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Der Texaner

(Originaltitel: The Outlaw Josey Wales)
Herstellungsland:USA (1976)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Western
Alternativtitel:Rebel Outlaw: Josey Wells, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,10 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Missouri Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der Bürgerkrieg geht dem Ende zu. Am Rande dieser brutalen Auseinandersetzung fallen Redlegs-Guerillas unter Captain Terill über die friedliche Farm von Josey Wales her. Joseys Frau und sein Sohn werden brutal getötet, er selbst schwer verwundet, die Farm dem Erdboden gleichgemacht. Josey schwört Rache.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                            DER TEXANER

Der amerikanische Western hatte seinen Zenit in den Siebzigerjahren längst überschritten. Und obwohl das Genre als Kassengift galt, gelang es Clint Eastwood, der sich lieber auf seine eigene Nase und weniger auf Prognosen und Marktforschung verließ, in dieser Zeit mit Der Texaner nicht nur einen seiner besten Filme als Schauspieler und Regisseur vorzulegen, sondern auch einen großen Erfolg an den Kinokassen zu landen.

Der Texaner basiert auf dem Roman The Rebel Outlaw: Josey Wales (Alternativtitel: Gone To Texas) von Forrest Carter, der zunächst in einer Auflage von nur 75 Exemplaren erschien. Eastwood gefiel das Buch so sehr, dass er einen Teil seines eigenen Geldes in den Kauf der Filmrechte investierte. Er ließ ein Drehbuch von seiner Vertrauten Sonia Chernus, die den Star erst auf den Roman aufmerksam gemacht hatte, anfertigen. Da Clint Eastwood nach Im Auftrag Des Drachen (1975) wenig Lust verspürte, erneut als Hauptdarsteller und Regisseur zu fungieren, übertrug er die Regie Phil Kaufman (Die Körperfresser Kommen, 1978), der Mitte der Siebziger noch am Anfang seiner Karriere stand; er überarbeitete auch das Drehbuch. Die Zusammenarbeit der beiden stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Obwohl Clint Eastwood den Texaner nicht inszenieren wollte, wollte er aber trotzdem die totale Kontrolle über das Projekt, so dass Eastwood seine Vorstellungen bezüglich des Personals durchsetzte – so bestand Eastwood auf Kameramann Bruce Surtees (Dirty Harry, 1971) und setzte gegen den Willen des Regisseurs Sondra Locke (Dirty Harry Kommt Zurück, 1983) für die Rolle der Laura Lee durch. Zum Eklat kam es dann während der Dreharbeiten, als deutlich wurde, dass Eastwoods und Kaufmans Vorstellungen davon, wie man Regie führt, so weit auseinandergingen, dass eine Zusammenarbeit unmöglich wurde. Eastwood, der den Texaner auch produzierte, feuerte Kaufman und nahm selbst auf dem Regiestuhl Platz. Gedreht wurde u.a. in Utah, Arizona und Wyoming. Zur Besetzung gehörten u.a. Chief Dan George (Little Big Man, 1970 / Häuptling der Tsleil-Waututh Nation am Burrad Inlet in British Columbia), Bill McKinney (Die Letzten Beißen Die Hunde, 1974), John Vernon (Dirty Harry, 1971), Paula Trueman (Annie Hall, 1977), Geraldine Keams (The Car, 1977) und Sam Bottoms (Apocalypse Now, 1978).

Josey Wales (Clint Eastwood) ist ein einfacher Farmer, bis seine Frau und sein Kind während des Amerikanischen Bürgerkriegs von Nordstaatensoldaten ermordet werden. Um den Mord an seiner Familie zu rächen, schließt sich Wales einer Gruppe von Guerillakämpfern der Südstaaten an und wird zum berüchtigten Revolverhelden. Nach dem Krieg soll Wales´ Truppe amnestiert werden, doch dieser weigert sich, an der Zeremonie teilzunehmen. Die richtige Entscheidung, denn Josey Wales´ Kameraden werden vor ihrer Amnestie ermordet. Ihm gelingt zwar die Flucht, doch von nun an hat er Kopfgeldjäger am Hals und der Durst nach Rache ist noch nicht gestillt…

Der Texaner ist nicht nur einer von Clint Eastwoods besten Filmen, sondern auch ein zeitloser Klassiker der Filmgeschichte, in dem Regisseur und Schauspieler Eastwood dem Publikum einerseits gab, was es von ihm erwartete, andererseits aber auch neue Wege beschritt. So ist der Gesetzlose Josey Wales deutlich an den „Mann ohne Namen“ aus Sergio Leones Dollar-Trilogie (1964-1966) angelehnt. Er verfügt nicht nur über ähnlich schnelle Abzugsfinger, sondern wird auch ähnlich cool in Szene gesetzt („Jetzt holt sich der Teufel sein Frühstück...“) ...statt Zigarillos konsumiert Wales aber Kautabak, was für etliche witzige Momente sorgt. Durch den (kurzen) Einblick in Josey Wales´ Familienleben bekommt die Figur jedoch etwas mehr Hintergrund, so dass der Outlaw nicht zum reinen Abklatsch früherer Eastwood-Westernfiguren verkommt. So bietet die Figur des Josey Wales mehr Möglichkeit zur Identifikation als mit einem namenlosen Fremden, der aus dem Nichts auftaucht, aufräumt und hinterher schnell und spurlos verschwindet. Interessant ist auch, dass Clint Eastwood als Josey Wales erstaunlich viel Dialog hat – seine „Wort vom Leben“-Rede dürfte das bis dahin längste Stück Text gewesen sein, das Eastwood je in einem Film gesprochen hat. Der Texaner zeigt somit eindrucksvoll, dass der Josey Wales - Darsteller schauspielerisch gereift ist, ohne sein Publikum vor den Kopf zu stoßen.

Aber nicht nur Clint Eastwood kann vor der Kamera überzeugen. Es ist vor allem Chief Dan George, der den Texaner sehenswert macht. Seine gemeinsamen Szenen mit Eastwood sind mit trockenen, pointierten Dialogen geradezu gespickt. Und diese Dialoge basieren nicht nur auf dem exzellenten Drehbuch des Films – da Chief Dan George zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits auf die Achtzig zuging, hatte er Probleme, sich seinen Text zu merken, weshalb Eastwood es George gestattete, seine Dialoge zu improvisieren, was dem Film – in Zusammenhang mit der Tatsache, dass Dan George ein Häuptling war – zusätzliche Authentizität verleiht. Ohne Chief Dan George wäre Der Texaner deutlich weniger wert.

Auch der Rest der Besetzung macht seine Sache mehr als gut. Paula Trueman und Sondra Locke überzeugen in ihren Rollen als Großmutter und Enkelin ebenso wie es Sam Bottoms als Wales´ junger Begleiter tut. Erwähnenswert ist auch Geraldine Keams – Angehörige der Navajo Nation – in der Rolle der Squaw Little Moonlight, die ebenfalls einige hervorragende, im Gedächtnis bleibende Szenen hat. Die Nebendarsteller Bill McKinney und John Vernon, die man auch aus anderen Eastwood-Filmen kennt, spielen ihre Rollen ebenfalls überzeugend.

Bezüglich des Plots weiß Der Texaner ebenfalls Altbewährtes mit Neuem zu verbinden. Im Kern ist Eastwoods fünfte Regiearbeit eine klassische Rachegeschichte, wie sie auch aus einem Italowestern stammen könnte. Und dennoch ist Der Texaner viel mehr. Der Spätwestern ist auch ein Film über Familie und Zusammenhalt. Den ganzen Film über wird Josey Wales – typisch Eastwood – als Einzelgänger präsentiert, der sich allein durch´s Leben schlagen will. Doch je mehr er versucht, allein zu bleiben, desto mehr Leute schließen sich ihm an, die irgendwann zu einer Art Familie werden. Darunter auch Menschen, die sich wie er außerhalb der Gesellschaft bewegen (müssen) wie z.B. das ausgestoßene Vergewaltigungsopfer Little Moonlight. Und nach und nach lernt auch der vernarbte Guerillakämpfer im Rachemodus wieder, dass es ohne Unterstützung einfach nicht geht und dass es gut ist, eine Quasi-Familie im Rücken zu haben, und seien ihre Mitglieder noch so verschroben.

Eine weitere erfrischende Komponente ist die Darstellung der Indianer in Der Texaner. In vielen US-Western werden die Ureinwohner Amerikas oft als grausame, primitive Barbaren dargestellt, die sich kaum artikulieren können und es ausschließlich auf die Skalps der Weißen abgesehen haben. Der Texaner dagegen geht deutlich respektvoller mit den Indianern um, z.B. in der Szene, in der Chief Dan George in seiner Rolle davon berichtet, wie man die Indianer „zivilisiert“ hat. Und Wales´ Begegnung mit Häuptling „Ten Bears“ widerspricht dem Bild vom mordlustrigen Indianer ebenfalls. Der Texaner weist also durchaus sozialkritische Aspekte auf, die sich auch in der Darstellung der Gesellschaft nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg widerspiegelt.

Außerdem verfügt Der Texaner über eine gute Portion Humor, die sich vor allem in den bereits erwähnten, trockenen Dialogen zeigen („Wenn ich mal jemanden mag, ist er nicht lange da.“ „Ich habe festgestellt, wenn du jemanden nicht magst, ist er auch nicht lange da!“). Dabei ist der Humor des Films keineswegs albern oder unpassend, weshalb er den grundsätzlich dunklen Ton der Geschichte nicht zunichte macht. Er zeigt einfach, wie vielseitig das Der Texaner-Drehbuch ist.

Auch inszenatorisch ist Der Texaner hervorragend gelungen und zeigt, dass sich Eastwood auch als Regisseur weiterentwickelt hat. Die zahlreichen, abwechslungsreichen Landschaften und Kulissen werden von Eastwood ebenso mitreißend in Szene gesetzt wie die zahlreichen Actionszenen. Bei den Revolverduellen hat sich der Regisseur für einen direkten, rauen Ansatz entschieden. Im Gegensatz zu den Sergio Leone-Western, in denen sich die Gegner minutenlang belauern, ehe geschossen wird, fallen die Schusswechsel hier schnell, hart und ohne „ausufernde Ankündigung“ an, was einem Film wie dem Texaner auch besser zu Gesicht steht. Zudem sind die Actionszenen in Der Texaner, die teilweise nicht gerade zimperlich sind, gut über den Film verteilt.

Der Texaner ist ein durchweg brillanter Western, der trotz seiner Spieldauer von 136 Minuten keinen Leerlauf aufweist und auch heute noch erstklassig unterhält. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, der wider Erwarten an den Kinokassen ein großer Erfolg war: Allein in den USA spielte der 3,7 Millionen Dollar teure Film über 31 Millionen ein, womit Eastwood seinen Starstatus vor und hinter der Kamera einmal mehr unterstrichen hatte.

10/10
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Kommentare

14.10.2018 16:57 Uhr - Pratt
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Tolles Review zu einem grandiosen Film!!! Obwohl der Film immer schon ab 16 war hat er auch einigen Härten mit an Bord. In weiteren Rollen sind unter anderem noch Will Sampson, Sheb Wooley & die zum "Eastwoodgefolge" gehörenden Matt Clark & John Quade zu sehen.

14.10.2018 17:44 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für das Lob und die Ergänzung!

14.10.2018 17:55 Uhr - Nubret
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Schöne Besprechung mit interessanten Hintergrundinfos.

Und der Film ist natürlich auch klasse.

14.10.2018 18:06 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank!

14.10.2018 20:39 Uhr - TheRealAsh
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Wie auch das Review von Kollege Horace, hast auch du mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Gute Rezis kann es ja auch meist nie genug geben und brilliant trifft es bestens!

14.10.2018 21:30 Uhr - Punisher77
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Merci, Ash!

15.10.2018 07:13 Uhr - Intofilms
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Mein Lieblings-US-Italo-Western (so nenne ich das mal). Brillante Rezi mit detaillierten Infos, fantastisch! ;D

15.10.2018 08:28 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank! Deine Bezeichnung finde ich passend :-).

15.10.2018 10:48 Uhr - JasonXtreme
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Tolle Rezi! Die 10 teile ich nicht ganz, aber ne richtig gute 8 lass ich gerne springen!

15.10.2018 14:13 Uhr - Ghostfacelooker
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Jeder Satz ein Treffer, aber hey vom Punisher sollte man auch zielgenaues Formulieren erwarten können^^

15.10.2018 18:14 Uhr - Punisher77
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Danke für Eure Kommentare - das geht runter wie Öl ;-).

15.10.2018 19:22 Uhr - NoCutsPlease
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Puni ist (mal wieder) DER Tipplieferant für einen zünftigen Herrenabend! :)

15.10.2018 20:09 Uhr - Horace Pinker
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Wie von dir gewohnt hochkarätiges, sehr informatives und lesenswertes Review, well done Punisher! Bekanntlich mag ich Der Texaner auch sehr, da passt einfach von dem klasse Schauspiel Eastwoods, über die differenzierte Darstellung von Indianern und Südstaaten bis zu den (insbesondere für einen PG Film recht harten) Actionszenen einfach alles perfekt zusammen.

28.10.2018 01:49 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Amigos!

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