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Wrong Turn

Herstellungsland:USA, Deutschland (2003)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Détour Mortel
Povorot ne tuda
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,78 (78 Stimmen) Details
inhalt:
Für eine Gruppe junger Leute wird ein Ausflug in den Wäldern von West Virginia zum Horrortrip: Nach einer Autopanne machen sich Medizinstudent Chris und seine Schicksalsgenossen auf die Suche nach Hilfe. Ein falscher Weg führt sie zu einem bizarren Holzfällercamp. Was die jungen Leute dort entdecken, übertrifft ihre schlimmsten Alpträume. Sie geraten in die Hände von drei blutrünstigen Kreaturen, die ihre Opfer gnadenlos jagen. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                       WRONG TURN

Anfang der 2000er Jahre erlebte das Horror – bzw. Terrorkino der späten Siebziger - und frühen Achtzigerjahre ein großes Comeback. Remakes von Horrorklassikern wie The Last House On The Left (1972), The Texas Chain Saw Massacre (1974) oder Dawn Of The Dead (1978) sorgten für klingelnde Kinokassen und machten eine ganze Generation von jüngeren Filmfans mit den alten Meilensteinen bekannt. Außerdem tauchten Jungregisseure wie James Wan und Eli Roth auf, deren blutige, humorfreien und überaus erfolgreichen Saw – und Hostel-Filme sich vor Horrorfilmregisseuren wie Wes Craven, Tobe Hooper und George A. Romero verneigten. Einer der ersten Filme dieser Art und sicherlich mitverantwortlich für diesen Trend war Wrong Turn (2003), der sich überdeutlich an die klassischen Backwood Horror-Streifen á la The Texas Chain Saw Massacre anlehnt.

Inszeniert wurde Wrong Turn von Rob Schmidt (The Alphabet Killer, 2008), der ein Budget von gut 12 Millionen Dollar bekam, um den Film in Kanada zu drehen. Zur Besetzung gehörten u.a. Desmond Harrington (Ghost Ship, 2008), Eliza Dushku (True Lies – Wahre Lügen, 1994), Emmanuelle Chriqui (The Crow – Wicked Prayer, 2005) und Jeremy Sisto (U-Boat, 2004).

Der angehende Arzt Chris Flynn (Desmond Harrington) ist auf dem Weg zu einem Berwerbungsgespräch und bleibt im Stau stecken. Um zu seinem Termin doch noch pünktlich zu erscheinen, nimmt er eine Schotterpiste, die auf der offiziellen Landkarte nur gestrichelt verzeichnet ist. Dort rammt Flynn versehentlich das Fahrzeug einer fünfköpfigen Reisegruppe. In einem unübersichtlichen Waldgebiet gestrandet, suchen die Großstädter nach Hilfe, bzw. einem Telefon. Doch der Wald entpuppt sich schnell als Todesfall als Chris und Co. auf die Bewohner des Forsts stoßen …

Eigentlich bietet Wrong Turn nichts, was man nicht schon in Filmen wie The Texas Chain Saw Massacre oder The Hills Have Eyes (1977) gesehen hat. Zudem wird kein Klischee ausgelassen: Im Wald haben Handys keinen Empfang, wenn man absolut still sein muss, macht man natürlich Krach, indem man was umstößt, die Reifen des Fluchtwagens drehen dann durch, wenn man ihn am nötigsten braucht etc. Und nach gerade mal 75 Minuten Nettolaufzeit ist der Film auch schon wieder vorbei.

Und doch ist Wrong Turn ein guter Backwood Horror-Streifen, der seinen Minimal-Plot (Im Gegensatz zu vielen aktuellen Kinoproduktionen) nicht künstlich aufbläst, sondern in 75 Minuten (netto) zeigt, was gezeigt werden muss, ohne zu langweilen. Dabei besticht der Film durch einen ordentlichen Spannungsaufbau. Die anfängliche Zuversicht der Reisegruppe verliert sich schnell in den Weiten des Waldes und spätestens wenn sie die Waldhütte der Wrong Turn-Kannibalen betritt, in der es aussieht wie bei Leatherface hinterm Sofa, wird aus einem mulmigen Gefühl blanke Angst – und ab da gibt Wrong Turn richtig los und reiht einen Spannungsmoment an den nächsten, allerdings nicht, ohne gelegentliche „Verschnaufpausen“ einzubauen, die die nächste Schocksequenz nur umso wuchtiger wirken lassen.

Ein wichtiger Bestandteil vieler Backwood Horror-Filme sind derbe Effekte und die Freigabe ab 16 Jahren könnte den Eindruck erwecken, dass Rob Schmidts Film eher zahm ausgefallen ist, aber dem ist nicht so. Gut, Freunde der Strong Bloody Violence Throughout wird Wrong Turn nicht gerade in Ekstase versetzen, aber für einen jugendfreien Film hat Wrong Turn einige durchaus harte und blutige Morde an Bord. Diese werden zwar nicht, wie z.B. in so manchem Saw-Film, in quälende Länge gezogen, aber dennoch sind z.B. die Ermordung des Polizisten oder die Zurschaustellung einer teilweise zerstückelten Leiche alles andere als kinderzimmertauglich. Hinter den Effekten steckt das Studio des Special Effects-Gurus Stan Winston (1946 – 2008 / u.a. Aliens – Die Rückkehr (1986) & Predator (1987)), das hier gute Arbeit geleistet hat – auch was das Make Up der Kannibalensippe angeht, das im Laufe der Folgefilme immer billiger wurde.

Das Schauspiel in Wrong Turn hinkt den Effekten qualitativ deutlich hinterher, aber für einen Film wie diesen braucht man auch keine ausgebildeten Shakespeare-Darsteller. Am ehesten bleibt noch Eliza Dushku in Erinnerung. Trotzdem zeigt sich hier bereits der Anfang eines Trends, der sich durch nahezu alle Filme der neuen Horror/Terrorfilm-Welle ziehen sollte: Sämtliche Cast-Mitglieder abseits der Kannibalen sehen samt und sonders gut aus und könnten (fast) allesamt aus einem Modekatalog stammen. In den Wrong Turn-Vorbildern konnte man noch Menschen „wie du und ich“ begegnen, aber in den populären Schockern der 2000er Jahre wimmelt es nur so für Typen mit Waschbrettbäuchen und Mädels in knappen Tops (Bestes Beispiel: Jessica Biel in Michael Bay´s Texas Chain Saw Massacre, 2003), was schon etwas schade ist und wenig authentisch wirkt. Die Darsteller der Hinterwäldlerkannibalen dagegen bilden eine weitgehend gesichtslose Masse – einzelne Figuren der Wrong Turn-Familie werden erst in späteren Filmen deutlicher hervorgehoben. All das tut der Spannung und dem Unterhaltungswert des Films jedoch keinen Abbruch.

Wrong Turn ist ein guter, solider Horrorstreifen, der sich bezüglich der Optik seiner Besetzung modern gibt, ansonsten aber den Geist der alten Backwood Horror-Klassiker atmet. Nicht mehr, nicht weniger. Das Kinoeinspielergebnis von ca. 27 Millionen Dollar war nicht weltbewegend (Das Texas Chainsaw Massacre-Remake aus dem gleichen Jahr spielte über 107 Millionen Dollar weltweit ein und der 1,2 Millionen Dollar teure Saw brachte über 103 Millionen Dollar ein…), aber immer noch genug, um fünf (!) Nachfolger ins Rennen zu schicken, die aber für den Heimkinomarkt produziert wurden …

7/10
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Kommentare

03.10.2018 00:51 Uhr - TheRealAsh
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Ein qualitativ mal wieder hervorragendes Review aus dem Hause Castle. Ich habe bis jetzt immer noch nur den ersten gesehen und werde das wohl auch nicht so schnell ändern. Aber bei dem hier bin ich mit dir und Mopsi einer Meinung, 7 Punkte, die sich lohnen - nicht mehr und nicht weniger.

03.10.2018 06:43 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Ash! Und ja, mit 7 Punkten ist der Film gut bedient.

03.10.2018 08:09 Uhr - dicker Hund
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Habe Deinen zutreffenden Ausführungen in der gelungenen Rezi nichts hinzuzufügen.

Tante Edith aber schon:
Eindreiviertelstunden sind 105 Minuten und nicht 75 Minuten gewesen, als sie zur Todesfalle wurden.

03.10.2018 09:03 Uhr - Nubret
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Auf den Punkt, Puni!

Weiß noch genau, wie erstaunt ich damals angesichts der FSK 16-Freigabe war. Auf jeden Fall ein gelungener Horrorstreifen - und der mit Abstand beste der Reihe.

03.10.2018 10:17 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank Leute!

@Dicker Hund/Tante Edith:
Danke für den Hinweis, hab´s korrigiert.

@Nubret:
Ja, für eine 16er-Freigabe war der Film schon nicht gerade harmlos.

03.10.2018 12:15 Uhr - NoCutsPlease
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Schön besprochen, Puni!
Von mir gibt es 8/10 mutierte Hinterwäldler für den Film.

03.10.2018 16:31 Uhr - CHOLLO
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Schön besprochen Punisher. Fand den auch für seine 16 Freigabe mit beachtlichen Härten ausgestattet. Was das TMC- Remake angeht, stellt Fr. Dushku im Vergleich zu Ms. Biel für mich das glaubhaftere (fast) Final Girl ;)

03.10.2018 17:55 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, ihr beiden!

04.10.2018 12:00 Uhr - sonyericssohn
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Den fand ich ganz schön heavy ! Vor allem die Stimmung ist ja schon fast zum schneiden.

04.10.2018 21:14 Uhr - FlipDeWip
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Damals als der raus kam, war ich sehr erstaunt über die FSK. Yazid Benfeghoul von den Gory News hat damals auch die Begründung "...es sind ja keine Menschen die die Jugendlichen töten..." unter schallendem Gelächter auf der mitgelieferten Heft-DVD kommentiert.

Btw Schöne und treffende Review 😉

05.10.2018 08:37 Uhr - Dissection78
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Ich gehe mit dem Fazit d’accord, Punisher. Ein durchaus unterhaltsamer Redneck-Snack für den kleinen Horrorhunger zwischendurch, mit Schwächen bei Darstellern und Dialogen. Ich muss gestehen, den zweiten Teil finde ich auf seine tumb-amüsante Art aber mindestens ebenso spaßig. Das ist netter Splattertrash, und nichts anderes wollte Regisseur Joe Lynch laut eigener Interviewaussage abliefern. Die Teile 3 - 6 sind in meinen Augen dagegen absolut vergessenswert.

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