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Ein Bulle sieht rot

(Originaltitel: Condé, Un)
Herstellungsland:Frankreich, Italien (1970)
Genre:Krimi
Alternativtitel:Blood On My Hands
Cop, The
Eiskalt und ohne Gnade
Uomo venuto da Chicago, L'
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Barbesitzer Roger Dassa mag saubere Geschäfte und verweigert dem mächtigsten Drogenboss Frankreichs die Zusammenarbeit. Da ein Nein in der kriminellen Unterwelt nicht akzeptiert wird, schickt ihm der "Mandarin" seine Schläger auf den Hals, die ihn kurzerhand vom Dach eines Parkhauses werfen. Nach Dassas Tod übernimmt seine Schwester Hélène die Geschäfte und erhält prompt Besuch der gefürchteten Handlanger. Als auch sie sich weigert, der französischen Mafia beim Verkauf der Drogen zu helfen, prügeln sie die Schläger bewusstlos und verwüsten die Bar. Dan Rover und Viletti, zwei alte Freunde von Dassa, wollen sich für den Tod ihres Freundes und die Attacke auf dessen Schwester auf altmodische Art revanchieren und statten dem Mandarin einen blutigen und bleihaltigen Besuch ab. Auf ihrer Flucht kreuzen sie die Wege der beiden Polizisten Barnero und Favenin. Die Begegnung von Gut und Böse endet für Barnero tödlich und in Favenin brennen die Sicherungen durch. Angetrieben von blinder Wut nach Rache begibt er sich im Alleingang auf die Suche nach den Mördern seines Freundes und schreckt dabei auch vor drastischen Methoden wie Mord, Folter und Falschaussagen nicht mehr zurück.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von nubret:

Ich muß zugeben, daß ich bis auf DOG DAY-EIN MANN RENNT UM SEIN LEBEN und diesem Streifen hier bisher keinen weiteren Film von Yves Boisset gesehen habe. Mit der Verfügbarkeit interessanter Titel wie DER RICHTER, DEN SIE SHERIFF NANNTEN sieht es hierzulande, dank einer fragwürdigen Veröffentlichungspolitik, leider auch ziemlich mau aus.

Sehr schade, denn sein bereits 1970 entstandener UN CONDE hat mir richtig gut gefallen. Wäre dieser harte Rache-Krimi nicht bereits ein Jahr vor Don Siegels Meisterwerk entstanden, könnte man sogar von der französischen Antwort auf DIRTY HARRY sprechen. Mit dem kleinen Unterschied, daß der hier portraitierte Inspector Favenin (beeindruckend: Michel Bouquet) noch weitaus weniger Spaß versteht als unser aller Lieblings-Bulle Harry Callahan.

Deshalb kann ich auch die eher durchwachsenen Kritiken zu diesem großartigen, eiskalten Thriller keinesfalls nachvollziehen. Yves Boissets tiefschwarzer, passenderweise fast nur bei Nacht spielender Streifen ist ein Musterbeispiel für den knallharten, modernen Film Noir, der seine Nähe zu den Werken Jean Pierre-Melvilles (VIER IM ROTEN KREIS) kaum verleugnen kann.

Der Kneipenbesitzer Roger Dassa (Pierre Massimi) will sich nicht vom mächtigen Unterweltboß Mandarin,  der ihn für seine Drogengeschäfte mißbrauchen will, vor den Karren spannen lassen. Seine Unnachgiebigkeit bezahlt er schließlich mit dem Leben. Seine Schwester Helene (Francoise Fabian/BELLE DE JOUR) übernimmt alsbald die Geschäfte, was wiederum die Handlanger von Mandarin auf den Plan ruft. Nachdem sie die Bar verwüstet und die Frau brutal mißhandelt haben, ist das Maß endgültig voll. Zwei befreundete Gangster, Dan Rover (Gianni Sartana Garko) und Viletti (Michel Constantine/DER MANN AUS MARSEILLE), verüben ein Attentat auf den Gangsterboß, das dieser nicht überlebt. Durch einen unglücklichen Umstand findet bei dieser Aktion auch der Polizist Barnero (Bernard Fresson/FRENCH CONNECTION 2) den Tod.

Dessen Freund und Kollege Favenin (Michel Bouquet), wegen seiner rüden Methoden strafversetzt, macht von nun an unnachgiebig Jagd auf die Schuldigen. Er entfacht dabei eine Spirale aus Folter und Mord, die den Methoden der Verbrecher in nichts nachsteht. Obwohl sein Vorgesetzter (Adolfo Celi/FEUERBALL) ihm dabei so gut es geht den Rücken freihält, kündigen sich auch für ihn bald bitterste Konsequenzen an.

Am bemerkenswertesten an UN CONDE ist das herausragende Spiel des Hauptdarstellers Michel Bouquet. Sein Inspector Favenin wirkt auf den ersten Blick wie der absolute Biedermann, der absolut kein Wässerchen trüben kann. Seine weichen Gesichtszüge, die gepflegte Garderobe und die unglaubliche Ruhe, die er in jeder Situation ausstrahlt, erinnern eher an einen Steuerberater als an einen knallharten Bullen. Umso härter trifft den Zuschauer die absolute Kaltschnäuzigkeit, die er an den Tag legt, wenn er nicht aussagewillige Gangster entweder foltert oder auch gleich erschießt.

Auch in diesen Extremsituationen scheint er jedoch niemals die Ruhe zu verlieren, was ihm eine ungeheure Bedrohlichkeit verleiht. Fast schon sympathisch wirkt dagegen Gianni Garko als Gangster mit Herz, der den Tod von Barnero weder gewollt, noch selbst den Abzug gedrückt hat. Ebenso überzeugend agieren Michel Constantin und Francoise Fabian, die perfekt in ihre Rollen passen. Mein Namensvetter Serge (DER PROFI) ist übrigens in einer Nebenrolle zu sehen. Und obwohl er weitaus weniger muskulös ist als ich, macht er dennoch eine recht gute Figur.

Trotz einiger Härten, die dem Film in Zusammenhang mit der Selbstjustiz-Thematik einst die Indizierung einbrachten, ist Boissets UN CONDE eher ruhig inszeniert. Seine düsteren Bilder (Kamera: Jean-Marc Ripert), gepaart mit der stimmigen Musik von Antoine Duhamel (DER GEKAUFTE TOD) rücken ihn dann auch eher in die Nähe der alten französischen Meister als in die von Charles Bronsons DEATH WISH-Vehikeln.

Dennoch hatte der Film bei den Zensurbehörden einen schweren Stand. Da in Frankreich gerade eine heiße Debatte um Polizeigewalt und Korruption entbrannt war, war Boissets Streifen den Machthabenden sogleich ein Dorn im Auge. Er war für mehrere Monate verboten und durfte erst nach diversen Kürzungen wieder aufgeführt werden. Der deutsche Verleih Constantin warb daraufhin explizit für seine angeblich ungekürzte Fassung, die sich jedoch schon bald als Reinfall entpuppte. Denn leider waren die verfügbaren Rollen ebenfalls gekürzt. Besonders interessant ist die italienische Exportfassung, bei der Vincenzo Tomassi die Finger im Spiel hatte. Diese enthält eine alternativ gedrehte Szene, die die Auswirkungen von Gianni Garkos Foltermartyrium noch etwas drastischer zeigt.

Abschließend muß ich erneut eine Empfehlung aussprechen. Yves Boissets UN CONDE ist ein toll gespielter und inszenierter Noir-Film, der sich mit den Mechanismen von Gewalt und Gegengewalt auseinandersetzt. Seine Kritik an Polizeigewalt und Korruption verleiht ihm dabei eine weitere,  auch heute noch hochbrisante Facette. Nebenbei ist er das interessante Psychogramm eines im Grunde gutherzigen Mannes, dessen Durst nach Rache und Gerechtigkeit ihn sämtliche Grundregeln der Zivilisation über Bord werfen lässt.

Freunde des anspruchsvollen Thriller-Kinos können ohne Bedenken zugreifen.

Ungekürzt von Motion Pictures  (inklusive der italienischen Export-Fassung).

 

 

9/10
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Kommentare

20.10.2018 08:19 Uhr - Insanity667
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Da Italofranzösische (oder Franzoitalienische?) Rachereißer in ihrer Brisanz und den oft kontroversen Inhalten fast immer einen Blick wert sind, selbst wenn man auch mal in exploitative Gefilde abrutschen kann, könnten die Hobby-Dirty-Harrys und Teilzeit-Bronsons Südeuropas hier sicher auch zünden. :) Ich bin auf jeden Fall angefixt!

Muskulöse Besprechung! Ganz fein, Nubi! ;)

20.10.2018 09:35 Uhr - Nubret
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Dankeschön, mein Lieber.

Dir wird der Film ganz sicher zusagen!

Noch etwas Werbung in eigener Sache: In Deiner "Abwesenheit" habe ich eine Besprechung zu Hitchcocks "Frenzy" verfasst. Da Du ein ziemlicher Fan und Experte auf diesem Gebiet bist, wäre Deine Meinung dazu sehr interessant für mich. Ist zwar jetzt etwas dreist von mir, aber vielleicht hast Du ja Lust, mal reinzuschauen.

20.10.2018 09:47 Uhr - Insanity667
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Ach was, das ist überhaupt nicht dreist. ^^ Danke für den Hinweis, werd ich mir am Wochenende auf jeden Fall mal einverleiben! :)

20.10.2018 19:32 Uhr - gorgiday
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Geil wird gesichtet. Alleine schon wegen dem Cover, wenn dann noch Worte wie Death Wish und Dirty Harry fallen sofort wishlisteintrag. Bei sowas muss ich immer an einen Kumpel denken. „Irgendwann hat man einfach alle wichtigen Filme gesehen“, wird bei mir leider nie der Fall sein. Danke für den Tipp

21.10.2018 12:16 Uhr - Nubret
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Gerne!

Aber dein Kumpel wird so manche Perle verpassen.:)

21.10.2018 17:46 Uhr - TheRealAsh
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Da muss ich auch sagen, dass gorgidays Freund nicht recht hat. Ich weiß, dass ich nie alle wichtigen Filme gesehen haben werde. Allein das, was du grade kredenzst, Nubi, sind schon wieder Sachen, die ich unbedingt sehe möchte. Geil geschrieben, geile Auswahl, geiler Nubi XD

Zum Folgefilm sage ich nichts, da mir der unsympathisch ist ;-)

21.10.2018 18:10 Uhr - Nubret
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Ui, das nenn ich mal ein dickes Lob, Ash!

Freu Dich schon mal auf meine Nummer 100..

Und daß Du den anderen Titel nicht magst, ist durchaus verständlich.

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