (vorübergehende) Gelddruckmaschine, weshalb Produzenten, Regisseure und Drehbuchautoren besonders darauf bedacht waren, den Genrefans das zu geben, wonach sie verlangten. Wer also einen originellen, innovativen Plot von Stadt In Panik erwartet, wird enttäuscht werden, da Giuseppe Pulieris Film eher eine Art „Best Of“-Show des italienischen Polizeifilms ist.

Das zeigt sich bereits in der Besetzung der Hauptrolle mit Maurizio Merli, der nach seinem Auftritt in seinem ersten Poliziottesco (Verdammte Heilige Stadt, 1975) zur Ikone des Genres avancierte und dessen Konterfei auf nahezu jedem Buch – und Soundtrackcover zum italienischen Polizei/Gangsterfilm abgebildet ist. Wie in vielen anderen Filmen des Genres auch, spielt Merli hier einen stahlharten Gesetzeshüter, der sich in seinen Methoden kaum von dem kriminellen Abschaum unterscheidet, den er massenhaft in die ewigen Jagdgründe befördert, und der innerhalb eines Systems voller liberaler Anwälte, Vorgesetzter und Soziologen operieren muss, das die Polizei eher behindert als unterstützt und den Verbrechern alle Rechte dieser Welt zuschanzt. Deshalb eine Warnung an alle liberalen Gemüter, die vorhaben, sich Stadt In Panik anzusehen – ihr braucht dazu ein verdammt dickes Fell. Als ginge es darum, alle anderen Genrebeiträge im Wettstreit um einen Law & Order-Filmpreis zu übertreffen, werden hier – in erster Linie von Merlis Kommissar Murri – erzreaktionäre Sprüche am laufenden Meter rausgehauen. Auf seine fragwürdigen Methoden angesprochen, erwidert Merli/Murri, dass man an seiner Stelle ja einen Priester engagieren könne, der die Verbrecher mit Gebeten zur Räson bringe. Zudem sind ihm Anarchisten, Kommunisten und liberale Staatsanwälte ein Gräuel, wie er unverblümt zugibt, und einem Gangster eine Kugel zwischen die Augen zu jagen, ist immer noch das wirksamste Mittel zur Verbrechensbekämpfung … so bleibt die Gesellschaft wenigstens vor den Unholden geschützt. Und obwohl ihn keiner so richtig mag – ohne Typen wie Kommissar Murri geht’s einfach nicht. Stadt In Panik fährt jedenfalls schwere inhaltliche Geschütze auf, weshalb man sich immer wieder vor Augen halten muss, dass der Poliziottesco auch ein Ventil gegen soziale Missstände in der italienischen Gesellschaft der Siebzigerjahre (Terror der Roten Brigaden, steigende Kriminalitätsrate, Korruption, ein oft als unfähig und ohnmächtig empfundener Staats – und Justizapparat etc.) war. Auch die Actionszenen bedienen sich typischer Poliziottesco-Elemente und in der Besetzung kann man auch das eine oder andere Genregesicht wiedererkennen.

Ist Stadt In Panik deswegen ein lauer Aufguss früherer Glanztaten, der durch seine inhaltliche Linie verärgert, oder doch ein guter, unterhaltsamer Genrestreifen?

Nun, wer über die bedenklichen Inhalte des Films, die es so ähnlich auch in (heute) allseits gefeierten Hollywoodklassikern wie Dirty Harry (1971) gibt, auf die sich der Poliziottesco ja beruft, hinwegsehen kann, bekommt mit Stadt In Panik einen guten Genrestreifen zu sehen, den man sich als Fan des Genres bedenkenlos ins Regal stellen kann, auch wenn es – das soll nicht verschwiegen werden – auch bessere Poliziotteschi gibt.

Mit Maurizio Merli hat man den richtigen Mann für die Rolle des ruppigen Kommissar Murri engagiert. Der härteste Schnurrbartträger des italienischen Genrekinos stellt hier einmal mehr unter Beweis, warum er zum Vorbild des zupackenden italienischen Kinobullen geworden ist – besonders in den Actionszenen und den Momenten, in denen er sich mit seinem verweichlichten Vorgesetzten (Die Ohnmacht angesichts Merlis/Murris Eskapaden nimmt man Cyril Cusack hundertprozentig ab) und dem aalglatten Staatsanwalt (Überzeugend: James Mason) auseinandersetzen muss, kann Merli punkten. Auf der Gegenseite steht mit Raymond Pellegrin vielleicht nicht der allerfieseste Schurke des Genres, aber eben weil er nicht so überdämonisiert in Erscheinung tritt wie mancher (Film)Mafioso, wirkt seine Darstellung ebenso abwechslungsreich wie die Tatsache, dass sich der von Maurizio Merli dargestellte Commissario nicht nur durch den Film prügelt und ballert, sondern tatsächlich auch echte Ermittlungsarbeit leistet.

Apropos prügeln und ballern: Stadt In Panik verfügt über einige hervorragende Actionszenen, die von Regisseur Giuseppe Rosati kompetent in Szene gesetzt wurden. Das gilt besonders für die rasante Motorradverfolgungsjagd und die Schießerei auf dem Friedhof. Auch der Showdown auf dem Bahnhof ist nicht von schlechten Eltern. In der Inszenierung der Schießereien und Verfolgungsjagden ist Rosati nicht zimperlich vorgegangen. So wird menschliches Leben hier überwiegend mitleidlos und kaltschnäuzig ausgelöscht (Der Commissario pustet auch gern mal das Lebenslicht unbewaffneter, bzw. wehrloser Gangster aus) und blutige Einschüsse werden oft in Nahaufnahme zelebriert – wie es sich für einen dreckigen, harten Poliziottesco gehört.

Aber auch abseits der Actionszenen kann man Rosati wenig vorwerfen. Der Gefängnisausbruch ist – nach dem Abspann des Films und bei Lichte betrachtet – äußerst unspektakulär, wurde aber trotzdem spannend und mit viel Sinn für Atmosphäre inszeniert – die ersten Momente des Films erinnern gar an einen Gothic Horror-Streifen italienischer Prägung.

Was den Film allerdings ein wenig ausbremst, ist die – ziemlich unpassende – Romanze, die Merlis Kommissar mit der von Silvia Dionisio dargestellten Zeugin Laura Masoni hat. OK, wer würde nicht gern eine Beziehung mit der bildhübschen Silvia Dionisio eingehen, nur wirkt es etwas unglaubwürdig, dass ein so harter Knochen wie Murri überhaupt Sympathien für ein weibliches Wesen (oder überhaupt ein Wesen) empfinden könnte. Murris reaktionäre Sprüche mögen ärgerlich sein, aber noch ärgerlicher ist dieser Subplot um Dionisio/Masoni, da er den Film ausbremst, für so manche Länge und eine ekelerregend kitschige Strandszene sorgt, so dass man erleichtert aufatmen möchte, wenn wieder die Schusswaffen sprechen.

Dieses Manko wird (fast) wieder ausgeglichen durch die unfreiwillige Komik, die sich durch das wahnsinnig übertriebene Product Placement im Film ergibt. Es gibt keine Szene, die nicht durch ein Poster, einen Aufkleber oder einen Kalender für irgendeine damals angesagte Genussmittelmarke wirbt. Besonders die Marken Marlboro und Fernet Branca werden so aufdringlich präsentiert, dass es selbst einem Blinden auffallen müsste. Jede Packung Marlboro wird so gehalten, dass man auch ja das Label erkennen kann und Büros und Busse sind in Stadt In Panik geradezu dichttapeziert mit Stickern und Postern der Marke Fernet Branca.

Stadt In Panik ist vielleicht nicht der beste Poliziottesco, der je das Licht einer Leinwand oder das Innere eines DVD/Blu Ray-Players erblickt hat – so manche im Film getätigte Aussage mag nicht jedermanns Geschmack treffen und die Romanze zwischen der männlichen und der weiblichen Hauptfigur ist aufgesetzt und zeitraubend. Aber abgesehen davon bekommt man einen weit überdurchschnittlichen, harten Poliziottesco zu sehen, der im Grunde alles hat, was man sich von einem solchen Film wünscht. Vielleicht nicht als Einsteigerfilm geeignet, aber Fans des italienischen Polizeifilms dürften hier definitiv auf ihre Kosten kommen.

7-8/10

 

8/10
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Kommentare

08.08.2018 00:15 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.082
Sehr schön, Puni, auch mal wieder unterwegs und dann gleich mit der Eurocrime-Box. Da bin ich auf Convoy Busters und Gewalt über der Stadt gespannt. Und vor allem noch auf das Review zur Doku. Ich muss mir die jetzt auch bald mal holen, hört sich mit allen von dir beschriebenen Einschränkungen trotzdem sehr unterhaltsam an.

08.08.2018 09:08 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 12
Erfahrungspunkte von dicker Hund 2.426
Schön epische Besprechung eines Subgenrebeitrages aus Expertenhand. "Stadt in Panik" klingt nach zweiter, aber immer noch guter Reihe.

08.08.2018 12:05 Uhr - hockeymask86
1x
Schöne Review. Die Box wo er enthalten ist muss ich mir noch besorgen. Wie findest du denn die Tonspur von Stadt in Panik? Bei Dirty Pictures kommt die ja sehr schlecht weg.

08.08.2018 18:39 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 8
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Kompetent vorgestellt..freue mich schon auf Deine Besprechung von "Gewalt rast durch die Stadt" aka. "Verdammte heilige Stadt", die wohl sicher bald folgen wird, gelle?

Den find ich nämlich sehr gut!

08.08.2018 22:09 Uhr - Punisher77
1x
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@Alle:
Vielen Dank für Eure netten Kommentare zu meiner Kritik!

@Dicker Hund:
Das ist gut ausgedrückt.

@Hockeymaske86:
Nun, ich kenne nur die italienische Tonspur. Die ist ok, aber sicher nicht perfekt.

@Nubret:
"Gewalt Rast Durch Die Stadt"/"Verdammte heilige Stadt" ist nicht in der Box enthalten und da ich den Film nicht besitze, wird es mit einem Review leider nichts.

09.08.2018 06:13 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 8
Erfahrungspunkte von Nubret 862
Vielleicht übernehm ich das..irgendwann.

09.08.2018 08:19 Uhr - Punisher77
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 13
Erfahrungspunkte von Punisher77 2.814
Würde mich sehr interessieren :-).

09.08.2018 17:40 Uhr - Nubret
User-Level von Nubret 8
Erfahrungspunkte von Nubret 862
Schau mer mal.

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