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Nubret
Level 6
XP 567
Eintrag: 10.08.2018

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Mädchen: Mit Gewalt

Herstellungsland:Deutschland (1970)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Alternativtitel:Mädchen - Nur mit Gewalt
Mädchen mit Gewalt
Mädchen... nur mit Gewalt
Brutes, The
Cry Rape
Love by Rape

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Werner und Mike haben nur ein Hobby: Frauen! Wie zwei ausgehungerte Raubtiere verfolgen sie das schöne Geschlecht und lassen keine Gelegenheit aus, ihre Triebe zu befriedigen. Bei einem Kartrennen lernen sie die junge Alice kennen und fahren mit ihr für ein nächtliches Bad in eine Kiesgrube. Doch aus Spaß wird Ernst und für Alice wird diese Nacht zu einem schrecklichen Alptraum. Bei Tageseinbruch offenbahrt sich das ganze Ausmaß der Geschehnisse, doch Alice ahnt nicht, dass ihr wahres Martyrium gerade erst begonnen hat...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von nubret:

MÄDCHEN MIT GEWALT ist der dritte Teil der sogenannten MÄDCHEN-Trilogie, die Ende der sechziger Jahre unter der Regie des Mannheimer Filmemacher Roger Fritz entstand. In allen drei Teilen spielt die leider früh verstorbene Helga Anders, damals Ehefrau des Regisseurs, die Hauptrolle.

Vorliegender Streifen wurde seinerzeit von der Kritik als billige Sensationsmache einhellig verrissen. Völlig zu unrecht, wie ich finde. MÄDCHEN MIT GEWALT ist weder ein vordergründiger Reißer, noch ein Unterhaltungsfilm im eigentlichen Sinn. Fritz´ Streifen ist vielmehr ein analytischer Blick auf menschliches (hier männliches) Fehlverhalten und die fatalen Folgen, die daraus resultieren können, wenn krankhaft eitle Egomanen nicht das bekommen, was sie wollen.

Mike (Arthur Brauss) und Werner (Klaus Löwitsch) sind zwei Arbeitskollegen, deren einziges Interesse darin besteht, möglichst viele Frauen ins Bett zu bekommen. Mit der Zeit ist zwischen den beiden ein kleiner Konkurrenzkampf daraus geworden, wobei die beiden jungen Männer ansonsten eigentlich gar keine Gemeinsamkeiten haben. Werner ist ein leicht reizbarer Draufgänger, dem schnell die Sicherungen durchbrennen. Mike hingegen ist wesentlich zurückhaltender und eindeutig der Intelligentere der beiden.

Bei einem Kartrennen lernen die beiden triebgesteuerten Kerle die hübsche Alice (Helga Anders) kennen, die von einigen Studienkollegen begleitet wird. Nach kleineren Reibereien zwischen den beiden Gruppen, die jedoch relativ glimpflich abgehen, bleibt das junge Mädchen schließlich alleine mit Mike und Werner zurück. Das Trio landet schließlich an einem See in einer Kiesgrube. Alice unterschätzt die Gefahr, die von den Männer ausgeht und lässt sich sogar zu einem Nacktbad vor den beiden hinreissen, die natürlich angesichts dessen immer geiler werden.

Nach massivem Alkoholkonsum eskaliert die Situation schließlich: Werner vergewaltigt das naive Mädchen.  Mike kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und will der armen Alice ebenfalls an die Wäsche. Der psychotische Werner beansprucht das Mädchen jedoch komplett für sich, was schließlich zu einem brutalen Kampf zwischen den beiden Alphatieren führt, der beinahe tödlich endet.

Wie man unschwer erkennen kann, ist Roger Fritz dritter Film tatsächlich für die meisten Filmfreunde ungenießbar, was man an den vielen Negativ-Kommentaren, die man im Netz findet, eindeutig feststellen kann. Und der beinharte Thriller, den man hinter dem spekulativen Titel vermutet, ist MÄDCHEN MIT GEWALT tatsächlich nicht. Viel mehr haben wir es mit einem sehr glaubwürdigen, psychologisch stimmigen Drei-Personen-Stück zu tun, das einen kammerspielartigen Charakter besitzt.

Dabei legte Fritz besonderen Wert auf eine glaubwürdige Personenzeichnung. Werner und Mike sind zwei rücksichtlose, sexbesessene Machtmenschen, denen jedes Mittel recht ist, das zu bekommen, was sie wollen. Notfalls auch mit Gewalt. Reue oder Schuld empfinden sie dabei nicht. Ihre ganze Niedertracht kommt besonders nach der Vergewaltigung zum Vorschein, wenn die beiden durch Einschüchterung versuchen, Alice von einer Anzeige abzuhalten. Sie reden ihr ein, daß sie damit sowieso nicht durchkommen werde und machen sie auf die zahlreichen Unannehmlichkeiten aufmerksam, wenn sie sich gegenüber Dritten offenbahrt.

Die darstellerische Leistung von Arthur Brauss und Klaus Löwitsch muß man dabei einfach als hervorragend bezeichnen. Letzterer war ja auch im Privatleben als ziemlicher Hallodri und Brüstebeißer bekannt. Dem sonst so seriösen Arthur Brauss (CROSS OF IRON)  hätte ich jedoch eine solche Überzeugungskraft als fieser, hinterhältiger Drecksack nicht unbedingt zugetraut. Helga Anders gefällt ebenfalls als liebes, aber sehr naives Püppchen, das nicht die geringste Möglichkeit hat, sich aus eigener Kraft gegen ihre beiden übermächtigen Gegner zu wehren. In einer kleinen Rolle als Student ist übrigens der kürzlich verstorbene Rolf Zacher zu sehen. Klaus Löwitsch erhielt für seine Leistung das FILMBAND IN GOLD.

Sehr zu gefallen weiß der leicht psychedelische Soundtrack der legendären Krautrocker CAN, die auch des öfteren für Kultregisseur Roland Klick (DEADLOCK) gearbeitet haben. Und auch sonst gibt es auf technischer Seite gar nichts zu bemängeln. Kameraarbeit (Egon Mann) und Schnitt (Peter Przygodda) zeugen ebenfalls von der Sorgfalt, mit der Roger Fritz hier gearbeitet hat.

Die Vergewaltigungssequenz ist recht unangenehm, aber nicht unnötig ausgewalzt. Auch sonst verzichtet der Film auf unnötige Gewaltexzesse, was ihn wohltuend von Streifen wie I SPIT ON YOUR GRAVE abhebt und seine Glaubwürdigkeit unterstreicht. Aufgrund der Thematik hatte das Werk natürlich trotzdem allerlei Probleme, was dazu führte, daß er nach der deutschen Kinoaufführung komplett von der Bildfläche verschwand.

Erst im Jahr 2015 nahm sich ein engagiertes Label namens Subkultur dieser kleinen Perle an und schenkte uns, nach einem kleinen Kampf mit der FSK (die den Film erst nicht freigeben wollte), eine wunderbare Veröffentlichung in ihrer EDITION DEUTSCHE VITA.

Roger Fritz´MÄDCHEN MIT GEWALT ist ein unverstandenes und ungeliebtes Kind aus dem riesigen Fundus deutscher Filmraritäten. Ein psychologisch glaubwürdiges Kammerspiel, wenig reißerisch inszeniert und schauspielerisch überragend. Zugleich ist dem Regisseur ein interessanter Blick auf eine Zeit im Umbruch gelungen, wobei die damals langsam aufkommende Emanzipation sich bis heute nur im Wunschdenken einiger allzu naiver Rosarote-Brille-Seher vollständig durchgesetzt hat.

Aber hauptsächlich führt uns dieser tolle Streifen das Tier im Manne vor Augen, das gar nicht so viel braucht, um hervorzubrechen. Und wie schmerzhaft sind doch Filme, in denen man(n) sich ein Stück weit selbst erkennt.

Sieben Jahre nach MÄDCHEN MIT GEWALT sollten Fritz, Brauss und Löwitsch noch einmal aufeinandertreffen. In Sam Peckinpahs STEINER-DAS EISERNE KREUZ standen sie 1977 gemeinsam vor der Kamera.

 

 

 

8/10
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Kommentare

11.08.2018 06:01 Uhr - dicker Hund
2x
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Immer wieder faszinierend, was für deutsche Filme es doch so gibt. Vielen Dank für die Vorstellung!

11.08.2018 08:52 Uhr - Nubret
2x
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Sehr gerne, Kollege!

Da gibt es noch einiges zu entdecken.

11.08.2018 11:39 Uhr - TheRealAsh
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Da geht mein Lieblingspfälzer in Heimatnahe Deltagefilde, ein echtes Nubrett. Stimme dir völlig zu, roger fritz ist ein unverstandener, aber herausragender Filmemacher, der nie so die Anerkennung erhalten hat, bis er zuletzt bei Daniel der Zauberer neben vielen anderen Urgesteinen einen pessimistischen totengesang gezeigt hat, den ich nur auf der Ebene der völligen Frustration verstehe.

Auch die Fassbinderschinken, bei denen fritz mitwirkte in mehreren Positionen ( Berlin Alexanderplatz, Despair) sind grandios und letzterer auch mit Löwitsch. Das mit Steiner war mir gar nicht bewusst, auch coole Verbindung.

Die Subkultur VÖs sind wirklich schön und unterstützendswert

11.08.2018 11:57 Uhr - Nubret
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Tatsächlich stelle ich es mir sehr schlimm vor, als Künstler unverstanden zu bleiben. Zumal wirklich dermaßen viel Müll Erfolge verbuchen kann, daß man sich fragen muß, wie weit es noch nach unten gehen kann. Als Beispiel seien nur einige fragwürdige Fernsehformate genannt, in denen sozial/gesundheitlich benachteiligte Menschen auf´s übelste vorgeführt werden.

Aber ich schweife ab.

Sicher ist Fritz´ Werk nicht für jeden goutierbar, dennoch ärgert es mich immer wieder, wenn Leute aus mangelndem Verständnis einen guten Film als "Müll" bezeichnen.

Umso erfreulicher, daß es noch einige Leute gibt, die auch Freude an Werken finden können, die nicht unbedingt in eine Schublade passen, bzw. nicht allzu leicht zu interpretieren sind.

Deshalb noch mal vielen Dank, lieber Ash!

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