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le Samouraï
Level 3
XP 102
Eintrag: 27.10.2018

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Suspiria

Herstellungsland:Italien, Deutschland (1977)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Dario Argento's Suspiria
Suspiria - In den Krallen des Bösen

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,69 (117 Stimmen) Details
inhalt:
Die junge Ballett Tänzerin Suzy kommt aus den USA nach München, um dort an einer angesehenen Schule Tanz zu studieren. Als sie dort ankommt, beobachtet sie ein junges Mädchen, das aus der Schule flieht, um dann aber später in der eigenen Wohnung auf mysteriöse Art und Weise ermordet zu werden. Doch auch Suzy kommt die Schule zunehmend merkwürdig vor. Die Lehrerinnen führen ein hartes Regiment, nachts hört man seltsame Geräusche und etwas schleicht nachts durch den Schlafsaal. Suzy forscht den merkwürdigen Vorgängen nach und findet langsam aber sicher heraus, dass das Haus an sich eine unheimliche Geschichte hat und eine dunkle Macht beherbergt.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von le samouraï:

​SUSPIRIA  -  Argentos  Alptraum-märchen  in Technicolor

 

Der tiefrote Schlafsaal, die labyrinthischen Gänge, die Escher'sche Optik, Spiegel, Fenster

Der 1977 erschienene Horrorfilm Suspiria von Dario Argento (Profondo Rosso, 1975) zählt zu den herausragendsten Arbeiten des italienischen Genrekinos. Er ist vor allem durch seine Befreiung filmischer Erzählkonventionen sowie seine rauschhafte Gothic-Ästhetik im Technicolor-Look bekannt. Wesentlich beeinflusst wurde Argento durch die Arbeiten von Mario Bava (Blutige Seide, 1964) und dem Deutschen Expressionismus (Robert Wienes Cabinet des Dr. Caligari, 1920).

Die junge Amerikanerin Suzy (Jessica Harper) reist an die renommierte Tanzakademie in Freiburg im Breisgau, um ihr Ballett zu perfektionieren. Bald jedoch wird sie mit mysteriösen Ereignissen konfrontiert - ein Mädchen (Eva Axén), das sie in der Nacht ihrer Ankunft beobachtete, wird ermordet aufgefunden. Die herrischen Leiterinnen (Alida Valli, Joan Bennett) führen ein strenges Regiment und dulden keine Nachforschungen. Suzy versucht auf eigene Faust, dem Geheimnis des Gebäudes auf die Spur zu kommen ...

Argentos Verknüpfung mit übernatürlichen Elementen nach einigen mustergültigen 'Gialli' ist offensichtlich: So betritt die Protagonistin, als sie am Flughafen München-Riem ankommt, bereits eine unerklärliche Traumwelt. Zeichen verkünden drohendes Unheil, das laute Unwetter, die vom Regen umfluteten Straßen und der flüsternde Wind. Die Taxifahrt zur Tanzschule präsentiert dabei paradigmatisch das tiefe Eindringen in eine ganz und gar fremde Welt - tiefenpsychologisch motiviert - in einer Reihe von expressiven Farbeindrücken. Selbst die Kommunikation misslingt zunehmend: Wörter und Satzfetzen werden abgebrochen, missverstanden, abgelöst. Die Sprache hat ihre Bedeutung verloren in dieser märchenhaften Zeichenwelt, sie ist sinnentleert und machtlos gegenüber der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit. Das ist Kino in seiner reinsten Form (cinéma pur); die absolute Verselbstständigung des Mediums, auf primordiale Affekte des menschlichen Empfindens abzielend. Auslieferung und Vereinnahmung. Den avantgardistisch eingesetzten Möglichkeiten der Kamera (Luciano Tovoli) sind somit keine Grenzen gesetzt. 

Suspiria bedient sich Motiven der schwarzen Romantik, insbesondere des Märchens. Suzy's Erscheinung erinnert unweigerlich an das Bild Schneewittchens, dunkles Haar, blasse Haut, große Augen. Als "unschuldige Heldin" muss sie durch das Labyrinth der Tanzakademie, um im Ende die 'Schwarze Königin' Helena Markos zu stürzen. Des Weiteren ist der Film durchzogen von matriarchalen Strukturen. Das fängt schon bei der Namensgebung der Hexe als "Mutter" (mater) an. Suzy's Aufbegehren gegen eine solche Figur wird im traditionellen Märchen als Gut-Böse-Konflikt subsumiert. Magie ist überall  - wird ihr geraten, Aberglaube sei nur eine Verdrängung des Irrationalen. Wie Alice aus Alice im Wunderland, muss sie lernen, sich im Wunderland zurechtzufinden. Ironischerweise zeigt die Front der Schule eine Gedenktafel Erasmus von Rotterdamms (1469 - 1536), einem Vertreter der Vernunft und des humanistischen Denkens, 

Die entscheidenden Komponenten in Argentos psychedelischem Alptraum sind Bild und Ton. Der peitschende Goblin-Soundtrack und die Bilderflut aus bizarrer Architektur, ausgiebig zelebrierten Mordszenen machen Suspiria zu einem Ausnahmewerk der Filmkunst. Die leuchtenden Primärfarben rot, blau und grün überlagern und trennen sich scheinbar willkürlich. Mithilfe des aufwändigen Technicolor-Dye-Transfer Verfahrens (zuvor verwendet beispielsweise in The Wizard of Oz, 1939) kommt dies deutlicher zum Vorschein. Argento schafft ein sur-reales, ja kindlich-naives Paralleluniversum jenseits von historischer Präzision. Das Drehbuch entwarf er gemeinsam mit der damaligen Partnerin Daria Nicolodi, wobei persönliche Anekdoten genauso einflossen wie Schauergeschichten bzw. europäischer Folklore. Es entstand ein unnachahmbares Filmerlebnis, dessen bedrohliche Atmosphäre bis heute nachhallt.

Ein Märchen sondergleichen. Seine konsequente Absage an narratives Kino ist sowohl in der direkten Fortsetzung Inferno (Feuertanz - Horror Infernal, 1980) als auch z.B. in Lucio Fulcis Über dem Jenseits (L'aldilà / The Beyond, 1981) evidenter Bestandteil: ihre Performanz, d.h. theatrale (ephemere) Darbietung ist der wahre Anreiz der filmischen Inszenierung. Diese Sequenzen werden im "Filmkörper" nicht weiter kontextualisiert, sondern wirken gerade durch ihre Stimulation der Sinne. Beispielhaft ist die Blindenhund-Szene am Münchner Königsplatz, der bereits durch seine einschüchternde (Monumental-)Architektur besticht. Ausleuchtung, Kamerabewegung und -perspektiven suggerieren eine unsichtbare Bedrohung für den Pianisten Daniel (Flavio Bucci) und dessen Schutztier. In einem einzigartigen Spektakel wird der nächtliche Platz zum Leben erweckt, als sich ein steinerner Adler offscreen selbst erhebt...

10/10 

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Kommentare

27.10.2018 17:27 Uhr - Nubret
2x
User-Level von Nubret 9
Erfahrungspunkte von Nubret 1.077
Trotz ihrer Kürze ist Deine Besprechung sehr aussagekräftig und unterhaltsam. Mit Worten kannst Du wirklich sehr gut umgehen!

Wenn Du noch ein wenig mehr auf den technischen Aspekt und die Darsteller eingehen würdest, wäre die Sache perfekt. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Alles in allem eine prima Arbeit!

27.10.2018 17:50 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von sonyericssohn 7.473
Nicht übel, Herr der Schwerter !
Immer weiter so ! ;-)

27.10.2018 19:20 Uhr - Intofilms
1x
Brillante Rezi! Hier geht es, genau wie du sagst, gerade nicht um Erzählen im herkömmlichen Sinn, um Logik und Rationalität. Nein, natürlich nicht. Hier geht es einzig und allein um Emotionen! Die surrealen Bilder und Klänge sind da natürlich sehr förderlich.

27.10.2018 19:20 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 14
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.423
Viele zutreffende Feststellungen in sprachlich ansprechender Aufbereitung - gerne mehr davon!

Die Stärken des Films sehe ich gerade nicht in der psychischen und physischen Härte, die über Standards nicht hinausgeht, sondern in der von Dir zu Recht hervorgehobenen audiovisuellen Aufbereitung. Für mich funktioniert "Suspiria" vorzüglich als selbstzweckhaftes Kunstwerk aus morbiden Motiven, aber nur sehr bedingt als Horrorschocker. Für eine 10 von mir müsste beides passen;-)

28.10.2018 23:10 Uhr - TheRealAsh
1x
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Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.283
Wirklich voll auf den Punkt!

Hab gestern den Soundtrack zum Remake gekriegt und das ist schon gut, aber doch sehr gewöhnungsbedürftig. Warten wir ab, das Original ist wirklich ein kunstvolles Märchen der schwarzen Romantik.

28.10.2018 23:17 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.641
Wirklich herausragende Arbeit! "Suspiria" ist ein hervorragendes Beispiel für Argentos Königsdisziplin des Geschichtenerzählens. Nicht mit Darstellern, Dialogen oder Handlung, sondern mit Emotionen die durch die fabelhaften Bilder und den präzise eingesetzten Sound den Zuschauer fesseln. Hier stimmt einfach alles, von der meisterhaften Kameraarbeit bis zum Gänsehautscore von Goblin.

Dem anstehenden Remake stehe ich sehr skeptisch gegenüber, mir sieht das so blass und nichtssagend aus... Der Trailer lässt nichts erahnen, was ich an Argentos Werk so schätze. Ich glaube in der Hinsicht kann nichts "Masks" toppen, und das Original sowieso nicht, keine Frage.

29.10.2018 00:05 Uhr - le Samouraï
2x
User-Level von le Samouraï 3
Erfahrungspunkte von le Samouraï 102
Danke fürs Feedback :) !

Das Original wird in der Tat nicht zu schlagen sein, es heißt allerdings, Guadagnino würde im Remake eine andere Richtung einschlagen - nicht nur visuell, sondern auch thematisch: RAF, geteiltes Berlin, etc. Es könnte also durchaus ein selbstständiges Werk werden ...

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