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Tödliche Nähe

(Originaltitel: Striking Distance)
Herstellungsland:USA (1993)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Three Rivers
Tödliche Nähe - Striking Distance
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,94 (16 Stimmen) Details
inhalt:
Der Frauenmörder von Pittsburgh ist gefaßt. Bürger und Polizei atmen auf. Doch Officer Hardy (Bruce Willis) vom Morddezernat hat seine eigene Theorie: Der Falsche sitzt hinter Gittern, der Serienkiller muß, nach allen Indizien, ein Cop sein! Hardy, der Cop mit der großen Klappe, wird zur Wasserschutzpolizei strafversetzt. Zwei Jahre vergehen, bis erneut reihenweise junge Frauen in Pittsburgh bestialisch ermordet werden. Stets in Hardys Revier, alles Mädchen aus seinem engsten Umfeld...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                               TÖDLICHE NÄHE

Seit Bruce Willis mit Stirb Langsam (1988) der endgültige Durchbruch gelungen war, konnte man seine Karriere nur als „wechselhaft“ bezeichnen. Während Stirb Langsam 2 (1990) oder die Komödie Der Tod Steht Ihr Gut (1992) an den Kinokassen abräumten, musste Willis auch eine Reihe von Flops wie z.B. Fegefeuer Der Eitelkeiten (1990), Hudson Hawk (1991) oder Billy Bathgate (1991) hinnehmen – selbst ein als sicherer Hit gehandelter und heute als Klassiker bezeichneter Actionfilm wie The Last Boy Scout (1991) blieb weit hinter den finanziellen Erwartungen zurück. Trotzdem suchte Willis – nach einem Cameo in der Actionkomödie Loaded Weapon (1993) – einmal mehr sein Heil in dem Genre, das ihn über Nacht zum Star gemacht hatte.

Der Film, der ursprünglich The Three Rivers hieß, wurde mit einem Budget von 30 Millionen Dollar von Rowdy Herrington (A Murder Of Crows – Diabolische Versuchung, 1999) in Pittsburgh gedreht. Neben Bruce Willis gehörten namenhafte Nebendarsteller wie Dennis Farina (1944 – 2013 / Cusack – Der Schweigsame, 1985), Tom Sizemore (Der Soldat James Ryan, 1998), Brion James (1945 - 1999 / Blade Runner, 1982), Robert Pastorelli (1954 – 2004 / Eraser, 1996) und John Mahoney (1940 – 2018 / In The Line Of Fire – Die Zweite Chance, 1993) zur Besetzung des Films. Die weibliche Hauptrolle ging an Sarah Jessica Parker, der mit der TV-Serie Sex And The City (1998 – 2004) der Durchbruch gelang. Seit 2016 ist Parker in der HBO-Serie Divorce zu sehen.

Normalerweise sollte man meinen, dass mit einer solchen Besetzung nichts schief gehen sollte, doch der Aussagen eines Crew-Mitglieds zufolge soll sich Bruce Willis, der hier „nur“ der Hauptdarsteller war, aufgeführt haben wie Orson Willis – er soll getan haben, wonach ihm der Sinn stand und ließ Szenen des Films umschreiben. Beim Testpublikum fiel die erste Tödliche Nähe-Version mit Pauken und Trompeten durch, so dass Re-Shoots veranlasst wurden. Der Grund für die Re-Shoots soll die Tatsache gewesen sein, dass sich das Testpublikum an konfusen und irritierenden Szenen gestoßen haben soll, die von Bruce Willis in das ursprünglich von Rowdy Herrington und Marty Kaplan verfasste Drehbuch eingefügt worden waren. Der Columbia Pictures-Vorsitzende Mark Canton war es, der deutliche Veränderungen verlangte, weshalb er neue Liebesszenen zwischen Willis und Parker verlangte, um den Film „erotischer“ zu machen. Dialoge zwischen Willis und Sizemore, die dem Film mehr Tiefe geben sollten, wurden entfernt. Hauptdarsteller Willis machte Regisseur Rowdy Herrington für all das verantwortlich, obwohl der Regisseur, der während der Dreharbeiten von Willis ziemlich mies behandelt wurde, seinen Star in Interviews immer wieder verteidigte. Vielleicht liegt in all dem begründet, warum Tödliche Nähe, der während der zahlreichen Änderungen in Striking Distance „umgetauft“ wurde, inhaltlich etwas unausgegoren wirkt.

Polizist Tom Hardy (Bruce Willis) hat gegen das ungeschriebene Gesetz der Polizei verstoßen und seinen Partner Jimmy Detillo (Robert Pastorelli) angezeigt, weil er einen Verdächtigen misshandelt hat. Auf dem Weg zu einem Polizeiball verfolgen Hardy und sein Vater Vincent (John Mahoney) einen Serienmörder – die Verfolgungsjagd endet damit, dass Hardy Senior erschossen wird. Nachdem Vincent Hardys vermeintlicher Mörder gefasst wurde und Detillo von einer Brücke in den Tod sprang, wird Tom Hardy zur Wasserschutzpolizei versetzt, wo er ein freudloses Dasein mit seinem besten Freund Jim Beam fristet … bis er mit Jo Christman (Sarah Jessica Parker) erstmals eine Partnerin bekommt … und der Serienkiller von einst seine „Arbeit“ anscheinend wieder aufnimmt …

Tödliche Nähe ist ein Film, dem man seinen turbulenten Entstehungsprozess durchaus anmerkt, da er sich nicht ganz entscheiden kann, was er sein will. Auf der einen Seite zielt er auf das Actionfilmpublikum ab, das Willis mit den ersten beiden Stirb Langsam-Filmen gewonnen hat. Die Autoverfolgungsjagd zu Beginn des Films wartet mit spektakulären Stunts auf und toppt in ihrer Länge so manchen Actionfilm-Showdown. Auch der von Rowdy Herrington kompetent inszenierte Showdown lässt im Grunde keine Wünsche offen, was Spannung, Dramatik und Schauwerte angeht. Hinzu kommt, dass Bruce Willis als Tom Hardy bestens zu diesen Actionfilmelementen passt. Sein Hardy wirkt wie eine Mischung aus John McClane (Stirb Langsam 1 & 2, 1988 & 1990) und Joe Hallenbeck (The Last Boy Scout, 1991) und die Rolle des von Alkoholproblemen geplagten, aber trotzdem zielstrebigen und sich auf der Suche nach Gerechtigkeit befindlichen Underdogs hatte Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger kaum jemand so glaubwürdig drauf wie Bruce Willis.

Andererseits wirkt Tödliche Nähe wie ein Drama, das sich um Polizistenehre dreht und auch diesbezüglich kann Rowdy Herringtons Film durchaus punkten. So machen die Szenen, in denen der „Nestbeschmutzer“ Tom Hardy auf seine Kollegen trifft, ganz deutlich, dass man sich als Polizist – auch wenn man im Recht ist – besser nicht gegen seine Kollegen wendet; hier wird ein Aspekt deutlich gemacht, den man durchaus kritisch sehen kann – schade nur, dass der Film so unentschlossen zwischen den Dramaelementen und der Action/Serienkillerthematik hin und her pendelt.

Dass Tödliche Nähe dann doch noch recht unterhaltsam ausgefallen ist, liegt - neben Bruce Willis´ solider Performance und den gelungenen Actionszenen – auch an den anderen DarstellerInnen. So verkörpert Sarah Jessica Parker nicht nur das gut aussehende Anhängsel des coolen Helden, sondern eine selbstbewusste Frauenfigur, die Willis in einigen Szenen durchaus Paroli bietet. Auch das Nebendarstellerensemble leistet Hervorragendes – wie z.B. Tom Sizemore in seiner tragischen Rolle des (Ex-)Polizisten Danny Detillo, der dem Film noch einen Rest der Tiefe verleiht, die durch die Kürzungen nach der Testvorführungen (möglicherweise) verloren gegangen ist. Der leider viel zu früh von uns gegangene Brion James überzeugt dagegen in einer Arschlochrolle, während Dennis Farina den wie für ihn gemachten Part des besonneneren Polizisten(vaters) spielt. Robert Pastorelli macht sich dagegen des Vergehens des „Overacting“ schuldig, weshalb man seine Rolle leider nicht ganz so ernst nehmen kann wie sie gemeint war.

Tödliche Nähe ist unterm Strich eine vielleicht etwas unausgewogene Melange aus Actionfilm, Serienkiller-Thriller und Drama, weiß aber dennoch passabel zu unterhalten. An den Kinokassen konnte Tödliche Nähe allerdings keine Bäume ausreißen – in den USA spielte er gerade mal 24 Millionen Dollar ein. Mit Color Of Night (1994) und North (1994) setzte sich Willis´ Pechsträhne fort, ehe ihm Quentin Tarantino mit Pulp Fiction (1994) zu einem echten Hit verhalf.

7/10
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Kommentare

27.08.2018 21:34 Uhr - dicker Hund
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Da vertraue ich Dir einfach mal, dass ich den auslassen kann. "Last Boy Scout" sollte ich aber irgendwann mal nachholen. Im Nichthorror habe ich einfach ziemlich große Lücken...

Unterhaltsame Rezi, auch wenn Parker für mich schon ein Argument zum Wegducken ist.
😉

27.08.2018 22:07 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, dicker Hund!
Wenn Du den hier auslässt - ok. Aber "Last Boy Scout" solltest Du unbedingt gucken - ein Meisterwerk!

27.08.2018 23:36 Uhr - McGuinness
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Interessant geschriebene Kritik von dir, mit erwähnenswerten Informationen, welche mir bisher nicht bekannt gewesen sind.
Der Film selbst, fiel bei mir allerdings durch, da ich much durchweg gelangweilt habe, müde wurde und nur die nackte Haut von Sarah Jessica Parker mich kurzzeitig wieder aus meiner Lethargie heraus holen konnte.
Es wurde mir unterm Strich einfach nichts besonderes geboten und ich hatte das Gefühl, dass unser guter Bruce sich aufgrund seiner beachtlichen Erfolge durch die " Stirb Langsam " - Filme, seines Erfolges im Vorfeld schon zu sicher gewesen ist, indem er hier halt nach bewährtem Rezept vorgeht.

27.08.2018 23:46 Uhr - McGuinness
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@dicker Hund

Selbst wenn du dich im Action-Genre nicht allzu gut auskennen magst, so ist " Last Boy Scout " dennoch absolutes Pflichtprogramm.
Einen derart geilen Actionfilm mit irren Stunts, deftigen Schießereien, gewaltigen Explosionen und unvergleichlichen coolen Sprüchen, muss man einfach gesehen haben 😎👍🏻

28.08.2018 10:42 Uhr - JasonXtreme
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Super Rezi! Ich wusste garnicht, dass Willis sich hier so aufführte und den Film versaute. Mit dem Wissen ist mir nun aber auch klar, wieso der mir mittlerweile "nur" maximal ne 6 abringen kann - er ist wirklich unausgegoren und wirkt etwas uninspiriert. Dennoch natürlich ein unterhaltsamer 90s Thriller mit guter Besetzung! Naja Willis war damals ja auch in vielen Interviews als Reporterschreck bekannt usw. - macht also wirklich mehr als Sinn

28.08.2018 14:17 Uhr - Pratt
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Schon wieder ein tolles Review, auch hier würde ich aus der Erinnerung mit deiner Bewertung mitgehen, aber schon mindestens zehn Jahre nicht mehr gesehen.

@DickerHund: Last Boy Scout sollte man sich nicht entgehen lassen, bessere Unterhaltung geht kaum ...!!!

28.08.2018 17:32 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Kommentare!

04.09.2018 13:26 Uhr - NoCutsPlease
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Ha, den wollte ich hier vor knapp zwei Jahren besprechen, aber er war mir letztendlich dann zu mittelprächtig, um mich dazu aufzuraffen.
So oder so kann ich deinem gelungenen Text rundum zustimmen. Ein recht unausgewogener, aber dennoch unterhaltsamer Thriller, keinesfalls der große Wurf und neben Willis' großen Rollen eher unter "ferner liefen" zu verorten.

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