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Curtains - Wahn ohne Ende

(Originaltitel: Curtains)
Herstellungsland:Kanada (1983)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Krimi
Alternativtitel:Curtains....The Ultimate Nightmare
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,50 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Sechs Schauspielerinnen versammeln sich in einer Villa, um mit ihrem Produzenten einen neuen Film zu besprechen. Der Produzent und Regisseure John Stryker ist bekannt für seine brutalen und ausgefallenen Methoden mit seinen Darstellern umzugehen.
Mit Stryker's Anwesenheit entsteht jetzt eine vorherrschend explosive und düstere Atmosphäre. Die sechs jungen Frauen erleben ein Wochenende, welches sie an den Rand des Wahnsinns treibt. Eine nach der anderen wird das Opfer mysteriöser Umstände.
eine kritik von kokoloko:

Mal eine Besprechung eines ehemaligen Gewinnes hier, in freudiger Hoffnung auf den Nächsten :D

Curtains (Blu-ray)

Dieser 80s-Slasher hätte mich trotz meiner Affinität für, well, 80s-Slasher halt, eigentlich nicht weiter interessiert, schließlich gibts da Unmengen von, mir fehlen noch fast alle wichtigen Klassiker etc. und das Teil ist im 30€ Mediabook erschienen - auch wenn ich das Cover mag - aber von wegen geschenkter Gaul und so, habs auf der Hauptseite gewonnen und für Fans soll er laut Internet ja ganz tauglich sein, 6/10 wurd wohl so durchschnittlich vergeben und das klang in Ordnung, insofern direkt geguckt.
Nach dem Film kann ich die Aussage "für Fans" dann auch grob unterschreiben: Genrefans werden hier auch keine Erleuchtung oder auch nur nen guten Film finden, könnten sich das Teil aber mal geben und nicht als totale Zeitverschwendung abtun - alle anderen sollten wohl eher Abstand halten, denn "Curtains" ist ein langsamer, langweiliger, von Produktionsproblemen geplagter, inkohärenter Halbslasher, der die Rahmenbedingungen für einen ordentlichen Genrevertreter zwar liefert, diese aber eben mit nichts füllt bzw. nicht nutzt. Was das heißen soll?

Die Grundidee, dass man einen leicht perversen/merkwürdigen/sadistischen Regisseur sechs junge, hübsche Schauspiel-Schönheiten auf ein verlassenes Gebäude im Nichts bringen lässt, um dort für einen Film zu proben und die richtige Darstellerin zu finden, diese dann aber eben eine nach der anderen umgebracht werden, klingt prinzipiell nach dem klassischsten aller Slasherkonzepte, mit Whodunnit und Sex, schönen nackten Frauen und Blut, abgelegen natürlich und mit Waldrennerei, dazu ne Synthiescore und gar Raum für Meta-Spielereien gibt es, sollte doch passen, richtig? Nur leider spart der Film dann ganz gewaltig an so ziemlich allen elementaren Punkten: Sex gibt es einmal auf Distanz mit Sideboob/oben-ohne Szene, aber nur kurz und nicht ausgewalzt, sonst garnicht, Brutalitäten bleiben tatsächlich aus, da bei den Kills weggeschnitten wird und bis auf Posen oder eben Leichen nichts zu sehen ist. Mit Meta-Spielereien wird zweimal - einmal sehr cool in den Opening Credits, aufpassen! - kurz ganz nett gespielt, sonst aber nie, ein Whodunit stellt sich bei der Figurenkonstellation auch nicht wirklich ein, da wir nur eine offensichtliche Haupttäterin haben, aber nicht lauter verdächtige Menschlein - die einzig andere Verdächtige ist es dann auch einfach, toll.

Womit "Curtains", der von 1980 bis 1983 drei Jahre lang durch re-writes und re-casts in der Entwicklungshölle war, als ernster und untypischer, anspruchsvollerer Psychothriller konzipiert halb fertig gedreht, und dann mit neu gedrehten Szenen ergänzt, glänzen kann, das ist eigentlich nur der Cast: Bei den sechs jungen Schauspielerinnen haben wir eine Riege hübscher 80s-Mädels am Anfang ihrer oftmals weitreichenden Karriere versammelt, die sich alle sehen lassen können und die auch durchaus alle nicht schlecht spielen: Da wäre Deborah Burgess in ihrer vierten Rolle, die danach zumindest noch einige TV-Produktionen machte, die bildhübsche Lesleh Donaldson, später in "Schreie der Nacht" oder "Deadly Eyes" zu sehen sowie kurioserweise in Star-Wars-Zeichentrickserien als Synchronsprecherin zu hören, die 1996 verstorbene Sandee Currie - zugegeben, alles keine dollen Karrieren bisher -, aber eben auch Lynne Griffin aus dem legendären Original "Black Christmas", später sehr beliebt in diversen TV-Serien und in Jim Sheridans "Dream House" zu sehen, die absolut verzaubernde Anne Ditchburn und allen voran aber noch Linda Thorson aus "Mit Schirm, Charme und Melone", Joey, Half Past Dead und unzähligen TV-Serien.

Während die Eindrücke der Darstellerinnen auf dieser Seite aber ohnehin eher verstreut und momentaner Natur sind, dominieren dauerhaft der Regisseur und seine Frau und die sind von niemand geringeres verkörpert als Samantha Eggar (unzählige Titel, wusste nicht woher, aber kannte sie!) und Schauspielurgestein John Vernon (Dirty Harry, Journey, Die verrückte Reise in..., Der Texaner, vier Millionen Serien), in einer Rolle, die eigentlich für Klaus Kinski gedacht war, was man auch an der kantig-verschrobenen Art allzu deutlich merkt. Vernon jedenfalls ist eine wahre Freude beim Anschnauzen und Pseudo-mysteriös rumlaufen, geiler Cast.

Durch besagtes Schauspiel von Vernon und Eggar sowie den ganz unexploitativen, da angezogenen Eyecandy-Faktor auf der Mädelsfront jedenfalls gewinnt der Film etwas an Unterhaltungswert, zumal das wie gesagt nicht schlecht gespielt ist, nur NICHT ablenken tut es von der Tatsache, dass die prinzipiell coole Prämisse am Anfang EWIG ausgewälzt wird, aus dem wirklich coolen und gruseligen Puppenmotiv storytechnisch NICHTS gemacht wird, wir ein unfreiwilliges komödiantisches Highlight haben im Sinne des LÄNGSTEN FAKESCARES ALLES ZEITEN, der ewig hingezogen wird, um dann zur trashigen Auflösung zu kommen - und das trotz vorherig optisch überzeugender Anmoderation des Ganzen, recht clever gar - und man allgemein deutlich zu viel Zeit verplämpert, bevor es dann Mal zu dem verschneiten Anwesen kommt. Dort geht es dann ähnlich quälend langsam voran, was den Film gut 40-50 Minuten lang zu einem recht ereignislosen slow-burner macht, der Ernst gaaanz am Ende was aufholt: Hier nämlich hat man dann wirklich recht spannende, künstlerisch beleuchtete, schick gefilmte, gut geschnittene letzte 15 Minuten Finale, bei denen ich erstmalig mitgefiebert und mich gut unterhalten gefühlt habe - würde vielleicht sogar für eine überdurchschnittliche Wertung reichen, wäre das Ende danach nicht so dermaßen witzlos, langweilig, unpointiert und gelangweilt inszeniert gewesen, meine Fresse was ne Enttäuschung. Dass die vom Killer verfolgten Darstellerinnen übrigens NATÜRLICH a) hinfallen/dumm laufen und b) den Killer nie erledigen, wenn er mal liegt, das hat auch dieser Film verinnerlicht.

Die Idee, einen untypischen und intelligenteren Psychothriller als Slasher zu haben, sieht man Curtains also in einigen Szenen an und das zeichnet ihn auch aus, zudem ist das Finale recht gelungen und viele Klischees werden nicht erfüllt - nur wird der freigewordene Platz einfach mit nichts gefüllt. Die Story ist langsam erzählt und hat viel build-up für wenig pay-off, zudem kann der Beginn ziemlich verwirren, die Dialoge sind zwischenzeitlich eher schwach, optisch hat der Film immer wieder schöne Setpieces und Ideen, macht aber erst am Ende was draus. Die hochgehypte Szene auf dem zugefrorenen See ist zwar nicht "noch immer eine der erschreckendsten Szenen der Filmgeschichte", wie einem das Booklet weißmachen möchte, aber durchaus nett inszeniert und mit coolen Ideen sowie ästhetischen Shots, die Maske ist verdammt unangenehm gruselig, die Score hat 80s-Synthies und Klavier wie eh und je und das ist gut, auch gibt es eine starke Traumszene und ein paar nette Aufnahmen - bis auf den neugierig machenden Anfang und das Finale war es dann aber auch schon mit den Qualitäten von "Curtains". Witzig noch: Szenenüberleitung immer per öffnendem Vorhang. :)

Fazit: Titten- und blutloser Slasher, der trotz hübschen Casts, vereinzelt guten Performances, starker Prämisse, einer fiesen Maske und netter Ideen unter schleppendem Tempo, zuviel Leerlauf und zu wenig Spannung leidet. Für Genrefans dank vereinzelt gelungener Ideen ansehbar - 5/10

Das Mediabook von Uncut-Dealer (haben jetzt n eigenes Label?) ist ziemlich schlecht: Schickes mattes Cover und das Backcover ist bis auf das Textlayout auch nicht ganz Scheiße, aber bis aus Szenenbilder, unnötig hypende Presseauszüge und acht kurze, nette, aber wirklich eben nur "nette" Kurzfakten als "Wissenswertes" bietet das hauchdünne, achtseitige Booklet absolut garnix (bis auf ne gute Bildqualität), das Menü hat auch wieder nur das gleiche Cover und keine Kapitelnamen, zudem gibts keine Pop-Menüs sondern nur normale DVD-Menüs trotz BD, als Extras nur Trailer (immerhin O-Ton, herrliches 80s-Zeugs ) und das wars, Untertitel gibts KEINE, das macht den O-Ton mit dem nuschelnden Vernon und der grottigen Bildqualität für mich ziemlich unguckbar, die Synchro ist abseits der charismatischen Hauptcharaktere dafür aber auch absolut unpassend, trashig und schlecht, mit lipselnden Darstellerinnen die im Original nicht lispeln usw., WTF?!  Das überzeugendste Feature der ganzen VÖ ist jedenfalls die Bildqualität, denn die ist wirklich gestochen scharf und macht das Teil bei einigen Aufnahmen fast schon sehenswert, Seeszene ist so schon sehr cool eingefangen, in HD.
Wer für das Teil 30€ ausgibt muss jedenfalls wahlweise wirklich Hardcoresammlerfan sein oder ordentlich bekloppt, wobei das ja oft einher geht - kenn ich selber ;)

5/10
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Kommentare

26.08.2018 11:52 Uhr - Nubret
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.104
Ganz so schlecht fand ich den nicht, würde ihm 6-7 Punkte geben. Obwohl er natürlich kein besonderer Knaller ist.

Auf jeden Fall angenehm zu lesende Besprechung. Und aus dem Media-Book-Wahn hab ich mich auch fast komplett ausgeklinkt.

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