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TheRealAsh
Level 9
XP 1.082
Eintrag: 21.10.2018

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Genesis

(Originaltitel: Génesis)
Herstellungsland:Spanien (1998)
Genre:Horror, Liebe/Romantik, Kurzfilm,
Stummfilm

Bewertung unserer Besucher:
Note: 10,00 (1 Stimme) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Die Frau, das Objekt des Mannes und die Kunst

Im Folgefilm zu Nacho Cerdás Leichenschändervision Aftermath arbeitet sich der Mann wieder an der Frau als Objekt ab. Doch dieses Mal wechselt die Perspektive. Das Objekt wird zum Subjekt, das Subjekt zum Objekt. Es geht zwar vordergründig um eine wehrlose Kunstskulptur, diese erwacht aber nun ausnahmsweise zum Leben.

Der Film mit dem vielversprechenden Titel Genesis (Schöpfung) führt uns in das Medium des Heimvideos ein. Eine Gartengesellschaft beim Grillen. Fröhliche Zeiten scheinbar. Ein Mann und eine Frau, vielleicht die Gastgeber. Die Frau ist schwanger, das Bild friert in einem fröhlichen Moment ein, der Film verbrennt und wieder sehen wir den undarstellbaren weißen Tunnel aus Licht, der uns in das unbekannte Leben nach dem Tod einführen soll.

Wir wechseln zu einem Bildhauer, der kunstvoll das tote Auge einer weiblichen Statue mit Hammer und Meißel bearbeitet. Er geht über zur Mundpartie und man merkt, dass er ein Meister der Skulptur ist. Getragene poetische Klänge führen uns in die Welt der schönen Kunst. Kein Leichenschauhaus diesmal. Tut gut. Der Mann raucht, während er arbeitet. Das Objekt ist eine nackte Frau, die sich um den Bauch fasst. Der Mann scheint jener Mann von der Gartenfeier. Die Frau könnte die Schwangere sein. Nur ist das Kunstwerk nicht schwanger.

Der Mann berührt die Frau. Andere Kunstwerke im Atelier zeigen seine gekonnte Arbeit. Vielleicht ist da auch ein totgeborenes Kind. Es sind in Trauer verzerrte Gesichter. Im Hintergrund sehen wir Fotos der Schwangeren. Sie scheint tot zu sein - oder ihn zumindest verlassen zu haben. Der Mann bedeckt die Statue mit einem Leintuch und macht Feierabend.

Dann eine Rückblende, die sich in einem belastenden Alptraum darstellt. Ein Autounfall. Nehmen wir also an, dass die Frau tot ist und das ungeborene Kind ebenfalls. Cerdá spielt mit unserer Erinnerung ja wie mit einem Sieb, das wir von unten auffüllen müssen. Der Mann erwacht.

Wieder sehen wir den Künstler bei der Arbeit. Doch dieses Mal ist etwas anders. Während der Mann die Statue mit seinen Händen abtastet, fließt eine rote Flüssigkeit herab. Schockiert sieht der Mann seine Statue an. Aus der linken oberen Schulter fließt so etwas wie Blut. Schnell greift der Mann zu einer Lupe. Die Musik wird dissonanter. Mit einem Schlauch spritzt er die Statue ab und säubert sie. Beinahe zärtlich und romantisch wird die Szenerie musikalisch untermalt.

Nur nochmal zur Erinnerung: wir befinden uns dieses Mal nicht in einem Leichenschauhaus, sondern in einem Atelier. Die Abfolge der Ereignisse ist aber durchaus mit denen in Aftermath zu vergleichen.

Aber es hilft nichts. Das Wasser säubert zwar, aber die Statue blutet weiter. Der Mann stürzt in sich zusammen. An immer mehr Stellen zeigt sich das Blut, das bekanntlich Leben bedeutet, wie wir seit Bram Stokers grandioser Horrorvision namens Dracula gelernt haben. Auch hier geht es ein bisschen um Vampirismus. Die Skulptur scheint brüchig zu werden. Sie beginnt zu leben.

Wieder der Traum vom Unfall. Dieses Mal ist es der Mann selbst, der im zerstörten Auto liegt. Wieder erwacht er. Was ist Traum, was ist Realität?

Langsam wird es unheimlich. Wieder dissonante Klänge. Nun bemerkt der Mann an sich eine Veränderung. Beim Waschen fallen ihm Veränderungen an seiner Haut auf. Eine Art Verkrustung. Vielleicht nur ein Ausschlag? Vielleicht. Der Mann geht in der Nacht zur Skultpur. Sie hat einen offenen Rücken, an der Stelle, an welcher der Mann die Verkrustung hat. Wieder getragene Klänge, verlorene Liebe, der Tod und die Unausweichlichkeit der Vergangenheit. Der Mann nimmt seine Geliebte in den Arm und weint.

Nun beginnt die Transformation. Der Körper des Mannes verändert sich, während sich das Material der Skulptur ebenfalls verändert. Künstler und Kunstwerk scheinen sich auszutauschen. Der Mann wird zu Stein, schlägt sich selbst mit dem Meißel in den Oberschenkel. Untemalt wird das mit ätherischer Musik, nahezu jenseitig. Der Mann besieht sich die alten Fotos. Es ist die Unausweichlichkeit des Todes, der Tod in der Fotographie, im Film und in der Kunst. Fotos: Spione des Todes.

Der Mann projiziert das Heimvideo auf die Statue, während er mehr und mehr versteinert. Die Statue scheint zu lächeln. Bis zum Ende hin wird der Zuschauer eine Verwandlung erleben, die nur in der Kunst zu Hause ist. Der Mensch und das Kunstwerk zeigen sich als ein Objekt und doch als unvereinbar. Die Schöpfung bleibt dem Menschen nicht vorbehalten. Er bleibt derjenige, der stirbt. Gott und der Mensch werden nie wieder vereint. Die letzte Träne ist aus Stein. Das Opfer bleibt.

Auch hier führt uns Nacho Cerdá in die elementare Welt des Lebens und des Todes ein, wie der Profession, der Perversion und vor allem der Kunst. Wir erinnern uns an die Metamorphosen von Ovid und die Legende von Pygmalion, der mit lüsternen Frauen schlechte Erfahrungen gemacht hat und sich in die Bildhauerei flüchtete. Seine Elfenbeinstatue Galatea liebt er so sehr, dass er sie mit Hilfe der Liebesgöttin Venus zum Leben erweckt und sogar ein Kind mit ihr zeugt. Cerdá zeigt uns aber den umgekehrten Galatea-Mythos. Der Mensch (und Mann) tritt zwar als Schöpfer auf, dessen Kunstwerk lebendig wird, aber Galatea und er wechseln die Plätze. Es sind Der Golem, Der Sandmann oder auch Freddy, Michael und Jason, die sich ins Leben zurückarbeiten. Ob mit Messer oder bloßer Faust, bleibt egal. Ein künstlerischer Horrorfilm, zweifelsohne.

Cerdá zeigt uns die innere Versteinerung des Künstlers, für den der Tod eines geliebten Menschen bedeuten kann, dass er selbst versteinert, während die Projektion auf die Kunst jene Liebe zeigt, die darin hineingegeben wird. Man kann den Titel Genesis doppelt lesen: entweder ist es der Mann, der seine schwangere Frau in einem Autounfall verliert und der über die Kunst in sie hineinstirbt, oder es ist der Mann, der im Autounfall umkommt und den die Frau über die Kunst zur Skultpur wiedererweckt, während sie selbst psychisch wieder lebendig wird.

Komplexe Angelegenheiten also, die uns Nacho Cerdá da mal wieder grandios dargestellt liefert. Sein Stab ist aber auch allererste Garde. Die Spezifaleffektes sind von RHK, Pep Tosar spielt den Künstler und ist uns allen noch als gewisser Rechtsmediziner aus Aftermath bekannt und Trae Houlihan spielt seine Frau, Muse und die Statue. Der Soundtrack stammt dieses Mal vom guten "Ludi" van Beethoven, wie ein gewisser Alex aus A Clockwork Orange sagen würde, der mit seiner "Mondscheinsonate" mal wieder das Haus rockt, gepaart mit dem Oboen-Konzert des spanischen Komponisten Luis Cobos.

Wieder einmal beschert uns Nacho Cerdá ein filmisches Meisterwerk, das seinesgleichen sucht und es ist wirklich schade, dass dies Cerdás lange Zeit letzter Film bleiben wird.

Denn am Ende ist das wahre Kunstwerk dasjenige der Frau. Und die Frau bleibt die einzige Schöpferin.

10/10
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Kommentare

21.10.2018 17:33 Uhr - Nubret
1x
User-Level von Nubret 8
Erfahrungspunkte von Nubret 940
Wie immer saubere Arbeit!

Werde mir aber zuerst den Vorgänger anschauen. Falls der mir zusagt, landet dieser Titel sicher auch in meinem Player.


21.10.2018 21:52 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.641
Ui, von dieser "Fortsetzung" wusste ich noch gar nichts! Klingt auf jeden Fall nach einer leichter verdaulichen Visualisierung, in künstlerischer/philosophischer Hinsicht aber nochmal nach 'ner Schippe drauf! Tolle Waldhüttenbesprechung, in der man regelrecht versinkt beim Lesen! Wow!

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