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Personal Shopper

Herstellungsland:Frankreich (2016)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,67 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Maureen arbeitet in Paris als persönliche Einkäuferin für Celebrities. Darüber hinaus begreift sie sich als Medium, das mit den Toten Kontakt aufnehmen kann, genau wie ihr kurz zuvor verstorbener Zwillingsbruder Lewis. Schließlich bekommt sie geheimnisvolle SMS von einer unbekannten Nummer. Ist es der Geist ihres Bruders, der Kontakt zu ihr aufnimmt? Oder ein anderer Geist? Oder nur der sehr lebendige Geliebte ihrer prominenten Chefin, der es auf sie abgesehen hat? (Weltkino Filmverleih)

eine kritik von chaos rhythm:

Zeitgeist

Wer kümmert sich eigentlich um die alltäglichen Konsum-Bedürfnisse der Reichen und Prominenten? Wer denkt, dass eine Lady Gaga oder ein Till Schweiger noch Zeit haben, ihre Markensneaker selber im Ladengeschäft anprobieren zu gehen, der irrt gewaltig. Da es nichts gibt, was man mit Geld nicht kaufen kann, können sich die wenigen wichtigen Menschen dieser Welt eben auch andere Menschen kaufen, die für sie einkaufen gehen. Lässig.

Weniger für die sogenannten Personal Shopper selbst, die, wie Maureen (Kristen Steward), ihr eigenes Leben auf Halde halten, um ihrem Brötchengeber die dringlichen Konsumwünsche abzunehmen. Die junge Amerikanerin ist aber nicht aus karrieretechnischen Gründen als menschgewordener Einkaufswagen nach Paris emigriert, sondern verfolgt vor Ort und Stelle ein gänzlich entmaterialisiertes Anliegen: Wann immer Zeit und Ort es zulassen, fahndet sie nach ihrem verstorbenen Zwillingsbruder Lewis, der an einem Herzfehler verstarb, welcher auch Maureen weitervererbt wurde. Die Abmachung unter den Beiden: Wer als erster das Zeitliche segnet, der steht in der Pflicht, sich aus dem Jenseits beim diesseitigen Hinterbliebenen zu melden.

Und so schleppt Maureen sich und die Einkaufstüten durch den Alltag, bis immer öfter ihr sechster Sinn klingelt und schließlich auch ihr Telefon: Vom anderen Ende aus schickt ihr ein unterdrückter Teilnehmer sehr persönliche Nachrichten und übernimmt nach und nach immer mehr ihr Leben. Die unbekannte Macht scheint sie komplett zu durchschauen und beginnt schließlich auch bald, ihre Wege und Handlungen zu lenken. Entleert von einem eigenen Leben verfällt Maureen der Anteilnahme des fremden Schreibers...

ob es sich dabei wirklich um den Geist ihres toten Bruders handelt oder eines perversen Schundludertreibers, spielt schnell keine Rolle mehr.

"Personal Shopper" mag auf den ersten Blick sehr selbstverliebt rüberkommen. Es ist ganz klar, dass Arthouse-Regisseur Olivier Assayas in Kristen Steward, die sich fantastisch von ihrem "Twilight"-Stigma freispielt, mit Script und Kamera total verfallen ist. Und an einigen Stellen hakt der Film ganz gewaltig, beziehungsweise, entzieht er sich einer schnellen Einordnung und einem flotten Urteil. Das ist gut und gefällt, genau so, wie Tempo und Atmosphäre. Oder beispielsweise die - Achtung: Spoiler - angenehm unzeitgeistigen Inszenierungen der wenigen Begegnungen mit dem Übernatürlichen.

Denn ja, es handelt sich bei "Personal Shopper" eindeutig um einen Geisterfilm, allerdings zum Glück weniger im paranormalen Found-Footage-Sinne und auch weit entfernt der hinter den Wänden hausenden Pseudo-Geistern, die gerade im letzten Jahr Hochsaison hatten.

Nein, bei "Personal Shopper" muss man schon an andere Arten "Geister" herangehen. Ohne zu viel verraten zu wollen, geht es vor allem um das Verhältnis moderner Menschen zur Vergangenheit, zu medialer Kommunikation und vielleicht am Allerwichtigsten: zum Verhältnis zu sich selbst, beziehungsweise und genauer, dem Fehlen des selbigen.

Handlungsmäßig ist das alles recht sparsam und effizient inszeniert. Ständig hält Assayas alles in Bewegung um seine Protagonistin, während sie selbst kaum von der Stelle zu kommen scheint. Das Setting, die Modewelt und der Jetset Europas, bieten eine mondäne, atmosphärisch tragende Kulisse, aber bleiben für alles was passiert auch genau nur das.

Es ist ein wenig schwierig, an den Kern des Filmes heranzukommen, da er weitestgehend auf effekthaschende Momente der Erkenntnis verzichtet. Aber wer es wagt, dem gibt er einiges zum Reflektieren und im Nachhinein erkennen auf den Weg.

Mein Fazit: Ungewöhnlicher Arthouse-Geisterfilm, der einen befriedigenden Abschluss bewusst erst ein paar Stunden nach Genuss dem Zuschauer sich selbst überlässt.

7/10
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Kommentare

30.09.2018 00:28 Uhr - Ismael
2x
User-Level von Ismael 2
Erfahrungspunkte von Ismael 53
Kirsten Steward (und das zweimal so geschrieben im Review), aber es sollte heißen Kristen Stewart.

30.09.2018 13:07 Uhr - cHaOs RhYtHm
1x
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Erfahrungspunkte von cHaOs RhYtHm 146
Danke für den Hinweis. Hab's verbessert :)

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